Infernal Affairs


  • Deutscher Titel: Infernal Affairs
  • Original-Titel: Infernal Affairs
  •  
  • Regie: Andrew Lau, Alan Mak
  • Land: Hongkong
  • Jahr: 2002
  • Darsteller:

    Andy Lau (Lau), Tony Leung (Yan), Anthony Wong (Inspektor Wong), Eric Tsang (Sam), Kelly Chan (Dr. Lee)


Vorwort:

In Hongkong kämpft die Polizei ihren beinahe aussichtlosen Kampf gegen die Triaden. Oberinspektor Wong, der Leiter des Büros zur Bekämpfung des Triaden-Unwesens, hat in die Bande des Oberbosses Sam einen Spitzel eingeschleust. Der Undercover-Mann Yan ist Teil eines Langzeitplans – direkt von der Polizeischule in den Untergrund geschickt, fährt er jetzt schon zehn Jahre lang sein gefährliches Doppelleben und ist der Aufgabe langsam müde. Aber auch Sam war nicht untätig und hat seinerseits seinen eigenen Maulwurf im Polizeiapparat untergebracht, den jungen, von seinen Kollegen als karrieregeilen Emporkömmling eingeschätzten Lau. Beim Versuch, eine Drogenlieferung auffliegen zu lassen, bei dem die Maulwürfe beider Seiten für Verwirrung unter ihren jeweiligen Gegenspielern sorgen, wird ssowohl Wong als auch Sam klar, dass ihre Organisationen unterwandert sind. Ironischer- und nichtsahnenderweise teilt Wong ausgerechnet Lau die Aufgabe zu, die undichte Stelle im Polizeiapparat zu enttarnen, während er gleichzeitig für Sam den Spitzel in dessen Bande auffliegen lassen soll…

Inhalt:

Und wieder stellt sich ein Film auf DVD vor, der gerade erst beim FFF 2004 im Kino lief. „Infernal Affairs“ dürfte der erfolgreichste Film sein, den Hongkong in den letzten Jahren auf die Welt losgelassen hat – Kassenknüller in der einstigen Kronkolonie, mit Hongkong-Oscars nur so zugeschmissen, mittlerweile zweimal fortgesetzt und gerade dabei, von Hollywood von Martin Scorcese für das unvermeidliche US-Remake (mit Leo dem Cabrio und Matt Damon in den Hauptrollen) verwurstet zu werden. Das muss ja ein unwahrscheinlich brillantes, noch nie dagewesenes Filmchen sein, oder?

Dabei betritt „Infernal Affairs“ (guter Titel übrigens) eigentlich kaum besonderes Neuland – letztlich ist es eigentlich „wie immer“ die gute alte HK-Plotte, die Frage, wem gegenüber bin ich loyal? Man mächte fast meinen, dass es im Hongkong-Action-/Krimi-Kino kein anderes Thema gibt als Loyalitätskonflikte. Der Kniff von „Infernal Affairs“ ist halt eben der, die Protagonisten auf den quasi „verkehrten“ Seiten anzusiedeln – der Cop steckt bei den Ganoven, und der Gangster ist ein Cop (auch nicht die alleroriginellste Idee, but there you go) und beide haben, wie nicht anders zu erwarten, ihre Probleme mit ihrer Rolle. Yan steckt mitten in einer Identitätskrise – er ist sich nicht mehr sicher, auf welcher Seite er *wirklich* steht, Lau fühlt sich zwar seinem Gangsterboss Lau loyal verbunden, wünscht sich aber andererseits nichts mehr, als ein „guter Mensch“ zu sein. Keine Story, die nun umwerfend neu ist, aber eine, die erstaunlich gut funktioniert, was einem, besonders in Hongkong durchaus gesondert zu erwähnen, extrem dichten Drehbuch geschuldet ist. Die meisten Hongkong-Filme, sind mit soviel Plot und Subplot, Charakteren und Nebencharakteren zugekleistert, dass man, besonders als weißer Teufel, der mit Müh und Not die Hauptfiguren unterscheiden kann, gerne mal den Ãœberblick verliert. „Infernal Affairs“ schenkt sich Abschweifungen (mit Ausnahme der Tatsache, dass beide Protagonisten für den eigentlichen Filmfortgang unnötigen „Kontakt“ zum weiblichen Geschlecht haben. Ohne diese drei-vier kurzen Szenen, die den Film aber nicht entscheidend aufhalten, wäre das ein Film vollkommen ohne Frauen, und das geht wohl nicht mal mehr in Hongkong), sondern verfolgt mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks sein Ziel – und natürlich kann ein solches Set-up, und ganz besonders in der Filmindustrie, die den Ausdruck „heroic bloodshed“ geprägt hat, nur in einer Tragödie enden.

Der Film lebt dabei, ebenfalls eher unüblich für einen Crime-Thriller Made in Hongkong nicht von Actionsequenzen – der einzige kleinere Shoot-out wird niemanden, der „The Killer“ mehr als einmal gesehen hat, aus den Pantinen kippen, außerdem haben wir hier einen Film vor uns, den auch Leute, die gegen Kung-fu allergisch sind, problemlos ansehen können -, sondern von seiner Spannung. Seine Schlüsselszenen sind keine spekulativen Stunt- oder Gewaltexzesse, sondern anspannende Situationen, wie z.B. der Drogendeal, der beiden Seiten die Existenz des jeweils anderen Maulwurfs aufdrängt. Um’s kurz zu machen, jeglicher Versuch, „Infernal Affairs“ als Actionfilm zu bezeichnen, läuft leer, das ist ein reiner Cop-Thriller, der sicherlich stilistisch und auch inhaltlich weniger der HK-School of Filmmaking als Hollywood und seinen Polizeidramen und -thrillern geschuldet ist (und dass Hollywood jetzt Hongkong-Filme „remaked“, die ihrerseits Hollywood-Motive verarbeiten, kommt der Quadratur des Kreises doch sehr nah).

Die Regiearbeit ist überzeugend – Andrew Lau und Alan Mak sind glänzende Stilisten, die das toughe Drama in einen edlen Hochglanz-Optik-Look packen. Während Mak eher ein Newcomer im HK-Regiebusiness ist, ist Lau schon ein alter Hase, der aus der Cat.-III/B-Film-Schule Hongkongs kommt und u.a. „Raped by an Angel“ und die „Young and Dangerous“-Serie inszenierte, bevor er mit „Storm Riders“ erstmals an höherbudgetierten Stoff herangelassen wurde. Die Arbeit von zwei Regisseuren führt dankenswerterweise nicht zu einer Zerrissenheit des Films, der Streifen hat einen sehr einheitlichen, eleganten, slicken Look und befleißigt sich eines vergleichsweise zurückhaltenden Tempos (wäre ich böse, könnte ich behaupten, John Woo oder Wong Jing hätten aus dem Plot dieses Films allenfalls zehn bis zwanzig Minuten für eins ihrer Werke destilliret), auch das eher ungewöhnlich für das neue Hongkong-Kino, das sich tempomäßig sonst doch gerne überschlägt (und sich dabei auch gern mal selber ein Bein stellt).

Das erweist sich aber als Glücksfall, denn dadurch können die Stars, und die sind durchaus die Creme-de-la-Creme des HK-Actionkinos, beweisen, dass sie auch schauspielerisch was drauf haben. Andy Lau, nicht nur in über 100 HK-Filmen („Drunken Master II/III“, „God of Gamblers II“) präsent, sondern auch Canto-Pop-Superstar, kann als Lau ebenso überzeugen wie sein Gegenüber Tony Leung („Hero“, „In the Mood for Love“, „Gorgeous“) als Yan. Beide können, unterstützt durch das erstklassige Script, ihren Rollengestalten Tiefgang und Glaubwürdigkeit verleihen. Auch ihre jeweiligen „Vaterfiguren“ sind hochkarätig besetzt – den Polizeiinspektor Wong gibt HKs Vorzeigepsychopath Anthony Wong („The Untold Story“, „Black Mask“) und beweist dabei, dass er nicht nur durchgeknallt und überdreht, sondern auch sachlich und zurückgenommen agieren kann, Triadenboss Sam wird von Eric Tsang („Gen X-Cops“, „The Last Blood“) leutselig-entspannt verkörpert. Kelly Chan („Tokyo Raiders“) und Sammi Chen haben dank unterrepräsentierter Rollengestalten kaum Möglichkeiten, sich auszuzeichnen.

Bildqualität: Das verdienstvolle Label mcOne legt mit „Infernal Affairs“ eine weitere Qualitäts-DVD-Umsetzung vor. Der Film wird in einem feinen anamorphen 2.35:1-Widescreen präsentiert, wobei der Print selbstverständlich frei von jeden Verunreinigungen ist, in Punkto Detail- und Kantenschärfe voll zu überzeugen weiß und auch gelungenen Kontrast bietet. Die Kompression könnte einen Tacken besser sein, das ist vermutlich der Vielzahl von Tonspuren geschuldet, die das Label gewohnheitsmäßig auf seine Scheiben zu packen pflegt.

Tonqualität: Wie fast schon liebe Gewohnheit, packt mcOne fünf Audiotracks auf die Scheibe, wobei die Wahl zwischen Dolby Digital 5.1 oder Headphone-Surround für den deutschen als auch den kantonesischen O-Ton ermöglicht wird, der deutsche Ton zusätzlich auch in dts vorliegt. Ich habe zwischen den beiden 5.1er-Spuren hin- und hergeschaltet und bin mit beiden Tracks akustisch sehr zufrieden. Sie sind beide völlig rauschfrei, gut verständlich (so man kantonesisch beherrscht, äh) und sehr gut abgemischt. Die packende Filmmusik kommt ebenfalls gut zur Geltung. Deutsche Untertitel werden sowohl für Hörgeschädigte als auch „normal“ mitgeliefert.

Extras: Diese Sektion ist mal wieder unter Vorbehalt zu sehen, da mir explizit eine Rental-DVD vorliegt, die sich in ihren Features von der Kauffassung durchaus unterscheiden kann. Hauptextra der Scheibe ist ein Audiokommentar, der erfreulicherweise, da doch relativ wenige Menschen hier der kantonesischen Sprache mächtig sein dürften, mit optionalen deutschen Untertiteln genossen werden kann, dazu gibt’s den deutschen und den chinesischen Originaltrailer, Biographien und die übliche Trailershow. Für ’ne Leih-DVD ist das schon ganz ordentlich.

Fazit: „Infernal Affairs“ ist ein spannender Cop-Thriller, der entgegen der Angewohnheit des HK-Kinos nicht von Stunts, Geballere und/oder Martial Arts, sondern von einem geschickt konstruierten und bis zum letzten konsequent durchgespielten Drehbuch und sehr guten Darstellern lebt – insgesamt für Hongkong eher ungewöhnlich und vielleicht gerade deswegen sowohl dort sehr erfolgreich als auch für ein internationaleres Publikum zugänglicher als die opulenten Gewaltorgien eines John Woo. Die ganz große Offenbarung, für die man den Streifen ob des Hypes halten konnte, ist’s allerdings nun auch wieder nicht – der Film ist sehenswert, aber auch nicht das, was ich einen genrerevolutionierenden All-Time-Classic kennen wärde (wie’s „The Killer“ bleistiftsweise war). Die mcOne-DVD besticht wie eigentlich immer mit sehr gutem Bild und Ton und kann daher durchaus empfohlen werden. Die Gesamtnote könnte sich bei umfangreicherer Ausstattung der Kauf-DVD erhöhen.

4/5
(c) 2006 Dr. Acula


mm
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