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Duell der Giganten MASTER OF THE FLYING GUILLOTINE Deutscher Titel: Duell der Giganten Master of The Flying Guillotine alternative Titel: One-Armed Boxer vs. The Flying Guillotine, One-Armed Boxer II Originaltitel: Du Bi Quan Wang Da Poe Xue Di Zi Hongkong 1975 - 93 min - FSK: 18 (cut) - USA: R (cut)/Not Rated Shortcuts: Credits Besetzung: - One-Armed Boxer (Jimmy Wang Yu)
- Fung Sheng Wu Chu (Kang Kam)
- Wu Xiao Die (Chung-Erh Lung)
- Yoga Master (Chia Yung Liu)
- Win-Without-A-Knife Yakuma (Lung Fei)
- Thai-Boxer (Tsim Po Sham)
- Master Wu (Pai Cheng Hau)
- Shao-Tien (Ming Fei Wang)
- Referee (Han Hsieh)
- Monkey Boxer (Tie Lang Wung)
Crew: - Regie Jimmy Wang Yu
- Drehbuch Jimmy Wang Yu
- Kamera Chiu Yao Hu
- Schnitt Kuo Ting Hsiung
- Musik Chen Hsun Chi
- Production Design Chao Kang Hing
- Spezialeffekte N.A.
- Produzent Wong Cheuk Hon
- ausführender Produzent N.A.
- Produktion First Films
Vorwort Es ist schön, wenn man treue Leser hat... vor ewigen Zeiten, sozusagen im Pleistozäikum von badmovies.de, erwähnte ich im Review eines fünftklassigen Shaolin-Kloppers (sucht Euch das Review selber raus, ich hab grad keine Lust) beiläufig, dass ich die "fliegende Guillotine" für die unpraktischte Waffe, die jemals ihn einem Martial-Arts-Schinken gefeatured wurde, halte, basierend auf vielleicht zehn Minuten, die ich von irgendeinem ebenjener Schinken im Privatfernsehen gesehen hatte. Nun fragte mich neulich einer meiner Stammleser, ob ich vielleicht Master of the Flying Guillotine gemeint haben könnte. Gut möglich, aber nur durch persönliche Inaugenscheinnahme verifizierbar. Dankenswerterweise stellte mein Leser mir seine Scheibe leihweise zur Verfügung. Das freut. Nehmen wir´s mal vorweg – ja, es IST genau der Film, an den ich mich schwächlich erinnerte, allerdings nicht der, der die "fliegende Guillotine" als solche erfunden hat. Diese zweifelhafte Ehre können sich die Shaw Brothers (wer eigentlich auch sonst?) ans Knie nageln, die 1974 den entsprechenden ersten Film auf die Leinwand brachten, in einer Zeit, in der das Studio seinen legendären Ruf schon eingebüßt hatte und sich nur noch ein paar Jahre mit eher unterbelichteten Produktionen wie dem allerdings unschlagbaren Trash-Klopper Infra Superman mehr schlecht als recht über Wasser hielt. Ausgerechnet einem Ex-Shaw-Brothers-Star, Jimmy Wang Yu, der sich vor allem durch die gerade wiederentdeckt werdenden One-Armed Swordsman-Filme von Chang Cheh (mit Erfolg auch beim diesjährigen FFF gelaufen) einen Namen gemacht hatte, fiel es bei, nach seiner Trennung von den Shaw-Studios ein Pseudo-Sequel auf die Beine zu stellen und dies auch noch mit seinem hauseigenen Erfolgsfilm The One-Armed Boxer (dies wiederum ein inoffizieller Nachzieher zum One-Armed Swordsman... alles gar nicht so einfach im Gewirr des Hongkong-Films) zu kombinieren. Jimmy Wang Yu selbst zählt zu den dienstältesten Hongkong-Martial-Arts-Stars – er war ein Star, bevor Bruce Lee auf den Plan trat und versuchte zumindest, mit recht deftigen, unabhängig produzierten Streifen, die er als einer der ersten HK-Akteure selbst inszenierte, die Lücke zu schließen, die Bruce Lees zeitiges Ableben im Business hinterließ. International, besonders in Europa, wurde Wang Yu nie ein wirklicher household-name und gilt mehr oder weniger als Lückenbüßer zwischen Bruce Lee und Jackie Chan (wobei´s da auch wieder Querverbindungen gibt, denn Wang Yu gab Jackie eine der ersten Hauptrollen und half ihm dabei, aus seinen vertraglichen Verbindungen mit Lo Wei herauszukommen. Jackie zahlte den Gefallen zurück, in späteren Wang-Yu-Filmen wie Fantasy Mission Force kleinere Rollen zu übernehmen, obwohl er Superstar war). Gut, das ist alles mehr Filmtheorie, die zwar interessant ist (und die ich, feigerweise, größtenteils dem informativen Audiokommentar der DVD entnommen habe. Hab nie behauptet, originell zu sein), uns interessiert in erster Linie aber mal der Film als solcher. Und dem widmen wir uns jetzt auch sofort ohne weitere Vorrede. Inhalt Über die grundlegenden geschichtlichen Zusammenhänge informiert uns unser alter Freund, der Erzähler. Die Mär spielt also im China um 1730, kurz (historisch gesehen) nachdem die Mandschu-Ching-Dynastie das Kommando übernommen hat (und dass die Mandschus beim normalsterblichen Chinesen ungefähr so populär waren wie Fußpilz, weiß selbst der ignorante Filmkonsument aus ungefähr zwölfadrölfzig anderen eastern). Weil die Anhänger der gestürzten Ming-Han-Dynastie immer noch renitent sind, statten die neuen Chefs den Klischee-Eastern-Oberschurken Fung Sheng (einfach zu identifizieren: Bart auf Ehrenmitglied-bei-ZZ-Top-Länge, Augenbrauen, die Theo Waigel Tränen der Rührung und/oder des Neides über die Wangen treiben, und blind, demzufolge unschlagbarer Superkämpfer) mit der Doppelnull-Lizenz und der superfiesen Mordwaffe fliegende Guillotine aus, damit er die Rebellen mores lehrt. Deswegen hockt der alte Sack selbstverständlich ist der Knabe nämlich mindestens 280 Jahre alt) auch in einer einsamen Berghütte, hat sich eine Matte bis zu den Kniekehlen wachsen lassen und verbringt den lieben langen Tag mit Kung-fu-Trockenübungen (mit den lächerlichsten Soundeffekten, die ich seit langer Zeit im Genre gehört habe; garniert mit einem eigenen "theme", das irgendwie versucht, gleichzeitig nach Krautrock, Industrial und chinesischer Folklore zu klingen. Skurril). Die eigentliche Arbeit überlässt der weise Meister von Welt nämlich gern seinen Schülern, und davon hat er, so sagt uns zumindest der Erzähler, zwei. Was Friseure können, können nur Friseure - und bei DEM haben sie was zu tun... Fung Shengs aufregende Trainingsstunde wird von einer Brieftaube unterbrochen, die der Blinde selbstverständlich am Flügelschlag erkennt (weil der Knabe blind ist, hat er natürlich ein Supergehör, das die listening monks der Scheibenwelt gut gebrauchen könnten). Die Brieftaube hat ´nen schweren Job, denn da Fung Sheng einen normalen Brief begreiflicherweise nicht lesen kann und eine chinesische Braille-Variante noch nicht erfunden ist, muss man ihm die Botschaft schon auf ordentlich klobigen (Holz?-) Klotz gravieren. Die Botschaft stammt von seinen Schülern und beinhaltet die übliche "wenn-du-das-hier-liest-sind-wir-tot-und-müssen-dringlich-gerächt-werden"-Litanei. Damit Fung Sheng auch weiß, wenn er zu meucheln hat, haben die vorausschauenden Schüler auch eine kleine Skulptur ihres Killers in den "Brief" meißeln lassen (wie das nu wieder funktionieren soll, ist mir auch ein Rätsel. Ich weiß erstens mal schon nicht, ob´s im alten China Notare gab, bei denen man solche Botschaften für den Fall der Fälle deponieren konnte und ob die dann mit Brieftauben arbeiten, aber zweitens find ich´s lustig, dass die Schüler offenbar vorab wußten, wer sie denn umbringen wird – oder hatten die die entsprechenden Plastiken für alle bekannten Rebellen vorfertigen lassen und dann irgendwie per Seancé ihrem Vertrauensmann mitgeteilt, welche Nachricht er verschicken sollte? Schon komisch...). Egal, der böse Killer war der gefürchtete "einarmige Boxer". Fung Sheng tickt aus, als hätte man einem deutschen Rentner gerade schonend von der nächsten Nullrunde erzählt und kramt die fliegende Guillotine aus´m Fundus. Die Wunderwaffe sieht aus wie ein Knirps – für diejenigen unter euch Mitlesern, die mit antiken deutschen Markennamen nicht mehr so viel anfangen können, wie ein Taschenregenschirm im Etui, Farbe Rot. Im aufgeklappten Zustand ist das Ding schon gefährlicher, wie uns Fung Sheng in Rage anhand einiger Dummies und einem (ich befürchte, quietschlebendigen) Vogel demonstriert - man klappt das Teil auf (dann sieht´s aus wie eine Mischung aus Imkermaske, Ascot-Hut und Lampenschirm), schleudert es auf des potentiellen Opfers Rübe, zieht an der Schnur und ein Klingenkranz klappt nach innen auf und schneidet dem bedauernswerten Behüteten den Kopf ab. Nette Erfindung, so rein optisch, funktioniert aber rein physikalisch nur in einem Paralleluniversum, in dem sämtliche grundlegenden Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind. Aber im Kontext eines HK-Martial-Arts-Film passt das ja irgendwie wieder). Fung Sheng zündet noch mit einer Art Bombe/Granate (okay, ich weiß, die Chinesen haben das Schießpulver erfunden) seine Hütte an und marschiert ab, um seine finsteren Rachepläne umzusetzen. Der Mann von Welt reist nie ohne seinen Taschenschirm... Was den Produzenten die Gelegenheit bietet, den Vorspann einzuspielen, der sich kurioserweise mit beiden englischen Titeln meldet, aus einem farbgefilterten Highlight-Reel of things to come besteht (und damit mit Sicherheit nicht der chinesische Originalvorspann ist) und von einem gruseligen Pseudo-Punk-Instrumental beschallt wird (und da´s 1975 noch keinen Punk gab, von dem ich wüßte, ist der ganze Soundtrack wohl neu erstellt worden, als der Film 1977/78 in die USA exportiert wurde). Nun schalten wir um in eine Kung-fu-Schule (ja, wir lassen praktisch kein Klischee des klassischen Eastern aus), und die wird betrieben vom einarmigen Banditen, äh, Boxer, nebst seinem Bruder (der heißt Dhrong Jong oder so ähnlich, according to the Untertitel. Den Namen des Boxers, der auch genau einmal erwähnt wird, hab ich prompt vergessen). Über mangelnde Kundschaft scheint die Schule sich nicht beklagen zu können, es gibt etliche Lernwillige und der Boxer korrigiert wortkarg, aber bestimmt, bei jedem einzelnen Schüler Arm- oder Beinhaltung. Respekt, der tut noch was für sein Geld (während in den meisten Kung-fu-Schulen in billigen Eastern ja die werte Schülerschaft mehr oder weniger allein vor sich hin trainiert und die Herren "Lehrer" meistens mit der Entgegennahme des Ausbildungsobolus ihre Tätigkeit erschöpfend ausgefüllt zu haben meinen. Äh. Ist das Deutsch?). Die heutige Speziallektion ist das "richtige Springen". Dafür lässt der Boxer einen Weidenkorb mit Steinen füllen und fordert einen der Schüler auf, auf den Rand des Korbes zu springen und zu balancieren. Kein Problem für den aufmerksamen Schüler. Gut, dann ist er jetzt bereit für Schritt 2, selbe Übung OHNE Steinballast. Bekanntlich sind Weidenkörbe nicht gerade Musterbeispiele für Stabilität unter Belastung und so kippt Schüler samt Korb um. Das liegt daran, doziert unser Herr Lehrer, dass er nicht richtig atmet und schreitet zur Demonstration, wie man das richtig macht. Sonderlich aufregend (filmisch betrachtet) ist das sicher nicht. Es ist allerdings, macht uns der einarmige Boxer klar, unabdingbare Grundvoraussetzung für die Königsdisziplin im "Springen", nämlich das "Springen aufs Dach". Okay, du und ich würden das jetzt für die relativ althergebrachte Übung "Springen aufs Dach" im Wortsinne halten und die beherrscht ja jeder Kampfkünstler im Schlaf (außer vielleicht Steven Seagal, harhar). Uns Boxer meint das aber anders, er nämlich "Dach" von unten betrachtet (unsereins würde das also eher als "Decke" bezeichnen). Wie weiland Fred Astaire, der das aber tänzelnd erledigte, latscht der Boxer in aller Seelenruhe eine Wand hoch, an der Decke entlang und auf der gegenüberliegenden Seite wieder runter. Eat this, laws of physics! Die Eleven sind angemessen bedruckt, äh, beeindruckt. [AOL-User] Me too [/AOL-User]. Tricktechnisch ist das einigermaßen erträglich. Man hat ja schon davon gehört, dass Lehrer ob der Leistungen ihrer Schüler an die Decke gehen, aber das geht zu weit... Ja, das ist bis alles ja ganz nett, ergibt aber noch keinen richtigen Plot (als ob ein Eastern so was brauchen würde, pffz). Für solche Notlagen empfiehlt sich immer wieder das gute alte bewährte Mittel des Kampfkunstturniers. Und, welch glückliche Fügung, die "Adlerkrallen"-Schule hat gerade ein solches ausgerufen – jeder darf mitmachen. Wär doch auch was für die Schule unseres Helden, meinen zumindest die Schüler. Doch der Boxer ist skeptisch (bzw. unerwartet clever für den Helden eines Martial-Arts-Opus) – als bekannter Anhänger der Ming-Dynastie wäre es eventuell unklug, Aufmerksamkeit zu erregen, indem er an dem Turnier teilnimmt (inwieweit es dann auch clever ist, eine eigene fette Schule zu eröffnen, mag man dahingestellt sein lassen. Immerhin waren die Gelben Seiten damals noch nicht erfunden). Dem Argument, dass man von den Kampfkünsten der anderen dort auftretenden Meister am Ende noch was lernen könnte, kann er sich aber nicht verschließen und genehmigt einen Wandertag zwecks Beobachtung des Turniers (und das, wie wir später sehen werden, vollkommen legal und ungetarnt als offizielle Zuschauer. Hätt´ er mitmachen können auch gleich...) In der Adlerkrallen-Schule bereiten sich die hauseigenen Kämpfer unter dem strengen Blick des dortigen Meisters Wu Chang Chen auf das Turnier vor und veranstalten einen Übungskampf mit Schild und Knüppel. Da kommt Besuch – ein ziemlich arrogant reintänzelnder Knabe beschwert sich, warum er nicht beim Turnier mitmachen dürfe, obwohl´s doch frei für jeden ist. Theoretisch ja, doziert Wu Chang Chen, aber bei unserem nölenden Freund handelt es sich um einen Ausländer und weil beim Turnier theoretisch allerhand schlimme Sachen passieren könnten und man sich im Hause der Adlerkrallen-Schule offensichtlich nicht um den Papierkram mit ausländischen Botschaften kümmern will, wenn einer der auswärtigen Teilnehmer ins Gras beißt, sollen die sich eben raushalten. Dem Herrn Ausländer sind derartige Erwägungen allerdings reichlich wurscht, worauf sich Wu Chang wenigstens eine Kotzprobe seiner Kampfkünste erbittet. Dem wird gerne nachgekommen – einen Steinblock per Kick zu zerdeppern, das findet Wu Chang ja schon mal ganz töfte, aber er würde auch gern wissen, wie sich der Fremde gegen vier Schild-und-Knüppel-Fighter hält. Dafür muss der Fremde aber erst mal ein Warm-up-Programm mit exotischem Ausdruckstanz absolvieren (ich nehm was vorweg – der Knabe ist Thailänder, Muay-Thai-Boxer und braucht dafür das aus Fernsehübertragungen und Thaibox-Filmen gefürchtete orientalische Gedudel für sein Stretching-Programm). Danach vertrimmt er die vier Angreifer aber mühelos. Des Meisters Töchterchen Shao-Tien fühlt sich bemüßigt, die Ehre der Schule wiederherzustellen und dem frechen Thai aufs Maul zu hauen, auch wenn der Vater warnt ("du bist nicht gut genug" - das nennt man Vertrauen in die eigene Familie) und abrät. In der Tat kann Shao-Tien dem Thai nicht das Wasser reichen (rein kampftechnisch, als Hausfrau vielleicht schon, so im Wortsinne) und bekommt die Fresse mit drei-vier Tritten poliert (aber offenbar ist der Thaiboxer ein Gentlemen und zieht in aller-aller-allerletzte Sekunde stets zurück oder er trägt Schuhe mit fünf Zentimeter dicken Schaumstoffsohlen, jedenfalls bleibt das hübsche Gesicht des Mädels unversehrt). Bevor doch noch bleibende Schäden am Porzellanpuppengesicht seiner Tochter angerichtet werden, schreitet der Vater ein und lässt den Ausländer zum Turnier zu. Shao-Tien wirft ihrem Erzeuger einen angefressen-überheblichen Blick Marke "ich-hätt-den-Kerl-schon-noch-verdroschen" zu. In der örtlichen Herberge treffen die weiteren Teilnehmer am Turnier an, darunter auch "Win-without-a-Knife"-Yakuma, ein japanischer Kampfkünstler (soviel zur "keine-Ausländer"-Regel, wa?). Der Erzähler unterrichtet uns, dass die Mandschu-Regierung befürchtet, die Ming-Rebellen könnten das Turnier als Anlaß für eine kleine Revolte ansehen und schicken deswegen Fung Sheng vor Ort, der wiederum sich der Dienste diverser ausländischer Kämpfer versichert hat (der von Wu Chang vor fünf Minuten gemurmelte Brasel bezüglich der Ausländer-Regel – widerspricht sowieso dem Bosman-Urteil, also wirklich – wird immer sinnloser), was zumindest den Erzähler sich zu der gewagten Hypothese versteigen lässt, das Turnier könnte eine "blutige Angelegenheit" werden. [Loriot] Ach? [/Loriot]. Ist ja nicht so, dass unpolitische Turniere immer völlig sportlich-fair-unblutig absolviert werden (wir haben doch alle Bloodsport und Rocky IV gesehen). Köpfe müssen rollen für den Sieg... Fung Sheng, der sich wenigstens die Zeit genommen hat, bei einem Friseur vorbeizuschauen und die Bis-zum-Arsch-Matte auf mainstreamkompatibleren Bürstenschnitt trimmen zu lassen (Augenbrauen und Bart hat er sich aber eher aufpolstern als zurechtstutzen lassen) macht sich´s in einem Restaurant gemütlich und bestellt vegetarische Nudeln (Excuse me if I ask, aber was bitte sind unvegetarische Nudeln? [Ja, ich weiß, Fleischsoße und so, aber ich laß mir doch den Kalauer nicht entgehen]). Im Restaurant sitzt auch ein mir bislang unbekannter Kerl mit einem nervösen Tick. Halt, stopp, das Gezucke ist kein Tick, sondern wird durch bösartige Fliegen verursacht (that I can relate to. Hab selber momentan ein paar nervige Exemplare in meiner Bude und erwische sie nicht). Korrigiere mich erneut – ich glaub, ich kenn den Kerl doch, er ist das tapfere Schneiderlein. Wieso? Weil er die ihn umschwirrenden Fliegen auf einen Hand-Streich erledigt und, haha, natürlich sind´s genau sieben. Reife Leistung, die müssen günstig gesessen haben - ich würde allerdings Händewaschen empfehlen. Naja, das Schneiderlein sieht das nicht so, sondern haut unter völliger Verkennung sämtlicher Tischmanieren (nicht wirklich durchgebraten ausgesehenes) Hähnchen rein. Und nicht nur eins, wie der Elefanten-, äh, Hühnerfriedhof an Knochen auf seinem Teller zart andeutet (ich korrigiere mich noch mal: das muss dem Appetit nach mindestens Son-Goku sein). Blöd nur, dass unser verfressener Freund grad heut sein Portemonnaie vergessen hat. Kann ja mal vorkommen. Nachdem das elegante Rausschleichen vom Wirt unterbunden wird, versucht unser Mampfer mit seinem guten Namen zu zahlen, bzw. mit dem guten Namen anderer Leute, speziell dem des einarmigen Boxers. Funktioniert deswegen, weil auch unser Hühnerfresser nur über eine Greifextremität verfügt. Nur sollte man halt nicht mit fremden Federn schmücken, wenn der rechtmäßige Federträger bei den staatlichen Autoritäten nicht wirklich populär ist. Bei der Erwähnung der Worte "einarmiger Boxer" packt Fung Sheng nämlich sofortamente und el zacko die fliegende Guillotine aus und lässt sie fliegen. Fürderhin wird der potentielle Zechpreller ein wenig kopflos agieren. Natürlich stellt sich umgehend raus, dass der Geköpfte nicht wirklich der echte einarmige Boxer, sondern nur ein x-beliebiger Penner war. Gewissensbisse hat Fung Sheng deswegen nicht wirklich, eher im Gegentum, er gelobt an Ort und Stelle, ganz grundsätzlich jeden Einarmigen umzubringen (solche Pläne haben noch nie funktioniert. Fragt nach bei Herodes). In der Schule des Adlerkrallen-Clans spielt sich weitgehend bedeutungsloser Dialog ab: Wir etablieren, dass Shao-Tien für den Clan am Turnier teilnehmen wird, was ihr Paps zwar nicht wirklich prickelnd findet (wenn er sie nicht mal einen Demokampf bestreiten lassen will, warum verbietet er ihr nicht die Teilnahme am Turnier? Gar keine väterliche Autorität mehr? Und wenn die Schule nichts besseres zu bieten hat als ein Frauenzimmer, in dessen Fähigkeiten selbst ihr Papa kein rechtes Vertrauen hat, sollte man dann wirklich ein Turnier veranstalten?), ihr aber auch nicht ausreden kann. Außerdem ging an den einarmigen Boxer eine Einladung, auf die der allerdings nicht geantwortet habe, aber Wu Chang ist sich sicher, dass der Boxer auf die eine oder andere Weise vorbeischauen werde. Schickes Outfit hat der Schwertkämpfer. Nutzt ihm aber auch nix. Und schon geht das Turnier los mit der Auslosung der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal. Die SpVgg Greuther Fürth trifft auf...., äh, tschuldigung, falsche Sportart. Im ersten Match, gespannt erwartet vom in überschaubarer Anzahl angetretenen Publikum (wenn ich ehrlich bin, erkenne ich als Zuschauer AUSSCHLIESSLICH den Boxer und seine Schüler), treffen "Long Spear" und "Long Stick" aufeinander (ja, die Kerle haben auch noch richtige Namen, aber die tun nichts zur Sache, also bleibe ich bei ihren Kampfnamen). Wie in allen anderen Turnierfilmen vor- und nachher bedeutet das im Klartext, dass jeder Kämpfer mit einem Spezial-Gimmick in Form von Waffe und/oder verwendetem Kampfstil auftritt. "Long Spear" erklärt sich von selbst, "Long Stick" ist allerdings kein einfacher langer Stecken, sondern ein dreifach unterteilter und dami flexibel einsetzbarer Stock. Nach kurzem Kampf ist "Long Stick" aber abgefrühstückt und hinüber – der offizielle Schiedsrichter erklärt "Long Spear" per Fächeraufklappen zum Sieger und befiehlt den Sanis, den Kadaver des Verlierers abzutransportieren. Harte Sitten. Im zweiten Kampf trifft der Schwertkämpfer Wong Chang auf Win-without-a-Knife-Yakuma, der sich, being Japanese and therefore by default arrogant and stuff, einen angeberischen Showman-Auftritt nicht verkneifen kann. Seine Waffe ähneln erstaunlich stark herkömmlichen Polizeischlagstöcken (Aufklärung verschafft der Audiokommentar, aber damit Ihr Euch selbigen auch noch persönlich anhören müsst, verrate ich es nicht. Bätsch). Weil Yakuma ein Japaner und damit per se böse ist, spielt er natürlich nicht fair – in den Schlagstöcken sind auf Knopfdruck ausklappbare Klingen eingebaut und damit macht er seinem Kontrahenten den Garaus. Soviel zu "Sieg ohne Messer"... Der einarmige Boxer ist beeindruckt ("smart") und betrachtet die linke Nummer nicht von Haus aus als unsportlich – okay, die Auffassungen sind in China diesbezüglich offenbar etwas laxer. Da gibt´s bestimmt auch keine Dopingproben (würde einiges an chinesischen Sportleistungen späterer Natur auch erklären). Kampf Nummer Drei bestreiten "Braised Hair" und der "Mongole". Letzterer ist ein eher schmächtiger Hänfling mit einem der schwulsten Mongolenbärte, die ich jemals gesehen habe (nicht mal in der Schlagerband "Dschingis Khan", als deren Fan ich mich hiermit oute, hätte der Junge ´ne Chance gehabt) und befleißigt sich, rein kämpferisch, eher des Wrestling-Repertoires mit Beinscheren und ähnlichem Tinnef, während "Braised Hair" seinen Zopf (!) als Waffe einsetzt. Die beiden bringen sich der Einfachheit halber gegenseitig um ("Braised Hair" erwürgt den Mongolen mit dem Zopf, was ihm aber nicht viel hilft, da er aus den Wunden, die ihm der Mongole mit bloßen Händen in die Seiten gepfriemelt hat, verblutet. Pech, persönliches). Der Referee quittiert das mit einem Achselzucken – wird halt einer in der zweiten Runde ein unerwartetes, aber hochwillkommenes Freilos haben... Vom Zopf gewürgt macht so mancher ein dummes Gesicht. Aber so dumm? Im vierten Fight (Ihr merkt schon, wir verheizen jede Menge Screentime mit diesem Turnier, das streng genommen für die Handlung, wie Ihr sicher auch schon vermutet habt, nicht die geringste Relevanz hat) treffen "Daredevil" (nein, nicht Ben Affleck!) Lee Sen und "Iron Skin" No Szie aufeinander. Eine eher ungleiche Paarung, denn der Schutzteufel (kleiner Pun muß sein) ist ein Kandidat für´s Fliegengewicht, während Iron Skin mehr die handlichen Schrankwandausmaße einnimmt (ist also ungefähr so ausgewogen wie ein alter WWF-Kampf zwischen dem 1-2-3-Kid und Earthquake o.ä.). Gut, der Daredevil ist schnell, während Iron Skins Reaktionszeiten eher mit ´nem Kalender als ´ner Stoppuhr gemessen werden können (jetzt klau ich schon Gags von Rick Amann aus dem NHL-2002-Kommentar), dafür aber haben seine Schläge und Tritte nicht die geringste Wirkung (zumal Iron Skin beim versuchten und absolut absichtlichen Tiefschlag beweist, über die schon von den Dimple Minds besungenen "Hoden aus Eisen" zu verfügen). Iron Skin ist, wie gesagt, nicht der Schnellste, aber er muss ja nur einmal mit einem Angriff durchkommen. Tut er auch und knackt dem armen Daredevil das Bein durch. Auatsch. Der Ref will schon Iron Skin zum Sieger erklären, doch Daredevil ist vielleicht ein Hänfling, aber ein harter Hund, humpelt zur Konterattacke und Iron Skin tut ihm auch den Gefallen, ihn so weit hochzuheben, dass der Gehandicapte zum klassischen Fulci-Manöver des Eye-Gouging ausholen kann und seinem großen Gegner die Glubscher aus den Höhlen puhlt (selbstredend offscreen, einen solchen Splattereffekt trauten sich die Effektkünstler HK anno ´75 gottseidank noch nicht zu). Damit hat der Daredevil den Spieß noch mal umgedreht und schleppt sich siegreich, aber eben mit glatt gebrochener Laufgräte, ins Fahrerlager, äh, den Backstage-Bereich. Im nächsten Kampf muss Shao-Tien antreten, aber das Schicksal hat´s gut mit ihr gemeint, als Gegner wird ihr nämlich der "Monkey Boxer" zugelost. Den Affen-Kampfstil kennen wir ja auch aus zig Knochenbrecher-Filmen, wie sie einst, in guten alten Zeiten, sogar ab und an im öffentlich-rechtlichen Fernsehen liefen. Abgesehen davon, dass dieser "Monkey Boxer" seinen Kampfstil durch entsprechendes Grimassieren visuell unterstützt, kann er allerdings nicht viel und wird von Shao-Tieh nach allen Regeln der Kunst (und, da wir nach soviel Brutalität ja auch ein wenig humoristischen Ausgleich brauchen) vorgeführt – sie reißt ihm peu-a-peu (da hab ich jetzt sicher einige Dutzend Akzente vergessen. Wenn man auch mal Frankozismen verwenden will...) die Klamotten vom Leib. Als er nach ein paar Flic-Flacs sprichwörtlich mit runtergelassenen Hosen dasteht, ergreift der Affenmann peinlich berührt die Flucht (und ist damit immerhin der einzige Verlierer eines Kampfes, der sich zwar vielleicht zum Gespött des Publikums gemacht hat, dafür aber noch weiterhin auf dem Antlitz dieser schönen Welt spazieren kann. Wäre mir im Zweifelsfalle lieber). Da hat der Affenstil endlich mal einen würdigen Vertreter ins Rennen geschickt... Als nächster Kämpe betritt So Leung aus Java das Kampfareal und bittet sich gleichmal verschärfte Bedingungen aus – der Herr fühlt sich so überlegen, dass er seinen Kampf gegen "Flying Rope" als "Pole Fight" über einer "Sword Formation" bestreiten möchte. Sein Wunsch ist der Turnierleitung Befehl (was sein Gegner dazu sagt, wird nicht eruiert. Sehr fair). Also, rauf auf die Masten (kennt man ja aus Iron Monkey). Wie üblich in solchen Angelegenheiten backfired die Angelegenheit – Flying Rope schubst So Leung (der vorher megacool nicht etwa auf den Pfosten, sondern auf den Schwertspitzen balancierte... was´n Angeber) in die Schwerter. Tja, wer andern eine Grube gräbt, ist Bauarbeiter und ab und zu mal gern tot... Der nächste Kampf - "Tornado Knives" trifft auf den indischen Yoga-Meister Sing. Scheinbar sind die Chinesen das einzige Volk auf Gottes bzw. Buddhas Erdboden, das Yogas prinzipiell für begnadete Martial-Artisten hält (siehe Goodbye Bruce Lee). Dieweil die beiden Herrschaften sich prügeln (und darauf gehe ich gleich noch ein), lässt Wu Chang eine Nachricht an den von ihm mittlerweile im Publikum identifizierten einarmigen Boxer übermitteln (was Wu Chang kann, sollte die Staatsmacht doch auch können, möchte man meinen. Aber das kommt davon, wenn man Blinde schickt). Es wäre doch supernett und die Adlerkrallen-Schule würde sich schwer geschmeichelt fühlen, wenn Herr Einarmiger Boxer sich vielleicht doch noch spontan zu einer Teilnahme am Turnier durchringen könnte. Darauf haben wir ja eigentlich alle gewartet, wozu veranstalten wir schließlich ein Turnier, wenn der designated hero nicht dran teilnimmt? Der einarmige Boxer verblüfft seine Schüler, die Turnierleitung und die Zuschauer, indem er allen eine lange Nase dreht und nach Hause geht. Seine Schüler sollen ihm doch ausrichten, wie´s Turnier ausgegangen ist. Der Mann ist wirklich motiviert... Der Yoga packt inzwischen in die Trickkiste und kramt eine Fähigkeit heraus, an die sich viele erinnern dürften, die den Film mal gesehen habe (ich meine sogar, dass mich mal jemand danach gefragt hat, ob ich den Film anhand dieser Szene identifizieren könne. Konnte ich seinerzeit nicht. Hoffe, derjenige liest noch mit) – er verlängert seine Arme teleskopartig (jetzt weiß ich auch, woher "Streetfighter II", das Videospiel, die Idee her hat) und setzt diesen für seinen Gegner enorm überraschenden Reichweitenvorteil ein. Aus sicherer Distanz erwürgt er seinen Kontrahenten (und der Effekt, mit dem die ausgefahrenen Arme auf Normalzustand "zurücksnappen", ist für Alter und vermutetes Budget des Films wirklich schick ausgefallen). |