2025: The World Enslaved by a Virus

 
  • Original-Titel: 2025: The World Enslaved by a Virus
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  • Regie: Joshu Wesely/Simon Wesely
  • Land: USA
  • Jahr: 2021
  • Darsteller:

    Joshua Wesely (Roy)
    Antonia Joy Speer (Hannah)
    Matthew Dougan (Hunter)
    Laura Wieder (Holly)
    Isabelle Scheuermann (Leila)
    Lukas Speer (Luc)
    Tabitha Wesely (Lucinda)


Vorwort

Abt. Midnight Movies mit Jorge #14 – Festival Edition

Man könnte es als unvermeidlich bezeichnen, dass irgendwann die Midnight Movies mit den B-Film Basterds kollidieren (okay, letztes Jahr lief in Nürnberg Rollergator, der auch schon ein Midnight Movie war, den ich in diesem Rahmen aber nicht hier besprochen habe). Tatsächlich darf man 2025: The World Enslaved by a Virus als einen der Höhepunkte des diesjährigen Festivals bezeichnen, haben wir es doch mit dem, laut überwältigen Mehrheit der Zuschauerschaft und YouTuber, schlechtesten Film aller Zeiten zu tun, der in der IMDb seit jeher eine sagenhafte gewichtete Wertung von 1,0/10 hält, also das niedrigste messbare Ergebnis. Und das muss man erst einmal schaffen. Damit qualifiziert er sich natürlich als Attraktion der B-Film Basterds 2026 im Nürnberger KommKino, auch wenn Organisatoren und Trash-Fans von dem im Film gepflegten Weltbild und der manifestierten christlichen Propaganda Abstand nehmen…


Inhalt

„Es ist das Jahr 2025: Seit dem Ausbruch des Corona-Virus im Jahr 2020 ist die Welt nicht mehr dieselbe: Ein kommunistisches System mit einer einzigen Weltregierung wurde etabliert, Englisch wurde als Weltsprache gewählt, Kontakte wurden auf ein Minimum reduziert. Das Christentum wurde vollständig verboten; die Verfassung, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr. In Deutschland beginnt eine kleine Gruppe junger Christen eine Untergrundrevolution, um die Christen wieder zu vereinen und die Freiheit wiederzuerlangen.“ (IMDb)

What’s the deal?

Es begab sich im Jahre 2020, als da die Welt tatsächlich größtenteils unter dem Joch der ersten Corona-Welle ächzte. Da dachten sich die Gebrüder Wesely, ihres Zeichens Hochzeitsfotografen und Christfluencer, und in Ersteren in der Zeit nahezu beschäftigungslos, im zweiten dagegen wohl sehr gefragt, beides in eine Waagschale zu werfen, um sich, quasi als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, im November/Dezember 2020 als Amateurfilmer an einem christlichen Propagandafilmchen mit Virus-Thematik zu versuchen. Unterstützung erhielten sie von ihren Angestellten und Mitstreitern aus der Szene der fundamentalistischen jungen Christen. Da man auf eine möglichst breite Vermarktung abzielte (und mir deucht, dass es aus den US of A Unterstützung gab), ist das ganze auf Englisch abgedreht wurden. Inhaltlich haben wir es mit einer Dystopie eines totalitären Systems zu tun, das im Zuge der Corona-Beschränkungen etabliert wurde, gegen das nun im jungen Christentum fröhlich rebelliert wird. Denn wer sonst sollte gegen den autoritären kommunistischen Wahnsinn ankämpfen, der nun die Welt kontrolliert? Werden die Handvoll Schergen der Christenjäger oder die aufoktroierte Weltsprache Englisch dabei ihr größter Gegner sein?

Besonders lustig:

– Vorangestellt wird dem Geschehen die Erklärung, dass nach dem Beginn der Pandemie eine neue Weltregierung eingeführt, öffentliche Zusammentreffen, Reisen und das Christentum verboten wurden; wenn ich an ein Treffen denke, dann natürlich an eine Bibelrunde, bei einer Reise an einen Kreuzweg.
– Der eigentliche Film beginnt mit einer Verfolgungsjagd – Joshua Weseley ala Roy flieht in einem kaputten Renault, vollkommen unaufgeregt, vor unbekannten Häschern, die mit Maschinengewehren auf ihn schießen.
– Angesprochen auf Tagebüchern, die bei ihm gefunden wurden, erzählt der Gute von einer lange vergangenen Zeit, in der man noch frei war, sich zu treffen, zu feiern, Religion auszuüben – unterlegt mit billigen Stock Footage Aufnahmen.
– Dann redet Roy von „Peace, Love and Ice Cream“; er geht daraufhin seine Einträge zum Thema Grundrechte Deutschlands durch, die seitdem abgeschafft wurden.
– „Arrested, tortured and killed“ – das passiert eben, wenn man den kommunistischen Unterdrückern in die Hände fällt. Jedenfalls erzählt man sich das unter den Untergrund-Christen.
– Lustigerweise hat es nur 5 Jahre gedauert, dass in Deutschland selbst im rebellischen Untergrund nur noch Englisch gesprochen wird. Man kann über die neue kommunistische Weltregierung sagen, was man will, aber sie scheint recht durchsetzungsfähig und ihre Enschlüsse, zumindest was die Vereinhaltlichung der Sprache angeht, überall akzeptiert.
– Für unsere jungen Helden ist die Unterdrückung des Christentums durch die neue Weltregierung das gleiche wie die Christenverfolgung unter den Römern.
– Sie bauen über das Internet (wird das nicht kontrolliert?) ein Netzwerk auf, ihr Zeichen ist ein Jesus-Fisch, welches sie auch per Graffiti, gerne auf Bäumen mitten im Wald, verbreiten.
– Die meiste Zeit sitzen sie allerdings in ihrem Versteck und labern über belangloses Zeug. Vor allem über die „gute, alte Zeit“. Immer wieder, minutenlang.
– Tolle Scherze ala „Wie hat Corona Jesus geschadet?“ – „Gar nicht.“ Aber selbst mit Masken durch die Gegend latschen, um Graffiti auf den Laub bedeckten Boden zu sprühen, klar.
– Ein Soldat hat die Armee verlassen, weil auf niemand anderen als Gott schwören wollte.
– Eine Sekretärin (sie tippelt auf jeden Fall wild auf ihrem Laptop rum) der Staats… ähm Weltpolizei sympathisiert mit den Christen und spielt ihnen den Ermittlungsstand zu.
– Holly, die Hackerin, die plötzlich vor der Tür steht.
– Dann beginnt der christliche Untergrund, seine Jünger auf der ganzen Welt mit DVDs (!) von (alten!!) Gottesdiensten und Predigten (und ein Bibelquiz!!!) zu versorgen, und rückt dadurch näher ins Visier der Staatssicher… äh der Christenjäger von der Weltstaatspolizei oder so.

Was gibt’s sonst noch zu sagen?

Es passiert einfach zu viel Peinliches, Lustiges, Nerviges und sonstwie Schreckliches, um alles aufzuzählen. Die oben genannten Beispiele stammen, um nicht für Festival-Besucher zu sehr zu spoilern, aus der ersten Hälfte des Films. Erwähnenswert ist noch die durchgängig schreckliche Musik, die man aus entsprechenden Libraries wählte. Aber auch etwas Gitarrenspiel und Lagerfeuerromantik mit Gesangskreis dürfen nicht fehlen (was im Film prompt durch eine Razzia gesprengt wird). Zwischen Fremdscham und leichter Erheiterung angesiedelt sind die naiven Botschaften über persönliches Engagement bis hin zur Selbstopferung (mit Christen machen die Kommunisten nämlich kurzen Prozess, also nach der Inhaftierung, nicht an Ort und Stelle). Was mit den anderen Weltreligionen in dieser Zukunft passiert, wird übrigens mit keinem Wort behandelt. Aber Du sollst ja auch keine Götter haben neben mir. Filmisch nimmt sich das Ganze aus wie der eben bestandene Grundkurs Fotografie in abgezählten zwei Räumlichkeiten und „Feld, Wald & leere Straßen“-Romantik, wie also von einem mittelmäßig begabten Hochzeitsfotografen nicht anders zu erwarten. Schauspielerisch herrscht erheiternder Dilettantismus vor, bei manchen hapert es auch noch mit der englischen Sprache, weswegen Laura Wieder als Hackerin Holly auch mal eine ganze Szene auf Deutsch bestreitet, weil es anscheinend zu viel fremdsprachiger Text für eine einzige Einstellung war. Joshua Wesely ist im Zuge der Ankündigung des Films 2020 dann unschön in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt, weil bekannt wurde, dass er seine spätere Frau schon vier Jahre vor ihrer Verlobung datete – sie war damals 14. Das kam wohl sogar in der eigenen Gemeinschaft, die teils auch in den USA beheimatet ist, nicht so wirklich gut an.

Wo oder wie kann ich mein Aug‘ mit dem Dreck beschmutzen?

Von einer physischen Veröffentlichung ist mir nichts bekannt, aber die „Wesely Bros“ haben 2025: The World Enlsaved by a Virus in bester 4K-Qualität auf ihren YouTube-Channel hochgeladen. Und natürlich kann man den Film am Donnerstag den 30.07.2026 im Rahmen der B-Film Basterds im Nürnberger KommKino auf großer Leinwand bestaunen.

Was vom Tage übrig bleibt

Verbreiten die Unglaubwürdigkeiten gerade anfangs noch Frohsinn, stellen sich schnell Ermüdungserscheinungen ein. Die Frequenz an Doofheiten nimmt ab und 2025: The World Enslaved by a Virus ergeht sich immer wieder in redundanten Dialog-Passagen, die sich in unerträglichem Christen-Geschwafel um uninteressanten „Charakter“-Hintergründe, platte Binsenweisheiten und reine Propaganda drehen. Dann wird der Film zur Geduldsprobe, die sich innerhalb einer trashgestählten Film-Community als Gemeinschaftserlebnis sicherlich noch am besten bewältigen lässt. Die Outtakes, die die Macher am Anfang des Abspanns darbieten, sind allerdings recht lustig und lassen die Protagonisten viel sympathischer darstehen, als es der Film eigentlich erlaubt.


BOMBEN-Skala: 10

BIER-Skala: 2


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