12:01

 
  • Deutscher Titel: 12:01
  • Original-Titel: 12:01
  •  
  • Regie: Jack Sholder
  • Land: USA
  • Jahr: 1993
  • Darsteller:

    Jonathan Silverman (Barry Thomas), Helen Slater (Lisa Fredericks), Martin Landau (Dr. Thadeus Moxley), Nicolas Surovy (Robert Denk), Jeremy Piven (Howard), Robin Bartlett (Jackson)


Vorwort

Barry Thomas ist ein leicht vertrottelter Sympathikus, der seine Brötchen als Aktenschubser in der Personalabteilung eines Forschungslabors verdient und heimlich in die für ihn unerreichbare Wissenschaftlerin Lisa Fredericks verknallt ist. Obwohl der Zufall Barry und Lisa in der Essenschlange in der Kantine zusammenführt, läuft der Rest des Tages nicht unbedingt so, dass Barry von einer Veränderung des Zustands träumen könnte. Und dann wird Lisa auch noch am Abend direkt vor der Firma erschossen. Da kann man schon mal einen über den Durst trinken… bis Barry am nächsten Morgen feststellt, dass der gestrige Tag sich wiederholt! Bis Barry kapiert hat, dass ein illegales Experiment mit einem Teilchenbeschleuniger gehörig schiefgegangen ist und die Erde in eine Zeitschleife gestürzt hat, in der nur er seine Erinnerungen behält, dauert’s ein bisschen, aber dann setzt er sich in den Kopf, Lisas Leben zu retten und die Endlosschleife aufzudröseln. Da ihm begreiflicherweise niemand so rechten Glauben schenken mag, gestaltet sich dieses Vorhaben reichlich kompliziert und benötigt mehrere Versuche, in deren Verlauf Barry auch aufdecken muss, wer für das katastrophale Experiment verantwortlich ist…


Inhalt

Bringen wir den obligatorischen Vergleich im ersten Absatz hinter uns – ja, „12:01“ kann man böswilligerweise als eine Variante von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ sehen. Nein, es ist trotzdem kein Rip-off, da dieser unser heutiger zu besprechender Film auf einer SF-Kurzgeschichte basiert, die schon einige Lenze älter ist als die (ausgesprochen gelungene) Bill-Murray-Komödie und zudem bereits 1990 als völlig ernsthafter Kurzfilm erstverfilmt wurde. Beiden Stoffen gemein ist nur die Tatsache, dass der Protagonist aufgrund sonderbarer Umstände immer wieder den selben Tag durchlebt.

Während das „Murmeltier“ allerdings darauf abstellte, ähnlich wie in „Die Geister die ich rief“ aus dem Ekelbatz Murray einen guten Menschen (TM) zu machen und sich darum auf die moralische Komponente konzentrierte, sind derartige Implikationen diesem TV-Film von Jack Sholder (einem der talentiertesten B-Filmer, zuständig für Bemerkenswertes wie „The Hidden“ oder „Condition Red“, aber auch für das ungeliebte Stiefkind der Nightmare-Reihe, Teil 2) völlig fremd. „12:01“ gibt dem Geschehen um die Zeitschleife einen pseudowissenschaftlichen (und ziemlich hanebüchenen) Hintergrund, während der eigentliche Anlaß im „Murmeltier“ völlig wurscht und mehr oder weniger „an act of God“ war. Hier ist er wichtig, weil es dem Film durchaus, trotz aller vorhandenen komödiantischen Elementen, nicht zuletzt auch auf den SF-Background, Thrill und Spannung ankommt. Was ironischerweise auch seine Schwäche ausmacht, denn im Comedy-Bereich ist „12:01“ doch deutlich überzeugender denn als Spannungsfilm.

Das Script rollt sehr flüssig in allerdings durchaus vorhersehbaren Bahnen – was beim Thema nicht wundert. Held Barry lernt jeden „Tag“ dazu und kommt so dem Erfolg immer näher, wobei sich durchaus ein sehr gravierendes Plothole einschleicht – minor spoiler ahead: auf den naheliegendsten Gedanken, nämlich die gute alte „trial & error“-Methode, kommt Barry nie – anstatt seinen jeweiligen Tagesplan jeweils nur im Bezug auf den am „vergangenen Tag“ gemachten Fehler zu ändern, arbeitet er stets einen neuen Plan aus, was ziemlich dusslig ist (zumal er z.B. einen der verkorksten Anläufe damit verplempert, mit Lisa ins Bett zu steigen) und vor allem stösst ein wenig übel auf, dass (wer sich nix spoilern lassen will, möge den nächsten Satz geflissentlich überlesen) die endgültige „Problemlösung“ darauf hinausläuft, dass einer der zentralen Charaktere unwiderruflich tot bleibt (während er in der Zeitschleife wieder „zurück ins Leben“ geholt worden wäre). Wie gesagt, das ist das zentrale Manko, der dicke Lapsus des Scripts, der dem Filmvergnügen aber nur unwesentlichen Schaden zufügt.

Der Film bedient sich mithin einer ziemlichen Zweiteilung – die erste Hälfte des Films, in der Barry langsam, aber sicher, realisiert, in welcher Lage er sich befindet, ist die humororientierte: die Besetzung der Hauptrolle mit einem versierten Komödianten (dazu an gewohnter Stelle mehr) trägt enorm dazu bei, dass die verschiedentlichen Katastrophen, die dem armen Barry zustoßen, sich für den Zuschauer höchst vergnüglich gestalten. In Hälfte Numero 2 muss der Film dann die Kurve Richtung Thrillerhandlung kratzen – zwar gibt’s auch da noch einige Gags, aber die Frequenz wird zugunsten der „harten“ Story deutlich heruntergefahren. Statt dessen gibt’s in diesem Filmpart Verfolgungsjagden, ein wenig Geballere und den ein oder anderen kleinen Plottwist. Dank Sholders versierter Regie kommt in der Tat richtig Spannung auf (und insofern ist der oben bemängelte Drehbuchfauxpas vielleicht sogar nicht schlecht, denn die „egal, was passiert, Barry hat immer ’ne zweite Chance“-Attitüde könnte sich natürlich als spannungshinderlich erweisen)

Ein wenig merkt man dem Film die budgetmäßigen Restriktionen einer TV-Produktion an – großartige Sets oder aufwendige Stuntsequenzen, die über gewohntes TV-Level hinausgehen, wird man vergebens suchen, aber der Streifen hat genügend „interne“ Energie und Dynamik, wirkt weder zu langatmig noch zu gedrängt. Es wird zwar auch in Punkto Kameraführung und Schnitt allenfalls Hausmannskost geboten, aber das auf gutem handwerklichen Niveau. Aber allemal zeigen Sholder und sein Team, dass man aus einer netten Idee auch mit beschränkten Mitteln, dafür aber mit gutem Willen, grundsolides Entertainment abliefern kann.

Spezialeffekte gibt’s übrigens, soviel für die FX-Freunde, keine, der Streifen bedient sich für den (auch nur einmal durchgespielten) Zeitschleifen-„Effekt“ einer simplen Rückwärtsmontage.

Pluspunkte gibt’s allemal für den sympathischen Cast. In seiner Paraderolle als Loser mit dem Herz am rechten Fleck freuen wir uns über Jonathan Silverman, der mehr oder minder lediglich seine Rolle aus „Immer Ärger mit Bernie“ mit ein wenig mehr Ernsthaftigkeit wieder aufgreifen muss. Cutie-„Supergirl“ Helen Slater gibt sich mir etwas zu züchtig-hochgeschlossen als anfänglich distanzierte Akademikerin, taut aber im Filmverlauf merklich auf. Robin Bartlett liefert als Barrys nervige Chevin eine fies-komische Vorstellung ab – man kennt Bartlett aus Filmen wie „Mondsüchtig“ oder „In Sachen Henry“, fünf Jahre lang war sie auch in Helen Hunts Sitcom „Mad About You“ dabei. Und apropos Sitcom, derlei Erfahrungen hat auch Jeremy Piven, der Barrys besten Kumpel Harold mimt, er war vier Jahre lang Ensemblemitglied von „Ellen“. Last, but not least, sein natürlich auch inzwischen zum Oscar-Preisträger (für „Ed Wood“) aufgestiegene Martin Landau als slightly mad scientist erwähnt. Guter Cast, der auch mit Engagement bei der Sache ist. In einer Mini-Nebenrolle ist übrigens unser aller Lieblingsmexikaner Danny Trejo zu sehen.

Bildqualität: Tja, kleinere, unbekanntere Filme wie „12:01“ landen gerne mal bei Publishern, die sie nicht verdient haben, in diesem Falle bei MCP. Das hat für den geneigten Fan nur den Vorteil, dass die Scheibe auf den einschlägigen Grabbeltischen für das sprichwörtliche Butterbrot verhökert wird. Da darf man dann auch nichts erwarten. Der Vollbildtransfer ist, rein formattechnisch, da auch schon betagtere TV-Produktion, nicht zu beanstanden, die eigentliche Bildqualität ist aber ziemlich wechselhaft (in der Tat kommt’s mir manchmal so vor, als hätte man das Master aus unterschiedlichen Quellen zusammengestöpselt. Ob vormalige Videofassungen eventuell leicht beschnitten waren, hab ich jetzt nicht nachgeprüft. Sooo brennend interessiert mich das jetzt auch nicht mehr). An einigen Stellen trüben doch überdurchschnittlich viele Artefakte und Bilddefekte das Sehvergnügen, insgesamt könnte das Bild etwas mehr Schärfe vertragen. Der Kontrast ist allerdings in Ordnung, dito die Farben – ich bilde mir zwar einen leichten Rotstich (besonders in Augenpartien) ein, aber das kann eben auch meine aktive Vorstellungskraft sein. Gelegentlich ist ein leichtes Flimmern zu verzeichnen.

Tonqualität: MCP ist bekanntlich ein Label, dem man noch nicht so richtig erklärt hat, was man mit einer DVD alles anstellen kann. Andererseits ist man ja auch wieder dankbar, wenn nicht jeder Publisher unschuldige Stereotonspuren mit unlauteren Mitteln in 5.1-Upmixe verwandelt. Hier haben wir also ordinäres Stereo in ausschließlich deutscher Sprache zur Verfügung. Die Synchro klingt kristallklar, wenn auch etwas steril, aus den Boxen, ist für meinen Geschmack aber etwas zu sehr im Vordergrund. Etwas auf die Nerven gehen einige Lautstärkeschwankungen im letzten Filmdrittel.

Extras: Abgesehen von einigen Trailern aus dem MCP-Programm erwartungsgemäß kein Bonusmaterial.

Fazit: „12:01“ ist einer dieser schnuckeligen kleinen B-Filme, die zu Unrecht von der breiten Masse mit Nichtachtung gestraft wurden. Klar, dieser Film hatte das besondere Pech, in Deutschland kurz nach dem mit ähnlicher Thematik kassenknüllenden „Murmeltier“ auf den Markt zu kommen, so dass ihm schnell das „rip-off“-Stigma angehängt wurde. Ich kann, und das als bekennender „Murmeltier“-Fan, nur an alle Leser appellieren – gebt „12:01“ eine faire Chance. Der Film macht gehörigen Spaß – wenn er sich auch nicht endgültig entscheiden kann, ob er nun lieber eine Komödie mit SF-Elementen oder ein SF-Thriller mit humoristischen Einlagen sein will, er funktioniert trotzdem, hat eine Vielzahl gelungener Gags, eine spannende Handlung und gut aufgelegte Darsteller zu bieten. Was will man eigentlich mehr? Da die DVD mittlerweile schweinebillig verramscht wird, will ich mich auch über die technischen Schwächen der Scheibe nicht großartig aufregen.

4/5
(c) 2006 Dr. Acula


mm
Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments