Anomaly – Jede Sekunde zählt


  • Deutscher Titel: Anomaly - Jede Sekunde zählt
  • Original-Titel: The Anomaly
  •  
  • Regie: Noel Clarke
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 2014
  • Darsteller:

    Noel Clarke (Ryan), Ian Somerhalder (Harkin Langham), Brian Cox (Dr. Langham), Alexis Knapp (Dana), Luke Hemsworth (Agent Elkin), Niall Greig Fulton (Leonid), Michael Bisping (Sergio), Ali Cook (Agent Travis), Art Parkinson (Alex), Reuben Dabrow (Polska)


Vorwort:

Als Ex-Soldat und PTSD-Patient Ryan zu sich kommt, fehlen ihm nicht nur ein paar Monate Erinnerung, er hat auch keine Ahnung, wo er ist. Was sich ihm eröffnet, ist, dass er in Gesellschaft eines zwölfjährigen Jungen ist, der angibt, von Männern in roten Masken, die zuvor seine Mutter erschosesn haben, entführt worden zu sein. Ryan klemmt sich den Steppke unter den Arm und versucht stiften zu gehen, aber auf der Flucht bemerkt er, dass in seiner Jacke eine rote Maske steckt… und wenig später gehen bei ihm die Lichter aus.

Als er wieder erwacht, sind wieder einige Tage vergangen und in Begleitung von Harkham. Nach einigen kommunikativen Missverständnissen eröffnet Harkham dem verblüfften Reeve, dass er via Nanotechnologie „ferngesteuert“ wird und nur, wenn die Verbindung mal gestört wird, sein eigenes Bewusstsein wieder erlangt – aber nur für 9 Minuten 47 Sekunden, bis das System einen Reboot durchgeführt hat.

Über eine Anzahl von „Wachphasen“ sammelt Ryan Informationen und findet heraus, dass er offensichtlich unfreiwillig Mitglied einer Verschwörung ist, die sein Arzt Dr. Langham zwecks Erringung der Weltherrschaft erschaffen hat. Der Steppke ist der Sohn eines russischen Biowissenschaftlers, der an einem Supervirus arbeitet und den Langham für seine Zwecke verwenden will. Überdies hat er sich Ryan aber auch noch Ärger mit der Russenmafia eingehandelt, nachdem er in „kontrolliertem“ Zustand die Nutte Dana beschlafen hat, im „Wachzustand“ allerdings beschlossen hat, sie aus der Knechtschaft bei Sergio zu befreien. Sergio ist eher nachtragend und das vereinfacht die Lage für Ryan, der in seinen kurzen Wachphasen darauf angewiesen ist, so effektiv wie möglich den Plan Langhams zu sabotieren und den Jungen zu retten, nicht wirklich…

Inhalt:

Auf dem Cover prangt groß die Visage von Ian Somerhalder, „sexiest man alive“ (kein schlechter Claim für einen Schauspieler, der eigentlich nie wirklich aus dem B-Bereich ausgebrochen ist), aber in Wahrheit ist „The Anomaly“ very much der Film von Noel Clarke, Produzent, Co-Writer, Regisseur und Star, einem großen Publikum vermutlich als „Mickey the idiot“ aus den ersten beiden Doctor-Who-Neustart-Staffeln bekannt.

Kann man nun als vanity-Projekt sehen, aber das heißt ja nicht automatisch, dass ein schlechter Film dabei rauskommen muss. Die Story ist eine interessante Variante des „nur-x-Minuten/Stunden-Zeit-um-ein-Problem-zu-lösen“-Themas und verschärft sie noch dadurch, dass Ryans Gegner schnell realisieren, was los ist, und Gegenmaßnahmen ergreifen (ein Betäubungsmittel, das automatisch injiziert wird, sobald Ryan wieder er selbst wird) und Ryan sich langsam antrainieren muss, den Reflex, der diese Injektion auslöst, zu unterdrücken. Die Odds sind also ziemlich turmhoch gegen unseren Helden aufgetürmt, und er braucht nicht nur Improvisationsgabe, die Fähigkeit zum Bluffen und seine militärische Ausbildung, sondern auch einen Verbündeten – was nicht einfach ist, wenn man nach zehn Minuten geistiger Freiheit wieder zum gedungenen Mörder wird… (und neben seinen Kontrolleuren und Sergios Mob hat Ryan auch noch Probleme mit CIA-Agenten, deren Weg er immer wieder kreuzt und die natürlich wenig empfänglich für Geschichten sind, wie Ryan sie erzählt).

Clarke inszeniert das rasant und ausschließlich aus Ryans Perspektive – wie er müssen wir uns als Zuschauer die Zusammenhänge und Hintergründe der Operation, in die er geraten ist, aus diesen Bruchstücken peu-a-peu zusammensetzen. Da ist ordentlich spannend und wird auch immer wieder durch gekonnte Action-Zweikampf-Einlagen gewürzt, in denen Clarke zeigt, dass er auch als Action-Held einiges drauf hat.

Ein leichter SF-Einschlag durch futuristische Gadgets und Waffen bringt ebenfalls Frohsinn, es stört allerdings der arg aufdringliche und viel zu laut abgemischte Score.

Der Cast ist für eine B-Produktion nicht zu verachten – Clarke macht sich, wie gesagt, gut als Actionheld, Ian Somerhalder ist sein eleganter fieser Hauptgegner, Luke Hemsworth spielt einen zur übertriebenen Gewalt- und Folteranwendung neigenden Agenten, Brian Cox („Planet der Affen: Prevolution“, „R.E.D. 2“) den Kopf der Organisation. Als Sergio sorgt UFC-Champion Michael Bisping für MMA-Expertise.

„The Anomaly“ mag im Ende kein Film sein, der das kinematische Universum aus den Angeln hebt, aber ein unterhaltsamer SF-Action-Mystery-Klopper, der optisch gehobenen Ansprüchen genügt, originell genug ist, um als „fresh“ durchzugehen, und von einem soliden, gut aufgelegten Cast getragen wird. Ich frag mich wieder einmal (und werde mich das wieder fragen, wenn ich mich durch einen „SXSW-Favoriten“ quäle) – warum läuft sowas nicht auf dem FantasyFilmFest?

3,5/5
(c) 2017 Dr. Acula


mm
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