Doc Aculas Music (not) for the Masses


Doc Acula präsentiert eine Auswahl seiner Lieblingsmusik!


IFA WARTBURG - Im Dienste des Sozialismus (1998, Plattenmeister)

Am Sonntag sah ich zufällig auf Phoenix eine Dokumentation über "Beat und Propaganda" in der ehemaligen DDR zu Ulbricht-Zeiten - die Doku endete mit dem Ulbricht-Zitat "Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nun kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie dieses 'yeahyeahyeah', oder wie das alles heißt, sollte man doch Schluß machen". Da musste ich glatt meine sechs Jahre alte IFA-Wartburg-CD wieder rausholen, denn die beginnt genau mit diesem Sample, dass dort den Startschuss zu 54 Minuten guter Laune liefert.

IFA Wartburg, das sind zwei bekloppte Schweden, die ihre Deutschkenntnisse aus alten DDR-Schulbüchern bezogen und, weil alle Schweden geborene Musiker sind, auf die Idee kamen, auf kultige Weise kommunistische Schulbuchideologie mit luftig-lockeren Pop-Perlen zu kombinieren und dabei eines der besten und originellsten Pop-Alben des letzten Jahrhunderts auf die Beine stellten. Songtitel wie "F.D.J.", "Der alte böse Kapitalismus" oder "Agrarwissenschaft im Dienste des Sozialismus" machen die Marschroute klar - in den herrlichen Texten wird fröhlich gegen den imperialistischen Klassenfeind agitiert, dass Sudel-Ede von Schnitzler das Herzelein aufgehen dürfte, Songs wie "Frau Gorbatschowa tanzt Bossanova" oder "Es ist nicht so schlimm auf der Insel Krim" bezeugen die angenehmeren Seiten des Sozialismus und machen gleichzeitig auch für Erzkonservative, die hier übelste rote Hetzpropaganda vermuten, klar, dass die Scheibe mit Sicherheit eins nicht ist - ernstzunehmen. Dazu passt auch hervorragend die gelegentlich holprige Sprache der deutschen Texte (da reimt sich schon mal "Funktionär" auf "Pionier" und was sprachlich nicht passt, wird passend gemacht). Die Texte allein wären schon lustig genug (sowohl die Agit-Hymnen wie "F.D.J." als auch eher Nonsens-Reime wie der Ode auf den Krapfen - "Der Berliner" - oder in "Kosmoskost" - "Wir essen Kosmoskost, wir lesen Kosmospost, wir trinken Kosmosmost"), aber was "Im Dienste des Sozialismus" über die bloße Einmal-Witzigkeit eines Kuriositäten-Albums hinaushebt, ist die herausragende Qualität der Musik - es scheint wirklich so zu sein, begnadete Pop-Songwriter scheinen in Schweden auf den Elchen zu wachsen. Magnus Michaeli und Nils Lundwall (alias Heinz und Rolf) schütteln sich mit beeindruckender Leichtigkeit memorable Ohrwürmer aus dem Ärmel, die von Abba-Anklängen (bei Schweden ersichtlich unvermeidbar) über relaxte Bossanova-Rhytmen, easy-listening-Klänge, Ska-Einflüsse bis hin zu wuchtig arrangierten Big-Band-Sounds und improvisierendem Jazz (ohne dabei nervig zu werden, was in Punkto Jazz eines meiner höchsten Komplimente ist - wenn ich mir einen Titel namens "Spassjazz" ohne Probleme zwölfmal hintereinander anhören kann, kann der Song nicht ganz so schlimm sein) praktisch die komplette Bandbreite populärer Musik durchlaufen, ohne peinlich zu werden (lediglich das etwas folkloristisch angehauchte "Volksfest in Ukraina" und das mit afrikanischen Melodien spielende "Hallo, guter Kommunist" fallen qualitativ etwas aus dem Rahmen, aber 12 aus 14 ist schon eine verdammt gute Trefferquote).

Ich könnte einer Platte, in der Singalongzeilen wie "Gestern war die DDR so toll, heute singen wir in Moll" oder Refrains wie "Agrarwissenschaft im Dienste des Bolschewismus" gesungen werden, schon von Haus aus nicht wirklich übellaunig gegenübertreten - aber die Tatsache, dass die köstlichen Verse, die auch eingefleischen westlichen Imperialisten sicher mehr als nur ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern werden, mit schlicht und ergreifend schöner, ohrwurmiger und dabei auch virtous eingespielter Popmusik mit satten Arrangements unterlegt sind, macht "Im Dienste des Sozialismus" zu einer der witzigsten UND anhörbarsten Popplatten der letzten zehn Jahre. Glücklicherweise widerstanden die beiden Schweden der Versuchung, den sicher nicht reproduzierbaren Pep der DDR-Verkitschung mit einem gleichgelagerten Nachzieheralbum zu wiederholen, aber mich würde schon mal interessieren, was Lundwall und Michaeli heutzutage treiben - ihre Popmusik sollte auch ohne ostalgische Texte hörenswert geblieben sein. Und dankbar darüber, dass ich IFA Wartburg "mit großem Orchester" (drei Bläsern, Keyboarder und Schlagzeuger) sogar noch live erleben durfte, bin ich sowieso...

Wer ein bissel Sinn für textlich schrägen, aber musikalisch um so eingängigeren Pop hat, sollte nicht zögern und Im Dienste des Sozialismus bei amazon.de ordern, solang das Album noch lieferbar ist. You won't regret it!


ME FIRST AND THE GIMME GIMMES - Take a Break (2003, Fat Wreck Chords)

Ich weiß nicht, ob ich's schon mal erwähnt habe, aber im Tiefsten meines Herzens bin ich Punk. Gut, ich verspürte nie das Bedürfnis, mir Sicherheitsnadeln durch exponierte Körperteile zu stechen oder einen grünen Irokesen spazieren zu tragen - mir geht's weniger um die Lebenseinstellung als um die Musik (obgleich mir Punks by default erheblich sympathischer sind als Skins...). Guter Punk ist schlicht und ergreifend ein energischer (und energetischer) Tritt in den Arsch, und den braucht man ab und an. Nun ist Punk nicht gleich Punk und der Punk, der bei mir ankommt, ist der von der simplen Drei-Akkorde-für-ein-Halleluja-Schule, Ramones u.ä.

Was alles eigentlich überhaupt nichts mit der Platte zu tun hat, die ich zu besprechen gedenke. Me First and the Gimme Gimmes (heißer Anwärter auf einen Top-10-Platz der coolen Bandnamen, ungefähr auf Augenhöhe mit den Zwangsversteigerten Doppelhaushälften) gehören zu den Punks, die sich um Dinge wie Songwriting etc. keinerlei Gedanken machen - sie spielen ausschließlich Coverversionen und haben sich damit in den vergangenen Jahren eine nette Fanbasis geschaffen. Nun liegt ihr neues Album "Me First and the Gimme Gimmes Take a Break" vor und das weicht keinen Mikrometer von der eingeschlagenen Marschroute ab - und doch hat das Album einen Twist - frecherweise covert die Kapelle auf dieser CD ausschließlich black music und, wenn wir ehrlich sind, die typische R'n'B-Nummer ist nicht gerade das, was man beim Gedanken an ein Punk-Cover mental vor sich hat.

Aber das Unternehmen gelingt blendend - dreizehn Songs ballert das kalifornische Quintett auf unsere Lauscher und so verwandeln sich Zwischen-die-Beine-Schmusimusi-Schmalznummern wie Lionel Richies in der Originalfassung unerträgliches "Hello", Skinhead O'Conners Prince-komponierter singulärer Hit "Nothing compares 2 U" oder R. Kellys Obersülzheuler "I believe I can fly" in energiegeladene Uptempo-Holzer - kein filigranes Gefrickel, sondern schlichter Holterdipolter-Punk der ganz alten Schule. Man könnte mosern, daß die Arrangements keine Originalitätspreise gewinnen und das mit dem ersten Song eingeschlagene Rezept der Punk-Adaptionen konsequent bis zum Ende durchgehalten wird, ohne daß man mal der Abwechslung halber was anderes versucht, aber wenn man "Take a break" mit der halbwegs in die gleiche Kerbe hauenden Teutonencombo "Audiosmog" vergleicht, dann haben die US-Boys doch deutliche Vorteile, das Album macht schlicht und ergreifend viel mehr Spaß, egal ob das die drei angesprochenen Titel sind oder "Ain't No Sunshine", Seals "Crazy", das schon durch diverse Dance-Cover fast zu Tode genudelte "End of the Road" oder Oldies wie "Mona Lisa".

Me First and the Gimme Gimmes werden durch keinerlei Ambitionen behindert und das ist gut so - mit "Take a Break" bekommt der Fan ein extrem kurzweiliges Album, das durch seinen immensen Spaßfaktor für regnerische Sonntagnachmittage genauso gut geeignet ist wie für eine bierselige Grillparty - als einziges Manko bleibt festzuhalten, daß die Spielzeit mit gerade mal dreiundreißigeinhalb Minuten schon ausnehmend kurz ist, aber so ist Punk nun mal - schnell, laut und heftig. Erfreulicherweise ist "Take a Break" auch hierzulande unproblematisch erhältlich - ich staubte meine Copy im örtlichen Geiz-ist-Geil-Schuppen ab. Die uneingeschränkte Empfehlung lautet also: ab in den Plattenladen und schnell noch für die nächste Sommerfete holen!


SPINAL TAP - Break Like The Wind (1992, MCA)

Wohl jeder einigermaßen denkende Filmbetrachter kennt den Großvater sämtlicher Mockumentarys, sprich gefakeden Dokumentationen, "This is Spinal Tap", wo niemand anderes als Rob Reiner über die desaströse letzte US-Tour der britischen Rocklegende SPINAL TAP berichtete. Der Film ist Kult und das vollkommen zurecht und schon damals, 1981 war das glaub ich, mußte man feststellen, daß Christopher Guest, Harry Shearer und Michael McKean, nicht nur vorzüglich die Heavy-Mucker markierten, sondern selbst veritable Musiker und Songwriter waren. Es dauerte bis 1992, bis die drei Herren sich besannen und ein zweites Album (als erstes fungiert das offizielle Film-Soundtrackalbum) auf die Beine stellten und damit sogar einen Auftritt beim Freddy-Mercury-Tribute landen konnten.

Break Like The Wind ist grandios - subtiler Humor (kein Haudrauf-Klamauk) in skurrilen Texten, dargeboten von fähigen Musikern inklusive hochkarätiger Gäste, wobei Hardrock die Basis ist, aber vor Beat, Flower-Power-Rhythmen, extensiven Progrock-Klängen und Easy Listening nicht zurückgeschreckt wird - ebensowenig von einer phänomenalen Power-Ballade. Im einzelnen: der Opener Bitch School (der sich selbstredend auf eine Hundeschule bezieht, newa) ist ein straighter Stampfer, The Majesty of Rock, von den Heroen auch beim erwähnten Freddie-Memorial performed, eine überwältigende Rockhymne mit den lustigsten Lyrics seit langem. Diva Fever tritt dann ein wenig aufs Gaspedal, bevor Just Begin Again, die ergreifendste aller Balladen, im Duett mit Cher (!!) dargeboten, sich abspielt. Hear it to believe - your life will never be the same. Mit Cash on Delivery schließt sich ein weiterer Mitstampfer - mit Gitarrensolo von Dweezil Zappa - an, bevor The Sun Never Sweats erste Prog-Anklänge a la early Pink Floyd anbietet. Rainy Day Sun ist ein typisch britischer Flower-Power-Popsong straight from the sixties, ehe sich der enorme Titelsong anschließt (und Break Like The Wind bedeutet auf gut englisch umgangssprachlich soviel wie "einen fahren lassen") - der hymnisch beginnende Song steigert sich in eine wahre Lärmkakophonie (positiv gemeint, aber Nachbarn zum Wahnsinn treibend) mit Gitarrenduellen von Slash (!), Steve Lukather, Joe Satriani (!!) und Jeff Beck (!!!). Musikalisch erholt sich die Scheibe von diesem Höhepunkt nicht mehr ganz, der witzige Open-Air-Erlebnisbericht Stinkin' up the Great Outdoors, Springtime, das jazzig-entspannte Clam Caravan und der derbe Rocker Christmas with the Devil folgen noch, dazu gibt's noch einen Rückblick auf den Original-Film mit dem "allerersten" Spinal-Tap-Song All The Way Home und einen versteckten Bonustrack, der frecherweise als Track 13 von 14 "versteckt" ist.

Rockfreunde mit einem Sinn für skurrilen, hintersinnigen britischen Humor - Spinal Tap ist definitiv mehr Monty Python als Mr. Bean - sollten Break Like The Wind unbedingt in ihrer Sammlung haben.


LEONARD NIMOY/WILLIAM SHATNER - Spaced Out (1997, Universal)

Merkwürden haut sich in seinen filmfreien Stunden nicht nur schwere Gitarren um die Ohren, nein, auch für die abseitigeren Dinge des Lebens und der Musik hat er ein offenes Ohr. Und mit diesem Album bekommt man garantiert "abseitiges". Viele Leute haben DAVON gehört, nur vergleichsweise wenige tatsächlich ETWAS VON DEM gehört, was Leonard Nimoy und William Shatner auf dem Höhepunkt ihrer Star-Trek-Popularität Ende der 60er Jahre an musikalischen Gemmen aufnahmen. Universal hat sich erbarmt und eine Best-of-CD zusammengestellt, die entweder als Partyschreck oder Partyhammer dienen kann, je nach Crowd. Von Shatner ist überliefert, daß seine dramatischen Rezitationen von Shakespeare-Texten zu, eh, eher grotesken musikalischen Arrangements gewöhnungsbedürftig sind, aber ihn zu wild durcheinander krakeelenden Orchesterklängen in gewohnter overacting-Pose (man kann ihn sich bildlich vorstellen) King Henry V. oder den berühmten Hamlet-Monolog aufsagen zu hören, ist wirklich ein ohrenöffnendes Erlebnis (wobei er sicher ganz im Sinne des Dichters übertreibt). Ebenfalls bemerkenswert, schon allein aufgrund des völligen Unverständnisses, mit dem der Interpret seinem Material gegenübersteht, sind die nur noch völlig insane zu nennenden Coverversionen von Mr. Tambourine Man und Lucy in the Sky with Diamonds - ein Schelm, wer böses dabei denkt, daß es sich dabei ausgerechnet um zwei allgemein bekannte drogenverherrlichende Songs handelt (auf welcher Droge Shatner zum Aufnahmezeitpunkt war, entzieht sich der Kenntnis des Chronisten). Die verbleibenden Shatner-Stücke können mit Ausnahme des ergreifend dargebotenen Standards It was a very good year nicht mithalten.

Den Löwenanteil der CD, nämlich 17 Stücke, bestreitet Mr. Spock himself, der tatsächlich in den 60ern vier Solo-LPs veröffentlichte, mit nicht zu vernachlässigendem Erfolg, von drei dieser Alben sind Songs enthalten. Nimoy ist nicht unbedingt ein Super-Sänger, aber er gibt sich wirklich Mühe und schafft tatsächlich einige wirklich hörenswerte Interpretationen von Folk- und Country-Standards (wobei auch die "in-character" vorgetragenen früheren Stücke, als Nimoy noch hauptsächlich das Spock-Image pflege und nicht volle künstlerische Kontrolle über die Songauswahl hatte, wie Highly Illogical, zu fröhlichen Beat-Rhythmen, bemerkenswert sind). So nimmt sich Nimoy Stücke wie If I Had a Hammer, Put A Little Love in Your Heart, Ruby, Sunny oder I walk the line vor, wobei nur die erstgenannte Aufnahme ein paar Skurrilitätspunkte sammelt, der Rest sind ernstgemeinte Interpretationen mit durchaus eigenem Charme und Reiz. Auch einige der speziell für ihn geschriebenen, ernsthaften Songs wie Abraham, Martin and John oder Both Sides Now müßten jedem Freund späten 60er-Folks gefallen. Einziger Ausreißer ist der wahrlich "ill-fated" Versuch einer frühen Tolkien-Adaption mit dem schrill-schrägen Ballad of Bilbo Baggins, inkl. eines Tuba-Solos (vermute ich zumindest).

Insgesamt ein herrliches Album, das Trekkies in Verzückung setzen sollte und auch Sammler von außergewöhnlichen Aufnahmen begeistern kann - es "stört" eigentlich nur, daß Nimoys seriöse Versuche, als Musiker ernstgenommen zu werden, im gleichen Atemzug mit Shatners Shakespeare- und Beatles/Byrds-Vergewaltigungen genannt werden - das hat Nimoys Musik, denn die ist wirklich good on its own, nicht verdient. Trotzdem ein spektakuläres Album, das zudem für nich' teuer verkauft wird. Check it out!


BLIND GUARDIAN - Tales From The Twilight World (1990, No Remorse Records/Virgin)

Die Krefelder Blinden Gardinen gehören zu den langlebigen und ausgesprochen populären Erscheinungen des typisch deutschen Metalsubgenres Melodic Speed. Nach wohlwollend aufgenommenen Demos unter dem dankenswerterweise fallengelassenen Namen LUCIFERS HERITAGE ergatterten sie einen Deal beim damals aufstrebenden (und später spektakulär pleite gegangenen) Charly-Rinne-Label No Remorse (mit dem neben den Gardinen auch die Dimple Minds und Grinder so das ein oder andere Hühnchen zu rupfen hatten) und etablierten sich mit dem Debüt Battalions of Fear unter der ersten Liga der Helloween-Epigonen. Mit den Folgealben lösten sich die Guardians aber schnell vom Image eines Kopiertrupps zu eigenständigen Galionsfiguren der Melodic-Szene, die sowohl was Kreativität als auch Verkaufszahlen anging, die Kürbisköppe schnell überflügelten. Stellvertretend für die für mich beste Bandphase zwischen Album 2 (Follow the Blind) und 4 (Somewhere Far Beyond) soll hier das dritte Album (duh!) stehen, vielleicht nicht zwingend das allerbeste, was die Jungs um Hansi Kürsch je auf die Beine stellten, aber vielleicht das Repräsentativste. Über die komplette Laufzeit jagen hyperschnelle Doublebass-Läufe, bombastische Chöre, rasende Gitarren und die einprägsamen Vocals von Hansi - gelegentlich mag das ganze etwas überproduziert wirken, aber es ist eben der spezielle Guardians-Stil und als die Jungs versuchten, etwas zu differenzieren und mit Flemming Rasmussen für das fünfte Album Imaginations from the other side den legendären Metallica-Producer anheuerten, verlor die Band für mich ein wenig den Reiz (auch wenn ich mir A Night at the Opera, das jüngste Werk der Band, irgendwann mal anhören will).

Auf Tales ist das noch anders - Guardian agieren irgendwo zwischen den speedigen Manowar-Nummern und frühen Helloween und sind doch eigenständig - niemand arrangierte damals Songs aufwendiger und abwechslungsreicher als die Krefelder. Als Gast wirkt in zwei Songs Kai Hansen (Ex-Helloween, Gamma Ray) an Gitarre und Mikro mit (was es der Band nicht leichter machte, sich vom Helloween-Kopisten-Image zu lösen, zumindest, was manche Teile der schreibenden Zunft anging - um's kurz zu machen, ich habe sowohl Guardian, Helloween als auch Gamma Ray live gesehen und bei Guardian ging die Post entschieden am meisten ab, sowohl was spieltechnische Kompetenz, Spielfreude und Kommunikation mit den Fans anging). Highlights aus dem Album zu picken ist verdammt schwer: der monumentale Opener Traveler in Time, Lost in the Twilight Hall und The Last Candle bieten sich an, wobei man da wieder einigen Songs unrecht tut, in denen die Band etwas progressiver zu Werke geht als bei diesen eingängigen Singalong-Nummern (im besten Sinne): das halbakustische Lord of the Rings (jaa, Tolkien) und die Doppel-King-Adaption Tommyknockers/Altair 4. Lediglich das "teufel-was-können-wir-gut-spielen"-Kurz-Instrumental Weird Dreams hätten die Jungs sich sparen können.

Meckern könnte man bei Blind Guardian eigentlich nur an den Texten - Statements irgendeiner Art liegen den Jungs nicht, lieber orientiert man sich an literarischen Vorlagen, quasi das gesamte Guardian-Schaffen basiert auf textlich auf Fantasy- oder Science-Fiction-Vorlagen aus den Häusern Tolkien, Herbert, Moorcock oder King. "Blöderweise" passen diese Themen halt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zur vertretenen Mucke.

Zusammen mit den Alben Follow the Blind und Somewhere Far Beyond dokumentiert diese CD in quasi komprimierter Form die Entwicklung der Band auf dem Zenith ihrer Schaffenskraft - diese Trilogie sollte jeder aufgeschlossene Headbanger in seinem CD-Rack stehen haben - und wer noch Platz hat, sollte überlegen, ob er die nette Compilation The Forgotten Tales (mit diversen Cover-, Live- und Alternativ-Versionen) und die Live-CD Tokyo Tales mit in seine Sammlung aufnimmt.


TIAMAT - Clouds (1992, Century Media)

Es war einmal eine nicht wirklich berauschende schwedische Death-Metal-Band mit dem geschmacklosen Namen "Treblinka", für die sich nicht wirklich jemand interessierte. Irgendwann benannte Bandmastermind Johan Edlund seine Kapelle in "Tiamat" um. Mit dem Album "The Astral Sleep" wurde die "Öffentlichkeit" erstmals richtig auf die Band aufmerksam, nachdem die Jungs sich auch einen Deal beim aufstrebenden Century-Media-Label gesichert hatten. "The Astral Sleeps" beinhaltet zweifellos noch einen ganzen Haufen uninspirierter old-school-Schweden-Death-Mucke, aber auch einige variantenreichere Stücke, die aufhorchen ließen und manchen Rezensenten sich zu blödsinnigen Vergleichen wie "die 'Faith No More' des Death Metal" versteigen ließen.

Der Nachfolger "Clouds" erwies sich dann völlig verblüffenderweise als ultimatives Hammeralbum - von den Wurzeln im Death Metal hatte man sich entfernt, ohne sie aus den Augen zu verlieren. Von den ersten Takten des Intros zu "In a dream" bis hin zu den verklingenden Schlußakkorden vn "Undressed" hält "Clouds" fast durchgängig ein elitäres Niveau - eine Death-Metal-Kapelle lernt actually Songwriting. Das Tempo der Songs bleibt größtenteils im gebremsten Bereich, nur selten gönnt sich die Band uptempo-Einlagen, die aber auch nie in Chaos ausarten, sondern kontrolliert bleiben. Die Riffs treffen ins Schwarze, die Songs sind hart, aber melodiös und Edlunds zurückhaltendes Gegrowle, kombiniert mit gelegentlich cleanem oder reinen Sprech-Gesang, paßt optimal zur düsteren, aber nicht ultradepressiven Atmosphäre des Albums. Songs wie "In a dream", das geniale "The Sleeping Beauty" oder der grandiose Schlußhammer "Undressed" halten den Hörer in Atem - Nitpicker könnten bemängeln, daß insgesamt nicht wirklich viel Abwechslung vorherrscht, aber da das Songmaterial durch die Bank hochklassig bis nahezu perfekt ist, können Tiamat sich das auf "Clouds" leisten.

Meiner bescheidenen Ansicht nach erreichten selbst die späteren, kommerziell erfolgreicheren und kritikerseits abgefeierten Alben, die mir persönlich zu stark in den Prog-Rock-Bereich driften, nie wieder die Intensität von "Clouds". Ich erinnere mich noch an alte Zeiten, in denen ich wegen dem Support-Act Tiamat ein grottenschlechtes Konzert von Phillip Boas Metal-Sideproject 'Voodoocult' über mich ergehen ließ (Tiamat spielten praktisch das komplette "Clouds"-Album und waren genial) - "Clouds" ist zweifellos eines meiner meistgespielten Metal-Alben meiner Sammlung und gehört mithin in jede gut sortierte Headbanger-Kollektion. Selbst Hörer, die normalerweise keinerlei Death-Metal-Ambitionen haben, sollten in "Clouds" reinhören - trotz des rauhen Gesangs (der aber, wie angedeutet, Lichtjahre von purem Gegrunze a la 'Cannibal Corpse' entfernt ist) schätze ich mal, daß die Songs selbst Skeptiker überzeugen sollten. Richtige Durchhänger gibt's keine unter den (nur) 8 Songs, Tracks wie "Forever Burning Flame" oder der Titeltrack erreichen halt nur nicht ganz das superbe Niveau der überwiegenden Mehrzahl der Songs.
Ach ja - wer angesichts der puren Death-Vergangenheit der Combo auf satanische Botschaften hört, wird enttäuscht. Abgesehen von der (variierten) Refrain-Zeile "I worship the devil" auf "The Scapegoat" befassen sich die Texte überwiegend mit realen Dingen wie enttäuschten Liebesbeziehungen, Depressionen etc. und selbst bei "The Scapegoat" ist das als ironisch-kritisches Statement und Kampfansage an oberflächliche Dünnbrettbohrer zu verstehen.

Kurz und knapp: ein absolutes Hammeralbum, auch mit ansprechendem Soundgewand, das lediglich ein besseres Cover verdient hätte. Anspieltips im Text.


LAKE OF TEARS - Headstones (1995, Black Mark)

Und gleich noch eine Kapelle, die in eine ähnliche Kerbe haut. Auch Lake of Tears stammen aus Schweden, begannen als dumpfe Death-/Black Metal-Combo und servierten den verblüfften Fans mit "Headstones" dann unerwarterweise ein (allerdings weithin unterschätztes) Killeralbum. Ähnlich wie Tiamat manöverierten sich Lake of Tears aus der puren Grunz-und-Gitarrentieferstimm-Sackgasse durch deutliche Zurücknahme des Tempos und Konzentration auf das Schreiben genialer Songs. Lediglich das Intro-Riff zum Opener "A Foreign Road" hört sich ein wenig nach Bathory-Gedenk-Minute an (siehe weiter unten), aber die Befürchtung, es mit einer weiteren dahingerotzten Schweineproduktion aus der Black-Mark-Factory zu tun zu haben, erledigt sich zum Glück sofort, wenn der eigentliche Song einsetzt.

Lake of Tears unterscheidet auf "Headstones" von zahlreichen anderen Bands dieses Schlages die Fähigkeit, absolut eingängige Killer-Melodien, die man mit bösem Willen fast poppig nennen könnte, mit harten Gitarren, rauhem (aber nicht growlenden) Gesang (ähnlich wie Tiamat auf "Clouds") und gelegentlichen Keyboard-Einsätzen zu kombinieren. In seiner Gesamtqualität kann "Headstones" sicher einem Überklassiker wie "Clouds" nicht das Wasser reichen - nicht alle Songs erreichen die Perfektion, aber Lake of Tears landen wesentlich öfter Treffer als Nieten, und wenn sie Treffer landen, sind es absolute Volltreffer. Songs wie "A Foreign Road" und "Dreamdemon", die zum schnelleren Material gehören, bestechen durch ihre absoluten Ohrwurm-Refrains, die langsamen, getragenen "Raven land" und vor allem "Sweetwater" durch Atmosphäre. Der Haken des Albums: die vier genannten Songs sind die ersten vier der Platte, und der Rest kann das einmal gesetzte Niveau nicht ganz halten - soll nicht heißen, der Rest des Albums wäre schlecht, aber es erreicht nicht diese songwriterische Genialität. Dennoch eine Scheibe, die Anhängern des Genres gefallen müßte - Paradise Lost brachten eine Scheibe dieser Qualität nach "Gothic" nie mehr zustande. Von der Technik her haut der Sound des Albums sicher keinen vom Hocker, aber selbstredend ist man trotzdem weit entfernt vom matschigen Soundbrei, mit dem uns die Bathory-Alben quälen.

Leider habe ich Lake of Tears nach "Headstones", aufgrund einer generellen Abwendung vom ganz harten Metal Ende der 90er aus dem Auge verloren. "Headstones" allerdings hat einen ganz speziell reservierten Platz in meinem Herz aus Stahl gefunden...

Anspieltips: "A Foreign Road", "Dreamdemon", "Sweetwater"


AVENGER - Prayers of Steel (1984, Wishbone Records)

Und jetzt noch ein heftiger Griff in die Mottenkiste. 1984 war die Metal-Welt noch in Ordnung - für den Plattenvertrag reichte es im allgemeinen, ein paar Griffe auf der Sechssaitigen unfallfrei zu beherrschen und ansonsten den harten Maxe zu markieren - es war die Zeit der klischeehaften Nieten- und Ledermetaller im Fahrwasser von Judas Priest, in Deutschland damals wie heute angeführt von Rock'n'Rolfs stets wechselnder Piratentruppe Running Wild. Zu dieser Zeit ergatterten auch Avenger ihren Deal, veröffentlichten eine EP ("Depraved to Black") und das hier zu besprechende Album. Kurze Zeit danach änderte der Stamm der Band den Namen in Rage - und damals-wie-heute-Mastermnd Peavy Wagner rockt nach etlichen Line-up-Wechseln auch heute noch munter vor sich hin (Erlaubt mir eine weitreichende Abschweifung zum Thema Rage - obwohl eine der produktivsten Metal-Kapellen - die Alben sind kaum noch zu zählen -, die trotz eines unverkennbar eigenen Stils immer wieder Innovationen setzte [so kooperierten Rage sprichwörtlich Jahre vor Metallica mit großem Symphonieorchester] und mit treuem Stammpublikum gesegnet, blieben Rage für meine Begriffe eigentlich immer sträflich unterschätzt.

Den ganz großen Durchbruch schaffte die Truppe trotz grandioser Alben wie "Secrets in a weird world" oder "Trapped" nie, was auch daran liegen mag, daß man jahrelang bei Noise unter Vertrag stand. Zweifellos ein verdienstvolles Label mit impressivem track record, aber auch nicht mit dem Ruf des allerbesten Geschäftsgebarens gesegnet, frag nach bei Helloween oder Running Wild).
Nun, wir sind noch bei Avenger, zu dessen Line-up auch Deutschlands wohl bekanntester Metaldrummer Jörg Michael gehörte, der im Laufe seiner Karriere sprichwörtlich fast jede deutsche Metalband beglückte, von Weichspülern wie Laos bis zu den Ultra-Prog-Trashern Mekong Delta, inklusive des obligatorischen Stints auf dem Schlagzeuger-Stuhl beim musikalischen Durchlauferhitzer Running Wild), und im Jahr 1984. "Prayers of Steel" ist eine nahezu ideale time capsule des early-80's-Metal. Obschon, speziell in den von Peavy verfaßten Songs, viele spätere Rage-Trademarks in Punkte Gitarrenarbeit, Melodiösität und natürlich Gesang durchschimmern (und der ein oder andere Avenger-Song umgetextet später fröhliche Urständ bei Rage feierte), schuldet der Avenger-Sound jede Menge Vorbildern wie Priest oder eben Running Wild (und nicht nur der Sound, wenn man sich das aus heutiger Sicht hochnotpeinliche Coverartwork und das nicht minder erheiternde Bandfoto ansieht, wo Peavy leder- und nietenumwabert mit umgekehrten Kreuzen etc. posiert. Hübsch!). Im Klartext heißt das, neben flotten melodic-speed-Nummern, wie sie auch gut auf spätere Rage-Alben gepaßt hätten, bietet das Album einen ordentlichen Anteil an stampfenden Midtempo-Rockern, musikalisch nicht auf Filigran-Niveau, aber vermutlich sogar schon technisch besser als das etwa zeitgleich entstandene Running-Wild-Debüt, mit einer anständigen Produktion im Rücken. Songs wie "Battlefield" (später von Rage als "Bottlefield" wieder verwurstet), "Southcross Union" oder "Faster than Hell" knallen ordentlich rein und animieren zum ordentlichen Bangen.

Vom Songwriting selbst her sind einige nicht so gelungene Nummern durchaus zu verzeichnen (z.B. das wenig originell betitelte "Halloween"), aber für das Frühwerk von jungschen Protometallern ist das alles nicht zu verachten. Zu bemerken sind die ultraklischeehaft bis peinlichen Pennälerfantasientexte, die mit stählernen Schwertern, blutrünstigen Kriegern und zwecks Opferung an den Luzifer an Bäume gefesselten Jungfrauen alles auffahren, was des kleinen Satansbratens Herz begehrt - durchaus auf einer Linie mit den schon öfters zitierten Running Wild. Sicher war das schon damals nicht mehr als ein einziges Klischee, und es spricht für Peavy und seine Mitstreiter, daß sie das rasch erkannten und ihr "Image" als Rage konsequent änderten (im Gegensatz zu Rock'n'Rolf, der dieses "Konzept" praktisch unverändert ins 21. Jahrhundert mitgeschleppt hat), aber das war damals halt auch in gewisser Weise der Zeitgeist des Metal-Publikums. Klischee her oder hin, was bleibt, ist ein auch heute noch gut anzuhörendes "True Metal"-Album, das speziell historisch interessierte Rage-Fans und Anhänger der nun schon umpfzigmal erwähnten Under-Jolly-Roger-Truppe begeistern dürfte.

War das Scheibchen aufgrund der Tatsache, daß Wishbone Records eines dieser zahllosen kurzatmigen Mini-Indie-Labels war, lange Zeit rar wie die bekannte Seuche (mein Vinyl verdanke ich dem verdienstvollen Import-Schuppen Hellion Records - bin stolzer Besitzer einer brasilianischen Pressung des Werks), hat das neue Gun-Label "Prayers of Steel" mit einer Handvoll Bonus-Tracks zum Nice Price neu aufgelegt. Reduziert den Sammlerwert der im Umlauf befindlichen Exemplare sicherlich gewaltig, erschließt aber ein scheinbar verloren geglaubtes Classic-80's-Album einer breiten Öffentlichkeit. Reinhören!

Anspieltips: "Battlefield", "Faster than Hell", "Bloodlust".


BATHORY - Hammerheart (1989, Black Mark (Originalauflage Noise, Re-Release Sony))

Das ist die Scheibe, die ihr auflegen solltet, wenn ihr mal wirklich Eure Nachbarn ärgern wollt... Bathory starteten in den 80ern in Venom-Gefolgschaft als Black Metal-Band mit den üblichen antichristlichen Texten und waren nie von gesteigertem musikalischen Talent behindert. Verhalf der Gruppe, die sich erfolgreich jeglichen Live-Auftritten verweigerte, umgehend zu Kultstatus. Zumindest bei einer eingeschränkten Klientel, während die breite Masse die (selbstredend aus Schweden kommenden) Jungs um Frontgröhler Quorthon inbrünstig haßte. Gegen Ende der 80er, just als Death- und Black-Metal kommerziell hoffähig wurden, wandten Quorthon und seine Mitstreiter dem Genre den Rücken zu und erfanden eigenhändig den "Viking Metal", der sich textlich hauptsächlich mit nordischer Mythologie beschäftigte. Höhepunkt dieser Entwicklung war das 89er-Album "Hammerheart" und, wie man so schön sagt, wenn man nur ein Bathory-Album haben will, sollte es dieses sein (und so handhabe ich das übrigens auch).

"Hammerheart" ist eine Offenbarung in Lärm. Vom ersten Takt von "Shores in Flames" (nachdem man ein knapp zweiminütiges akustisches Intro genießen kann, bei dem Quorthon tatsächlich SINGT - das Phänomen wiederholt sich in der Akustikballade (!) "Song to Hall Up High"), ist die Marschrichtung klar - es quält sich ein zäher lavaartiger, äh, "Sound" aus den Boxen, man könnte meinen, die heimische Stereoanlage würde sich verzweifelt bemühen, die "Musik" ja nicht rausrücken zu müssen bzw. der Sound würde sich weigern, aus den Boxen zu klingen. In anderen Worten: der Sound ist BRUTAL, und zwar hauptsächlich brutal SCHLECHT - erbärmlichste Garagen-Qualität - irgendwo in dem matschigen Soundbrei erahnt man ein blechern vor sich hin bollerndes Schlagzeug, krächzend-kreischige Gitarren, die sich wie Sägeblätter ins Gehrin fressen und irgendwo bollert ein Bass jenseits der Hörbarkeitsgrenze. Jede Punkband im ersten Semester bekommt einen klareren Sound hin - and guess what, ich LIEBE dieses Album. Wäre der Sound nicht von Haus aus so schlecht, müßte man seine Anlage so verjustieren, daß er so hinkäme - es muß so so sein.
Quorthon kreischt und krächzt so wie die Gitarren, aber gelegentlich kann man sogar was von den mythologischen Texten verstehen (das Booklet liefert sie trotzdem dankenswerterweise mit), und so hören wir von den Raben, die Odin begleiten, von Valhalla und auch von den bösen christlichen Missionaren. Erschreckenderweise vernimmt man gerüchtehalber in dem Soundmatsch das ein oder andere zündend-treibende Riff und selbst vor atmosphärischem Keyboard-Einsatz schreckt Mastermind Quorthon nicht zurück. Tempomäßig bleibt das alles im sehr gemäßigten Bereich, angemessen stampfend und gelegentlich (wie bei "One Rode to Asa Bay", bei dem sich Quorthon aber schon fast in Hysterie kreischt) fast schon monoton (um zu zeigen, daß ich ein ganz besonders verquerer Zeitgenosse bin, füge ich an, daß "Hammerheart" eine meiner Lieblingsplatten ist, um ganz bequem wegzuschnorcheln... ich kann dabei hervorragnd pennen).

Quorthon, der über seine Mitstreiter in damaligen Promo-Interviews so nette Sachen zu sagen hatte wie "Wornth ist ein stinklangweiliges Upper-Class-Kid und Kothaar ein asozialer Schläger", erreichte songwriterisch nie mehr diese, ähm, Klasse und die spätere Rückkehr der Band zu Black-Metal-Themen war von den Plattenverkäufen her auch ein Schuß in den Ofen, so daß sich abschließend sagen läßt, daß "Hammerheart" Bathory auf den Punkt gebracht ist - brutale Songs in brutalem Sound, nichts für den Sonntagskaffeekranz, aber die ideale Konterwaffe gegen Hip-Hop-in-ohrenbetäubender-Lautstärke-abnudelnde Nachbarn. Einfach nur geil!

Anspieltips: "Baptised in Fire and Ice", "Home of Once Brave", "Shores in Flames".

Das Album ist dank einer Neuauflage heute problemlos beim Plattendealer des Vertrauens erhältlich.


POWERMAD - Absolute Power (1989, Reprise Records (WEA))

Es ist das Schicksal so mancher talentierten Kapelle, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. So erging es z.B. auh dem amerikanischen Power-Thrashern Powermad, die just 1989, als Power Metal toter als tot war, das vielleicht beste Album dieser Stilrichtung aller Zeiten herausbrachten. Nach einer kritikerseits vielbeachteten Debüt-EP "The Madness Begins" kamen die Jungs beim Major Reprise Records unter und veröffentlichten ihr einziges Longplay-Album "Absolute Power". Die Band hatte offenbar fähige Promoter, denn man steuerte zwei Songs zu Filmen bei und durfte in David Lynch's Wild at Heart sogar auftreten, und selbst in Deutschland kam die Band zu Ehren, als der allererste Werbespot für das Nachrichtenmagazin "FOCUS" von Powermad beschallt wurde, aber all das verkaufte keine Platten und nie wieder ward etwas von ihnen gehört. Schade, denn mit "Absolute Power" etablierten sich Powermad auf Anhieb in der Champions League der Powermetaller und ließen etablierte Konkurrenten wie Metal Church wie Chorknaben aussehen. "Absolute Power" strotzt nur so vor genialen Riffs und einprägsamen Melodien, wie sich selbst die Kollegen von Queensryche nicht alle Tage aus dem Ärmel schütteln konnten (als die noch HART waren) - Kompromisse gibt's wenig, nur eine geniale Halbballade ("Plastic Town"), ansonsten ist da Motto "voll auf die Zwölf", meist in flotter Gangart und mit einem charismatischen, eigenständigen Sänger. Wenn man herumkritteln will, könnte man höchstens die nicht sehr originellen, dafür aber ambitionierten Texte anführen - neben Politiker-Bashing (Titelsong) betreibt man ein wenig Vietnam-Aufbearbeitung ("B.N.R.") und macht sich Gedanken über die Todeszelle ("Slaughterhouse"), mit einem Ausflug in eher metaphysische Gefilde ("Final Frontier"). Das gewinnt sicher alles keine Originalitätspreise, aber die gnadenlose Power, die Powermad (treffend benannt, die Band) dem geneigten Hörer um die Ohren haut, sucht zweifelsohne ihresgleichen. Heutzutage, wie "True Metal" ja wieder schwer in ist, könnten Powermad ein Megaseller werden. Schade, daß die Band dafür 'ne schlappe Dekade zu früh dran war. Leider ist das Album nie wieder neu aufgelegt worden und erzielt daher unter Eingeweihten Sammlerpreise - und die sind hier gut angelegt, denn jeder, der ältere Queensryche-, Metal Church- oder Helstar-Alben gut findet, wird bei "Absolute Power" Freudentänze aufführen. One of the best!

Anspieltips: "Slaughterhouse", "Absolute Power", "B.N.R.", "Plastic Town".


TYPE O NEGATIVE - Slow Deep & Hard (1991, Roadrunner Records)

Wir hatten gerade schon das vielleicht brutalste Album der Metalgeschichte (ich weiß, subjektiv, sehr subjektiv), dann kommen wir jetzt zum BÖSESTEN Album der Metalgeschichte. Es nimmt auch nach über zehn Jahren nicht Wunder, daß "Slow Deep and Hard" seinerzeit einschlug wie die sprichwörtliche Bombe.

Type O Negative sind heutzutage ja eine kommerziell durchaus erfolgreiche Kultband in Gothic-Kreisen, aber der durchschnittliche heutige TON-Konsument dürfte mit diesem Stück Musik seine ernsthaften Schwierigkeiten haben. Das Band-Debüt (nachdem Mastermind Pete Steele schon mit zwei Carnivore-Alben Kontroversen ausgelöst hatte) ist ausschließlich auf den Emotionen Wut und Haß aufgebaut.

Und das läßt uns Pete Steele auch deutlich spüren - das ist kein Happy-Album, das ist der passende Soundtrack zum Selbstmord. In einer wüsten Mischung aus Hardcore-, Thrash- und Dem-was-man-später-mal-Gothic-nennen-sollte-Elementen schreit Steele der ganzen Welt seine Verachtung entgegen (Steele wollte das später als "nicht ernstzunehmen" verstanden wissen - kaum zu glauben, so überzeugungskräftig wird uns das dargeboten), schimpft über fremdgehende Freundinnen und fantasiert deren Ermordungen (und die der neuen Freunde oben drein), lästert über "Untermenschen", die von Sozialhilfe parasitieren (da sollte ich mich fast betroffen fühlen, hehe), hat die Frechheit, als einen der sieben Songs ein dumpfes Rauschen zu präsentieren und ein anderes pures Industrial-Instrumental als "Dance Mix" zu verkaufen und featuered im zwölfminütigen Opener "unsuccessfully coping with the natural beauty of infidelity", wie die meisten Songs eine in mehrere Teile unterteilte "Mini-Oper" zu eingängigen Keyboard-Klängen die grandioseste Sing-a-long-Zeile der Musikgeschichte: "I know you're fucking someone else" (how can you not love this song??). Der Sound-Mix nimmt in seiner dumpfen Tiefgestimmtheit Anleihen bei Schweden-Death, das Tempo ist variabel: getragene, fast schon orchestrale Passagen wechseln sich mit brutalem Geholze ab, im großen und ganzen nichts für Feingeister, sondern für die knallharten Typen, die filigrane Solos als Kinderkram einordnen, aber durchaus Abwechslung zu schätzen wissen.
Beileibe kein Album für Jedermann und ich kann mir das sicher auch nicht dreimal am Tag anhören, aber für die richtige düstere Stimmung ist das der perfekte Aggressionsabbau-und-Frust-Rauslaß-Sound. Wut, Haß, Schmerz - aus anderen Bestandteilen besteht die Welt des Pete Steele auf diesem Album nicht - und wer kennt solche Tage im Leben nicht? Gewiß, labilere Gemüter schmeißen sich zu den Klängen dieses Albums vermutlich vor die U-Bahn, das ändert nichts daran, daß "Slow Deep and Hard" ein Meisterwerk, geboren aus eben diesen Emotionen, ist. Ein abgrundtief böses, negatives und zerstörerisches Album und von daher Pflichtstoff für jede dunkle Seele.

Anspieltips (schwer, bei insgesamt fünf richtigen Songs von jeweils ca. 10 Minuten Länge): "unsuccessfully coping...", "prelude to agony".