Anacondas – Die Jagd nach der Blut-Orchidee

 
  • Deutscher Titel: Anacondas - Die Jagd nach der Blut-Orchidee
  • Original-Titel: Anacondas: The Hunt for the Blood Orchid
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  • Regie: Dwight H. Little
  • Land: USA
  • Jahr: 2004
  • Darsteller:

    Johnny Messner (Bill Johnson), KaDee Strickland (Sam Rogers), Matthew Marsden (Dr. Jack Byron), Nicholas Gonzales (Dr. Ben Douglas), Eugene Byrd (Cole Burris), Salli Richardson (Gail Stern), Morris Chestnut (Gordon Mitchell), Andy Anderson (John Livingston), Karl Yune (Tran)


Vorwort

Tief im tropischen Regenwald von Borneo gedeiht die geheimnisvolle Blutorchidee, die nur alle sieben Jahre lang für ein paar kurze Wochen blüht. Clevere Pharmakologen um Dr. Jack Byron haben herausgefunden, dass die Blüte dieser Orchidee einen Wirkstoff enthält, der den Alterungsprozess der Zellen aufhält – ein „Jungbrunnen“. Weil die Investoren auf baldige Ergebnisse drängeln und die Blütezeit bald vorbei ist, wird hastig eine Expedition zusammengetrommelt, die nach Anbruch der Regenzeit auf Bill Johnsons marodem Kutter in den Dschungel schippert, um Proben für die weitere Forschung zu sammeln. Schnell wird klar, dass Byron den Erfolg der Expedition aus schlichten monetären Erwägungen der Sicherheit ihrer Teilnehmer vorzieht. Kaum ist das Boot einen Wasserfall hinuntergestürzt und hin, beschliessen seine nervenschwachen Kollegen, die Expedition abzubrechen. Aber Byron hat andere Pläne und die Tatsache, dass einer seiner Gefährten von einer hungrigen Riesenschlange aufgefuttert wird, tangiert ihn diesbezüglich eher peripher. Ist auch echt zu dumm, dass die Blütezeit der Orchidee mit der Paarungszeit von Riesen-Anacondas zusammenfällt…


Inhalt

Man darf sich natürlich schon mal fragen – war es nötig, sieben Jahre nach dem von allen Beteiligten (und auch den meisten Zuschauern) erfolgreich verdrängtem Luis-Llosa-„Spektakel“ mit J.Lo. Anaconda ein ungefragtes Sequel nachzulegen? Prinzipiell eher weniger, denn das finanziell zwar einigermaßen einträgliche erste Dschungelspiel (damals in Südamerika angesiedelt, während der neue Film nunmehr in Südostasien spielt, was aber die Flora und Fauna nicht daran hindert, mehr oder weniger identisch zu sein) wurde kritikerseits berechtigt mit Spott und Häme überzogen. Allerdings ist der Doc der maßgeblichen Ansicht, dass es gar nicht genug Filme mit irgendwelchen Riesenmonstern geben kann und wenn schon UFOs letztes Erzeugnis Boa vs. Python die sprichwörtlichen monkey balls saugt, macht’s ein Majorstudio wie Columbia, auch mit einem für dortigen Verhältnisse eher moderaten Budget von 25 Mio. Dollar vielleicht besser.

Wie üblich bei derartigen Unterfangen ist ersichtlich der kleinste Anteil des Budgets aufs Drehbuch verschwendet worden – und das, obwohl laut Vorspann die drei Original-Anaconda-Writer Story-Credit abstauben und nicht weniger als vier weitere hauptamtliche Drehbuchautoren genannt werden. Es wundert nicht, dass viele Köche den Brei verderben und einmal mehr bei einer inflationären Anzahl von Drehbuchautoren und damit einhergehend wohl etlichen Rewrites das Buch letztendlich wirkt wie bei „Scripts-R-Us“ aus dem Baukasten zusammengestellt. Ein Klischee jagt das nächste, praktisch jede „Entwicklung“ des Plots ist meilenweit vorhersehbar, die einzigen „Überraschungen“ erlaubt sich die Geschichte im body count (der ist erstens nämlich recht spärlich und zweitens in der Auswahl teils verwunderlich). Das klassische Evil-Capitalist-Schema wird wieder mal bis zum Erbrechen durchexerziert, gelegentlich entbehren die Handlungen der Beteiligten Sinn und Verstand – kurzum, es ist ein wirkliches B-Monster-Movie ganz klassischen Zuschnitts. Dazu passt auch, dass das titelgebende Monster verhältnismäßig wenig Screentime hat. Würde nicht eine kurze Prologsequenz und eine weitere kurze, von den menschlichen Protagonisten unbeobachtete Szene folgen, man könnte den Film bis ungefähr Halbzeit für einen relativ „normalen“ Abenteuerfilm halten. Insoweit vielleicht ganz gut so, denn die CGI-Schlangen (jau, es gibt ein ganzes Rudel davon) sind zwar besser als bei UFO, aber auch nicht immer absolut auf der Höhe der Zeit (ich weiß, bei dem lächerlichen Portokassen-Budget von 25 Mille muss man irgendwo Abstriche machen).

Ein großes Manko des Films ist allerdings, dass er nicht wirklich sympathische Charaktere hat – außer Flußkapitän Bill Johnson (und seinem einheimischen Gehülfen-Jackel, aber der zählt net), der aber auch nicht der zentrale Held der Plotte ist (die Rolle wird Jacks Gspusi Sam Rogers zugeschanzt), ist keiner der Expeditionsteilnehmer wirklich einer, den man gern im Freundeskreis auf’n Bier einladen würde (ganz besonders, was comic-relief-Charakter Cole und Ersatz-J.-Lo. Gail angeht). Der eindeutig netteste Geselle im Cast ist zweifellos Bills zuckersüßes Haustier-Äffchen Kong, den Rest kannste in der Pfeife rauchen. Nicht, dass ein Film wie dieser zwingend ausgearbeitete Charaktere bräuchte, aber wenigstens sollten einem nicht fast alle Beteiligten grundsätzlich unsympathisch sein…

Obwohl das ganze Treiben nicht wirklich spannend wird, macht es der geneigten Zielgruppe, also denjenigen, die goofy monster movies mögen, einen ordentlichen Batzen Fun – der Streifen langweilt keine Sekunde, hat gelegentlich ganz nette one-liner zu bieten und besticht durch immer wieder gern gesehene monumentale Landschaftsaufnahmen. Regisseur Dwight Little, der dereinst Halloween 4, das vielleicht beste Franchise-Sequel inszenierte und mit Free Willy 2 schon mal filmische Erfahrungen mit großen Tieren sammelte, inszeniert den Streifen schnörkellos (mehr als ein bissl Monster-POV gibt’s an handwerklichen Mätzchen nicht), geradlinig, aber mit ordentlich Drive. Charakterszenen, in denen Little ein bissl das Tempo ausgehen würde, gibt’s kaum – wenn mal langwieriger Dialog bewältigt wird, bemüht man sich um eine selbstironische Note. Horror ist die Sache des Films natürlich nicht – das ist ein familienkompatibler Film (PG-13, FSK 12), und in einem solchen legt der Regisseur weniger Wert auf Suspense und Scares. Die Schlangen-Attacken werden durchaus antelegrafiert und sind getreu dem Rating nicht explizit; der Streifen bleibt recht unblutig (und für die blutigsten Szenen sind mit Sicherheit keine Tiere verantwortlich, weder monströs noch normal).

Natürlich ist ein Film wie Anacondas auch kein großes Schauspielerkino – während der erste Teil ja durchaus mit Leuten wie J.Lo., Jon Voight, Eric Stoltz und Ice Cube namhaft besetzt war, ist’s im Sequel schon nicht mal mehr die zweite Garde, die sich durch den Dschungel kämpft. Johnny Messner gab sich dereinst in Nu Images Operation Delta Force-Reihe (Teil 4) die Ehre und war, was Großproduktionen angeht, in Tränen der Sonne und The Whole Ten Yards am Start. Seinen Flußkapitän spielt er cool, mit sparsamer Mimik, aber ziemlich effektiv. Für KaDee Strickland prägte mein Co-Kinogänger razor das Prädikat „Aushilfs-Cameron-Diaz“. Das beleidigt aber doch schon die gute Cameron, denn anstelle eines strahlenden Lächelns hat KaDee hauptsächlich weit aufgerissene Augen zu bieten. Strickland (zu sehen auch in The Grudge und The Stepford Wives) absolviert sozusagen die klassische Final-Girl-Rolle ohne größere schauspielerische Ambition (klar, mit Monsterfilmen verdient man sich keine Oscars). Matthew Marsen (Black Hawk Down) gibt einen hübsch psychopathischen Bösewicht ab, den man mit Freuden persönlich an die nächstbeste Killerschlange verfüttern möchte, Eugene Byrd ist ein weiteres Paradebeispiel für extrem unlustigen comic relief (auch wenn er zumindest die Vorlage für einen guten Gag liefert und für ein lausiges Tie-in zum Vorgänger gebraucht wird), kann allerdings auch daran liegen, dass man jive-talkende Schwarze halt in OV-Vorstellungen wirklich schlecht versteht… Zu sehen war Byrd u.a. in 8 Mile. Salli Richardson könnte man in ihrer Rolle als zickige Hysterikerin (oder hysterische Zicke, je nach Gusto) schon fast als beabsichtigt-fiese J.Lo-Karikatur sehen (in dem Fall spielt sie die Rolle aber wirklich gut…). Richardson war in Antwone Fisher zu sehen. Morris Chestnut schließlich agiert recht souverän in einer nicht wirklich gehaltvollen Rolle. Ihn kennt der Allesseher aus Half Past Dead oder G.I. Jane.

Fazit: Anacondas ist, wie nicht anders erwartet, kein Film fürs Hirn (wer selbiges bei der Fortsetzung eines Schlangenhorrorfilms erwartet, ist aber entweder heilloser Optimist oder sowieso ohne Brägen auf die Welt gekommen), macht aber durchaus Spaß. Der Film ist konsequent doof (nichts anderes erhofft sich aber der geneigte Konsument), über weite Strecken vorhersehbar (dito), aber nonstop unterhaltsam und flott inszeniert. Puristen könnten sich vielleicht etwas mehr Schlangen-Action, mehr FX und (splädda!!!) mehr Blut erhoffen, ändert aber nichts daran, dass der Streifen erstaunlicherweise erheblich mehr rockt als der sieben Jahre alte Vorgänger. Macht Laune, sollte von Genrefans möglichst noch im Kino abgegriffen, zumindest aber für DVD vorgemerkt werden.


mm
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