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GARDEN OF LOVE Deutscher Titel: Garden of Love Garden of Love Deutschland 2003 - 86 min - FSK: 18 Credits Besetzung: - Rebecca Verlaine (Natacza Boon)
- David (Daryl Jackson)
- Thomas Munster (James Matthew-Pyecha)
- Gabriel Verlaine (Bela B. Felsenheimer)
- Chief Medic (Jean-Luc Julien)
- Don Creedon (Donald Stewart)
- Barbara Creedon (Alexandra Thom-Heinrich)
- Simon (Jeff Motherhead)
- Rebecca als Kind (Anika Julien)
- Melanie (Kayla Motherhead)
Stab: - Regie: Olaf Ittenbach
- Drehbuch: Olaf Ittenbach, Thomas Reitmair
- Kamera: Holger Fleig
- Schnitt: Eckard Zerwazy
- Musik: A.G. Striedl
- Production Design: Torsten Mühlbach
- Spezialeffekte: Olaf Ittenbach, Thommy Opatz
- Produzent: Yazid Benfeghoul
- ausführender Produzent: N.A.
- Produktion: N.A.
Vorwort Mit meinem Debutreview auf des Doktorens Hausseite habe ich mir einen Herzenswunsch erfüllt, nämlich dem von mir hochgeschätzten Jean Rollin hier eine etwas stärkere Präsenz zu verleihen. Für mein zweites Review möchte ich mich hingegen auf mir noch unbekanntes Neuland wagen auf das ich erst hier auf der Seite aufmerksam gemacht wurde, nämlich dem des deutschen Amateurfilms. Amateurfilme wurden in letzter Zeit vom Doc und Gastreviewerkollegen ja verstärkt besprochen und im Forum heiß diskutiert, so daß ich durchaus neugierig auf dieses mir bis dahin noch völlig unbekannte Genre wurde. Und als mir jüngst in meiner Stammvideothek der nun zu besprechenden Garden of Love von dem in einschlägigen Kreisen wohlbekannten Olaf Ittenbach in die Hand fiel, beschloß ich spontan, ihm mein nächstes Review zu widmen. Unterstützt wurde der Entschluß von der Covergestaltung der DVD, die mir, der als bekennender Rollin-Fan ja einen gewissen Faible für Horrorkitsch hat, ganz besonders gefiel: zwei sich reichende Hände vor einem wunderschönen grünen Hintergrund. Dazu dieser schöne Titel: Garten der Liebe! Und auch die Inhaltsbeschreibung auf dem Cover sprach mich an, immerhin wurde da etwas von einer Hippiekommune, dunklen Geheimnissen und seltsamen Erscheinungen erzählt. Damit dürften so ziemlich alle Bereiche berührt sein, die des Rollin-Verehrers Herzen höher schlagen lassen: sich reichende Hände, Liebe, Hippies, dunkle Geheimnisse und seltsame Gestalten--- Merke: Rollin-Fans schauen Horrorfilme nicht etwa, um sich zu gruseln, sondern um zu weinen und etwas fürs Herzen zu haben. Und in der Tat, Garden of Love brachte mich nicht zum gruseln, sondern tatsächlich zum weinen, aber nicht etwa, weil ich etwas fürs Herzen in dem Film fand... Inhalt Vorbemerkung: Aus irgendeinem, für mich nicht nachvollziehbaren Grund (vielleicht bessere Verkaufsmöglichkeiten im Ausland) versucht Ittenbach uns zu suggerieren, nachfolgender Film spiele in England. Um dies glaubwürdig rüber zubringen haben nicht nur alle Protagonisten englische Namen, Ittenbach montiert sogar englische Nummernschilder an Autos. Dennoch wird jede Minute des Films deutlich, daß er nicht in England gedreht wurde, sondern in deutschen Gauen und spätestens, wenn im Abspann der Universität München für die Erlaubnis für Innenaufnahmen gedankt wird haben wir es schriftlich. Aber woran fällt eigentlich auf, daß der Film hierzulande und nicht in Merry Old England gedreht wurde. Nun, jeder, der einmal im europäischen Ausland war hat sicher bemerkt, daß eine Wohnung in Holland, Frankreich oder England einfach anders aussieht wie in der BRD. Jedes Land hat da seine spezifischen Inneneinrichtungstraditionen. Die Abweichungen sind minimal, aber doch merkbar. Beispielsweise benutzen die meisten Franzosen kein Kopfkissen, sondern eine stoffgefütterte Rolle, auf die sie ihr müdes Haupt betten. Und wenn man aus dem Fenster schaut sieht ein Londoner Vorort architektonisch schon irgendwie anders aus als ein Vorort in Paris oder eben München. All diese Städte und Länder haben im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Stile entwickelt, ihren Lebensraum zu gestalten. Und Ittenbachs England wirkt so dermaßen gegenwarts-bundesrepublikanisch daß man die meiste Zeit des Films verbringt zu versuchen, den Fehler zu finden, der dieses Pseudo-England doch noch als BRD entlarvt. Den Fehler gibt es, doch dazu später! Bereits zu Anfang des Film versucht Ittenbach uns zu beweisen, daß er ein ganz großer Künstler ist, denn nach dem Vorspann imponiert er uns mit einer zweiminütigen, ungeschnittenen Kamerafahrt quer durch eine Farm, in der sich eine Hippiekomune häuslich niedergelassen hat. Zuerst bringt ein Daddy, gespielt von dem uns wohlbekannten Hausarzt Bela B. Felsenheimer (in welchem Amateurfilm spielt der eigentlich nicht mit?) sein Töchterchen Rebecca ins Bett, dann schwenkt die Kamera durch verschiedene andere Räume der Farm und wir sehen unter anderen, wie eine Frau gerade in die Dusche steigt (kaum Nudity). Schließlich endet die Kamerafahrt, als wir eine böse Gestalt im Clownskostüm sehen, die ein Messer in der Hand hält. Und schon fließt Blut, denn die gesamte Kommune wird fröhlich niedergemetzelt, unter anderem die junge Dame, die gerade noch unter der Dusche stand (keine Nudity). Der Reviewer erinnert sich dunkel, daß es da mal einen anderen, ziemlich bekannten Regisseur gab, der auch einen Mord unter der Dusche inszenierte und ebenfalls eine Vorliebe für ausgefallene Kameraführung hatte. Wird dieser Regisseur etwa Ittenbachs Vorbild sein? Olaf, da hast Du Dir aber viel vorgenommen. Das Leben als Vorzeigepunker lässt scheinbar wirklich früh altern... Nach ein wenig Gesplattere sind eine ganze Reihe von Leuten ziemlich tot und nur die kleine Bäcky hat das Massaker überlebt, wenn auch nicht bei völliger geistiger Gesundheit. Wir schalten um in das Sprechzimmer eines Arztes, der ein Namensschild trägt, der ihn als "Doktor Bela" ausweist (soll das lustig sein?) und ein Ehepaar Namens Creedon über Rebeccas Zustand informiert. Diese Creedons sind schon lustig. Mr. Creedon ist der Bruder von Bäckies Vater, also ihr Onkel und wirkt irgendwie grenzdebil. Mrs. Creedon dürfte mindestens 15 Jahre älter als ihr Gemahl sein und beeindruckt durch eine Frisur, die einfach nur unbeschreiblich häßlich ist sowie mit einen Teint, der durch exzessiven Gebrauch der Sonnenbank irgemdwie melanomfarben geworden ist, wenn man das so sagen kann. Dr. Bela eröffnet den bestürzten Creedons, Bäcky leide unter einer "retegraden Amnesie", die mit sich bringt, das sie nicht nur alle traumatischen Ereignisse der Mordnacht vergessen habe, sondern daß ihr Gehirn ihre ganze Persönlichkeit völlig gelöscht habe. Sie könne sich an rein gar nichts mehr erinnern, nicht einmal daran, wer sie eigentlich sei. Ein bei dem Gespräch anwesender Polizist, der aussieht wie ein Rausschmeißer im Rotlichtmilieu (wer war eigentlich für das Casting bei diesem Streifen verantwortlich?) gibt zu Bedenken, daß Bäcky die einzige Zeugin des Verbrechens sei und sich nirgends Spuren, die auf die Täter hinweisen finden ließen. Doc Bela erwidert, daß aus Bäcky nichts herauszuholen und eine Konfrontation mit dem Geschehen unverantwortlich sei. In Zukunft werden die Creedons Rebeccas Erziehung übernehmen, und zwar als ihre Eltern, bis sich ihre Erinnerung wieder von selbst einstelle. Dies alles sei notwendig, um das Mädchen nicht zu überfordern und einem Trauma zu vorzubeugen (ist Mrs. Creedon als Mutter zu haben nicht eigentlich schon Trauma genug? Zeuge eines Massenmordes zu sein stelle zumindest ich mir auch nicht wesentlich schlimmer vor). Anzumerken ist hier noch, daß Doktor Bela dem Zuschauer die Aufklärung über Bäckys Gesundheitszustand in einem endlos langen Monolog schildert. Monologe allerdings sind eher ein Mittel des Theaters, weniger des Films bei dem das gesprochene Wort der Mächtigkeit des Bildes untergeordnet ist (es sei denn, man macht es so wie Ingmar Bergmann oder Woody Allen, aber in dieser Klasse spielen Olaf Ittenbach und insbesondere seine Schauspieler nun wirklich nicht). Dieser bereits erwähnte bekannte Regisseur mit dem Mord unter der Dusche, den Ittenbach zitiert, hat denn auch nach eigener Aussage in seinen Filmen das gesprochene Wort so weit wie möglich reduziert um dem Bild den Vorrang zu geben. In Garden of Love hingegen ist dieser lange Monolog des Arztes nicht etwa eine Ausnahme, sonder der Regelfall. Ständig werden wir im Folgenden langgezogene Einstellungen haben, in denen irgend jemand redet und redet und redet --- und es nervt wirklich! Keine Einblendung informiert uns darüber, daß zwischenzeitlich 12 Jahre vergangen sind, aber ich verrate es Euch trotzdem schon jetzt. Wir befinden uns in einem Hörsaal, in dem die nun etwa 20-jährige Rebecca einer Medizinvorlesung lauscht. Die 20-jährige Bäcky wird von einer gewissen Natacza S. Boon gespielt (sicherlich ein "Künstler"- Name) und, na, wie soll ich es ausdrücken: diese Natacza ist schlichtweg völlig unbelastet auch nur irgendeines Fünckchen schauspielerischen Talentes. Ich habe noch nie, nicht einmal in RTLII-Vorabendserien, eine so grottenschlechte Schauspielerin gesehen. Diese Frau ist einfach nur eine wandelnde Katastrophe und das in jeder Hinsicht, was die Identifikation des Zuschauers mit ihrer Rolle, immerhin die Hauptrolle, nicht gerade erleichtert. Der vorlesungshaltende Professor, gespielt von Daryl Jackson (wer ist das eigentlich? Und warum hat auch der kein Talent?) ist aber auch nicht ohne. Denn dieser Mann ist nicht älter als Ende 20, Anfang 30. In meiner gesamten Hochschulkarriere habe ich nie einen so jungen Professor gesehen. Nun spielt Garden of Love zwar in England, wo die Erlangung einer Professur für einen jungen Wissenschaftler wesentlich weniger kompliziert ist als hierzulande (obwohl die Universitätssequenz ja nach Bekundung des Abspannes in München gedreht wurde), aber auch dort dürften 29 bis 30-jährige Medizinprofessoren eher die Ausnahme sein. Nach der Vorlesung wird dem geneigten Zuschauer außerdem mitgeteilt, daß dieser jugendfrische Professor David heißt und Bäckys Lebensabschnittsgefährte ist (ist das eigentlich nicht zumindest problematisch, Studentin mit Prof?). Beide verabreden sich für den Nachmittag in einem Café. Bäcky trifft bereits vor Dave in besagtem Café ein und schaut sich, während sie auf ihren Lover wartet, in einem laufenden Fernsehen die Nachrichten an. Plötzlich erscheint auf dem Bildschirm Bäckies ermordeter Vater (den sie als solcher natürlich nicht erkennt, Ihr wißt schon, Amnesie) in leicht ramponierten Zustand (nämlich mit durchgetrennter Kehle) und kündigt ein baldiges Wiedersehen an. Bäcky fragt die Bedienung des Cafés, ob sie auch gesehen hat was sie gesehen habe. Natürlich hat die Bedienung nichts gesehen und Dave, der wenig später eintrifft führt die Erscheinung auf Streßzustände zurück, die Bäcky wegen ihres baldigen Examens habe (wieso eigentlich? Immerhin schläft sie mit ihrem Professor – warum also der Streß? Und warum eigentlich Examen? Die Frau ist gerade mal anfang 20 und studiert Medizin! In diesem Alter macht auch in England niemand sein Medizinexamen... Ach, was soll´s – nicht drüber nachdenken). Später, in der Wohnung, die sich Bäcky und Dave teilen (das dürfte für das Prüfungsamt sicher nicht ganz uninteressant sein) schläft Bäcky auf dem Sofa in Daves Armen ein. Als sie wieder erwacht, ist es bereits tiefste Nacht. Dave liest ein Buch und hört eine Platte mit Kompositionen von Paganini (das ist jetzt wichtig!). Bäcky möchte sich umziehen, um ins Bett zu gehen. Sie schreitet in die Naßzelle des Hauses und zieht sich aus (keine Nudity) während aus dem Wohnzimmer die Musik Paganinis ertönt. Urplötzlich aber wechselt die Musikkulisse in einen flockigen Popsong, in dem ein Garden of Love besungen wird. Und so plötzlich, wie dieses Lied erklungen ist, verschwindet es auch wieder und wir hören wieder Nicolo Paganini. Man könnte meinen, das wäre ein Schnappschuß das Gastrezensenten beim Fluchtversuch... Bäcky geht zurück ins Wohnzimmer und sieht Dave erst mal nicht. Der steht nämlich aus irgendeinem Grund hinter ihr legt ihr und legt seine Hand auf ihre Schulter und wir erschrecken dann alle auch total (nein, nicht wirklich --- wir erschrecken nicht, weil das alles völlig voraussehbar war!). Bäcky fragt, ob Dave die Platte gewechselt habe, doch Dave ist sich keiner Schuld bewußt. Nun sehen wir (als zwischenzeitlich schon recht genervte Zuschauer) eine Traumsequenz Bäckys, in der sie als kleines Mädchen auf einer Schaukel sitzt, während ihr Daddy Gitarre spielt und mit den anderen Mitgliedern der Hippiekommune dazu singt. Klein-Bäcky springt von der Schaukel runter und rennt Daddy in die Arme. Darauf hin bilden alle Hippies einen Kreis um das Mädchen und umtanzen sie. Das Ganze wirkt, schon auf Grund der eingesetzten Farbfilter aber auch wegen der absolut unfähigen Umsetzen des intendierten Gedankens, nämlich eine zu Herzen gehende, sentimentale Stimmung zu kreieren, so unendlich peinlich, daß ich an dieser Stelle nicht etwa mit den Tränen der Rührung sondern mit den Tränen der Verzweiflung kämpfe (immerhin hab ich mir für Euch den Streifen zwei mal angeschaut und Lebenszeit investiert, die ich mit dem Lösen von Kreuzworträtseln wahrscheinlich sinnvoller eingesetzt hätte). Und jetzt hat Ittenbach für uns die größte Überraschung überhaupt bereit, denn die Szene endet nicht etwa in fröhlicher Idylle, sondern die Gesichter der Hippies verwandeln sich in zombieartige Fratzen und Bäcky wacht schweißgebadet aus ihrem Traum aus. Damit hätten wir nun aber nicht gerechnet, daß ein so schöner Traum so alptraumartig endet (Mann, dieser Film setzt wirklich neue Standards --- gähn!). Am nächsten Tag spricht Dave seiner emotional recht gebeutelten Bäcky gut zu und verspricht ihr, so schnell wie möglich aus der Uni wieder nach Hause zu kommen und macht sich auf den Weg (diese Szene ist einfach nur köstlich: man beachte Daves Halstuch, mit dem er ausschaut wie ein typischer Vertreter des RCDS – hier hat die Kostümabteilung wirklich den Vogel abgeschossen). Bäcky gibt derweil in eine Internetsuchmaschine den Titel Garden of Love ein und kommt auf eine Fanseite, die einem gewissen Gabriel Verlaine gewidmet ist (nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen französischen Dichter). Dieser Gabriel Verlaine lebte von 1958-1990, war ein bekannter Musiker, Komponist des Liedes Garden of Love und fand sein Ableben bei einem Massaker, das nur seine Tochter Rebecca überlebte, so die Botschaft der Internetseite. Optisch aufgemöbelt wird die Seite noch mit einer schönen Portraitphotographie Verlaines, die (wir sind natürlich nicht überrascht, wohl aber Bäcky) den Knaben zeigt, den Bäcky aus dem Fernsehen im Café und aus ihrem Traum her kennt. Nun beginnt es in Bäckies Hirn zu arbeiten, was wir an ihrem unheimlich dämlichen Gesichtsausdruck erkennen können: "Der Typ aus dem Fernseher und aus meinem Traum = Gabriel Verlaine; Gabriel Verlaine = Vater von Rebecca Verlaine; Ich = Rebecca; Rebecca = Rebecca Verlaine; Ich = Rebecca Verlaine." Hui! Kaum, daß Bäcky diese Neuigkeiten halbwegs verkraftet, da schaltet sich wie von Geisterhand der Fernseher ein und zwar auf einen dieser nervenden Verkaufskanäle wie QVC, auf denen Schauspieler, die fast so schlecht sind wie die aus Garden of Love den Zuschauern mit gespielter Begeisterung versuchen klar zu machen, daß ein Leben ohne eine Heizdecke ganz einfach unlebenswert ist. Und wen bekommen wir da jetzt so zu sehen? Richtig, Bäckies Daddy, der zusammen mit einer hysterisch kichernden Endvierzigerin ein Set von küchenrelevanten Schneidegeräte an den Mann bringen möchte. Und um das werte Publikum auch von der Qualität des Werkzeuges zu überzeugen demonstriert er dessen schärfetechnische Überlegenheit gleich an verschiedenen Extremitäten seiner Partnerin die ob einer abgehackten Hand, einer durchtrennten Kehle und ihres final abgeschlagenen Kopfes in noch größeres hysterisches Kichern ausbricht (vielleicht ist sie ja froh, auf diese Art den Film endlich hinter sich zu haben). Dann wendet sich Daddy direkt via Bildschirm an sein verängstigt dreinblickendes Töchterlein und informiert sie bedeutungsschwer darüber, daß "es" noch nicht vorbei sei, vielmehr fange "es" nun erst richtig an. Wow, wie unheimlich und bedeutungsschwanger: "´Es´ ist noch nicht vorbei!" – ich erschaudere! So einen originellen Plotpoint habe ich ja noch nie gesehen. Was allerdings definitiv vorbei ist, ist die einzig sehenswerte Szene des Films. Das soll nicht heißen, daß diese Verkaufsfernsehen-Parodie wirklich witziger gewesen wäre als ein Durchschnittgag bei "Sieben Tage, sieben Köpfe", aber im Vergleich zum Rest des Films ist sie ein wahres Juwel an Esprit, Witz und schauspielerischen Vermögen (in der Tat ist Bela B. der einzige Darstellerin dem Film, der so etwas wie eine schauspielerische Leistung abliefert und auch er ist jetzt nicht gerade ein Götz George). Bäcky und Dave fahren zu den Creedons, die erstaunlicherweise in den vergangenen 12 Jahre keinen Tag gealtert sind und immer noch ganz genauso bescheuert aussehen wie damals (Mrs. Creedon trägt sogar noch die selbe unmögliche Frisur) und die bereitwillig bestätigen, daß Bäcky Rebecca Verlaine sei und sie selbst ihr Onkel und ihre Tante. Man habe ihr die Wahrheit über den Vorfall vorenthalten um ihre Entwicklung nicht zu gefährden (scheint nicht viel genutzt zu haben, wenn Ihr mich fragt) und das Koma, in dem sie lag, mit einem Autounfall erklärt. Auch Dave ist eingeweiht, was Bäcky schon ein wenig wütend macht. Wieder zu Hause hat Bäcky eine weitere Vision, in der sie stückweise die Erinnerung an die Mordnacht wieder erlangt. Ihr wird ihr klar, daß damals nicht etwa ein Täter sondern deren Zweie am Tatort waren. Gegen Daves Willen, beschließt sie, sich die Farm anzuschauen. Ihr erster Weg führt zu dem Kommissar, der damals vor 12 Jahren die Ermittlung leitete und wißt Ihr, wie der Mann heißt, Leute? Der Kerl heißt tatsächlich Munster! Toll, was? Und nicht nur das, der Mann wirkt auf den ersten Blick zumindest auf mich auch wie der typische Psychopath. Wenn es jemanden gibt, der so aussieht, als könne er, aus welchen Gründen auch immer, problemlos einen Massenmord begehen, dann ist es dieser Kommissar Munster und ---- äh --- Ups, jetzt hab ich wohl zuviel verraten, oder?. Ne, eigentlich nicht. Das macht Ittenbach schon selber, denn das dieser Kommissar Munster etwas mit der Sache zu tun hat dürfte jeder Zuschauer, der zumindest schon einmal eine Folge "Fünf Freunde" auf dem Kinderkanal gesehen hat eigentlich binnen dreier Sekunden merken. Und immerhin, es waren ja zwei Täter! Also hat Ittenbach für uns zumindest noch eine Überraschung in Petto und die kann man sich zwar eigentlich auch schon denken, aber sie ist zumindest nicht ganz so offensichtlich. Es folgt die zweite Endlosmonologszene, in der Munster in einer einzigen ungeschnittenen Einstellung mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der Stimmen aus dem Jenseits hört, die ihm befehlen, den U.S.-Präsidenten zu töten, Bäcky und Dave den Hergang der Ereignisse in der Mordnacht schildert. Dieser Monolog ist in seiner darstellerischen Überzogenheit derartig laienhaft, daß es eigentlich nicht mehr komisch ist. Hier gehen schauspielerisches, inszenatorisches und dramaturgisches Unvermögen eine Symbiose ein, die einfach nur noch nervt. Vollends dämlich wird die Szene, wenn Munster Rebecca mitteilt, daß man auf den Mordwerkzeugen damals keine Fingerabdrücke finden konnte, mit Ausnahme denen --- Tataaa!!! --- denen von Rebecca!!! Nochmals wow! Das ist Spannung, das ist Mysterie, das ist Suspense, das ist ... es ist einfach nur grottendämlich, dämlich, dämlich!!! Ich bin ein Gastreviewer, holt mich hier raus!!!!!!! Sollen alle Beteiligten an diesem Film ins Wasser gehen? Rufen Sie JETZT unseren Ted an! Es stellt sich übrigens als völlig unproblematisch heraus, daß Rebecca den Tatort sehen möchte, denn die Farm, in der das Verbrechen geschah hat sie, wie Munster sie unterrichtet, eh geerbt, ist also ihr Eigentum. Daß Dave auch das wußte und ihr nicht gesagt hat, macht Bäckielein jetzt so böse, daß sie ohne ihn hinaus fahren möchte. Munster stellt ihr deshalb einen Polizisten zur Seite, der sie zur Farm bringen soll. Und Bäcky muß sich nicht mal Gedanken darüber machen, wie sie an den Schlüssel zu dem Gebäude kommt, denn den hat Munster im Schreibtisch und kann ihn der rechtmäßigen Besitzerin an Ort und Stelle überreichen (Schon seltsam eigentlich, daß Kommissare Schlüssel zu Tatorten von vor über 10 Jahren einfach so im Schreibtisch aufbewahren. Ich hätte darauf gewettet, daß die Schlüssel zu einem Tatort spätestens nach Abschluß eines Falles oder Einstellung der Ermittlungen wieder an die rechtmäßigen Eigentümer oder einem Vertreter derselben zurückgehen und nicht etwa behalten werden dürfen. Aber was soll´s. In diesem Film ist das meine geringste Sorge.) Bäcky und ein Polizist fahren in einem Dienstwagen heraus zur Verlainefarm, betreten das Gebäude, und ---- Ja, ich habe ihn gefunden: der Fehler, der uns beweist, daß der Film eben in der BRD und NICHT in England gedreht wurde!!! Der Display meines DVD-Players zeigt die Filmminute 40:27, wir sehen, aus dem Inneren der Farm aufgenommen wie Rebecca und der Polizist dieselbe durch die geöffnete Eingangstüre, die Einblick in den Innenhof des Komplexes ermöglicht, betreten. Und was sehen wir da im Hintergrund auf dem Hof stehen? Ein Auto mit einem weißen Nummernschild und nicht etwa mit einem der gelben, die Ittenbach sonst an alle Autos montiert hat. Diese Karre ist ihm entgangen, und ich freue mich darüber, Ihr glaubt gar nicht wie!!! Was, das ist pedantische Erbsenzählerei? Schon möglich, aber was erwartet Ihr eigentlich, wenn man mir einen solchen Film vorsetzt? Irgendwie muß ich mich doch rächen! Während Bäcky nun durch die Farm geht und Erinnerung auffrischt geht der sie begleitende Polizist, der sich ebenfalls ein wenig umsieht, den Weg alles Weltlichen, sprich: Irgend jemand zerlegt ihn in seine Einzelteile und wir sehen ein wenig Splädda. Toll. Dann erscheinen Rebecca ihr Daddy und die Geister der übrigen ermordeten Bewohner der Kommune höchstpersönlich und informieren sie, sie müsse die Täter von einst finden und zu ihnen bringen. Die Geister können das Haus nicht verlassen und haben keine Macht in der Außenwelt, doch werden sie erst Frieden finden, wenn die Täter bestraft sind (warum eigentlich? Wird nie erklärt ...). Bäcky ist ihre einzige Hoffnung. Der Umstand, daß Bäcky, als sie sich weiter in der Farm umsieht, den Polizisten in seine Einzelteile zerlegt vorfindet, macht sie allerdings erst mal wenig kooperationsbereit und löst sogar einen gewissen Fluchtinstikt in ihr aus. Statt auf Daddy zu hören, rennt sie in den Streifenwagen und funkt um Hilfe. Wegfahren ist nicht, da sie die Wagenschlüssel nicht hat. Wenig später trifft eine ganze Einsatztruppe ein und erstürmt die Farm, während Bäcky im Wagen wartet. Wir sehen wieder einige Minuten Splädda, in dem die gesamte Truppe von den Geistern elegant abgemurkst wird und wir fragen uns schon, warum es die Geister eigentlich auf die Polizisten abgesehen haben, wenn sie doch die Täter haben wollen. Und als Bäcky diverse Schreie aus dem Gebäude hört, fragt sie sich das natürlich auch. Sie gibt sich sogar gleich selbst die Antwort: "Ich habe die Falschen hergebracht!" Jeder, der außer Bäcky das Haus betritt, wird abgeschlachtet. Sie kontaktiert noch mal Daddy, beschwert sich über dieses Vorgehen und sagt, wenn die Sache so aussehe, dann seien die Geister auch nicht besser als ihre Mörder. Dieser ethisch durchaus schlüssigen Argumentation kann Daddy jedoch kaum etwas abgewinnen. Er bestätigt noch einmal, wer die Bude betritt, wird abgeschlachtet (nicht gerade sehr hippiehaftes Verhalten, ging es da nicht mehr um Love and Peace?), also solle Bäcky endlich die Schuldigen herkarren, damit der Spuk ein Ende hab (okay, Ittenbach braucht dies als Vorwand für sein Gesplattere, daß er damit jede Sympathie des Zuschauers für die Geister verspielt, dürfte ihm aber hoffentlich klar sein). Bäcky möchte unter diesen Prämissen nicht mehr mitmachen (was nur zu verständlich ist) und eigentlich müßte sie es auch nicht, denn außerhalb des Hauses haben die Geister nach eigener Aussage ja keine Macht. Also könnte sie einfach die Farm verlassen, nach hause fahren und das wär es dann gewesen. Dennoch läßt sie sich von Daddy schnell eines Besseren überzeugen, denn der ist der Meinung, daß sein Töchterchen gar nicht anders könnte als die wahren Täter zu suchen und herzubringen. Zwar führt er für seine Behauptung keinerlei Argumente an, aber allein der Umstand, daß er es sagt, muß auf Rebecca eine derartige normative Wirkung haben, daß sie einsieht, daß sie wirklich nicht anders kann (möglicherweise gehen ihr auch die ständigen Programmunterbrechungen durch ihren Vater im Fernsehen auf die Nerven – wenn man gerade seine Lieblingsserie schaut kann es echt nerven, wenn sich ständig verstorbene Anverwandte dazwischen schalten. Auch ist eine Immobilie nur schwer zu versilbern, in der Geister wohnen, die jeden, der sie betritt sofort abmurksen. So was schreckt potentielle Käufer ganz einfach ab und vielleicht kooperiert Bäcky ja auch aus rein finanziellen Erwägungen, denn immerhin dürfte sie für den Kasten, so sie ihn verkauft, eine schöne Stange Geld bekommen). Wieder bei Dave erzählt Bäcky ihrem Lover das Geschehene. Dieser erweist sich als Muster an Einfühlsamkeit, tut Bäckys Erlebnisse als stressbedingt ab und verabreicht ihr ohne ihr Wissen ein Schlafmittel. Unsere Heldin schläft ein und als sie wieder aufwacht findet sie ihren Kopf in einer Schlinge wieder, wobei Dave sie mit einer Waffe bedroht (klingelt was bei Euch, Freunde?). Es folgt der nächste Monolog, diesmal spricht Dave. Er setzt seine Freundin davon in Kenntnis, daß sie nicht nur die Farm, sondern auch sonst ein richtig schönes Vermögen geerbt habe und daß sie nun, auf Grund ihres zerrütteten seelischen Zustandes (Stichwort Visionen!), das Leben nicht mehr ertrage und sich freiwillig aus demselben verabschieden werde. Davor habe sie aber noch ein Testament gemacht, in dem sie Dave, als Alleinerbe ihres Vermögens eingesetzt hat. Zwar gibt sich Dave alle Mühe, auf Rebecca und uns Zuschauer bedrohlich zu wirken, doch klappt das ganz einfach nicht (er wirkt eher albern) und Bäcky kann sich mit einem gezielten Tritt in seine Weichteile befreien und attackiert ihn außerdem noch mit einem Bohrer (Aua!). Nun macht Bäcky aber leider das Falscheste, was sie überhaupt machen kann, denn sie flüchtet in die Privatwohnung von Munster, in der sie zu ihrer Überraschung auch die Creedons vorfindet, die dort auf dem Sofa sitzen und Erdnüsse essen. Dieses etwas überraschende Auftauchen ihrer Adoptiveltern wird durch Freundschaft erklärt, die während der Ermittlungen vor 12 Jahren entstand. Na, wer es glaubt ... Bäcky schildert Munster das Geschehene, der sich den Tatort anschauen möchte. Bevor er geht, schließt er noch seine Wohnungstüre ab, "zur Sicherheit" --- (Die Spannung steigt, und steigt, und steigt, und ---- Ne, doch nicht - war ein Irrtum, das mit der Spannung). Bei Dave angekommen stellt Munster fest, daß dieser die Bohrerattake, wenn auch schwer verletzt, durchaus überlebt hat und dem nun folgenden Dialog entnehmen wir, was wir eh schon wußten, nämlich das beide unter einer Decke stecken und den Massenmord in der Farm gemeinschaftlich begangen haben. Also ist nicht nur Munster ein böser Junge, sondern Dave gleich mit (2. Täter!). Aber Munster ist der Bösere, denn er ruft nicht etwa den Notarzt, den Dave dringend nötig hätte, sondern expediert ihn in einer an Lächerlichkeit und schauspielerischen Unvermögen unüberbietbaren Szene ebenfalls ins Jenseits, indem er ihn erstickt. Friede seiner Asche. Während dessen wartet Bäcky mit den Creedons in Munsters Wohnung auf dessen Wiederkehr, als Munsters Tochter Melanie, etwa 12 Jahre alt, aus ihrem Zimmer kommt. Munster war, wie bereits an einer früheren Stelle des Films mitgeteilt wurde, einmal verheiratet und aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. Munsters Frau ist allerdings schon vor Jahren verstorben was bedeutet, daß dieser sympathische Zeitgenosse auch noch alleinerziehender Vater ist. Melanie kann nicht schlafen und zeigt Bäcky ein Album mit Photos von ihrem letzten Geburtstag, auf dem ihr Vater zur Bescherung in einem Clownskostüm aufgetreten ist. Das Kostüm jedoch löst bei Rebecca eine weitere Erinnerung aus: einer der Täter trug nämlich ein solches und ihr dämmert langsam aber sicher, daß sie sich in einer für sie eher ungünstigen Situation zu befinden scheint. Sie entschuldigt sich kurz und geht auf die Toilette. Dort durchsucht sie sämtliche Schränke, bis sie ein Rasiermesser findet. Anschließend geht sie zurück zu den Anderen. Auch Munster ist zwischenzeitlich eingetroffen. Nun macht Bäcky was ganz cleveres: Sie hält Melanie das Rasiermesser an die Kehle und droht sie zu töten, wenn Munster nicht hinaus auf die Farm fahre. Munster erkennt das Problempotential der Situation und willigt ein. Er fährt in seinem Auto, während Bäcky und Melanie ein anderes benutzen (wessen Auto eigentlich?) Auf der Fahrt zur Farm redet Rebecca Melanie gut zu daß sie ihr nichts tun wolle und das alles nur halb so schlimm sei. Verständlicherweise überzeugt dies Melanie allerdings nur wenig, immerhin ist ein Rasiermesser an der Kehle nicht gerade ein landläufiges Symbol für Vertrauenswürdigkeit. An der Farm angekommen verbindet Bäcky vor Betreten des Gebäudes Melanie die Augen, damit sie nichts sieht und vor den Geistern sicher ist (Hä? Warum ist Melanie vor den Geistern sicher, wenn sie sie nicht sieht? Versteh ich nicht). Auch Munster und die Creedons treffen auf der Farm ein. Es kommt zum großen Show-down, in dem Rebecca die ganze Wahrheit erfährt. Die Creedons hatten einst Verlaines Ableben geplant, um an sein Vermögen zu kommen. Sie waren in finanziellen Schwierigkeiten, aber Gabriel wollte nicht aushelfen. Um nicht in Verdacht zu kommen sollte ein Riutalmord vorgetäuscht werden, bei dem die gesamte Hippie-Kommune um die Kante gebracht werden sollte. Zur Ausführung des Mordes erklärten sich zwei Polizisten bereit, nämlich Munster, der ebenfalls in finanziellen Schwierigkeiten steckte und Dave, der damals ebenfalls bei der Polizei war, aber auf die Universität wollte und dafür Geld brauchte. Rebecca mußte das Massaker überleben, denn wäre sie gestorben, hätte die örtliche Gemeinde das Vermögen Verlains geerbt. Nun aber, wenn Rebecca stürbe, ginge das Geld im Sinne der Erbfolge in den Besitz der Creedons über. Dies also ist des Rätsels Lösung und zumindest damit, daß Dave im früheren Leben mal Polizist war, hätte ich nicht gerechnet. Allerdings hätte ich dazu auch mal ein paar Anfragen, nämlich: 1.Warum geht das Vermögen Verlains, wenn Rebecca als Achtjährige stirbt, an die Gemeinde über, aber an die Creedons, wenn Rebecca als Zwanzigjährige stirbt? Ändert das Alter einer Person irgend etwas an der gesetzlichen Erbfolge? 2.Wenn die Creedons, Munster und Dave vor 12 Jahren finanzielle Probleme hatten, was nützt ihnen dann, daß sie das Geld erst JETZT bekommen. Wie haben sie sich die vergangenen Jahre über Wasser gehalten? 3.Dave ist, so wie er habituell rüberkommt, etwa Ende 20, Anfang 30. Sagen wir mal großzügig, er ist 31 Jahre alt (eher jünger, aber wir sind ja großzügig). Dann war er vor 12 Jahren 19 Jahre alt. Wenn er damals Polizist war, hatte er die Ausbildung vielleicht gerade mal abgeschlossen, mehr aber auch nicht. Wie hat er es dann geschafft, in 12 Jahren das Abitur nachzuholen (denn das wird er ja kaum parallel zu seiner Polizeiausbildung gemacht haben, Medizin zu studieren, zu promovieren und sich zu habilitieren? Immerhin wird er ja als Medizinprofessor vorgestellt. Das ist schlichtweg unmöglich, auch in dem durchlässigeren englischen Bildungssystem. Darüber hinaus wird als Grund für die Tatsache, daß er sich an dem Komplott beteiligt hat, sein Wunsch auf die Universität zu gehen genannt, wofür er nun einmal Geld brauchte (so viel zum Thema Studiengebühren). Wie hat er seien Universitätslaufbahn also schon bis zum Professor betreiben können, wenn das Geld noch gar nicht geflossen sein kann, da Rebecca nachweislich ja noch unter uns weilt? Ungeachtet dieser logischen Probleme hören wir auf einmal das Lied Garden of Love, die Geister holen sich Munster und die Creedons, es gibt noch ein wenig Gesplattere und Bäcky hat eine letzte Vision, die ihrem Traum entspricht, in dem sie als kleines Mädchen von der Schaukel ihrem gitarrespielenden Vater in die Arme gesprungen ist und anschließend von allen Hippies umtanzt wurde. Nun ist Rebecca aber kein kleines Mädchen mehr, sondern eine erwachsene Frau, die ihrem Vater von der Schaukel in die Arme hüpft und von den Kommunebewohnern umtanzt wird. Doch die Vision endet nicht etwa wieder damit, daß sich alle Hippies in bedrohlich dreinblickende Zombies verwandeln, vielmehr ergreift Daddy ein letztes mal Bäckies Hand (das Bild vom Cover der DVD, das mich so angesprochen hat) und macht sich dann mit seinen Hippiefreunden erlöst ins Jenseits auf. Bäcky aber ist glücklich, denn sie hat ihre wahre Familie wiedergefunden. Tja, diese Szene könnte wirklich ergreifend sein, wäre Natacza S. Boon uns den gesamten Film über nicht so dermaßen auf die Nerven gegangen, daß man überhaupt nicht mehr bereit ist, sich mit ihrer Rolle zu identifizieren und deshalb auch nicht mit ihr mitleiden kann, so gerne man es vielleicht auch würde. Darüber hinaus ist die gesamte Sequenz aber auch so dermaßen manieriert und dilletantisch gespielt und inszeniert, daß sie gar nicht zu berühren vermag sondern einfach nur lächerlich wirkt. Schade, denn das hätte durchaus Potential gehabt. In der Schlußsequenz erfahren wir daß Munsters Tochter Melanie, um mit den letzten Ereignissen fertig zu werden, an der selben retodingskirchengraden Amnesie leidet, die vor 12 Jahren auch Bäcky befallen hatte. Und wieder ist Doktor Bela der behandelnde Arzt, der ebenfalls in den letzten 12 Jahren um keinen Tag gealtert ist (diese Leute haben wohl alle ein Ölportrait von sich im Keller stehen welches an ihrer statt altert). Rebecca hat sich bereit erklärt, die kleine Melli zu adoptieren, wofür sie auf Grund ihrer Biographie auch am besten geeignet ist. In einer letzten Szene sehen wir Melanie, wie sie in Rebeccas Wohnung vor einem Fernseher spielt, der sich urplötzlich ganz von selber einschaltet und auf dem Bildschirm erscheint der verblichene Munster in seinem Clownskostüm. Er nimmt seine Maske ab und ruft seiner Tochter (die ihn natürlich nicht erkennt) irrsinnig lachend zu : "Es ist noch nicht vorbei, es geht erst richtig los!". Aber wenigstens ist der Film vorbei, und das will schon einiges heißen. Analyse Also, um es gleich vorwegzunehmen: In Anbetracht der Tatsache, wie positiv der deutsche Amateurhorrorfilm hier teilweise besprochen wird, werde ich ihm eine zweite Chance geben und so tun als hätte ich Garden of Love nie gesehen. alternatives Plakatmotiv Wem ich ganz sicher keine zweite Chance geben werde, sind die Musenkindern des Herrn Ittenbach, denn dieser Liebesgarten hat mir wirklich gereicht. Wie ich einschlägigen Internetquellen entnehmen konnte soll Garden of Love allerdings nicht exemplarisch für das Schaffen des Maestros sein, da er hier, im Gegensatz zu seinen früheren Filmen, das für ihn typische Gesplattere arg zurückschraubt um breiteren Raum für Handlung, Charakterentwicklung und Atmosphäre zu schaffen. Gerade das aber empfinde ich als Drohung, denn ich frage mich, in Anbetracht der Tatsache daß ich in Garden of Love auch ansatzweise keine Spur von spannender Handlung, interessanter Charakterentwicklung und einnehmender Atmosphäre entdecken konnte, wie dann erst die anderen Filme Ittenbachs ausschauen werden? Um nicht falsch verstanden zu werden, für den bekennnenden Gorehound mag Ittenbach deftige und bekömmliche Kost sein und ihm sei er deshalb auch aufs Wärmste anempfohlen. Wer hingegen, so wie ich, eher den poetisch-romantisch orientierten Horrorfilm bevorzugt, wird an Ittenbach kaum Freude haben dürfen. Damit das Review nicht in einem Totalveriss ausartet soll erst mal das erwähnt werden, was mir an Garden of Love gefallen hat, nämlich die für einen Amateurfilm erstaunlich souveräne Beherrschung filmtechnischer Mittel. Hier braucht sich Olaf Ittenbach nicht hinter Profis zu verstecken. Wenn man überlegt, daß Jess Franco seit nun fast 45 Jahren im Geschäft ist und immer noch Filme auf dem technischen Niveau einer Unterstufen-Film-AG der Gesamtschule Castrop-Rauxel-Süd dreht, so hat Ittenbach hier ein beachtliches Niveau erreicht. Er erlaubt sich kaum technische Schnitzer: Kameraführung, Beleuchtung, Ausstattung, Schnitt, Ton, Effekte, alles auf Profi-Niveau. Lediglich die Nachsynchronisation ist ein wenig schlampig geraten, was vielleicht daran liegt, daß der Film möglicherweise auf englisch gedreht wurde. Zumindest gibt es auf der Leih-DVD eine englische Tonspur. Dennoch ist die auch die Nachsynchronisation nicht wirklich mißlungen. Wenn man bedenkt, mit welchen Budgets Ittenbach arbeiten muß, so gebührt ihm hier meine volle Anerkennung. Der Schnitzer mit dem deutschen Nummernschild in Minute 40:27 wollen wir ihm denn auch mal großzügig verzeihen (auch wenn ich natürlich oben gerne drauf rumgeritten habe (-; ). Ebenfalls erstklassig sind die Special-Effekte. Wenn Ittenbach splattert, dann macht er es richtig, überzeugend und niemals peinlich. In Anbetracht der Tatsache, daß Ittenbach meines Wissens nach Autodidakt ist, zeigt er hier eine vorzügliche und kreative Leistung die mit professionellen Filmen nicht nur mithalten kann, viele auch weit übertrifft. Und das mit Handarbeit, nicht etwa mit Computersimulationen. Warum holt niemand den Mann nach Hollywood? Was müßte Ittenbach im Effekt-Bereich auf die Beine stellen können, wenn er mal richtig aus dem Vollen schöpfen könnte? Aber bitte, liebe MGM, liebe Paramount, liebe Universal-Studios, holt den Mann als Techniker nach Hollywood, nicht als Regisseur oder Drehbuchautor, denn da ... also, das ist nicht gerade seine Stärke. Wie die Inhaltsangabe oben bereits belegt haben dürfte, ist das von Ittenbach cogescriptete Drehbuch ziemlicher Schrott. Da wird eine Hippiekomune niedergemetzelt und erscheint der einzig Überlebenden 12 Jahre später als zombieartige Geister, damit sie die Täter von einst zwecks Rache zu ihnen führt. Das ist nun nicht gerade end-hirnrissig, aber auch nicht unbedingt originell. Richtig hirnrissig wird es aber, wenn sich herausstellt, daß die einzig Überlebende auch noch Millionenerbin ist, der ermittelnde Komissar der Täter, der Freund der Überlebenden sein Komplize und die Adoptiveltern die Auftraggeber des Verbrechens sind. Das alles ist schon arg konstruiert und unglaubwürdig und verliert vollends jeden Sinn, wenn gesagt wird, daß Rebecca das Massaker überleben mußte, damit das Geld nicht an den Staat fällt. Meine Einwände hab ich ja schon weiter oben dargestellt. Hier wurde versucht, in Sixth-Sense-Manier eine Überraschung zu kreieren, die aber einfach nicht überrascht, weil man auf einen Teil der Überraschung schon von selber kommt und der andere Teil auf dem man nicht von selber kommt so weit hergeholt ist, daß er nur noch blöde wirkt. Zwar wäre ich noch bereit, Ittenbach diesen Unsinn als Schlußpointe zu verzeihen, wenn bis dahin das Drehbuch wenigstens dramuturgisch halbwegs spannend aufgebaut gewesen wäre. Aber auch das bekommt er einfach nicht hin. Alles ist derartig vorhersehbar, so daß man den Eindruck gewinnt, daß Ittenbach einfach nur vorgefertigte Handlungsbausteine aneinander gefügt habe. Nirgends findet sich ein originärer Gedanke oder eine wirklich überraschende Wendung. Der Versuch, ein Geheimnis Schritt für Schritt zu entschlüsseln scheitert völlig, da wir alles, was Ittenbach uns präsentiert, schon einmal irgendwo gesehen haben. Wenn Rebecca, wie mehrfach in dem Film zu sehen einen leeren Raum betritt, sich umschaut und von hinten gefilmt wird, so wissen wir schon genau, was wohl als nächstes kommt: irgendeine Hand wird sich auf ihre Schulter legen und wir sollen uns erschrecken. Und so kommt es auch, eine Hand legt sich auf Rebeccas Schulter, nur wir erschrecken nicht, weil wir das schon wußten. So verhält es sich denn auch mit dem gesamten Film. Irgendwie wissen wir schon was kommen wird, weil wir das alles schon tausend mal gesehen haben. Hinzu kommt die schlechte schauspielerische Leistung so ziemlich aller Beteiligten, die es unmöglich macht, sich auch nur ansatzweise mit den Figuren zu identifizieren. Natasza S. Boon als Rebecca, immerhin die Hauptrolle, schießt dabei den Vogel ab. Die Dame verfügt nur über einen einzigen Gesichtsausdruck, und den möchte ich mal vorsichtig als "leicht verwirrt" beschreiben. Bereits nach 10 Minuten möchte man diese Frau ganz einfach nicht mehr sehen. Daryl Jackson als David hat da schon eine größere Bandbreite, denn er hat zwei Gesichtsausdrücke: schleimig-besorgter Liebhaber und schleimiger Bösewicht. James Mattew-Pyecka (wie spricht man das eigentlich aus?) als Kommissar Munster ist ebenfalls eine Knallcharge ersten Ranges. Warum man dem Knaben nicht gleich ein Schild mit der Aufschrift "Bösewicht" umgebunden hat ist mir schleierhaft. Sollte jemand mal das Leben von Charles Manson verfilmen wollen, so wäre Mr. Mattew-Pyecka ein aussichtsreicher Kandidat für die Hauptrolle. Bela B. Felsenheimer als Gabriel Verlaine ist eigentlich der Einzige in dem Ensemble, der so etwas wie Talent vorzuweisen hat und ein wenig Glanz in den Film bringen kann. Besonders in Erinnerung bleibt dabei sein Auftritt in der QVC-Werbekanalparodie, die eh der Highlight des gesamten Streifens ist. Zwar ist auch die nicht besonders originell oder gar komisch, doch bringt sie den Zuschauer wenigstens mal zum schmunzeln, was hauptsächlich Felsenheimers Verdienst ist (ansonsten ist der ganze Film übrigens völlig humorlos). Ansonsten sei Olaf Ittenbach für sein nächstes Casting anempfohlen, sich doch einfach mal auf öffentlichen, allgemeinbildenden Schulen in seiner näheren Umgebung umzuschauen. Auf Schulen gibt es nämlich in aller Regel auch Theater-Ags, deren Teilnehmer im Rahmen von Schultheater teilweise wirklich beachtliche Leistungen zeitigen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß diese Schüler durchaus auch bereit wären auch umsonst und nur aus Spaß an der Freud bei einer Amateurfilmproduktion mitzuspielen, insbesondere unter Regie eines Regisseurs, der technische Mittel ja nun wirklich professionell beherrscht. Was die darstellerische Leistung anbelangt könnte dies gegenüber Leuten wie Natasza S. Boon und wie sie alle heißen einen wahren Qualitätsschub bedeuten, denn diese Dame hätte es in jeder schulischen Theater-AG mit ihrem Talent nicht weiter als bis zur Gardrobriére gebracht. Auch als Regisseur erweist sich Olaf Ittenbach im Einsatz der künstlerischen Mittel als, sagen wir es mal positiv, noch steigerungsfähig. Seine ständigen Versuche, die Kameraführung Alfred Hitchcocks zu imitieren nerven einfach, schon deshalb, weil das, was gezeigt wird qualitativ meilenweit von dem entfernt ist, was Hitchcock selbst in schlechtesten Stunden auf Zelluloid gebannt hätte. Was habe ich von gewagten Einstellungen, wenn das, was ich zu sehen bekomme, nur Schwachsinn ist? Und wenn Ittenbach den Mord unter der Dusche aus Psycho zitiert, so reitet ihn die reinste Hybris, denn wer würde heute noch über den 75-sekündigen Mord unter der Dusche reden, wenn die restlichen 99 Minuten des Films nicht auch erstklassig gewesen wären? Nicht zuletzt die Tatsache, daß Ittenbach uns in 80 Minuten Film drei Monologe von jeweils fünf Minuten Dauer antut beweist, daß er zumindest von Dramaturgie keine Ahnung hat. Und auch mit der Atmosphäre des Filmes hapert es. Ganz zu schweigen davon, daß Garden of Love meilenweit davon entfernt ist, auch nur ansatzweise unheimlich zu sein so scheitert der Film auch, wenn er versucht, auf die Tränendrüse zu drücken. So in der Schlußszene, in der die erwachsene Rebecca in einer Vision ihrem nun erlösten Vater begegnet und ihm die Hand reicht. Diese Szene hätte Potential gehabt, doch sind die Geister einerseits durch ihr rabiates Vorgehen gegenüber Unschuldigen eh schon soweit diskreditiert, daß man als Zuschauer eigentlich kein Mitleid mehr mit ihnen hat, und zum anderen hat Natacza S. Boon als Rebecca auch derartig genervt, daß wir mit ihr eigentlich gar nicht mehr mitfühlen wollen. Und schlußendlich ist diese Szene derartig dilletantisch inszeniert, daß zumindest auf mich der zündende Funke nicht überspringen will. Schade, schade (aber ich beginne so langsam, mich zu wiederholen). Alles in allem gebe ich dem Film fünf Bomben für Unfähigkeit (wohlgemerkt im künstlerischen, nicht im technischen Bereich). Mehr als drei Bier für den Unterhaltungsfaktor kann ich leider nicht geben, denn um wirklich Trash zu sein ist Garden of Love technisch einfach zu professionell gemacht, anderseits aber auch zu langweilig und nervend, um eine bierseelige Runde wirklich zu unterhalten. Möglicherweise wären da die älteren und spläddaintensiveren Ittenbach-Streifen besser zu geeignet. Ich zumindest werde aber um Ittenbach demnächst einen großen Bogen machen und mir mal anschauen, was der Amateurfilmsektor sonst noch so bietet. Vielleicht werde ich demnächst an diesem Ort ja mal eine verkannte Perle besprechen (-; Ralph Fischer Bewertung BOMB-SKALA     
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