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SHAUN OF THE DEAD (Gast-Bit)


Großbritannien 2004
Regie: Edgar Wright
Darsteller: Simon Pegg (Shaun), Nick Frost (Ed), Kate Ashfield (Liz), Dylan Moran (David), Lucy Davis (Dianne), Bill Nighy (Philip), Peter Serafinowicz (Pete), Penelope Wilton (Barbara)

Pete: It's four in the fucking morning!
Shaun: It's Saturday!
Pete: No it's not. It's fucking Sunday. And I've got to go to fucking work in four fucking hours 'cos every other fucker in my fucking department is fucking ill! Now can you see why I'm so FUCKING ANGRY?
Shaun: Fuck yeah!

Diesem Film habe ich zugegebenermaßen mit sehr gemischten Gefühlen entgegen gesehen. Er wurde auf Ain't It Crap News (sorry!) so über den Klee gehypt, dass Schlimmstes zu erwarten stand. Ich meine, hey - Texaner, die von sich glauben, eine britische Zombie-Komödie zu verstehen? Eine 7.9-Wertung auf der IMDB fand ich denn auch verdächtig.
Andererseits ist "Shaun of the Dead" von den Machern von "Spaced", der nachgewiesenermaßen besten Geek-Sitcom seit "Red Dwarf".
Wie dem auch sei, es musste sein, und gerade habe ich den Streifen gesehen.
And I live to tell about it.

Fangen wir, ganze im Geiste des Docs, mit der Handlung an. Shaun ist 29, arbeitet in einem miesen Job in einem Elektroladen a la Media Markt, und verbringt die Abende mit seinem kompletten Versager-Kumpel Ed in seinem Stammpub "Winchester". Unglaublicherweise hat er in Liz eine recht attraktive Freundin, aber diese gibt ihm den Laufpass, als er sie wieder einmal versetzt. Grund genug, die eigene Geburt zu verfluchen. Aber es kommt noch dicker: Das Land wird von einer Zombieplage vagen Ursprungs heimgesucht, und die sehr romeroesken Untoten schlurfen auf der Suche nach Menschenfleisch durch die Straßen. Genau diese Katastrophe hat Shaun gebraucht, um endlich aus seiner Katatonie zu erwachen - er entschließt sich, zusammen mit Ed seine Ex-Freundin und seine Eltern zu retten. Die Flucht der kleinen Gruppe endet, wie nicht anders zu erwarten, mal wieder im "Winchester", und es wird sich zeigen müssen, ob Shaun Mann genug ist, gegen 200 Untote zu bestehen. Zumal die Munition für das einzige Gewehr knapp wird.

Zur Kritik: Auch wenn Simon Pegg, der kultisch verehrte Kopf hinter diesem Projekt, es nicht gerne hören wird: "Shaun of the Dead" ist "Spaced: The Movie". Die komplette Besetzung der Serie geht hier auf Zombiejagd, und wenn man einige Charaktere entsprechend umbenennen würde, ginge "Shaun of the Dead" problemlos als Triple-Folge von "Spaced" durch. Regie führte der Regisseur der Serie, und diverse Crewmitglieder wurden auch übernommen. Das ist per se nicht schlecht, ist "Spaced" doch an sich schon großartig. Nun aber die bange Frage: Ist "Shaun of the Dead" so genial, wie behauptet wird? Die alles verwurstende Komödie, quasi die "Nackte Kanone" des Hardgore-Films? Die Antwort mag einige von euch überraschen: nein. Es braucht circa 10 Minuten, bis man sich klar wird, dass SotD nicht vor hat, im Stile der Monthy Pythons auf den Klischees des Zombiefilms herum zu reiten. Hinter allen Hommagen (und hier sind es wirklich mal Hommagen, und keine Ripoffs), hinter allen Zitaten steckt ein Film mit einer alt bekannten, aber sehr solide erzählten Geschichte. Die Figuren sind keine zweidimensionalen Cartoons, sondern echte Charaktere. Die Opfer in dieser "Komödie" sind kein Kanonenfutter, und es gelingt im letzten Akt, mehr echtes Drama und menschliche Verzweiflung zu generieren als in allen anderen "ernsten" Zombiefilmen seit Romero selig.

Shaun ist der Prototyp des "unfreiwilligen Helden", der in einer Extremsituation über sich hinaus wächst, und dann an seiner neu gefundenen Stärke fast zerbricht, als sie ihm Opfer abverlangt, die er eigentlich nicht zu bringen bereit ist.
SotD ist eine Komödie, die in ihren ernsten Momenten besser funktioniert als Comic-Scheiße vom Stil "Resident Evil" und "Dawn of the Dead" (Remake natürlich) - und dann noch ein paar grandiose Gags draufpackt. Diese Mischung ist seit "Return of the Living Dead" nicht mehr versucht worden, und funktioniert hat sie meines Erachtens noch nie. Bis heute. Ebenfalls ungewöhnlich für eine Komödie: Die Kameraarbeit ist dynamisch, die Actionszenen sind sauber inszeniert, und der Gore ist zwar nicht extrem, aber reichlich.

Simon Pegg, der liebenswerte Loser aus "Spaced", spielt hier eine praktisch identische Figur, allerdings mit größerer Tiefe. Seine schauspielerische Leistung ist nicht zu unterschätzen, gerade in den Details - etwa wenn er auf eine Kinderrutsche klettert, um nachzusehen, ob hinter dem Zaun des Gartens die Luft rein ist. Als er wieder herab steigt, kann man seinem Gesicht perfekt ansehen, wie gefickt die ganze Mannschaft ist. Und als Ed fragt: "How many are there?", ist Shauns "lots" eine der besten Szenen des Films.

Auch sonst hat SotD keinen Mangel an "instant cult"-Szenen. Wenn Ed und Shaun versuchen, zwei Zombies mit Hilfe von Schallplatten das Hirn zu spalten, sich aber nicht einigen können, welches Vinyl ersetzbar ist, dann kann man lässig vom Sofa fallen vor lachen.

Wo wir bei der Musik sind: Die verdient ein besonderes Lob, nicht nur, weil der Film mit dem unerreichten Stück "Ghost Town" von der legendären Ska-Band "The Specials" anfängt. Die Auswahl der Pop-"Klassiker", die während des Films gespielt werden, ist so glorreich überdreht, dass sie einen eigenen "laugh track" verdient hatte: Als Liz Shaun verlassen hat, spielt ein Arschloch im Pub prompt "If you leave me now" von Chicago. Und die fette Zombieschlägerei im Winchester wird wunderbar zu Queens "Don't stop me now" choreographiert.

Wie schon erwähnt, zitiert SotD Dutzende bekannter und unbekannter Genrefilme, am meisten natürlich die von Meister Romero. Das beschränkt sich aber nicht auf billigen Abklatsch, sondern ist mit viel Liebe eingearbeitet. Dadurch fühlt sich der Film auch nicht wie eine Nummernrevue, oder eine Abfolge von szenischen Gags an.

Ich will jetzt nicht lange schwadronieren - es ist spät, und SotD ist ein Film, den jeder für sich selber entdecken sollte. Es bleibt mir nur die Hoffnung, dass sich in ein paar Jahren die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass dieser Streifen mehr ist als "nur" eine großartige Zombiekomödie. Es ist schlicht und ergreifend ein richtig guter Film, der einen packt, bewegt, zum lachen bringt, und manchmal sogar ergreift.

Hausrocker (fuck yeah!)

P.S.: SotD ergäbe ein brillantes Double Feature mit "Dead Creatures", einem völlig untergegangen britischen Arbeiterklasse-Zombiefilm aus dem Jahr 2002, der in vielerlei Beziehung der düstere Bruder dieser Komödie ist.

P.P.S.: Sage keiner, ich hätte nicht gewarnt - die Cockney-Akzente der Beteiligten verlangen dem Zuschauer mehr als nur Schulenglisch-Kenntnisse ab.


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