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SO FINSTER DIE NACHT So finster die Nacht Alternativtitel: Let the Right One In – So finster die Nacht Originaltitel: Låt den rätte komma in Internationaler Titel: Let the Right One In Schweden 2008, 110 min, FSK 16 Credits Cast: - Kåre Hedebrant (Oskar)
- Lina Leanderssson (Eli)
- Per Ragnar (Håkan)
- Peter Carlberg (Lacke)
- Ika Nord (Virginia)
- Patrik Rydmark (Conny)
- Cayetano Ruiz (Lehrer Avila)
- Karl-Robert Lindgren (Gösta)
- Rasmus Luthander (Jimmy)
Crew: - Regie: Tomas Alfredson
- Drehbuch: John Ajvide Lindqvist (nach seinem Roman)
- Kamera: Hoyte Van Hoytema
- Schnitt: Tomas Alfredson, Dino Jonsäter
- Musik: Johan Söderqvist
- Production Design: Eva Norén
- Spezialeffekte: Hans Harnesk
- Produzent: Carl Molinder, John Nordling
- ausführender Produzent: N.A.
- Produktion: EFTI, The Chimney Pot, Fido Film AB, Filmpool Nord, Ljudligan, Sandrew Metronome Distribution Sverige AB, SVT, WAG
Einleitung Die werte Leserschaft sei willkommen geheißen beim heutigen Doppelreview. Thema ist „So finster die Nacht“, der schwedische Vampirfilm nach dem nicht minder schwedischen Bestsellerroman von John Ajvide Lindqvist. Der Streifen hat im Badmovies.de-Forum eine kleine Kontroverse ausgelöst, was seine Interpretation anbelangt – beste Voraussetzungen für eine Kampffilmbesprechung (bis aufs Blut). Einer für BM-Verhältnisse kurzen Inhaltsangabe folgen die umso ausführlicheren Analysen der beiden Kontrahenten. Wer hat die besseren Argumente? Wer schreibt Blödsinn? Wessen Leiche wird danach gegessen? Viel Spaß beim Lesen! Inhalt Conny bedrängt Oskar. Ach, das weckt schöne Erinnerungen an die Schulzeit. Wir schreiben das Jahr 1981 und finden uns im Stockholmer Vorort Blackeberg wieder: Oskar leidet darunter, dass er in der Schule von Conny und dessen Kumpels auf regulärer Basis gehänselt, gedemütigt und gequält wird. Die Freizeit vertreibt er sich damit, Zeitungsausschnitte über Morde, Massaker und andere lustige Sachen zu sammeln und mit dem Messer auf Bäume einzustechen, während er sich dabei vorstellt, seine Peiniger vor sich zu haben. Dabei wird er von Eli beobachtet, einem Mädchen, das jüngst zusammen mit ihrem Vater Håkan in die Wohnung neben der von Oskar eingezogen ist. Sie riecht komisch, trägt trotz der Kälte nur leichte Sachen und stellt als erstes klar: „Wir können keine Freunde werden. Nur dass du das weißt.“ Doch Oskar kriegt sie nicht mehr aus dem Kopf und leiht ihr bei der nächsten Begegnung einen Zauberwürfel aus (den sie unmenschlich schnell löst). Die beiden freunden sich an, treffen sich abends regelmäßig zum Quatschen und Spielen und unterhalten sich mittels Morse-Code durch die Wand. Allmählich verliebt Oskar sich in das geheimnisvolle Mädchen. Was er jedoch nicht weiß: Eli ist ein Vampir und Håkan nicht ihr Vater, sondern… Naja, so richtig klar wird das nicht, aber jedenfalls passt er auf sie auf und bemüht er sich, frisches Blut für sie zu besorgen, weswegen er in einem Waldstück im Nachbarort Vällingby einen Jugendlichen anspricht, ihn mit Halothan betäubt, an einem Baum aufhängt und mittels eines Kehlenschnitts ausblutet. Zumindest ist das der Plan, denn bevor er seine Arbeit beenden kann, wird er von einem Pudel sowie den zugehörigen Fußgängern gestört und muss unverrichteter Dinge die Flucht ergreifen. (Für den Jungen kommt jede Hilfe zu spät.) Vom Hunger getrieben, geht Eli selbst los und lockt einen gewissen Jocke unter einen Bahnübergang, indem sie sich verletzt stellt. Als er ihr helfen will, saugt sie ihn aus und bricht ihm das Genick – selbiges beobachtet der Katzennarr Gösta von seiner Wohnung aus und rennt sofort zu Jockes Freunden; insbesondere Lacke, der beste Freund des Toten, ist besorgt. Als man zusammen die Stelle untersucht, findet man zwar Blut, doch die Leiche wurde inzwischen von Håkan weggeschleift und in einem nahe gelegenen Gewässer entsorgt. Dieser versucht es noch einmal und findet sein nächstes Opfer im örtlichen Schwimmbad. Als er sich jedoch gerade an die schmutzige Arbeit machen will, wird er von den Freunden des Jugendlichen entdeckt. Bevor sie ihn erwischen und an die Polizei weitergeben können, schüttet er sich ein Glas mit Säure über das Gesicht – damit will er nicht nur seinem Leben ein Ende setzen, sondern auch verhindern, dass man ihn hernach identifizieren und zu Eli zurückverfolgen kann. Doch er hat Pech, überlebt und landet schwer entstellt im Krankenhaus. Dort findet ihn schließlich Eli, trinkt sein Blut und tötet ihn, indem sie ihn aus dem siebten Stockwerk fallen lässt. Nicht einmal in Ruhe jemanden schächten kann man. Oskar findet in der Zwischenzeit dank Eli das Selbstvertrauen, sich bei Sportlehrer Avila zum Krafttraining anzumelden und setzt sich auf einem schulischen Eislauf-Ausflug gegen Conny zur Wehr, indem er ihm eine Kunststoff-Stange um die Ohren haut, die er am Ufer gefunden hat – zufälliger- und lustigerweise ist es dieselbe, mit welcher Håkan damals Jocke weiter ins Wasser gestoßen hat. Apropos Jocke: Während Oskar sich über seinen Triumph freut, finden zwei kleine Mädchen die tiefgefrorene Leiche von Elis Opfer. Unser Protagonist erzählt dem Vampirmädchen voller Stolz von seiner Tat, als er aber mit ihr Blutsbrüderschaft schließen will, muss er entgeistert mit ansehen, wie sie sein Blut vom Boden leckt. Bevor Schlimmeres passieren kann, rennt sie davon. Während Oskar diese Entdeckung macht, haben Jockes Freunde von dem Leichenfund erfahren. Außer sich vor Trauer stößt Lacke seine Freundin Virginia vor den Kopf – als er ihr nachläuft und sich bei ihr entschuldigen will, kriegt er gerade noch mit, wie sie von der hungrigen Eli (Oskars Blut hat ihren Appetit angeregt) angegriffen wird. Er kann den Vampir zwar vertreiben, doch Virginia hat sich bereits angesteckt und wandelt sich selbst zum Ungeheuer. Überwältigt von ihrem neuen Blutdurst, geht sie zu Gösta, um sich seinen Lebenssaft zu holen, zögert jedoch, als sie dort auch Lacke begegnet (selbiger wollte grad den Haustierfreund davon überzeugen, endlich zur Polizei zu gehen und auszusagen). Allfällige Aussprachen müssen warten, weil Virginia von Göstas Katzen angegriffen wird und sich beim Sturz die Treppe runter schwere Verletzungen zuzieht, so dass sie im Krankenhaus landet. Dort kommt sie zu der Einsicht, dass sie nicht als Vampir weiterleben und stattdessen Selbstmord begehen will: Sie bittet ihren Krankenpfleger, die Jalousien hochzuziehen, und verbrennt im Licht der Sonne bei lebendigem Leibe. Oskar ist inzwischen aus der Hütte seines Vaters abgehauen (weil der sich mehr für einen Kumpel, der zu Besuch kommt, und Schnaps interessiert als für seinen Sohn) und hat sich heimlich zurück nach Blackeberg geschlichen, um Eli zur Rede zu stellen. Sie gesteht ihm, dass sie ein Vampir ist (oder zumindest so was Ähnliches), er geht zunächst auf Distanz – als sie ihn später in seiner Wohnung besuchen will, fordert er sie dazu heraus, ohne eine Einladung hereinzukommen. Als sie aus allen Poren zu bluten beginnt, bereut er das: „Du darfst reinkommen!“ Die beiden schließen Frieden miteinander. Nach dem Tode Virginias endgültig am Boden zerstört, hat Lacke inzwischen in seinem Gedächtnis gekramt: Als damals Håkan und Eli eingezogen sind, hat er das Mädchen zwar nicht gesehen, aber mitbekommen, wie ersterer die Fenster der Wohnung mit Karton abgedeckt hat. Er zählt zwei und zwei zusammen und begibt sich eben dorthin, wo er tatsächlich das Vampirkind findet. Als er es töten will, wird er jedoch von Oskar abgelenkt, was Eli die Gelegenheit gibt, den Eindringling umzubringen. Neulich auf dem Spielplatz. Da Blackeberg offensichtlich zu einem gefährlich Pflaster geworden ist, verlässt Eli die Gegend und damit Oskar. Der kriegt tags darauf einen Anruf von Martin (ein Kumpel Connys, der sich seit dem Vorfall beim Eislaufen bei ihm einschleimt): Avila habe danach gefragt, ob er nicht wieder zum Training in die Schwimmhalle kommen wolle. Oskar sagt zu und geht hin, natürlich ohne eine Ahnung davon zu haben, dass das Telefonat von Jimmy, Connys großem Bruder, veranlasst wurde. Vor Ort wird dann der Sportlehrer mittels eines angezündeten Müllcontainers nach draußen gelockt, während drinnen Jimmy, Conny und Co. die anderen Schüler vertreiben, um mit Oskar in Ruhe eine „Wette“ abzuschließen: Schafft er es, drei Minuten unter Wasser zu bleiben, kriegt er von Jimmy nur einen kleinen Ritz mit dem Messer. „Schaffst du’s nicht, stech ich dir ein Auge aus, Schweinchen.“ Von Jimmy gewaltsam unter Wasser gedrückt, droht er zu ertrinken, doch da: Eli kommt ihm zu Hilfe und zergort die Angreifer brutalst. Zuletzt sehen wir, wie Oskar mit dem Zug verreist und mit dem Finger per Morsecode auf ein Klopfen aus einem großen Reisekoffer antwortet… Ralphs Analyse Schöner Wohnen im Schweden der 80er. Sei es im Kino oder im Buchhandel, Vampire sind wieder en vogue. Auslöser für den momentanen Hype um den altbekannten Blutsauger dürften die in Deutschland als „Bis(s)“-Serie bekannte Roman-Reihe der US-Autorin Stephenie Meyers um den eleganten, tugendhaften und jugendlichen Vampir Edward und seine menschliche Freundin Bella sein, die dem Vernehmen nach literarisch nicht unbedingt Gold sind, dafür aber insbesondere Mädchenherzen schneller schlagen lassen. Ich habe die Serie zwar nicht gelesen (und habe es auch nicht vor), fand die unter dem Titel „Twilight“ in unsere Kinos gekommene erfolgreiche Verfilmung des ersten Romans der Serie aber durchaus ansprechend. Und wenn ein Sujet, bzw. ein Motiv Erfolg hat oder gar Mode wird, dann lassen die unvermeidlichen Nachahmer nicht lange auf sich warten: Mein heutiger Bummel in meine Stammbuchhandlung ließ mich eines speziell Vampirromanen gewidmeten Schaufensters gewahr werden. Was an dem momentanen Hype jedoch auffällt ist, dass sich die Schaffenden in Sachen Vampirmythos wieder 'Back to the Roots' zu bewegen scheinen. Wurde in den vergangenen 25 Jahren der Vampirmythos gründlich entzaubert und zeitgemäß umdefiniert (angefangen bei 'Near Dark' oder 'Lost Boys' bis hin zu John Carpenters 'Vampires' oder die 'Blade'-Reihe, allesamt Filme, die Vampire zeigen, die kaum noch etwas mit dem gemein haben, was man vielleicht, an Bram Stokers 'Dracula' orientiert, den „Klassischen Vampirmythos“ nennen kann), so wird nun verstärkt wieder auf altbekannte Elemente zurückgegriffen. Die Vampire sind keine pöbelnden Jugendliche mehr, die sich bluttrinkend durch das Nachtleben prollen, sie unterhalten auch keine abgewrackten Kneipen, die als Tarnung für Touristenfallen dienen, oder liefern sich mit unrasierten Vampirjägern Duelle in Wild-West-Manier, vielmehr scheint dem Vampir ein Teil seiner aristokratischen Würde, seiner geheimnisvollen Aura und seiner erotischen Anziehungskraft zurückgegeben worden zu sein, die einst einen Grafen Dracula, eine Carmilla oder die Vampire des französischen Independent-Regisseurs Jean Rollin auszeichneten. Eli erledigt Jocke. Mach’s gut, Jocke! In diese Kategorie gehören auch der Roman 'So finster die Nacht' des schwedischen Autors John Ajvide Lindqvist sowie die gleichnamige Verfilmung durch den ebenfalls schwedischen Regisseur Thomas Alfredson. Bezeichnend hierfür ist bereits der Originaltitel des Buches, bzw. des Films, 'Låt den rätte komma in', was ins Deutsche übersetzt soviel heißt wie „Lass die (den?) Richtige(n) hinein“. Angespielt wird dabei auf die im „Klassischen Vampirmythos“ etablierte Legende, dass ein Vampir ein Haus, bzw. eine Wohnung erst dann betreten kann, wenn er hierzu ausdrücklich vom Hausherrn eingeladen wurde. Und im Fall von 'So finster die Nacht' ist die Richtige, die hineingelassen wird, ein zwölfjähriges Vampirmädchen, welches unter dem Strich dann doch mehr mit Dracula und Konsorten gemein hat als mit Blade. Allerdings soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, Lindqvist, der für die filmische Umsetzung seines Romanes auch das Drehbuch beisteuerte, und Regisseur Alfredson hätten sich an den Hype um die „Bis(s)“-Romane von Mrs. Meyers angehangen. Mit der doch recht süßlichen, offensichtlich für ein weibliches Lesepublikum zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr aufbereiteten Variante des Vampirmythos hat 'So finster die Nacht' rein gar nichts zu tun. Dafür ist bereits der Film zu – öhm – finster und wer zum Roman greift wird feststellen, dass der Streifen nur die sanfte und entschärfte Variante der dort niedergelegten Originalgeschichte ist, die Review-Kollege Gregor jüngst in einer brillanten Rezension besprochen hat (trashtalk.badmovies.de/phpBB2/viewtopic.php?p=751441#p751441). Irgendwie zweifle ich daran, dass Lindqvist für seinen Roman dieselbe Lesergruppe im Visier hatte wie Stephenie Meyers für die „Bis(s)“-Reihe. Dennoch kamen Buch und Film zur rechten Zeit und konnten international veritable Erfolge feiern, am US-Remake wird bereits gearbeitet. Dabei sollte allerdings schon betont werden, dass zumindest ich davon ausgehe, dass 'So finster die Nacht' seinen Erfolg hauptsächlich dem Umstand verdankt, dass der Film einfach gut ist, und nicht etwa dem momentanen Vampir-Hype geschuldet ist. Geschadet wird er ihm trotzdem nicht haben und es sei ihm vergönnt. Håkan entsorgt die tote Leiche des ermordeten Jocke. 'So finster die Nacht' ist die Geschichte der Liebe zweier Außenseiter zueinander. Hier der in der Schule von seinen Mitschülern gedemütigte und von seinen geschiedenen Eltern und seiner Umwelt missverstandene und vernachlässigte zwölfjährige Oskar, dort das zumindest körperlich gleichaltrige Vampirmädchen Eli (sie ist, nach eigener Aussage, schon sehr lange 12 Jahre alt). Beide müssen irgendwie schauen, dass sie mit ihrem Leben klar kommen, was sich als nicht gerade einfach erweist. Oskar wird in der Schule von seinem Mitschüler Conny und dessen Clique geradezu gefoltert (so wird er von ihnen mit einem abgebrochenen Ast derart drangsaliert, dass eine Gesichtsverletzung die Folge ist, von verbalen Demütigungen wie die Bezeichnung „Schweinchen“ gar nicht zu sprechen – es geht sogar so weit, dass Conny ihn an einem Wintertag beim Schlittschuhlaufen mit der Schulklasse in ein eisiges Wasserloch werfen möchte, was schlicht lebensgefährlich ist, wogegen Oskar sich aber zu wehren weiß), seine Mutter ist nicht direkt abweisend ihm gegenüber, allerdings gelingt es ihr auch nicht gerade, ihrem Sohn menschliche Wärme zu vermitteln (vgl. dazu die treffenden Beobachtungen in Gregors Analyse), und dass bei einem Besuch bei seinem offenbar homoerotischen Tendenzen nicht abgeneigten Vater diesen ein männlicher Gast mehr zu interessieren scheint als sein Sohn, macht die Sache auch nicht gerade besser. Eli hingegen leidet darunter, dass sie, um weiterexistieren zu können, Menschen töten muss, wobei diese Weiterexistenz auch durch Menschen bedroht wird, die hinter ihr Geheimnis kommen, weswegen Eli, die im Sonnenlicht zu Staub zerfallen würde, auf menschliche Beschützer angewiesen ist. Oskar flüchtet sich anfangs, um mit den Demütigungen des Alltags fertig zu werden, in Gewaltphantasien. Er studiert aktuelle Mordfälle und versetzt sich in die Situation der Täter, empfindet Freude an der Vorstellung, Herr über Leben und Tod zu sein. Dies ist zwar kein gesundes, aber psychologisch doch verständliches Verhalten für ein von seiner Umwelt drangsaliertes Kind, welches mittels Machtphantasien versucht, seine Situation irgendwie erträglich zu gestalten. Eli pflegt dagegen zu Beginn des Films eine etwas undurchsichtige Beziehung zu ihrem wesentlich älteren Beschützer Håkan, mit dem sie in einer Wohnung lebt und der durch eine pädophile und damit recht ungesunden Neigung an Eli gefesselt zu sein scheint. Er beschützt Eli tagsüber, wenn sie unter einer Abdeckung in der Badewanne schläft (das ist tatsächlich eine recht exzentrische Neuerung des „Klassischen Vampirmythos“, Vampire schlafen nicht mehr in Särgen, sondern in Badewannen) und ist darüber hinaus bemüht, ihr Opfer zuzuführen. Womit er allerdings nicht recht erfolgreich ist, so dass Eli dann doch selbst auf nächtliche Jagd gehen muss, was sie eigentlich, schon aus Gewissensgründen zu vermeiden sucht (wobei es auch kein großer moralischer Unterschied mehr ist, ob Håkan nun die Opfer ranschafft, oder ob Eli sie eigenhändig um die Ecke bringt). Håkan reagiert auf Oskars Erscheinen denn auch denkbar eifersüchtig. „Ne, mir ist nicht kalt, wieso?“ Die persönlichen Voraussetzungen Oskars wie Elis sind also tatsächlich so finster wie die Nacht und unter pädagogischem Aspekt betrachtet ist ihre Art damit umzugehen auch nicht gerade empfehlenswert. So nimmt sich Eli dem gedemütigten Oskar zwar an, gibt ihm aber doch recht seltsame Ratschläge mit auf dem Weg: Wenn er von Mitschülern geschlagen wird, solle er zurückschlagen und zwar fester als er geschlagen wurde. Er müsse lernen sich zu wehren. Die Konzepte eines schulischen Streitschlichtungsteams zur Behebung von Konflikten zwischen Mitschülern sehen sicher anders aus. Aus Elis Blickwinkel, die ja tatsächlich hart um das tägliche, bzw. nächtliche Überleben zu kämpfen hat, macht die Sache allerdings schon Sinn (es gibt wohl niemand sein Blut freiwillig einem Vampir), und tatsächlich funktionieren ihre Vorschläge ja sogar, zumindest vorerst. Als Conny, wie bereits erwähnt, Oskar beim Schlittschuhlaufen in ein Wasserloch werfen möchte revanchiert sich dieser nicht etwa damit, dass er Conny seinerseits mit einem abgebrochenen Ast (wie in der vorangegangenen Folterung), sondern gleich mit einer Plastik-Stange einen über die Birne zieht, was zu erheblichen Verletzungen führt. Dass Connys Bruder sich später an Oskar rächen möchte, indem er ihn im Schwimmbad beinahe ersäuft (was auch einiges über den geistigen Gesundheitszustand des Bruders aussagt, der wie Conny eine erhebliche Affinität zu gefährlicher Gewalt gegen seine Mitmenschen zu haben scheint; Oskar überlebt auch nur dank Elis zugegebenermaßen ebenfalls rabiatem Eingreifen), steht erst einmal auf einem anderen Blatt. Im Moment funktioniert die Strategie, Oskar geht (zunächst) nicht baden. 'So finster die Nacht' ist indirekt denn auch ein Film über Gewalt, wobei nicht moralisiert wird, sondern Formen von Gewalt einfach unkommentiert gezeigt werden. Oskar erlebt Gewalt erst einmal durch seine Mitschüler, deren Verhalten ihm gegenüber allerdings 'klassische' Schulhofhänseleien weit überschreiten und, wie schon angedeutet, bereits Formen der Folterung annehmen: Conny möchte ihn an einem Wintertag in ein Wasserloch werfen, sein Bruder ihn später aus Rache drei Minuten unter Wasser halten, beides Aktionen, die Gefahr für Oskars Leib und Leben sind. Oskar hingegen ergeht sich, um diese Demütigungen zu ertragen, in Gewaltphantasien und wird in diesen von Eli erst einmal bestätigt, denn auch Eli kann nur leben, wenn sie Gewalt anwendet. Allerdings schämt sie sich dafür, denn sie möchte eigentlich nicht töten (sie leidet darunter), aber eben auch nicht sterben. Sie wirft Oskar in einer Szene sogar vor, dass die Gewalt, von der er träumt, eine andere moralische Qualität habe, als jene, die sie ausübe. Sie töte, um zu überleben, Oskar hingegen träumt davon, aus Befriedigung und Genugtuung für erlittene Demütigungen zu töten. Oooooch… Aber Oskar ist längst nicht so hartgesotten, wie er sich in seinen Phantasien erträumt. Als er Zeuge wird, wie Eli Lacke, einen Nachbarn, der hinter ihr Geheimnis gekommen ist, aus Selbstschutz tötet und dazu auch noch einen Beitrag leistet, wird ihm sichtlich unbehaglich zu Mute. Letztlich steckt kein Mörder in ihm, ebenso wenig wie in Eli. Und trotzdem können beide nur überleben, wenn sie Gewalt anwenden, sei es gegen bedrohliche Mitschüler oder gegen Nachbarn, die Elis Geheimnis entdeckt haben. Zumindest wissen beide es nicht besser. Aber woher auch, wenn man täglich Demütigungen erfährt ohne einen geeigneten, schützenden Ansprechpartner zu haben oder auf den Schutz eines Pädophilen angewiesen ist? Trotzdem leiden beide unter dieser Situation, weil sie intuitiv wissen, dass es nicht richtig ist, wie sie handeln, was wohl die eigentliche Tragik der Geschichte ausmacht. Hier schlägt 'So finster die Nacht' keine sonderlich optimistischen Töne an und tatsächlich ist der Film streckenweise sehr finster, sowohl unter menschlichen Aspekt wie dem des Ambiente. So spielt der Film in einer Hochhaussiedlung nahe Stockholm und das auch noch im tiefsten Winter. Trister geht es eigentlich nicht mehr. Und so präsentiert 'So finster die Nacht' denn auch ein völlig anderes Schweden, als wir es durch helle und freundliche Astrid-Lindgren-Filme oder durch Ikea-Einkaufserlebnisse gewohnt sind. Hier gibt es kein sonniges Bullerbü, kein Haus, ein Äffchen und ein Pferd und kein Billy-Regal zur Verschönerung der ersten Studentenbude, auch Ronja Räubertochter scheint Ausgang zu haben. Hier herrscht winterliche und soziale Schwermut vor. Ich habe bislang keine Besprechung von 'So finster die Nacht' gefunden, in dem der Rezensent sich gefragt hat (obwohl es laut Review-Kollege Gregor einige geben soll), warum die Handlung eigentlich in den frühen 80er Jahren angelegt ist, also zur Zeit der zweiten Regierung des legendären, ermordeten schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme (1927-1986), immerhin ein Mustersozialdemokrat der das traditionelle schwedische Wohlfahrtsmodell des sogenannten 'Volksheims' (heute noch existent, aber zugegebenermaßen ziemlich ausgedünnt) zur Perfektion bringen wollte. Tatsächlich dürfte die Idee des 'Volksheims', nämlich die lückenlose soziale Versorgung des Bürgers von der Wiege bis zur Bahre, noch heute das Herz jedes Traditions-Sozis (also Leuten wie mir) höher schlagen lassen. Und tatsächlich ist dieses Modell des Sozialstaates im Grundsatz allen neoliberalen Experimenten der Marke Hart-IV vorzuziehen. Das schwedische Sozialsystem in den 80er Jahren bot tatsächlich jedem Schweden zumindest erst einmal eine umfängliche soziale Absicherung vor den Risiken des Lebens, was durchaus zu begrüßen ist. Nicht umsonst pilgerten linke Politiker beinahe aller Herren Länder zu dieser Zeit nach Schweden, um sich den „Dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus genauer anzusehen. Håkan in die Ecke gedrängt. Allerdings hatte das Volksheim Palmes und seiner Vorgänger auch seine Schattenseiten. So gerierte es eine umfangreiche Sozialbürokratie, welche feste Vorstellungen davon hatte, wie ein gelingendes Leben auszusehen habe und wie man Menschen in ihr vermeintliches Glück zwingen könne, was nicht überall auf Zustimmung stieß, bzw. in einigen Fällen gar das Gegenteil von dem bewirkte, was eigentlich intendiert war. Ein Artikel des 'Spiegels' aus dem Jahr 1983 benennt denn auch recht deutlich, was im Volksheim trotz bester Absichten daneben lief (spiegel.de/spiegel/print/d-14024097.html). Und es macht schon schlucken, wenn man dort z.B. liest: „In einer Zigeunerfamilie sahen Schwedens Sozialbehörden das seelische Wohl der drei Kinder durch das Milieu gefährdet. Das reichte, um die Kinder – gegen den Willen der Eltern – in sogenannte Pflegeheime einzuweisen. Als eines der Mädchen 18 Jahre alt wurde, volljährig, und also nicht mehr festgehalten werden durfte, entließ das zuständige Sozialamt es 'trotz starker Bedenken'. Weit stärkere Bedenken aber kamen den Sozialarbeitern, als dieses Mädchen kurze Zeit später 'einen Zigeuner heiratet, obwohl sie diesem Milieu entwachsen ist'. [sic!] Auch ihre beiden Geschwister zeigten keine rechte Anpassungslust an ihre schwedische Umwelt. Deshalb stellte das Amt schließlich einen Sozialbeamten ab, jede Woche zwanzig Stunden in der Zigeunerfamilie zu verbringen, um sie "Vertrauen in die schwedische Gesellschaft" zu lehren.“ Das hat nicht nur einen Geschmack von Bevormundung, sondern sogar, wenn man böse sein möchte, von Rassismus. Wenn man dazu in Betracht zieht, dass Schwedens Sozialbehörden in den 70er und 80er Jahren in der Disziplin „Kinder ihren vermeintlich bedenklichen Herkunftsfamilien entziehen“ in der westlichen Welt den ersten Rang belegten (was anscheinend erst heute in der schwedischen Gesellschaft kritisch diskutiert zu werden scheint), drängt sich schon der Verdacht auf, dass die 'dunkle Seite' des Volksheims in dieser Periode war, dass alles, was irgendwie anders, nicht normgerecht erschien, doch recht schnell staatlich sanktioniert wurde. Selbst Pippi Langstrumpf ging es zeitweilig wohl an den Kragen: „Was Kindern gut tut – es wird kollektiv verordnet. So befand der 'Schwedische Kinderfilmrat', die Streiche der aufsässigen Pippi Langstrumpf, Heldin der weltweit berühmten Kinderbücher von Astrid Lindgren, wirkten zersetzend auf das Betragen schwedischer Kinder. Seitdem hat Pippi Langstrumpf im Fernsehen Auftrittsverbot.“ Jeder fängt mal klein an. Der Spiegel resümierte: „Soziale Fehlanpassung ist den schwedischen Wohlfahrtsbürokraten ein Greuel. Soziale Fehlanpassung ist alles, was auch nur geringfügig von der Norm abweicht. Und was Norm ist, wird von der Bürokratie bestimmt. In der schönen neuen Welt ist für Abweichler kein Platz, von Aussteigern nicht zu reden.“ Nun möchte ich nicht dahingehend missverstanden werden, als würde ich die Idee des Volksheims etwa ablehnen. Ganz im Gegenteil, der Grundgedanke, dass der Staat jedem Bürger seiner Gemeinschaft ein materiell würdiges Leben garantiert und dies über solidarische Transferleistungen der Bürger untereinander (sprich: Steuern und die Skandinavier bezahlen bekanntlicherweise ja sogar recht gerne Steuern, um ihre Sozialsysteme aufrecht zu erhalten, da diese von ihnen als wertvoll erachtet werden) organisiert, halte ich für großartig. Deshalb soll Olof Palme hier auch Gelegenheit erhalten, posthum zu den gemachten Vorwürfen Stellung zu nehmen: spiegel.de/spiegel/print/d-14024101.html. Allerdings sollte der Staat sich immer nur darauf beschränken, seinen Bürgern zu einem materiell GUTEM Leben zu verhelfen, aber darauf verzichten, ihm vorzuschreiben, wie ein GELINGENDES Leben auszusehen hat. Dies muss jeder Einzelne für sich selber entscheiden dürfen, möchte er wirklich frei sein – nicht nur von materiellen Sorgen, sondern auch von Bevormundungen und Vorurteilen (und deshalb mal wieder mein Plädoyer für ein bedingungsloses, würdiges Grundeinkommen). Hinzu kommt, dass der Staat ja auch gar nicht die Macht hat, seinen Bürgern zu einem gelingenden Leben zu verhelfen. Wenn Fritz meint, es gehöre zu einem gelingenden Leben, dass er mit Bertha verheiratet ist, Bertha aber nicht möchte, was kann der Staat da noch machen? Eine Zwangshochzeit organisieren? Das letzte Facelifting war eine Operation zuviel. Eines ist aber auch festzuhalten: Was heute die der wirtschaftsliberalen Ideologie entsprungenen bundesdeutschen Hartz-IV-Behörden ihren 'Kunden' zumuten ist um keinen Deut besser als die sozialromantisch intendierten Übergriffe schwedischer Sozialbehörden in das Leben der Bürger von vor 30 Jahren. Auch der Wirtschaftsliberale Peter Hartz hatte eine Vorstellung davon, was ein 'gelingendes Leben' ist, selbst wenn diese völlig anders ausschaut als jene schwedischer Sozialamtsmitarbeiter Anno 1982 (nämlich Geld, Nutten und Champagner – höhöhö!). Vor diesem Hintergrund erschließt sich vielleicht eine neue, sehr schwedische Lesart von 'So finster die Nacht', die möglicherweise auch nur von Schweden, die mit ihrer jüngeren Geschichte vertraut sind, wirklich verstanden wird. Oskar und Eli sind Außenseiter in einer sehr viel stärker sozial normierenden Gesellschaft als unserer bundesdeutschen, die, gerade bei Jugendlichen, ja eine hohe Toleranz gegenüber abweichendem Verhalten aufweist. Dies mag (in 'So finster die Nacht') auch die hohe Gewaltbereitschaft auf allen Seiten erklären: Wer nicht den Normen entspricht hat verloren, aber die Verlierer wehren sich auch. Und so schaukelt sich die Gewaltspirale hoch: Conny foltert Oskar mit einem Ast, Oskar revanchiert sich, von Eli angestachelt, mit einer Kunststoff-Stange. Wer einen Pädobär-Witz reißt, wird auf Sicht erschossen. Hinzu kommt, dass Oskar tatsächlich eine große Angriffsfläche bietet: In den frühen 1980er Jahren dürften es Scheidungskinder, bei denen der Vater offensichtlich homosexuelle Tendenzen aufweist, auch in der BRD nicht gerade leicht gehabt haben. In einem sozial stark normierenden Staat wie im damaligen Schweden mag der Druck dann vielleicht noch größer gewesen sein. Auffallend ist ja schon, dass die Lehrer auf Oskars Schule gar nicht zu bemerken scheinen, wie sehr der Junge drangsaliert wird. Oder schauen sie etwa weg? Wenn man dazu bedenkt, dass Linqvist in seiner Jugend, die übrigens ebenfalls in die frühen 1980er Jahre fällt, selber Opfer von 'Mobbing' durch seine Mitschüler wurde, dann ergibt sich schon ein gewisses Bild. Hier wird nicht einfach nur eine Vampirgeschichte erzählt, sondern auch Kritik an den Schattenseiten eines sicher gut gemeinten, aber eben nicht immer ideal umgesetztes Gesellschaftsmodell geübt werden, welches zumindest nicht jeden 'Schwachen' so optimal schütze, wie es eigentlich intendiert war. Decouvrierend in diesem Zusammenhang ist eine Äußerung Lackes, eines der Bewohner der Siedlung Oskars, in der dieser die Wohnverhältnisse beklagt als eine am Reißbrett als vermeintliches Paradies entworfene Wohnlandschaft ohne Rücksicht auf die Folgen für das reale Leben in ihr. Auch auf dieses Phänomen geht der zitierte Spiegel-Artikel ein. Zeigt 'So finster die Nacht' also die finstere Seite des schwedischen Sozialmodells der frühen 80er-Jahre, so ist die Liebe zwischen Oskar und Eli, die am Schluss des Films gemeinsam den drückenden Verhältnissen entfliehen (auch dank Elis reichhaltiger Barschaft), zwar einerseits ein Lichtblick, wirft anderseits aber auch einige Fragen auf, die in dem dieser Seite angeschlossenen Diskussionsforum bereits engagiert diskutiert wurden. „Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber!" So die Frage nach der Zukunft, welche diese Liebe überhaupt haben könnte: Oskar wird erwachsen werden, Eli aber körperlich immer 12 Jahre alt bleiben. Ist ein 20jähriger Oskar noch an ihr interessiert? Offen gesagt: ich weiß es nicht (und auf diese wichtige Frage gibt auch Gregors Review, welches die Gegenposition zu meinem einnimmt, keine Antwort). Über mögliche spätere pädophile Neigungen Oskars wie jene von Håkan ist nichts bekannt und vielleicht wird Eli Oskar ja auch rechtzeitig vampirisieren, so dass beide als ewige, sich liebende Kinder gemeinsam durch die Nacht streifen können. Ja, ich denke, genau so wird es kommen (womit das mögliche Problem ja auch harmonisch aufgelöst wäre). Und ansonsten ist die Frage eigentlich auch ziemliche Zeitverschwendung, schon in Anbetracht der Tatsache, dass der Film im Kern eh keine sonderlich realistische Geschichte erzählt. Genauso gut könnte man fragen, was aus der Freundschaft zwischen Anton Bohnensack und Rüdiger von Schlotterstein wird, wenn Anton einmal 20 Jahre alt ist, oder ob Pippi Langstrumpf reale Chancen hat, jemals in einem Ausbildungsberuf unterzukommen und ihre eigene Kohle zu verdienen, sollten die Goldkoffer von Vater Ephraim mal nicht mehr regelmäßig eintreffen. Wie sagte Alfred Hitchcock doch so schön: „It´s only a movie.“ (Und damit möchte ich nicht aussagen: "Ist ja eh nur ein Film", sondern eher, dass die Fragestellung dem Stoff nicht angemessen ist. 'So finster die Nacht' ist eine Geschichte über Kinder, die im Hier und Jetzt leben und noch nicht nach der Zukunft fragen. Es geht um das augenblickliche Glück, nicht um das Zukünftige. Die Gegenwart zählt und die Zukunft wird sich finden) Eine andere diskutierte Frage war die, ob Eli Oskar eigentlich nur benutzt, um nach Håkans Ableben einen neuen Beschützer zu haben, der sie tagsüber bewacht und ihr Nachts das Futter herbeischafft, indem sie ihn auch sexuell manipuliert. Zwar legt sich Eli in einer Sequenz tatsächlich splitternackt zu Oskar ins Bett, allerdings weist sie sein Anliegen, mit ihm „zu Gehen“, gleichzeitig erst einmal zurück und geht erst darauf ein, als Oskar ihr garantiert, dass sich zwischen ihnen beiden nichts ändern wird (sprich: kein körperlicher Vollzug der Beziehung stattfinden wird, was, am Rande erwähnt, auch gar nicht möglich wäre, da Eli, wie in einer Szene kurz gezeigt, eigentlich kein Mädchen, sondern geschlechtslos ist, d.h. sie verfügt über keine Vagina). Nach sexueller Manipulation schaut mir dies jetzt nicht gerade aus, wobei ich mir nicht einmal sicher bin, ob man einen Zwölfjährigen überhaupt schon sexuell manipulieren kann. Darüber hinaus scheint Eli bei der Auswahl ihrer 'Beschützer' und 'Dosenöffner' eh kein glückliches Händchen zu haben: Håkan geht zwei mal für sie auf die Jagd, kommt einmal mit leeren Händen zurück und wird beim anderen Mal erwischt und verätzt sich das Gesicht, um von den Ermittlungsbehörden nicht erkannt zu werden und Eli zu schützen, so dass sie letztlich doch selber ran muss. Leider lässt der Film offen, wie genau Håkan und Eli nun zueinander stehen (obwohl das Buch da ein wenig direkter ist und auch der Film einige unschöne Andeutungen macht), rein rationale Erwägungen können es, zumindest im Film, aber nicht sein, da der Mann an der Grenze zur Unfähigkeit operiert. Er hätte doch erst den Anfängerkurs belegen sollen, bevor er mit dem Eistauchen anfängt. Und auch Oskar erscheint, trotz aller Gewaltphantasien, als Überlebensgarant nicht gerade erste Wahl. Zumindest würde ich mir dafür nicht gerade den Jahrgangs-Loser aussuchen, dem ich erst einmal beibringen muss, sich gegen Gewalt zur Wehr zu setzen. Bis der 12jährige Oskar körperlich so weit sein würde, tatsächlich für Eli auf die Jagd gehen zu können, würden außerdem eh noch Jahre vergehen, und was futtert Eli bis dahin? Darüber hinaus hat Eli, wie schon gesagt, keine Garantie, dass ein gealterter Oskar überhaupt noch an ihr interessiert wäre und, ebenfalls schon erwähnt, so gewaltbereit, wie er sich gibt, ist Oskar ja gar nicht. Dass Eli Lacke zum Selbstschutz umbringen musste ging ihm ja doch sichtlich an die Nieren. Wer garantiert Eli, dass Oskar überhaupt in der Lage wäre, jemanden für sie zu töten? (Gregor spekuliert hier auf dementsprechende Erziehungs- und Desensibilisierungsversuche Elis und auf Oskars vermeintliche gewalttätige Natur, die ich, wie dargestellt, so nicht sehe. Allerdings wäre dies ein Va-banque-Spiel Elis, da sie nicht wissen kann, wie lange sie für Oskar im Körper einer ewig Zwölfjährigen überhaupt attraktiv sein kann und ob Oskar tatsächlich die Gewissenlosigkeit eines Håkans aufbringen wird, so sehr sie ihn auch zu konditionieren versucht.) Hier kann man sich zwar fragen, wie rosig Oskars und Elis Zukunft eigentlich wirklich aussehen wird, da Eli weiterhin töten MUSS, um zu überleben, und Oskar wohl doch nicht so der geborene Mörder ist, auch wenn er ihr als Beschützer zumindest tagsüber sicher sehr wertvolle Dienste leisten kann und dies, wie die Schlussszene des Films zeigt, bereits als 12jähriger. Aber auch hier zitiere ich letztendlich „It´s only a movie“ und es geht um das Hier und Jetzt, nicht um die Zukunft. Das Ende des Films ist zumindest erst einmal ein wunderbares Happy End und entlässt den Zuschauer mit dem guten Gefühl aus dem Kino, dass alles richtig ist. Was möchte man mehr? Originalplakat Tomas Alfredson inszeniert 'So finster die Nacht' in wunderbar ruhigen, oft statischen, aber immer eindrucksvollen Bildern. Er nutzt die eigentümliche Atmosphäre der winterlichen Hochhaussiedlung voll aus und kreiert so eine dichte, unheimliche und mitreißende Stimmung, die den Zuschauer unweigerlich in ihren Bann zieht, sofern er bereit ist, sich auf diese einzulassen. Der Film ist langsam, aber niemals lahm. Manches Mal muss man im Bild nach der Handlung suchen, wenn etwas Entscheidendes am Bildrand stattfindet und nicht in der Mitte, wo man es eigentlich erwartet. Dieses Vorgehen bewirkt zum einen, dass 'So finster die Nacht' auch beim wiederholten Sehen immer noch Überraschungen bereit hält, zum anderen, dass die Kamera gerade in den Sequenzen, in denen andere Horrorregisseure unbarmherzig 'draufgehalten' hätten, eher wie ein zufälliger Beobachter wirkt. Alfredson bietet keine Sensationen, er hält den Zuschauer, schwedisch kühl, auf Distanz und zwingt ihn, seinen eigenen Zugang zur Geschichte zu suchen und zu finden. Dennoch wird der Gorehound nicht ganz hungrig nach Hause geschickt: Håkans nach der Verätzung entstellte Fratze und ein wenig Schmodder gegen Schluss sorgen für ein paar einschlägige Schauwerte. Sehr zu loben sind die jugendlichen Schauspieler, die hier ihr Debüt abgeben. Lina Leandersson als Eli liefert eine wahre Meisterleistung ab und dürfte sich für eine weitere Karriere empfohlen haben. Auch überzeugt Kare Hedebrant als Oskar, der das Wort 'Opfer' geradezu auf der Stirn geschrieben zu haben scheint. Der Komponist Johan Söderqvist begeistert ebenfalls mit einer streckenweise sehr schönen Partitur zu 'So finster die Nacht'. - Fazit
'So finster die Nacht' ist ein eindrucksvoller, innovativer, düsterer, aber nicht hoffnungsloser Vampirfilm, welcher das Genre bereichert und von der gerade aktuellen Vampir-Welle sichtlich profitiert ohne jedoch Teil dieser zu sein. Statt Schmalz à la Stephenie Meyers bietet er eine düstere und doch schöne Geschichte über zwei kindliche Außenseiter, die ihren Platz in der Welt suchen und anscheinend auch finden. Wer diesen Film sieht, lässt tatsächlich den Richtigen hinein. Bewertung BOMB-SKALA
BIER-SKALA          © 2009 Ralph Fischer Gregors Analyse Cover des Romans Ursprünglich war John Ajvide Lindqvist mal Zauberer, Stand-Up-Comedian, Gagschreiber für berühmtere/erfolgreichere Kollegen und hat sich als (nach eigenen Angaben untalentierter) Dramatiker versucht. Irgendwann in seinen frühen Dreißigern wurde ihm bewusst, dass er mit seiner Gesamtsituation unzufrieden ist, hat sich daran erinnert, von Kind auf ein Fan des Horror-Genres gewesen zu sein (mit einer Vorliebe für entsprechende Filme, Pulp-Magazine swoie Stephen-King-Romane) und einfach mal aus Spaß an der Freude eine solche Kurzgeschichte verfasst. Daran habe er dann so viel Gefallen gefunden, dass er prompt seinen ersten Roman schrob: Låt den rätte komma in (der Titel ist eine Anspielung auf den von Lindqvist geschätzten Sänger Morrissey). In dem Buch einerseits seine Kindheit verarbeitend (er ist tatsächlich in Blackeberg aufgewachsen, viele der Figuren basieren auf realen Personen und in der Schule erlebte der Autor, wie Ralph schon angesprochen hat, selbst Mobbing), beschäftigte er sich andererseits mit einem der ältesten Archetypen der unheimlichen Literatur, nämlich dem Vampir (ach ne! In späteren Büchern setzte er sich übrigens mit Zombies, Trollen und Geistern auseinander – teils sind da bereits weitere Verfilmungen im Anmarsch). Damit stieß er in einem Land, das kaum eine entsprechende literarische Tradition hatte (selbst im schwedischen Film finden sich allenfalls Stummfilme wie „Der Fuhrmann des Todes“ oder vereinzelte Ingmar-Bergman-Streifen), etwas ganz Neues an (wobei man den düsteren Schwedenkrimi à la Mankell beinahe schon als direkten Vorgänger bezeichnen könnte). Und er hatte Erfolg damit, wurde das Buch doch zu einem ausgesprochenen Hit (nachdem Lindqvist lange Probleme hatte, einen interessierten Verlag zu finden), nicht nur in Schweden, sondern auch international. So nimmt es nicht wunder, dass baldigst eine Verfilmung in die Wege geleitet wurde. (Wie das Buch hat dann auch der Streifen einiges an internationaler Aufmerksamkeit auf sich gezogen, allerdings blieb er eher ein Achtungserfolg – in den USA zum Beispiel startete er gerade mal in knapp 50 Kinos.) Lindqvist durfte sich unter zig Regisseuren einen aussuchen und entschied sich schließlich für Tomas Alfredson, der bis dahin vor allem mit Komödien aufgefallen war (nicht zuletzt als langjähriges Mitglied der Komikertruppe Killinggänget) – immerhin, für einzelne Dramen zeigte er sich ebenfalls verantwortlich. (Konserquenterweise verweigert er sich heute trotz des Erfolges von „So finster die Nacht“ vehement dem Stempel eines Horror-Regisseurs und hat als nächstes, fast schon aus Trotz, in Stockholm „My Fair Lady“ auf die Bühne gebracht.) Ausschlaggebend war für Lindqvist angeblich Alfredsons über dreistündige Tragikkomödie „Fyra nyanser av brunt“ (auch ein Killinggänget-Projekt). Für das Drehbuch adaptierte der Romanautor seine Geschichte höchstselbst (wenn auch mithilfe eines Script Consultant und im stetigen Austausch mit Alfredson, der im Zweifelsfalle das letzte Wort behielt), was vor allem hieß, einen ziemlich dicken Schinken (das Buch hat in der deutschen Übersetzung mehr als 600 Seiten – frühe Drehbuchfassungen waren dann auch für einen Zweiteiler gedacht) auf ein sozialverträgliches Maß runterzustutzen. Konkret heißt das, dass für den Film nicht nur ganze Subplots, Passagen und Handlungs-Aspekte außen vor gelassen wurden, sondern auch das, was übrig blieb, einen weitaus komprimierteren Eindruck macht als im weitläufig erzählten Roman. Während dort alles ausführlich erklärt wird, herrschen hier erzählerische Raffung und Andeutungen vor – weswegen man sich den Film (sofern ohne Kenntnis der Vorlage) aufmerksam angucken muss, um alle Details mitzukriegen (wie z.B. Lacke auf Elis Versteck kommt). Es hat vor allem auch zur Folge, dass die Verfilmung bezüglich vieler Elemente mehr Interpretationsmöglichkeiten offen lässt und dass es einige äußerst interessante Akzentverschiebungen gibt. In dieses Feld spielen dann auch die Fragen hinein, um deren unterschiedliche Beantwortung wegen vorliegendes Doppelreview entstanden ist. Interessante Ernährungsgewohnheiten. - Die Natur des Vampirs
Kurz gesagt gibt es zwei verschiedene Blickwinkel auf den Film, die ich wie folgt beschreibe: - Die romantische Rosarote-Brille-Perspektive: In Oskar und Eli finden sich zwei vom Leben gezeichnete Außenseiter, die an der Welt zu verzweifeln drohen, aber im jeweils anderen ihre wahre Liebe finden und zusammen die feindliche Umwelt überwinden sowie auf ein besseres Leben hoffen können.
- Die unromantische Realisten-Perspektive: In Oskar und Eli finden sich zwei psychopathische Gewalttäter, welche eine höchst zerstörerische Beziehung ohne Zukunft eingehen, die Oskar als Opfer einer manipulativen Eli ins Verderben führen wird.
Während Ralph (und anscheinend ein Grossteil von Publikum und Rezensenten) erstere Perspektive vertritt, sehe ich mich auf der Seite, welche diese radikal hinterfragt. Im Folgenden zähle ich auf, aus welchen Gründen ich zu meiner Ansicht komme: - Oskar ist ein Gewalttäter, dessen dunkler Seite Eli zum Ausbruch verhilft: Als Oskar Eli kennen lernt, befindet er sich in einer schwierigen Lebenssituation, soll heißen, er wird von Conny und seinen Spiesgesellen in der Schule regelmäßig gehänselt (man erniedrigt ihn zum „Schweinchen“, schlägt ihn mit Ästen – auch ins Gesicht –, droht ihm, ihn in ein Eisloch zu werfen, etc.). Freunde hat er keine und Unterstützung findet er weder bei seiner Mutter (die alleinerziehend, berufstätig sowie selten Zuhause ist und unter einer gemeinsamen Abendgestaltung versteht, sich mit ihrem Kind vor den Fernseher zu hocken – konsequenterweise wird sie zum größten Teil von hinten gefilmt und ist auch sonst selten richtig im Bild; sie ist nicht wirklich ein Teil von Oskars Welt), noch beim Vater (der mehr an Schnaps und seinem Kumpel interessiert ist als an seinem Sohn), noch bei den Lehrern (die vom Mobbing nichts mitzukriegen scheinen). Da er sich nicht wehren kann, muss er Ohnmacht und Wut anderswo kanalisieren: Er sammelt Zeitungsberichte über Mörder und lebt seine Gewaltfantasien aus, indem er mit einem Messer schreiend auf einen Baum einsticht (im Buch kommen Inkontinenz, Ladendiebstahl, Allmachtsfantasien und Feuerlegen hinzu, was Oskar in die Nähe eines Triebtäters oder Serienkillers rückt) – in einer solchen Situation wird er das erste Mal plötzlich auf Eli aufmerksam. Der Vampir ermutigt ihn dann dazu, zurückzuschlagen, und lobt ihn, nachdem er sich endlich getraut hat: Oskar versetzt Conny mit einer Plastik-Stange einen Schlag gegen die Schläfe, was eine schwere Verletzung am Ohr nach sich zieht – als er seinen ehemaligen Peiniger schreiend und blutend vor sich knien sieht, geht im dem Anschein nach fast einer ab. (Seltsamerweise wird er weder von den Eltern – die Mutter ist wohl zu schwach, der Vater zu verantwortungslos – noch von den Lehrern bestraft, jedenfalls sehen wir nichts dergleichen.) Oskar ist ein Junge voller aufgestauter Wut und unterdrückter Gewaltbereitschaft, Vergleiche zu Amokläufern an Schulen drängen sich auf – doch erst Eli hilft seinem Verhalten auf die nächste Stufe.
Lacke und Co. saufen trauern. - Eli ist ein Monster und ein Spiegelbild Oskars: Nachdem Oskar Conny wie beschrieben verletzt hat, eskaliert die Situation, als dessen älterer Bruder Jimmy sich einmischt. Er stellt unseren Protagonisten in einem Schwimmbad und droht, ihm ein Auge auszustechen, sofern er es nicht schafft, drei Minuten unter Wasser zu bleiben. Da greift Eli ein und zerstückelt die Übeltäter aufs blutigste (abgerissene Köpfe und Arme, juhu!) – was Oskar (noch) nicht sebst schafft, übernimmt der Vampir für ihn (wie er es Oskar schon damals versprochen hat, als er ihn beschwor, zurückzuschlagen). Dieser Gewaltausbruch jenseits aller Verhältnismäßigkeit ist für den Vampir nur folgerichtig, der aufgrund seiner Natur (er muss töten, um zu überleben) ein zutiefst gewalttätiges Wesen ist. Er ist geradezu die Personifizierung der Gewalt, die sich in Oskar (aufgrund der Hänseleien) aufgestaut hat, und es ist sicher kein Zufall, dass Eli ihm während eines Wutausbruchs das erste Mal gegenübertritt (später spricht er Oskar mit Bezug auf diese Szene explizit darauf an, wie ähnlich sie sich sind). Man beachte auch, dass beide im gleichen Alter sind (zumindest äußerlich), dass zudem Eli, entgegen dem, was man zunächst annimmt, wie Oskar ein Junge ist (letzteres kommt im Buch deutlicher rüber, wird aber auch im Film halbwegs klar gemacht: zweimal deutet Eli an, dass er kein Mädchen ist, und der – allerdings sehr kurze – Blick auf seine Scham lässt nur die Interpretation einer Kastrierung zu). Da könnte man fast schon auf den Gedanken kommen, Oskar für schizophren und Eli für einen Ausdruck seiner multiplen Persönlichkeit zu halten; tatsächlich bietet Tomas Alfredson in Interviews die Deutung an, dass Eli nichts als ein Traum, eine Fantasie von Oskar sei (versinnbildlicht in der Szene, in welcher Oskar nach Elis Wegzug durch seine leere Wohnung geht, als habe dieser nie existiert) – diese Sicht ist mir dann allerdings zu weit hergeholt, allzu oft agiert der Vampir mit anderen Menschen. Wie dem auch sei: Zunächst besteht noch ein Unterschied zwischen den beiden, wie Eli ganz richtig erkennt: Er selbst töte zum Überleben (womit er auch moralischen Bedenken widerspricht), Oskar wolle aus Rache töten (wobei man anmerken könnte, dass das mit dem Eisloch für ihn auch eine Frage des Überlebens ist). Er überbrückt diesen Unterschied jedoch, als er die Bitte ausspricht: „Werd ein wenig wie ich“. Indem Oskar Eli hinein bittet, lässt er den Vampir auch in seine Seele hinein, wird wie er. Seine Wandlung ist abgeschlossen, nachdem er Eli geholfen hat, Lacke umzubringen, und wird besiegelt durch einen blutigen Kuss (als dann seine Mutter mit ihm schimpft, als er nach Hause kommt, achtet er gar nicht mehr auf sie: Er lebt in einer anderen Welt, Elis Welt). In der Schwimmbad-Szene wird endgültig klar: Eli und Oskar müssen Gewalt anwenden, um gegen die feindliche Umwelt bestehen zu können – das ist nicht tragisch, sondern eine Frage der Dinge, wie sie halt sind. Die Gewalt wird von den Protagonisten und dem Film nicht mehr hinterfragt (das muss der Zuschauer schon selbst machen).
- Die gemeinsame Zukunft von Oskar und Eli bietet wenig Anlass für Optimismus, das Happy End ist ein scheinbares: Im Buch ist Håkan ein pädophiler Lehrer, der Eli kennen lernt, nachdem er seine Stelle verloren hat – er ist angezogen von dessen kindlichem Körper und tut deshalb alles für ihn (er fordert allerdings auch). In der Verfilmung wird dieser Punkt fallen gelassen (selbst Håkans Opfer sind hier merklich älter als in der Vorlage), wie wir ja allgemein nichts über Håkans Vergangenheit erfahren; selbst die in einer einzelnen Szene dargestellte Zärtlichkeit zwischen den beiden lässt sich nicht so einfach als Hinweis auf eine pädophile Seite Håkans heranziehen –, was es uns umso besser ermöglicht, Parallelen zwischen Håkan und Oskar zu ziehen: Kennt Håkan Eli auch schon seit Kindertagen? Hat ihre Beziehung ähnlich begonnen wie die zwischen Eli und Oskar, wird sich diese wiederum auf die gleiche Art und Weise entwickeln? Es drängt sich die Vorstellung geradezu auf, dass Oskar ein Ersatz-Håkan ist und dass er wie dieser enden wird. Man beachte, dass Oskar Conny mit derselben Plastik-Stange schlägt, mit welcher zuvor Håkan Jocke weiter ins Wasser gestoßen hat (!). Unter diesem Blickwinkel steht das angebliche Happy End im Schatten eines großen Fragezeichens: Wie sieht die Beziehung zwischen Oskar und Eli in einigen Jahrzehnten aus, wenn ersterer schon längst im fortgeschrittenen Alter ist, während zweiterer immer noch im Körper reines Zwölfjährigen steckt? (Womit sich auch Oskars gewalttätige Seite nicht ändert, sofern man Eli gemäß der Spiegel-Hypothese als deren Verkörperung ansieht.) Liegen sie dann immer noch gemeinsam im Bett? Tötet Oskar für Eli, wie Håkan für ihn getötet hat? Natürlich ist dieses Ende nicht eindeutig, aber wer sich einfach mit der romantischen Sicht zufrieden gibt, redet sich möglicherweise unangebracht ein Happy End herbei und wird der Ambivalenz des Werkes, die selbiges doch grade so großartig macht, nicht gerecht. Natürlich kann man ein Weiterdenken des Endes als Zeitverschwendung titulieren, darauf bestehen, dass die Frage nach der innergeschichtlichen Zukunft nicht angemessen sei, weil die innergeschichtliche Gegenwart wichtiger sei, oder Hitchcocks Ausspruch „it’s only a movie“ zitieren. Doch damit verschließt man sich meiner Meinung nach nicht nur interessanten Interpretationsmöglichkeiten, sondern verpasst damit auch einen wichtigen Punkt, den der Film ja gerade macht.
Vaters Kumpel. Sympathischer Bursche. - Eli manipuliert Oskar bewusst dahin, ihn zu seinem Diener zu machen: Denkt man vorherigen Punkt konsequent durch, landet man schnell bei der Frage, ob Eli sich Oskar nicht durchaus bewusst als Ersatz für Håkan aussucht. Wir wissen, dass er Oskar dabei beobachtet hat, wie er mit einem Messer auf einen Baum einsticht – hat er sein mörderisches Potential erkannt und will sich dieses nutzbar machen? Eli ist auf jemanden angewiesen, der tagsüber Wache hält und für ihn nach Möglichkeit Blut besorgt, damit er nicht Gefahr läuft, erwischt zu werden (wie anhand vom „Fall Lacke“ sehen, besteht das Risiko durchaus – eine Frage der Moral ist das meiner Meinung nach weniger, im Gegensatz zu dem, was Ralph meint). Auch wenn Håkans Erfolgsquote keine hundertprozentige ist – zumindest gemäß dessen, was wir im Film sehen (wie er sich bei früheren Gelegenheiten angestellt hat, wissen wir nicht) – und es bei Oskar noch eine Weile dauern könnte, bis er ein effektiver Mörder wird (dass er einer wird, drängt sich, wie gesagt, auf): Eine Hilfe sind beide ohne Zweifel, das sehen wir in der filmischen Gegenwart. Wenn er sich also mit Oskar anfreundet, hat er tatsächlich keine anderen Motive als reine Freundschaft? Wenn er sich nackt zu ihm ins Bett legt und ihm mit den Fingern über den Arm streicht, ist das eine harmlose Zärtlichkeit, oder bewusste Verführung? (Die sexuelle Komponente aufgrund des Alters der beiden einfach beiseite zu schieben, ist leichtsinnig – auch wenn er noch ein halbes Kind ist, weiß Oskar immerhin annähernd, was es heißt, miteinander zu gehen – und wenn wir uns vor Augen führen, dass Eli nur äußerlich ein Teenager, in Wirklichkeit aber viel älter ist, können wir bei ihm nicht einfach von einer kindlichen Sicht auf Liebe und Co. ausgehen.) Ist Eli innerlich tatsächlich ein naives Kind geblieben, oder lügt er und weiß besser Bescheid, als er zugibt? Seine konsequente Freundlichkeit gegenüber Oskar macht einen misstrauisch, wenn man sich vor Augen führt, wie er Håkan beschimpft oder ihn von seinem Platz vertrieben hat (und seine zärtliche Geste seinem väterlichen Freund gegenüber steht im Widerspruch zu der Lieblosigkeit, mit der er ihn aus dem Fenster des Krankenhauses fallen lässt, nachdem er ihm das Blut ausgesaugt hat). Wohlgemerkt, Eli muss nicht unbedingt grausam oder „böse“ sein, aber er scheint sein Überleben konsequent zu verfolgen und dabei wenig Gewissensbisse zu haben (wie gesagt, rechtfertigt er sich gegenüber Oskar damit, nur zu töten, weil er nicht ohne Blut leben kann).
Man sieht also: Wer sich mit dem romantisierenden Blick auf die Beziehung zwischen Eli und Oskar zufrieden gibt, übersieht fahrlässig deren Ambivalenz, die den Film doch gerade so reizvoll macht. Und offenen Auges kommt man fast nicht umhin, das Happy End infrage zu stellen. CGI-Katzen. Dann aber lieber in Blau und drei Meter groß. Friede, Freude, Eierkuchen ist eh nicht Sache eines Filmes, der sich vor einem geradezu erdrückenden Hintergrund abspielt. Wie oben erwähnt, hat Lindqvist in dem Roman angeblich seine Kindheit verarbeitet, doch ist das offensichtlich nicht der einzige Grund, weshalb die Geschichte im Jahre 1981 spielt. Ralph weist auf das sogenannte Volksheim und auf die düstere Seite eines im Grunde begrüßenswerten Sozialsystems hin, in dessen Rahmen der Bürger kontrolliert wird und sich mit einer restriktiven Staatsmacht konfrontiert sieht, die sich gegen alles Nonkonforme richtet. Als wichtiger empfinde ich aber noch den Einfluss des Kalten Krieges und der wirtschaftlichen Probleme: Als im Oktober 1981 ein gestrandetes sowjetisches U-Boot vor der Küste Schwedens entdeckt wurde, wuchs im neutralen Schweden die Furcht vor den Russen und die Entspannungspolitik von Premierminister Olof Palme wurde unterminiert (wobei der Konflikt dem Anschein nach auch von den Westmächten angeheizt wurde – man informiere sich auf Wikipedia über die schwedische U-Boot-Affäre). Die daraus resultierenden Ängste, der reale Horror vor einem Atomkrieg einerseits schlägt sich auf die Handlung in „So finster die Nacht“ ebenso nieder wie andererseits die Folgen der Ölkrise von 1979 und der Wirtschaftskrise Anfangs der Achtziger, mit denen auch Schweden zu kämpfen hatte: Lacke erscheint angesichts dessen als der typische Sozialverlierer, alkoholkrank und arbeitslos. Wie ein Hohn wirken da die massiven Wohnblöcke von Arbeitervierteln wie Blackeberg, die zu einer Zeit entstanden sind, als Schweden wirtschaftlich noch auf der Höhe war (auch deshalb, weil der Zweite Weltkrieg kaum Schäden hinterlassen hatte) – als man sich zudem noch ein Sozialsystem leisten konnte, wie es Anfangs der Achtzigerjahre langsam zusammenzubrechen droht. Daher Lackes eher zynische Bemerkung, dass man sich in Schweden nur auf die Strasse legen müsse, um Hilfe zu kriegen, daher seine Ausführungen zu Blackeberg, das schon in seiner Architektur einen nicht näher definierten „Fehler“ habe, der immer schlimmer werde. Wenn man nichts gegen trockene Haut unternimmt. Unter diesen Voraussetzungen scheint der Einbruch des übernatürlichen Bösen nur folgerichtig: Aus dem politischen und wirtschaftlichen Horror heraus hebt Eli das Haupt. Aber auch er ist von der Zeit geprägt, nicht nur, weil er sich von den Schlössern und Kastellen runter in die Vororte von Stockholm begeben hat (zumindest ist Skandinavien mit seinen langen Nächten und den dünn besiedelten Gebieten für jeden Vampir die logische Wahl, wenn es um den Wohnort geht), oder nicht mehr im Sarg, sondern in der Badewanne schläft: Er ist nicht der glamouröse Vampir, wie man ihn von Stoker oder Le Fanu kennt, er ist ein armseliges, ungepflegtes und stinkendes Wesen, das ohne Blutnachschub schnell abgehärmt wirkt, sich angesichts von Blut kaum unter Kontrolle hat, seine Beute brutal tötet und dabei eine Riesensauerei macht. Da ist wenig von Würde oder Grazie geblieben und die erotische Komponente fällt angesichts des äußerlich niedrigen Alters weitgehend weg. Oder fällt dann in den Bereich von Teenagerliebe, bzw. Pädophilie – wobei der richtige Begriff wohl Ephebophilie wäre. Egal. (Man ziehe übrigens mal Claudia, das Blutsaugermädchen aus „Interview mit einem Vampir“, zum Vergleich heran.) Apropos Sexualität: Wie oben erwähnt, hält sich der Film im Vergleich zum Roman in Sachen Deutlichkeit zurück, was die Tatsache anbelangt, dass Eli in Wirklichkeit ein Junge ist. Dass er Oskar selbiges zweimal (allerdings eher indirekt) gesteht, ignoriert dieser geflissentlich (und der Zuschauer kann es im Sinne von „kein menschliches Mädchen, sondern ein weiblicher Vampir“ verstehen), und bei dem kurzen Blick auf seinen Intimbereich muss man schon genau hingucken (nicht sooo genau, Perversling!). Und dass es für Oskar im Buch einfacher ist, zu akzeptieren, dass Eli ein Vampir ist, als dass er ein Junge (und er selbst damit wiederum eine „schwule Sau“) ist, ist ein interessanter Aspekt, der in der Verfilmung leider wegfällt. Womit ich allmählich einen Bogen zum Anfang meiner Analyse schlagen und auf meinen einzigen Kritikpunkt am Film hinweisen will: Genau so, wie gewisse Aspekte bei der filmisch komprimierten Umsetzung der Vorlage unter die Räder kommen (darunter eben eigentlich wichtige Sachen wie die homoerotische Komponente oder Oskars Inkontinenz), so werden auch einige psychologisch ausgefeilte Neben-Hauptfiguren zu eindimensionalen Stichwortgebern degradiert: Lacke zum Beispiel verkommt zu einem bloßen Plot Device (Bedrohung für den Vampir), Jimmy wird zum Abziehbild eines gewaltgeilen Verrückten (im Buch ist seine Tat viel nachvollziehbarer). „Du darfst reinkommen!“ Und um nochmals auf den Vampirmythos zurückzukommen: Selbiger wird in der Vorlage um einiges ausführlicher ausgebreitet und ist eine eigentümliche Mischung aus biologischen und metaphysischen Erklärungsansätzen – hier ist von der Metaphysik nur noch die Sache mit dem Reinbitten übrig geblieben, was so ganz auf sich allein gestellt irgendwie seltsam fehlplaziert wirkt. Aber da ist wohl die Erzähllogik der Analogie untergeordnet (man beachte den Filmtitel). Alles in allem hat die Komprimierung von 600 Seiten auf eine Laufzeit von zwei Stunden und die Konzentration auf die beiden Hauptdarsteller nicht nur Vorteile. - Die Schauspieler
Apropos Konzentration auf die beiden Hauptdarsteller: Kåre Hedebrant (Oskar) und Lina Leandersson (Eli) geben hier ihr Schauspieldebüt, nachdem sie in einem einjährigen Casting-Prozess ausgewählt wurden. Dass der Film so gut funktioniert, ist zu einem großen Teil auf die grandiose Leistung der beiden zurückzuführen (und wohl auch auf Alfredson, der in seinen vorhergehenden Filmen einiges an Erfahrung mit Kinderdarstellern gesammelt hat). Lindqvist war übrigens zunächst dagegen, für die Rolle ein Mädchen zu besetzen, musste aber schließlich einlenken – Lenadersson wurde dafür (auch im schwedischen Original) nachsynchronisiert, weil ihre Stimme nicht tief genug war. Im Vergleich zu Hedebrant und Leandersson kommen die erwachsenen Darsteller nur am Rande vor: Henrik Dahl und Karin Bergquist als Oskars Eltern sind, wie oben beschrieben, absichtlich im Abseits gehalten. Weitaus mehr Screenpräsenz hat da der altverdiente schwedische Schauspieler Per Ragnar als Håkan (der in seinen Szenen dann auch durchaus Eindruck macht – vor allem aber durch das heftige Ende seiner Figur). Peter Carlberg als Lacke und Ika Nord als Virginia geben ein Vorzeige-Unterschichten-Paar ab (grad Carlberg mit seiner Säufer-Fresse bleibt einem im Gedächtnis); Patrik Rydmark wirkt als Conny vielleicht eine Spur zu harmlos für einen Klassenschläger. „Bin da-ah, wer no-och?“ - Die Inszenierung
„So finster die Nacht“ ist sicher ein schön anzuschauender Film: Die Bilder von Hoyte Van Hoytema („Svidd Neger“, „Flickan“, mit dem Christian-Bale-Vehikel „The Fighter“ ist er in die USA gewechselt) sind teils atemberaubend, wobei das winterlich-nächtliche Schweden aber auch ein toller Schauplatz ist. Gedreht wurde übrigens zum Teil an Originalschauplätzen in Blackeberg, aber auch weiter oben im Norden in Siedlungen wie Luleå, die wie Blackeberg in den Fünfzigerjahren entstanden sind, aber aufgrund der klimatischen Bedingungen mehr Schnee zu bieten hatten. Die Kameraarbeit wird zum größten Teil von langen, statischen Einstellungen beherrscht, selbst in spannenden Szenen nehmen weder Kamerabewegungen noch Schnittfrequenz zu (auch musikalisch wird kein Unterschied gemacht). Handlungen werden weniger in der Montage aufgelöst, als im Raum verteilt; bevorzugte Methoden sind die Fokussierung der Tiefenschärfe oder Bildkompositionen, die an einen Split Screen erinnern. Der Blick der Kamera wirkt zudem meist neutral beobachtend, ungerichtet. Der Apparat steht vom Geschehen entfernt, wichtige Sachen passieren im Hintergrund oder gleich außerhalb des Bildausschnittes. Oftmals verhindert die Konzentration auf Details den Blick aufs Ganze, teils stehen Gegenstände im Weg oder verschleiern Dunkelheit und extreme Kamerawinkel die Sicht (was gelegentlich eine suggestive Wirkung hat). Hier wird nicht einfach draufgehalten, der Zuschauer muss sich die (visuellen) Informationen aktiv suchen. Oskar geht baden. Auch in Sachen Spezialeffekte geht es eher subtil zu – der Computer wird vor allem für Elis vergrößerte Augen im „Vampir-Modus“ oder ihre „Verälterung“ bei Hunger angeworfen. Ziemlich furchtbar sind allerdings Göstas CGI-Katzen in der Szene, in welcher Virginia von selbigen angegriffen wird – da wird einem bewusst, wie niedrig das Budget des Filmes im Grunde gewesen sein muss. Apropos Katzen: Wer genau hinguckt, erkennt in der Kiosk-Szene, dass der dortige Stubentiger wohl nicht so ausführlich gefaucht hat, wie Alfredson das wohl gern gehabt hätte, und daher zurück- sowie vorgespult wird (wenn ihr euch vorstellen könnt, wie ich das meine). Was die Gewaltdarstellungen angeht, ist die FSK16-Freigabe durchaus gerechtfertigt, aber ein Splatter-Massaker für den anspruchsvolleren Gorehound ist „So finster die Nacht“ nicht. Abgesehen von einer gewissen Menge Kunstblut gibt es grade mal Håkans von Säure zerfressenes Gesicht (im Buch sind seine Verletzungen erheblich schlimmer; wer Aaron Eckhart in The Dark Knight gesehen hat, wird so schnell keine Albträume kriegen) und im Finale einen abgetrennten Kopf nebst einem ebenso abgetrennten Arm. Relativ heftig sind Virginias Verbrennung und der Sturz Håkans aus dem Krankenhausfenster. Die Musik von Johan Söderqvist („Exit“, „Effi Briest“, „Tannöd“) ist ebenfalls von der unaufgeregten Art, dafür sehr melancholisch. Das Augenmerk (will sagen, Ohrenmerk) liegt auf den Streichern, teils kommt aber die Gitarre zum Einsatz. Ein wundervoller Soundtrack, der jedes CD-Regal aufwertet. Zur Ergänzung gibt’s vereinzelt alte Popsongs sowie Liedgut neueren Zuschnitts von Per Gessle (Roxette), das sich allerdings ganz nach den 80ern anhört. Apropos Ton: Es lohnt sich, auf die subtile (schon wieder dieses Wort) Geräuschekulisse des Filmes zu achten. In einem Film, der von einer durchgehenden, erdrückenden Stille (auch das steht im Zusammenhang mit dem historischen Setting: keine Handys oder mp3-Player) geprägt ist, erhält jedes noch so kleine Geräusch eine Bedeutung. - Die DVD
Ich habe hier die Schweizer Silberscheibe von Ascot Elite vorliegen, die inhaltsgleich mit der deutschen DVD von Ascot Elite und MFA ist (einzig die Trailershow unterscheidet sich). Es stehen schwedischer (mit festen dt. Untertiteln) und deutscher Ton zur Verfügung – ich empfehle die Originaltonspur, denn die deutsche Synchro ist zwar nicht schlecht, aber die Stimmen kommen merklich steriler und ausdrucksärmer rüber. Mühsam ist, dass man Audiospur und Untertitel nicht während des Filmes mit der Fernbedienung wechseln kann, sondern hierzu jeweils zurück ins Audiomenü muss. Das gibt Punkteabzug. Im Bonusbereich finden sich vier „Deleted Scenes“: Oskar wird auf der Toilette gequält; Oskar und Eli spielen ein „Rückenspiel“ (was die Szene, in welcher Eli zu ihm ins Bett steigt, in ein etwas anderes Licht rückt); Virginias kotzt sich die Seele aus dem Leib (ziemlich schwach getrickst); Elis und Oskars raufen sich in ihrer Wohnung. Dazu gibt’s den deutschen Trailer sowie die erwähnte Trailershow. Dass es weder Making-of noch Audiokommentar gibt, ist übrigens böse Absicht: Alfredson versteht sich als ein „Filmmagier“, der seine Tricks nicht einfach so verrät. (Was ihn nicht davon abhält, in Interviews aus dem Nähkästchen zu plaudern.) - Fazit
Der originelle Ansatz zum Vampirmythos, die inhaltliche Ambivalenz, die ungewöhnliche, sorgsame Inszenierung, die Leistung der beiden Hauptdarsteller und die wundervolle Musik machen „So finster die Nacht“ zu einem der besten Horrorfilme der letzten Jahre, trotz gewisser Schwächen, die sich aus der Adaption der dicken Romanvorlage ergeben. Führt man sich vor Augen, dass hier zwei Neulinge im Horror-Genre am Werk waren, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Es wird interessant zu sehen sein, was Matt Reeves („The Pallbearer“, „Cloverfield“) mit „Let Me In“, der kommenden US-Version, aus dem Thema machen wird. Gerüchten zufolge soll das kein Remake des schwedischen Streifens, sondern eine Neuverfilmung des Buches werden – da bietet sich natürlich die Gelegenheit, Aspekte aufzugreifen, die Alfredson und Lindqvist liegen gelassen haben. Ich bin gespannt… Bewertung BOMB-SKALA
BIER-SKALA         © 2009 Gregor Schenker (Manhunter) Review diskutieren Anderer Meinung als Ralph? Anderer Meinung als Gregor? Anderer Meinung als beide zusammen? Diskutiere diesen Film im Badmovies.de-Forum!
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