A Blade in the Dark


  • Deutscher Titel: Das Haus mit dem dunklen Keller
  • Original-Titel: La casa con la scala nel buio
  •  
  • Regie: Lamberto Bava
  • Land: Italien
  • Jahr: 1983
  • Darsteller:

    Andrea Occhipinti (Bruno), Anny Papa (Sandra), Fabiola Toledo (Angela), Michele Soavi (Tony), Valeria Cavalli (Katja), Stanko Molnar (Giovanni), Lara Lamberti (Julia)


Vorwort:

Ein neuer Auftrag für den jungen Filmkomponisten Bruno – für Drehbuchautorin und Regisseurin Sandra soll er ihren neuen Horrorfilm scoren. Für Bruno ist das Genre Neuland, aber das ist Sandra ganz recht, denn sie will keinen 08/15-Soundtrack, sondern etwas besonderes, das die Anspannung, Aufregung und Furcht in ihrem Film angemessen akustisch umsetzt (also einen 08/15-Horror-Score. Pah). Damit der Musiker in die rechte Stimmung kommt, mietet er sich mitsamt seinem Studio-Equipment für einen Monat in einer abgelegenen, dafür aber um so größeren Villa, die dem Ölmillionen einstreichenden Vater seines Kumpels Tony gehört, ein. Die Einsamkeit und Creepyness der Villa soll's bringen. Außer dem leicht unheimlichen Caretaker Giovanni, der in einer kleinen Hütte in der Nähe haust, sollte niemand Brunos kreative Säfte stören können.

Sollte. Als er seine Aufnahmen abhört, bemerkt er eine wispernde Frauenstimmer auf dem Band, die von einem „Geheimnis“ einer gewissen Linda flüstert, das niemand wissen dürfe. Seltsam, aber so wird es gemurmelt. Am gleichen Abend fällt ihm aus einem Wandschrank Katja entgegen. Das Mädel kunftet aus, eine Freundin der Vormieterin des Gemäuers, einer gewissen Linda – aha! - , zu sein. Was nicht zwingend erklärt, was sie im Schrank getrieben hat, aber Bruno nimmt das unerlaubte Eindringen in seine Privatsphäre nicht weiter krumm. Vielleicht hätte er sie aber doch nach Hause begleiten sollen, denn Katja fällt noch im Garten der Villa dem Killer mit dem Teppichmesser, der zuvor schon, zu Brunos mittelmäßigem Erstaunen, die Titten-Seite eines Magazins aufgeschlitzt hat, in die Hände. Bruno entdeckt Blutspuren – was ihn verständlicherweise gelinde erschreckt.

Seine Freundin Julia, ihres Zeichens Theater-Aktrice, die überraschend vorbeikommt, hält die Geschichte von einem möglichen Gewaltverbrechen für ziemlich blöd und interessiert sich stärker dafür, warum Bruno sich mit fremden Frauen trifft. Gut, dass sie nicht mitbekommt, dass Bruno schnell neuen Frauenbesuch bekommt – dieses Mal von Angela, Katjas Mitbewohnerin und ebenfalls Linda-Freundin. Von Katja hat sie nichts gehört oder gesehen, macht sich dahingehend aber keine großen Sorgen. Bruno erlaubt ihr großmütig, den Pool seiner Mietvilla zu benutzen, dieweil er von Sandra zu einer Besprechung in die Stadt gerufen wird – Bruno hofft, bei der Gelegenheit endlich die letzte Rolle des Films sehen zu dürfen, alldieweil dies praktisch wäre, um einen Score dafür zu komponieren. Während Bruno vergeblich auf Sandra wartet, wird Angela im Badezimmer der Villa brutal ermordet.

Als Bruno zurück kommt, entdeckt er erneut eine kleine Spur eines möglichen Verbrechens, eine fraglos von einem Messer ins Mobiliar getriebene Kerbe. Tony kann zu dem Mysterium und dem Verbleib von Linda wenig aussagen, außer, dass einige ihrer Habseligkeiten noch in einem verschlossenen Kellerraum lagern. Sandra kommt zu Besuch, und sie will die Möglichkeit eines Doppelmordes nicht unbedingt ausschließen, außerdem erinnert der Name Linda sie daran, dass ihr Film auf wahren Begebenheiten aus ihrer Kindheit und einem Mädchen namens Linda basiert. Ob das Zufall ist? Als die Beiden den Kellerraum aufbrechen und u.a. eine randvoll mit Tennisbällen gefüllte Kiste entdecken, will Sandra an keinen Zufall mehr glauben. „Ihre“ Linda war von Tennis besessen. Mitten in den schönsten Kriegsrat dringen Geräusche eines Eindringlings ans Ohr der tapferen Hobby-Ermittler und in der Tat schleicht eine Gestalt mit einem Messer durchs Haus. Bruno nimmt seinen Mut zusammen und konfrontiert den Messerschwinger – doch der ist nur Julia, die sich selbst in Gefahr wähnte und deswegen bewaffnet hatte.

Die Ereignisse überschlagen sich – Giovanni entdeckt in die Leichen von Katja und Angela und wird prompt mit einem Schraubenschlüssel erschlagen und der mißtraurische Bruno findet heraus, dass Julia ihn über ihr Theaterengagement angelogen hat...

Inhalt:

1980 drehte Lamberto „Sohn von Mario“ Bava den recht erfolgreichen „Macabre – Die Küsse der Jane Baxter“ und drehte anschließend jahrelang Däumchen, weil ihm trotz seines Pedigrees und seiner erwiesenen Fähigkeiten keine weiteren Projekte angeboten wurden.

Hilfe nahte in Person von Dardano Sarchetti, dem gefürchteten Drehbuchautoren, mit dem Bava befreundet war (auch wenn das in gewisser Weise eine Hassliebe ist, weil Bava mit Sarchettis „der erste Draft ist der beste“-Einstellung nicht zurecht kommt). Der wiederum hatte einen Produzenten als Bekannten, der sich gerade eine teure Villa gekauft hatte, um diese in einer Serie von preisgünstigen Horrorfilmen als Set/Location zu verwenden – vermutlich eine Reaktion auf den Erfolg von „Tanz der Teufel“, der in Italien als „La Casa“ lief und eine ganze Generation italienischer Produzenten zur Herstellung in irgendwelchen Häusern/Villen/Hütten spielenden Filmen bewegte. Sarchetti überredete Bava, den Regiejob zu übernehmen – phasenweise sollte das Projekt eine TV-Miniserie werden: ein Vierteiler von insgesamt zwei Stunden Laufzeiten, der praktisch ausschließlich in der Villa spielen sollte, mit nur wenigen Außenaufnahmen und der Maßgabe, dass zum Ende jeder der dreißigminütigen Folgen ein Mord geschehen sollte. Am Ende wurde es doch ein Kinofilm, doch seine Genesis als episodisches TV-Projekt ist dem Endresultat noch deutlich anzumerken.

Sarchettis Story, die er zusammen mit seiner frequenten Co-Schreiberin Elisa Briganti in Drehbuchform brachte, hat eine ganz interessante Prämisse, und das sogar auf mindestens zwei Ebenen; aber wie das bei Sarchetti, der zweifellos ein produktiver, aber selten ein „guter“ Autor ist, ist die Grundidee besser als die ausformulierte Geschichte, denn letztlich machen Sarchetti und Briganti aus den Aufhängern ihrer Story recht wenig. Weder der Gedanke, dass der „Film-im-Film“ auf Ereignissen basiert, die gleichzeitig auch Auslöser/Motivation für die Untaten sind, noch die ungewöhnliche Profession des Protagonisten tut letztlich entscheidend etwas zur Sache. Was, auch im Hinblick auf den zuletzt genannten Punkt, schade ist, denn die erste Viertelstunde scheint in die Richtung zu deuten, als wäre Brunos Komponistentätigkeit ein existentieller Bestandteil der Geschichte – wenn Bruno auf seinem Band die geheime Botschaft „unter“ seiner Komposition entdeckt (ohne dass wir jemals erfahren würden, wie die da drauf kommt) oder das Ticken eines Metronoms mit dem Zuschlagen einer geöffneten Tür korrespondiert, könnten wir auf die Idee kommen, in Geräuschen, Musik oder Rythmen versteckte Informationen könnten für den Film wichtig werden, der Film also so etwas wie eine Splatterversion von Antonionis „Blow Up“ oder wenigstens de Palmas „Blow Out“ werden. Aber weit gefehlt, diese Meta-Ebenen bleiben unerforscht, zugunsten einer ziemlich konventionellen Slasher-Abhandlung. Kann auch unterhaltsam sein, klar, aber die Chance, sich etwas vom üblichen Genre-Einerlei abzusetzen, wird vertan.

Die Geschichte arbeitet stark mit Suspense – als Zuschauer haben wir immer den Wissensvorsprung, dass wir die Mordtaten sehen dürfen, während Bruno bis ins Finale hinein im Dunklen tappt, ob nun wirklich Morde geschehen sind oder das alles nur in seiner durch die Atmosphäre der Villa und die Beschäftigung mit dem Horrorfilm ausgelöste Einbildung ist. Auch damit könnte man sicherlich arbeiten, aber so wahnsinnig viel fällt Sarchetti da auch nicht ein. Bruno mit den Nebencharakteren diskutieren zu lassen, ob er sich die Vorgänge nur einbildet, schlägt nur Zeit tot und erweckt nicht wirklich „Zweifel“ (zumal wir ja wissen, dass die Morde tatsächlich stattgefunden haben und damit nicht wirklich Ambivalenz aufkommen kann). Das Problem ist sicherlich die noch der TV-Vorgabe geschuldete Struktur „alle halbe Stunde ein Kill“ - zwischen diesen apostrophierten Höhepunkten kann und darf sich halt schlechterdings nicht viel ereignen. Die Auflösung des Mysterys ist dann, das kann man wohl so sagen, ziemlich an den Haaren herbeigezogen und alles andere als psychologisch oder sonstwie glaubwürdig, die Figuren, soweit wir sie „Charaktere“ nennen können, uninteressant. Bruno hat überhaupt keine Persönlichkeit, von der er wüsste, Katja und Angela sind lediglich Schlachtvieh, und alle anderen auftretenden Charaktere sind red herrings, von denen wir uns nur in unterschiedlichem Maße fragen dürfen, ob sie für die Täterposition in Frage kommen oder nicht, ohne dass man uns echte Anhaltspunkte dafür liefern würde, warum sie die Morde begehen sollten.

Nun, auch die Geschichten, die Mario Bava verfilmte, waren oft genug nicht sonderlich clever, aber Bava, der Ältere, war nun mal ein visionärer Regisseur, der mit seinem Auge für geniale Bildkompositionen und dem Gespür für den Einsatz von Farbe auch einer dünnen Story Beine machen konnte. Gemäß meiner These von der Nicht-Vererbbarkeit künstlerischer Fähigkeiten ist Lamberto aber eben nicht sein Vater. Lamberto Bava ist ein brauchbarer Handwerker, aber kein Künstler, kein „auteur“, der jedem Film seinen persönlichen Stempel aufdrücken kann. Ich will nicht behaupten, „jeder“ hätte „A Blade in the Dark“ so machen können, wie Lamberto Bava es tat, aber eine individuelle Note, eine eigenständige Handschrift kann er dem Film nicht verleihen. Sicher, die produktionsbedingten Einschränkungen des geringen Budgets und des erzwungenen Klebens an der Hauptlocation sind Limitierungen, mit denen man erst mal zurecht kommen muss, vor allem, wenn man bei seiner dritten Regiearbeit nach „Schock“, wo er mit seinem Vater zusammenarbeiten konnte, und seinem ersten Solowerk „Macabre“, bei dem er mehr Freiheiten hatte, nicht unbedingt daran gewöhnt ist. Die Inszenierung ist gelegentlich schon träge, die Optik – eingefangen von Gianlorenzo Battaglia („Dämonen“, „Interzone“, „Die Barbaren“) - nicht besonders einfallsreich. Lediglich zwei Sequenzen fallen als besonders gelungen aus dem Rahmen: die stalking-Sequenz, die zur Entdeckung Julias führt, und der Mord an Angela, der durch seine außergewöhnliche Brutalität so gar nicht zum Restfilm, der vergleichsweise zurückhalten in seiner Gewaltdarstellung ist, passen will, dafür aber, so ungefähr pünktlich zur Halbzeit, als willkommener Hallowach-Moment fungiert. Den ganzen Film durchzieht eine ordentliche Portion Misogynie, was aber speziell für den italienischen Genrefilm kein Alleinstellungsmerkmal darstellt...

Die Härten sind, wie gesagt, eher spärlich gesetzt und an Wirkung kann es keine andere Szene mit dem Badezimmermord an Angela aufnehmen. Eher fragt man sich, ob die gezeigten Mordmethoden wirklich praktikabel sind – ich kaufe notfalls, wenn auch mit Gewissensbissen, noch einen Mord per Teppichmesser (also die, die ich kenne, brechen oft genug schon ab, wenn man ein Band Tesafilm durchschneiden will), aber kann man wirklich jemanden mit 35-mm-Film erwürgen? Wenn ich an die Reißfreudigkeit der beim B-Film-Basterds vorgeführten Rollen denke, die schon beim ihnen exakt zugedachte Zweck das Handtuch werfen, will ich irgendwie nicht glauben, dass man eine Person, die sich auch noch wehrt, zieht und zappelt, mit ein bisschen Filmmaterial strangulieren kann...

Der Score, der sich nicht gerade nachdrücklich ins Hirn brennt, ist mal wieder von unseren Freunden Guido und Maurizio de Angelis. Man könnte meinen, bei einem Film, der sich um einen Filmkomponisten dreht, hätten die Oliver Onions etwas spezielles auf der Pfanne, aber bis auf das immer wieder hervorgezauberte Theme des „Films im Film“, das sich nun auch nicht von generischer Horrorfilmmucke abhebt, klingt nichts danach, als hätte sich das Brüderpaar länger als fünf Minuten Gedanken über die Musik gemacht.

Die Schauspielerei ist mal wieder ein besonders erfreuliches Thema. Andrea Occhipinti soll laut Bava um diese Zeit einer von Italiens beliebtesten Schauspielern gewesen sein, was wohl an seiner Hauptrolle in der populären TV-Miniserie „Die Kartause von Parma“ gelegen haben dürfte, aber als Bruno ist er eine glatte Fehlbesetzung. Hölzern, ohne die von Bava im Begleitinterview hervorgehobene Ausstrahlung, einfach „bland“ und farblos. Er wechselte später hinter die Kamera und wurde erfolgreicher Produzent. Anny Papa („Das Lustschloss im Spessart“, „Der Fluss der Mörderkrokodile“) ist unglaubwürdig als Horror-Regisseuse, und Lara Lamberti („Red Sonja“, „Dämonia“) scheint auch gewillt zu sein, mit möglichst minimalem Aufwand durch den Film zu kommen. Michele Soavi spielt hier eine seiner größeren Rollen, Darstellerpreise will man ihm deswegen aber auch nicht an den Kopf werfen. Fabiola Toledo („Dämonen 2“, „Caligula: The Untold Story“) und Valeria Cavalli („Double Team“, „Lebe lieber italienisch“, „Der Bomber“) sind mehr oder weniger nur dazu da, hübsch auszusehen und sich umbringen zu lassen.

Die Blue-Underground-DVD hat mittlerweile auch schon wieder ein paar Tage auf dem Buckel. Der anamorphe Print ist zufriedenstellend, aber nicht herausragend, leider wird nur der englische Synchron-Ton mitgeliefert, und die Synchro ist eher... furchtbar. Die Sprecher klingen alles andere als motiviert (insbesondere der des Bruno), und das Dialogbuch... das hat wohl jemand mit dem Wörterbuch übersetzt. Echte Menschen reden jedenfalls nicht so... Als Extras gibt’s den Trailer und ein zehnminütiges Videointerview mit Bava und Sarchetti.

Für Lamberto Bava war der Film offenbar gut und erfolgreich genug, um seine Karriere als Regisseur wieder in die Spur zu bringen. Obschon die meisten seiner Horrorfilme aus den 80ern eher so „meh“ ausfallen, fand er dann mit der Märchen-TV-Serie „Prinzessin Fantaghiro“ sein Glück, und das sei ihm von Herzen gegönnt, ein sympathischer Typ ist er allemal. Als Film überzeugt „A Blade in the Dark“ nicht besonders – wäre dieser eine rüde Mord nicht, wäre es sogar ein völlig vergessenswerter Italo-Slasher, aber auch mit dieser einen standout-Szene sind die 108 Minuten des Films schon ein ordentliches Stück Holz, das man erst mal wegknabbern muss. Einer für Italo-Horror-Komplettisten.

© 2019 Dr. Acula

  • Ich weiß nicht, ob's dafür einen Fetisch gibt. Wahrscheinlich ja.

  • Kein Italo-Film ohne creepy child actors.

  • Der Komponär hat's schwör.

  • Das Telefon, das unbekannte Wesen.

  • Es droht die tödliche Klinge.

  • Klinge abbrechen wäre keine Option?

  • Skeptic Julia is skeptical.

  • Relationship trouble.

  • "Spiel Todesangst, Baby. TODESANGST! Ach. Vergiss es."

  • Da war jemand sehr enthusiastisch.


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


mm
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