BADMEN with a good behavior

 
  • Deutscher Titel: BADMEN with a good behavior
  • Original-Titel: BADMEN with a good behavior
  • Alternative Titel: BADMEN (with a good behavior) | BADMEN with a good behavior - Benimm dich, oder sie vertrimm'n dich! |
  • Regie: Loco Meisenkaiser
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 2018
  • Darsteller:

    Patrick Hoffmann (John Ferinio), Loco Meisenkaiser (Jack Mauser), Holger Düsterhöft (El Krokodil), Tristan Heynen-Bizjak (Dr. van Edkill), Georg Menzel (Captain Chuck Bronswood), Florian Schönecker (Torben Denver), Ludger Op de Hipt (The Puppetmaster), Kitty (Miss Kittka), Sam Hawaii (Inspector Atze Crimescene), Martin Henschel (Erzähler „Roadkill’em All“)


Vorwort

Der Amateurfilmer hat es nicht leicht, will er ein abendfüllendes Werk zustande bringen. Es braucht nicht nur eine Geschichte und zündende Ideen, die in einem Skript verwurstet werden wollen, sondern auch den unbedingten Willen, den nun folgenden Wust aus Beschaffung, Überzeugung, Produktion und Nachbearbeitung dann auch tatsächlich durchzuziehen. Für Freaks wie den deutschen Feld-, Wald- und Wiesenfilmemacher natürlich Ehrensache. Vielleicht am wichtigsten sind die Ressourcen, die es anzuzapfen gilt. Neben dem Equipment aus Kamera und Mikrofon, einigen Requisiten wie Setausstattung, Body Props und Klamotten, eine Make-up Abteilung und jeder Menge Kunstblut sind es besonders die Human Ressources, die schwer zu beschaffen und bei der Stange zu halten sind. Seien es Kabelträger, Brötchenschmierer, richtige Darsteller in Sprechrollen, Weiber, die ihre Euter in die Kamera halten, oder einfach nur Statisten – wenn kein Geld im Spiel ist, obliegt es dem Filmemacher, seine Cast und Crew bei Laune zu halten, und das zum Teil über Jahre hinweg. BADMEN WITH A GOOD BEHAVIOR befand sich, von der fixen Idee bis zum fertigen Film, sage und schreibe von 2005 bis 2018, also stolze 13 Jahre, in der Produktion. In der Zeitspanne wurden Kinder geboren und eingeschult, Omi und Opis zu Grabe getragen, Ausbildungen abgeschlossen, Jobs angenommen und wieder gekündigt, Freundschaften gingen auseinander, Flüche gen Himmel gerichtet und in jeder Minute, die einem Arbeitgeber und Familie gelassen haben, für den eigenen Traum geschuftet. Und wenn es dann endlich soweit ist, erste Reaktionen zum fertigen Kunstwerk die Geduld, die Anfeindungen und die einsamen Stunden entlohnen… dann schickt man dem Thomas von Badmovies ein Rezi-Exemplar plus Verlosungsmaterial und darf nochmals mehr als ein Jahr warten, bis er sich bequemt, den Film endlich mal zu besprechen. Ich schicke hiermit schon mal meine Entschuldigung an die Macher und unsere Leser voraus. Auch hier auf Badmovies gilt ja: was lange währt, ward endlich gut…


Inhalt

Und wie es sich für einen guten Homemade-Streifen gehört, startet BADMEN WITH A GOOD BEHAVIOR mit einem grandiosen Appetitmacher in der Form von zwei Fake-Trailern im Grindhouse-Stil. ROADKILL’EM ALL handelt von einem Dorfsheriff, der beim Umbau seines Dienstwagens aus Versehen seine Seele an den Teufel verkauft und sich fortan in einen Dämonen verwandelt, immer wenn er Autoabgase riecht. Da wird die Landstraße zum Highway zur Hölle, denn der Wendehammer des Gesetzes prasselt unbarmherzig auf jeden Fußgänger nieder, der das Pech hat, seinen Weg zu kreuzen. Nebenher befindet er sich auch im dauerhaften Clinch mit dem Bösen und auch noch dem anderen Bösen. Im darauf folgenden DON’T TASTE THE BLOOD OF DRACULA werden zwei minderbemittelte Kleinkriminelle losgeschickt, um die letzte Phiole vom Blut Draculas aus Rumänien zu holen. Doch nach einer durchzechten Nacht landet dies im Schlund eines Anhalters und der Vampir bedroht erneut die Welt. Ziemlich angegeilt geht es dann in den Hauptfilm.

Benimm‘ Dich oder sie vertrimm‘ Dich!

In Oldchurch City geht ein wahnsinniger Serienmörder um, der es auf die Hände seiner Opfer, zuerst ein Hand-Double von Mickey Rourke und dann ein Pianist, abgesehen hat. Die Ermittler Ferrinio und Mauser von der Weltpolizei werden auf den Fall angesetzt, für sie ist damit erstmal Schluss mit launiger Eierschaukelei am Schreibtisch, wo sie die Tage mit alkoholgetränkten Kaffee und Diskussionen über Comichelden herumgebracht haben. Die Befunde des patenten Pathologen Dr. van Erdkill liefern keine greifbaren Anhaltspunkte. Doch da der Täter an den Tatorten die Botschaft „Tri-Tra-Trulala, der Kasperle ist wieder da“ in blutigen Lettern hinterließ, gerät zuerst der örtliche Puppenspieler The Puppetmaster ins Visier der beiden unfähigen Kriminaldienstleister von Weltformat. Da aber der nächste Mord geschieht, während ihr vermeintlicher Täter noch in Haft sitzt, entpuppt sich das als Fehlgriff. Der Druck auf die beiden Kesselgucker steigt, nicht nur durch die wachsamen Augen der Öffentlichkeit in Persona des Enthüllungsjournalisten Torben Denver von OCC News, auch ihr Chef Chuck Bronswood macht ihnen mächtig Dampf. Ihre Ermittlungen führen sie zum berüchtigten Gangsterboss El Krokodil, der sich aber weniger als Verdächtiger, sondern Helfer in der Not entpuppt, und dann sogar bis in ihre eigene Vergangenheit. Können Ferrinio und Mauser den Killer stoppen, bevor die Phrase „Hand und Fuß“ ihrer besseren Hälfte verlustig geht, ihr Tatort-Begutachter Inspector Atze Crimescene sich angesichts der vielen entstellten Leichen letztlich totgekotzt hat und die beiden Versager endgültig zum Regeln des Schiffsverkehrs in den Weiten des Weltmeeres verdonnert werden?

Besprechung:

Wer es bis hierhin noch nicht bemerkt, bei BADMEN WITH A GOOD BEHAVIOR handelt sich um einen Trashfilm, ein Gefilde, das von Amateurfilmern weltweit nahezu so gerne beschifft wird, wie das Rumgesuppe mit Kunstblut und Innereien (von ersteren hat der Film im Finale dann auch einiges zu bieten). Diese Art des Filmemachens nimmt sich am laufenden Meter selbst auf die Schippe und gibt sich betont schlecht, unprofessionell und arbeitet sich genüsslich wider den angeblich guten Geschmacks ab. Die berüchtigte New Yorker Klitsche Troma Films kultivierte dieses Genre in den 80ern, hatte damit in Folge der gerade den Videomarkt flutenden Spoof Movies, also Verballhornungen bekannter Vorbilder, einigen Erfolg. Anhand dieses Vorbilds, Troma hantiertete stets mit niedrigen, bisweilen kaum vorhandenen Budgets und gerne mit unerfahrenen Akteuren und Filmemachern (u.a. entsprang der gefeierte Regisseur James Gunn der Troma-Schmiede), arbeiteten sich auch gerne die Scharen an geltungsbedürftigen Homevideo- , Amateur und Jungfilmer ab. Und wieso auch nicht? Dies kam schließlich mit seinen Tugenden der Schlechtigkeit dem Talent und den Möglichkeiten der meisten dieser Möchtegerns entgegen. Ab den 2010ern übernahmen dann die Mockbuster-Produzenten von The Asylum und ließen ihre sechsteilige SHARKNADO-Reihe (2013-18) auf die Menschheit los und versauten mit ihrer generischen und berechnenden Herangehensweise eine ganze Generation. Das Sendeformat SchleFaZ auf Tele 5 trug hierzulande nicht unwesentlich dazu bei.

Aber ich schweife ab, wenn auch nicht ohne Grund. Denn BADMEN WITH A GOOD BEHAVIOR geht solche am Reißbrett entworfene und mit seelenlosem CGI vollgepumpte Fast-Food-Trashkultur vollkommen ab. Stattdessen gibt man sich angenehm oldschool, und das nicht nur wegen der sparsam eingesetzten Filter für den trendigen Grindhouse-Look, die schon lange nicht mehr zum Alleinstellungsmerkmal taugen (wenn sie das je taten). Loco Meisenkaiser und sein Team verließen sich eher auf die Integration von Sets in den eigenen vier Wänden (u.a. die Tatorte), örtlicher Lokalitäten (Turnhalle, Gartencenter, Domina-Studio) und vor allem einer Menge Statisten (die sie wahrscheinlich mit vorgehaltener Waffe zum Mitmachen gezwungen haben). Zudem achtete man auf ein gewisses Maß an Kontinuität, was das Aussehen der wichtigeren Darsteller angeht; hier stören kein Wildwachstum mit sich verändernder Gesichtsbehaarung und den modischen Trends der Zeit angepassten Frisuren, wie es bei Produktionen, die über einen längeren Zeitraum entstanden (siehe bspw. Abel Ferraras Debütfilm DRILLER KILLER), gerne mal der Fall ist. So wirkt der Film als Ganzes gerade optisch sehr homogen, was die Goutierbarkeit schon von vornherein erhöht. Dazu tragen auch die professionelle Musik-Untermalung mit Tracks verschiedener Genres sowie einige Spielereien im Schnitt, wie Splitscreens, Perspektivwechsel und Überblendungen bei. Es hilft schon viel, wenn der Film einen audio-visuell nicht mit Reizen überflutet oder Szenen mit verschiedenen Looks und von verschiedener Bildqualität übergangslos aneinander reiht (hier schiele ich ein wenig gen SKY SHARKS).

Natürlich muss dann auch noch der Inhalt stimmen. BADMEN WITH A GOOD BEHAVIOR wählt hier glücklicherweise den Weg des geringsten Widerstandes, die Story um den Serienmörder dient natürlich nur als roter Faden, wird aber am Ende wenigstens halbwegs plausibel aufgelöst. Das sorgt schon mal strukturell dafür, dass der Film sich nicht (immer) nur als bloße Nummern-Revue anfühlt, der nicht mehr bietet, als die Summe seiner Teile es zulassen würden. Vielmehr gibt man sich Mühe, die Gags in den Fluss der Geschichte einzubinden, so gut es denn eben mit vorhandenen Talent und Mitteln gelingt. Die Mischung gleicht hierbei den vielen Spoof Movies, die es über die Jahre schon gab. Man arbeitet mit Überzeichnungen der Charaktere, absurden Situationen, Anspielungen an Filme, optischen Gags und Dialogwitz, sogar Bezugnahmen auf die im Vorgang gezeigten Fake-Trailer; all das balanciert immer am Rande zum Gaga-Humor und auch gerne mal drüber. Ein schönes Beispiel ist etwas eine Szene, in der Ferrinio und Mauser sich bei ihrem Vorgesetzen Captain Chuck Bronswood zum Rapport melden müssen. Sie sitzen vor seinem übermäßig großen Schreibtisch und lassen sich von ihm anschreien. Doch komischerweise gilt ihr Hauptaugenmerk nicht dem weit aufgerissenen Organ im Gesicht des Captains, sondern einem Kugelschreiber, der auf dem Tisch hin und her rollt, wenn Bronswood mit der Faust auf eben jenen donnert. Erst als sie das Büro verlassen, klärt sich auf, warum – der Kugelschreiber rollt vom Tisch und die dralle Sekretärin kommt herein und bückt sich, um das verwaiste Schreibgerät vom Boden aufzuheben, was dem bärtigen Brüllaffen von Polizeioffizier Gelegenheit gibt, unter ihren Rock zu schielen. Ein Gag, der geradezu lehrbuchmäßig konzipiert und vorgetragen wird. Nur jetzt bloß nicht erwarten, dass dieses Niveau den ganzen Film über gehalten werden kann! Über weite Strecken regiert der, durchaus amüsante, Stumpfsinn, nach der Hälfte schleichen sich auch einige Längen mit ein, die man gerne am Schneidetisch hätte tilgen dürfen. Aber seien wir nachsichtig, denn wer würde nicht zögern, wenn es darum geht, das eigene Baby zu beschneiden? Und da dies bei keinem Amateurfilm fehlen darf, wird im Finale noch einmal das Kunstblut rausgeholt und ordentlich rumgesuppt. Das unterstreicht dann nochmal den Over-the-Top-Gedanken, den der Film auch in seinen Gags frönt und lässt den Gorehound, der sich lange genug gedulden musste, zumindest hier mal zufrieden grunzen.

Schauspielerisch darf man keine Großtaten erwarten. Der Cast setzt sich schließlich aus Laien-, oder im besten Falle Selbstdarstellern zusammen. Patrick Hoffman und Loco Meisenkaiser geben sich als Duo Infernal der weltbehördlichen Verbrechensbekämpfung sichtlich Mühe, gerade durch Mimik das reinzuholen, was in den Dialogen manchmal nicht drin ist. Über weite Strecken hört es sich bei vielen Beteiligten wie abgelesen an, was daran liegen könnte, dass es, meiner Vermutung nach, tatsächlich abgelesen wurde. Gerade in längeren Dialogpassagen ohne Pause oder Monologen kommen die Darsteller auch mal kurz ins Stocken, aber nie so sehr, dass es großartig stören würde. Positiv aufgefallen sind hierbei Georg Menzel als Captain Chuck Bronswood, den ich teils wirklich großartig fand, Florian Schönecker als Reporter Torben Denver, der es noch am besten schafft, seinen Text herunter zu rattern, sowie Kai Hawaii als Inspector Atze Crimescene, der als dauerkotzender Tatort-Ermittler einen netten Running Gag zum besten gibt. Bei der Verhaftung des Puppenspielers ist eine ganze Grundschulklasse als Publikum anwesend und an den Tatorten treiben sich, neben Torben Denver und seinem Team, immer mehr als eine Handvoll Schaulustige herum. Es muss ein Alptraum gewesen sein, das zu koordinieren. Und im Finale bietet der zu bekämpfende Superschurke, dessen Identität an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird, eine gar nicht mal kleine Truppe an Handlangern in Kasperle(oder eher Joker)-Masken auf.

Veröffentlichung:

BADMEN WITH A GOOD BEHAVIOR feierte 2018 beim Indigo Filmfest seine Premiere und erschien auch kurz darauf auf der mir vorliegenden DVD, die den Film in ansprechender Bild- und Tonqualität beheimatet. Die ganz Harten unter euch bestellen sich den Film jetzt auf eben dieser DVD oder der coolen VHS Retro Edition (eine echte VHS, nicht nur eine nachempfundene Verpackung!) direkt bei Dedication Records. Wer sich seiner Cinephilität nicht so sicher ist, kann erst einmal bei YouTube reinschnuppern, wo der Film auf dem Kanal von Gunlover Entertainment zu bestaunen ist.

Fazit:

Eins ist klar, Trashfilme sind nicht für jedermann geeignet. Doch Loco Meisenkaiser und sein Team haben mit BADMEN WITH A GOOD BEHAVIOR einen No-Budget Amateurfilm abgeliefert, der (zumindest über weite Strecken) auch dafür geeignet, so manchen Ottonormal-Filmegucker mal über den gewohnten Tellerrand schielen zu lassen. Der einheitliche Look, der dynamische Schnitt und einige wirklich gelungene Gags machen’s möglich. Am besten genießt man dieses Werk in einer Runde mit Freunden und reicht dazu erfrischende Hopfenkaltschalten in angemessener Menge, dann macht es sicherlich gleich doppelt so viel Spaß. Ich für meinen Teil habe mich gut amüsiert, auch wenn der Film es nicht auf meine All Time Faves-Liste geschafft hat.


BOMBEN-Skala: 8

BIER-Skala: 7


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