Auf die Knie, Django


  • Deutscher Titel: Auf die Knie, Django
  • Original-Titel: Black Jack
  • Alternative Titel: Auf die Knie, Django, und leck mir die Stiefel Django spielt das Lied vom Tod
  • Regie: Gianfranco Baldanello
  • Land: Italien/Israel
  • Jahr: 1968
  • Darsteller:

    Robert Woods (Jack/Django), Lucienne Bridou (Susan), Rik Battaglia (Skinner), Larry Dolgin (Reb), Federico Chentrens (Gordon), Nico Fuscagni (Peter), Mimmo Palmera (Joe), Goffredo Unger (Billy), Sascia Krasciarska (Estelle), Giovanni Ivan Scratuglia (Rodrigo), Dali Bresciani (Julie Skinner)


Vorwort:

Outlaw Django (im Original: Jack) hat mal wieder einen großen Coup geplant, so groß, dass er seine Schwester Estelle und deren Verlobten Peter lieber ganz raushalten will. Allerdings kriegt der Indianer Joe, den Django als Führer ausgekuckt hat, um seine Bande über die mexikanische Grenze zu schleusen, unabsichtlich mit, wo Estelle und Peter die Sache aussitzen sollen.

Der generalstabsmäßig vorbereitete Plan, eine gut gefüllte Bank um das dort deponierte Bare zu erleichtern, klappt wie am Schnürchen, doch am vereinbarten Treffpunkt wartet eine böse Überraschung auf Django. Seine Bande ist nämlich mit der bisher gehandhabten Aufteilung der Beute „1/4 für den Chef, 3/4 für die Bande“ nicht mehr so ganz einverstanden und möchte das an Ort und Stelle gerne mal neu verhandeln. Django verteilt ein paar Backpfeifen, geht mit der gesamten Beute stiften, vertröstet den arbeitslos gewordenen Joe mit einer Sonderprämie und hat nun vor, mit Estelle und Peter den Reichtum zu genießen.

Begreiflicherweise sind Djangos ehemalige Komplizen, angeführt vom rachedurstigen Skinner, von der neuen Entwicklung eher so mittel begeistert. Und da Joe sich als bestechlich erweist, spüren die Halunken unser Trio Infernale auch schnell auf. Dieses Mal gelingt es Django nicht, sich aus der Bredouille zu winden. Er wird gefoltert und sicherheitshalber aufgehängt, dieweil Estelle von Skinner vergewaltigt und von Joe ermordet und skalpiert wird. Peter, der im Verlauf der Kampfhandlungen angeschossen wurde, kann erst helfend eingreifen, als die Bande nebst Kohle wieder über alle Berge ist.

Django verkraftet die ganze Sache nicht ganz so gut – trotz zerschossenem Bein und verkrüppelter Pfote wird blutige Rache geschworen, auch stellvertretend für den vorzeitig verwitweten Peter. Django bringt sich bei, mit der anderen Flosse zu schießen und macht sich auf, die mittlerweile über die ganze Prärie zerstreuten Ganoven aufzuspüren und auf durchaus sadistische Weise umzulegen.

Für Skinner, den letzten Namen auf seiner Todesliste, hat er sich was ganz besonders Fieses ausgedacht. Skinner ist Vater einer hübschen Tochter und die entführt Django kurzerhand, im Wissen, dass der Herr Papa weiß, wer hierfür zuständig ist und wo er denjenigen finden kann…

Inhalt:

Ich erzählen niemandem bahnbrechende Neuigkeiten, wenn ich verrate, dass der Italo-Western, wenn er sich nicht explizit als Komödie verstand, ein Genre ist, in dem Menschlichkeit und Lebensfreude eher nicht so groß geschrieben wurde. Zynismus, Nihilismus, das sind die Adjektive, die sich leichter mit dem Spaghetti-Western in Verbindung bringen lassen. Bei den Italiener geht’s nicht um die heroische Eroberung neuen Lands, sondern um menschliche Abgründe, die Bereitschaft, jeden jederzeit aus jedwedem Grund zu hintergehen und die Gewissheit, dass das alles am Ende des Tages nicht gut ausgehen wird (gerne mal auch mit mit eingebauten politischen Botschaften).

Ebenso keine neue Erkenntnis ist die, dass deutsche Titelverleiher seinerzeit alles und jedem das Etikett „Django“ anhängten (und wenn das selbst einem Teutonen-Verleih zu dreist erschien, eben Ringo oder Sartana), was halbwegs nach Western aussah. Diesen Ersatz-Django inszenierte Gianfranco Baldanello (auch bekannt als „Frank G. Carroll“), den Kollege TomHorn grad erst mit „Mike Morris jagt Agenten in die Hölle“ gewürdigt hat. Baldanello inszenierte mit „Die Mühle der Jungfrauen“ auch einen respektablen Giallo, war aber überwiegend im Western-Genre unterwegs.

Die Story für „Auf die Knie, Django“ verfasste der ansonsten unbeleckte Luigi Ambrosini und im Endeffekt war’s keine große schreiberische Kunst. „Plot“ ist die Sache des Films nicht – wir haben den geglückten Raubzug, den Verrat und die Rache, das alles braucht keine großen storytechnischen Klimmzüge, das ergibt sich alles relativ zwingend, aber auch frei von Überraschungen und ohne großes Charakter-Development.

Was natürlich recht nahe liegt, denn dies ist mal wieder einer der ganz typischen „Scheißwelt“-Filme, in denen niemand zur Identifikationsfigur taugt und sich die Charaktere einzig im Grad der Arschlöchrigkeit unterscheiden. Klar ist Jack/Django „Unrecht“ geschehen (und speziell der unschuldigen Estelle… aber so ist das halt in der Italowestern-Welt – es GIBT keine Unschuldigen, und wenn es sie doch gibt, dann sind sie Opfer), aber seine Methoden stehen denen seiner Peiniger nicht nach, übertreffen sie beinahe noch („Witchfinder General“-Syndrom), so dass sich alles Verständnis, das wir als Zuschauer zunächst für ihn haben mögen (obschon er ja von Anfang an ein recht skrupelloser Gangster ist), rasch verflüchtigt. Dass Jack/Django kein Happy End erleben wird, ist klar – die Frage ist, wer, wenn überhaupt, lebend aus der Sache herauskommt.

Da ist er also wieder, der gute alte Nihilismus – dass der Film dennoch nicht so bedrückend wirkt, liegt wohl daran, dass Baldanello die Sache zwar mit recht blutleer inszeniert. Die Shoot-outs sind zwar ordentlich gestaltet, aber es fehlt – grad in Anbetracht der düsteren Stimmung – die zwingende Härte. So bleibt die memorabelste Szene ein brachialer Zweikampf zwischen Django und Indianer-Joe, der mit Fäusten, Äxten und Möbelstücken geführt wird. Ansonsten ist Baldanellos Stil unspektakulär, halbwegs effektiv, aber wenig psychologisch – Django/Jacks Verwandlung vom jovialen Gangster zum eiskalten Todesengel wird in einer kurzen vielleicht drei-vierminütigen Montage abgehandelt und ist dann einfach als „das Script sagt es so“ zu akzeptieren.

Auf der Habenseite verbucht der Film einen passablen, durchaus antreibenden Score von Coriolano Gori, der sich mit der Beschallung von Mondos einen Namen gemacht hatte und in der Folge einiges an Italo-Western (und u.a. „Zinksärge für die Goldjungen“) musikalisch untermalte.

Recht überrascht, und zwar positiv, bin ich von Robert Woods in der Titelrolle. Zwar gibt ihm das Buch nicht sonderlich starkes Material, aber der Darsteller, den ich zuletzt in „Die jungen Tiger von Hongkong“ nicht sonderlich überzeugend fand, müht sich redlich, dem Charakter Leben einzuhauchen. Woods ist immer noch aktiv und hat gerade mit „Threshold“ einen SF-Thriller abgedreht.

Sein Haupt-Gegenspieler ist der altgediente Italo-Kämpe Rik Battaglia („Todesmelodie“, „Winnetou III“, „Nobody ist der Größte“) als Skinner. Die episodische Struktur insbesondere des Rache-Parts lässt auch ihm nicht sehr viel Gelegenheit, eine individuelle Note in die Darstellung zu bringen. Nino Fosca kann als Peter auch nicht viel Eindruck schinden – ihn sah man später in der siebten Staffel von „Allein gegen die Mafia“. Recht beeindruckend dafür, dass man ihm keine Silbe Dialog gönnte, ist Mimmo Palmara („Hercules“, „Hercules Unchained“) als Indianer Joe. Die Frauen, Lucienne Bridou („Toll trieben es die alten Römer“), Sascia Krusciarska und Dali Bresciani („Django – Die Bibel ist kein Kartenspiel“) sind bestenfalls Plot Device, ansonsten Beiwerk.

Die Best-DVD ist ungeschnitten und präsentiert den Film in akzeptablem Vollbild. Der Ton ist ebenfalls brauchbar (nur deutscher Synchronton). Als Extras gibt’s Filmografien und den Trailer.

„Auf die Knie, Django“ entpuppt sich letztlich als kuckbarer, aber nicht herausragender Italo-Western, dessen zynische Einstellung nicht recht mit der unblutigen Inszenierung harmoniert, und der seine Story ein bisschen zu sehr nach Checkliste abarbeitet. Das vertreibt 90 Minuten lang dezent die Zeit, bleibt aber nicht nachhaltig im Gedächtnis.

(c) 2017 Dr. Acula

  • "Typisch, nix aufgeräumt, und nachher heißt's wieder, der rote Mann wäre dran schuld!"

  • Sympathische Gesellen.

  • Im Wilden Westen funktioniert das mit dem Weihnachtsmann und dem Schornstein etwas anders - da holt Santa die Geschenke AUS dem Kamin.

  • Sleeping on the job - nirgends gern gesehen.

  • Ein Bandit und ein Indianer-Standbild.

  • Doktor Acula empfiehlt: Bei Halsschmerzen die Schlinge um den Nacken abnehmen.

  • Ein Mann und sein Gaul. Wahre Liebe. Kein Wunder, dass man "Pferdeoper" sagt...

  • Eine kleine Spontanexekution von gemeinsamer Hand.

  • "Mmffp. Pffhmmph. Mmmfph!" - "Erich, du weißt doch, dass ich deine Bondage-Spiele nicht mag."

  • Sein Körper für ein Pokerspiel.

  • Klappstuhl war grad nicht greifbar, also hat Joe doch das Kriegsbeil ausgegraben.

  • Skinner - ein gefallenes Männchen.


BOMBEN-Skala: 5

BIER-Skala: 5


mm
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