- Original-Titel: Mo
- Alternative Titel: Black Magic 4 | |
- Regie: Kuei Chih-Hung
- Land: Hongkong
- Jahr: 1983
- Darsteller:
Philip Ko (Chan Hung)
Bolo Yeung (Bu Bo)
Johnny Wang Lung-Wei (Chan Wing)
Elvis Tsui (Abt Qing Zhao)
Vorwort
Abt.: B-Film Basterds Hongkong Heuler N° 1
Wir haben ja hier schon allerlei schrägen Shit gesehen und so manchen vor abgefahrenen Schweinereien strotzenden Mist besprochen, und doch waren wir nicht für das gewappnet, was uns die Shaw Brothers – eigentlich bekannt für ihre Wuxia-Abenteuer und historischen Schlacht-Epen – hier für eine Unglaublichkeit an faszinierend mystisch überhöhten Spaßbeutel servierten. Aus der Spätphase ihres Wirkens als Produzent etlicher Martial Arts -, RomCom -, Horror – und Kriminal – Filme ließen sie mit The Boxer’s Omen ein lose auf buddhistischen Glaubenssätzen, folkloristischen Geistergeschichten und modernem Ekel-Horror basierendes Monster von einem Filmm auf ihr Kino-Publikum los, welches vorangegangene Werke ala Omen des Bösen, Hex oder Seeding of a Ghost wie realitätsnahe Charakter-Dramen wirken lassen. Und wer sich Ende Juli auf gen Nürnberg macht, wird tatsächlich in den Genuss kommen, diese Exploitation-Granate beim diesjährigen B-Film Basterds 2026 auf der großen Leinwand zu erleben!
Inhalt
Boxer Chan Wing tritt in Hongkong in einem Schwergewichtskampf gegen den Thailänder Bu Bo (geiler Name, btw) an. Nach einigen Rückschlägen kann er den Verlauf zu seinen Gunsten wenden und den Boxkampf für sich entscheiden. Doch Bu Bo, der böse Bube (gnihi), erweist sich als ungemein schlechter Verlierer und verpasst dem Sieger einen Sucker Punch (für alle dieses Ausdruckes Unbeleckten; so bezeichnet man einen Schlag aus dem Hinterhalt, ohne Vorwarnung, der dem Rezipienten dieser abrupten Impulsübermittlung keine Chance zur Reaktion lässt). Dies ruft nun seinen Bruder Chan Hung, seines Zeichens Hitzkopf und Triadenmitglied, auf den Plan. Denn schon kurz nach dem Kampf findet er seine Bosse von Rivalen ermordet auf und er selbst entgeht demselben Schicksal nur durch die Intervention einer buddhistischen Mönchserscheinung, der die gedungenen Mörder einfach mal nass macht. Es stellt dazu noch heraus, Chan Wing es derart übel erwischt, dass er zukünftig querschnittsgelähmt ans Bett gefesselt ist. Also macht sich Bruderherz sofortamente nach Thailand auf, um Bu Bo seinerseits übelst umzupunchen und den verkrüppelten Wing zu rächen. Doch kommt alles dann ganz anders, als Chan Hung es sich vorgestellt hat.
In Thailand angekommen, unterhält unser Held einen ersten, rein intellektuellen, Schlagabtausch mit dem niederträchtigen Boxer Bu Bo, sucht dann aber erst einmal ein Kloster auf, um sich einen Reim auf die geisterhafte Mönchserscheinung zu machen. Dort erfährt er, dass man sein Kommen bereits erwartet hat, da der verstorbene Abt, dessen Geist in seinem toten Körper dahinvegetiert, Chan Hungs Eintreffen drei Monate zuvor vorausgesagt hatte. Angeblich sollen er und der Abt Zwillinge im Geiste sein, und Chan Hung den bösen Zauberer, der diesen in diese missliche, untote Lage versetzte, nun besiegen. Wenig überzeugt kehrt der eigentlich Rache im Kopfe habende Triaden-Bruder in sein Hotel zurück, ringt sich aber nach einem nächtlichen Lebend Fisch – kotzenden Ereignis dazu durch, den Voraussagen des untoten Abtes Glauben zu schenken, kehrt zum Kloster zurück, um sich die Haare scheren und in den Lehren Buddhas unterweisen zu lassen. Denn der mit ekligen Ritualen und toten Tieren geführte Kampf mit dem bösen Schwarzmagier lässt schon nicht mehr lange auf sich warten…
Besprechung:
Die Asiaten pflegen, wie wir nicht schon erst seit gestern wissen, eine ganz eigene Herangehensweise an Fantasy- und vor allem Horror-Stoffe, als wir es als erzkonservativ christliche oder im besten Falle atheistische Bewohner der (nord-)westlichen Hemisphöre gewohnt sind. Vor 40 Jahren noch hätten die meisten Hobby-Cineasten einen Film wie The Boxer’s Omen, immerhin von den altehrwürdigen Shaw Brothers Studios produziert, als trashig-chaotischen Tineff belächelt. Doch mittlerweile sind so einige Winter ins Land gezogen und noch mehr Datenträger durch die Abspielgeräte gewandelt, wir sind älter, reifer und (mehr oder weniger) schlauer geworden und können solcherlei Eigenheiten der asiatischen Filmkultur nun ein weniger besser kontextualisieren. Was jetzt nicht heißen soll, dass The Boxer’s Omen weniger trashig, chaotisch und auch stellenweise blödsinnig daherkommt als annodazumal, sondern wir eher gelernt haben, solcherlei Qualitäten zu schätzen und in Bezug auf die südostasiatische Filmkultur ein wenig besser nachvollziehen zu können.
Die Geschichte um den Mönch, der danach strebt Unsterblichkeit (also Transzendenz) zu erlangen und ins Nirvana einzutreten, ist natürlich tief verwurzelt in der buddhistischen Religionslehre und auch der südostasiatischen Mystik an sich. Der Umstand, dass dieser Mönch, der eigentlich schon tot ist, nun Chan Hung erscheint, die Gangster, die ihn bedrohen, besiegt, passt da auch noch einigermaßen ins Bild. Doch die Vorgeschichte des Mönchs, der sich (übrigens in Chan Hungs Heimatstadt Hongkong) mit schwarzen Magiern angelegt hat, die ihn dann mithilfe einer verzauberten Spinne tödlich verletzen, woraufhin er seinen Geist nur noch durch schiere Willenskraft in seinem toten Körper halten kann, erweist sich dann aber als absolut haarsträubend. Und das soll auch nicht die einzige Absonderlichkeit bleiben, denn der Film fährt im Folgenden, wenn Chan Hung zum Mönch ausgebildet wird und den bösen Mächten des Schwarzmagiers entgegentritt, gleich ein ganzes Arsenal an unglaublichen, alptraumhaftigen und teils auch sehr ekligen Ritualen, Zaubern und Monstren auf. Den Höhepunkt davon bilden sicherlich eine Schar wiedererweckter Fledermäuse mit rot-glühenden Augen, wenn auch die gefährlich zuschnappenden Zombie-Krokodile ihnen diesen Platz an der schwarzen Sonne fast streitig machen können.
In seiner Inszenierung setzt The Boxer’s Omen nicht nur auf per Stop Motion zum Leben erwecktes Getier, sondern auch auf fantasievolle Masken und Kostüme, grelle Beleuchtung in Spektralfarben und ein an eine Theaterbühne erinnerndes Setting der spirituellen Kampfarena, was die Surrealität des Gezeigten phänomenal gut unterstreicht. Vor schwarzem Hintergrund im Zwielicht sitzend beschwört der Schwarzmagier totes Getier und erfüllt es nach griff in ein Lebendgehirn mit Glubschaugen mit untotem Leben. Währenddessen ist es an Neu-Mönch Chan Hung vor allem daran, Ruhe zu bewahren und immer wieder formelhafte Gebete zu rezitieren, um den bösen Zauber nicht zu sich durchdringen zu lassen. Die Dramaturgie vergisst dabei nicht, ihm in der realen Welt Rückschläge angedeihen zu lassen, als er, der ja ein Leben voll Sünde hinter sich gelassen hat (in den ersten zehn Minuten noch schön veranschaulicht durch eine nette Nummer mit seiner Freundin), vor Buddha falsch Zeugnis ablegt. So werden Ermüdungserscheinungen innerhalb des ganzen überirdischen Hokus Pokus relativ sauber umschifft. Nach diesem Zwischenkapitel freuen wir uns dann auch diebisch ob der Abstrusitäten, die da noch auf uns warten.
Regisseur Kuei Chih-Hung hat die Chose dabei stets im Griff. Das Pacing ist angemessen, die Geschichte drängt erst einmal vorwärts, nur vereinzelt fantastische Elemente einstreuend, um dann in langen surrealen Passagen zu gipfeln, die uns einfach überrollen ob der Unberechenbarkeit dieses wundervollen Fantasy-Horror-Brockens. Er war, nach einem Einstieg ins Regie-Fach mit einigen Krimi-Stoffen und Liebesfilmen, bei den Shaw Brothers der Mann für die wilden Exploitation-Filme. Darunter befinden sich bekannte Werke wie der mit italienischen Geldgebern realisierte Drei Spaghetti in Shanghai (Crash! Che botte… strippo strappo stroppio, 1973), der von Wolf C. Hartwig koproduzierte Karate, Küsse, blonde Katzen (Yang shi, 1974) und der berüchtigte Lagerfilm Das Bambuscamp der Frauen (Nu ji zhong ying, 1973). Sein wohl meist geachteter Film ist sicherlich das harte Rache-Drama Der gnadenlose Vollstrecker (Wan ren zan, 1980) mit Chen Kuan-Tai und Ku Feng, ein großer Shaw-Klassiker. Danach tauchte Kuei Chih-Hung dann in Fantasy- und Horror-Gefilde ab, inszenierte die eher komödiantisch gelagerten Hex-Filme, den Hongkong-Giallo Corpse Mania (Shi yao, 1981), den Mystik-Horror Bewitched (Gu, 1981) und eben den vorliegenden The Boxer’s Omen (Mo, 1983).
In der Hauptrolle als Chan Hung sehen wir Philip Ko, dessen Karriere bei den Shaw Brothers nie richtig Fahrt aufnahm. Schon kurz darauf schloss er sich IFD Films & Arts an, wo schon der frühere Shaw-Novize Godfrey Ho als Regisseur, Cutter und Vertriebsleiter untergekommen war. Er erlernte dort auch das Handwerk hinter der Kamera und drehte nach seiner Zeit bei IFD eine Reihe von B-Filmen, oftmals Ripoffs bekannter westlicher Filme wie Fatal Chase (Zhi fa wie long, 1992), der merklich Ridley Scotts Black Rain (1989) nacheifert, oder Ultracop 2000 (Magkasangga 2000, 1995), der mehr als ein wenig an Dark Angel (I Come In Peace, 1990) mit Dolph Lundgren und Matthias Hues erinnert. Bolo Yeung, den meisten sicherlich bekannt als Jean-Claude Van Dammes Endgegner Chong Li aus Bloodsport (1988), hat als garstiger Thaiboxer Bu Bo leider nicht sehr viel Screentime. Genauso ergeht es dem ewigen Nebendarsteller Johnny Wang, der etliche Shaw-Klassiker wie Der Tempel der Shaolin (Siu lam ji, 1976), Vier gnadenlose Rächer (Chaan kuet, 1978) oder Clan of the White Lotus (Hung man den saam poh baak lin gaau, 1980) in seiner Vita stehen hat. Der dritte im Bunde der Unterpräsentierten ist Elvis Tsui, der als Abt meist im meditativen Schneidersitz verhaart und sich nur in weniger als einer Handvoll Szenen mal regen darf. Er ist vor allem für spätere Filme wie Ringo Lams HK-Noir Cover Hard II (Long hu feng yun, 1987), das Klassiker-Remake New Dragon Gate Inn (San lung moon hak chan, 1992) und Wong Kar-Wais Wuxia-Hommage The Grandmaster (Yi dai zong shi, 2013) bekannt.
Fassung:
Über Jahre war The Boxer’s Omen zwar durchaus erhältlich, allerdings in nicht gerade astreiner Qualität. Aus Hongkong gab es nur eine Video-CD, aus den USA und Japan technisch kaum überzeugende DVDs, allesamt zumindest ungeschnitten. Für sein 2022 erschienes Boxset Shawscope Volume 2 hat Arrow Video die Original-Negative neu abtasten lassen, sodass der Film in neuem, nie bekannten Glanz erstrahlt. Das Bild ist gestochen scharf, Farben und Kontrast bringen Beleuchtung und Effekte gut zur Geltung, und auch der Ton schallt klar und deutlich aus den Boxen. Als besonderes Schmankerl befinden sich unter den Extras die exklusiven Szenen der Mandarin-VHS, die es bisher eben nur auf dieser zu sehen gab. The Boxer’s Omen markiert damit ein strahlendes Highlight dieser sowieso durch und durch gelungenen Veröffentlichung.
Fazit:
Mit The Boxer’s Omen bekommt man das Full Package chinesischer Fantasy-Horror-Exploitation – schrill, bunt, laut und eklig. Die Abfolge an schrägen Ideen, kruden Monster-Kreationen und Zwerchfell wie Brechreiz anregenden Geschmacklosigkeiten wird uns rigoros und in hohem Tempo um die Ohren gehauen, dass es nur so eine Freude ist. Wer mit asiatischen Mystik-Schwachfug per se nichts anfangen kann, sollte einen großen Bogen um den Film machen, wer aber auch nur ansatzweise für so etwas offen ist, sollte sich The Boxer’s Omen unbedingt mal einwerfen. Es lohnt sich!
BOMBEN-Skala: 3
BIER-Skala: 8
Review verfasst am: 13.07.2026