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THE EXORCIST
Deutscher Titel: Der Exorzist
Der Exorzist
Der Exorzist

USA 1973 - 127 min - FSK: 16


Inhaltsverzeichnis

Credits

Besetzung:

Chris MacNeil  (Ellen Burstyn)
Pater Lancaster Merrin  (Max von Sydow)
Pater Damian Karras  (Jason Miller)
Lt. William Kinderman  (Lee J. Cobb)
Regan Teresa MacNeil  (Linda Blair)
Burke Dennings  (Jack MacGowran)
Sharon Spencer  (Kitty Winn)
Pater Dyer  (Reverend William O´Malley)
Dr. Klein  (Barton Heyman)
Tom, Präsident der Universität  (Reverend Thomas Bermingham)

Crew:

Regie: William Friedkin
Drehbuch: William Peter Blatty
Kamera: Oven Roizman, Billy Williams (Irak)
Schnitt: Norman Gay, Evan A. Lottman, Bud S. Smith
Musik: Jack Nitzsche
Production Design: Bill Malley
Spezialeffekte: Marcel Vercoutere, Dick Smith (Maske)
Produzent: William Peter Blatty
ausführender Produzent: Noel Marshall
Produktion: Warner Bros., Hoya Productions


Gregors Review

Willkommen zu meinem Teil des EXORZIST-Doppelreviews. Den Film verdanken wir William Peter Blatty, ein tief religiöser, katholischer Schriftsteller, der Bücher nicht einfach des Geldes wegen schrieb, sondern versuchte, den Leser zum Katholizismus zu bekehren und seinen Glauben gegen die Säkularisation zu verteidigen (allerdings war er auch ein erfolgreicher Drehbuchschreiber für Komödien). Wobei er sowohl in inhaltlicher als auch in ästhetischer Hinsicht scheiterte: Seinen theologischen und philosophischen Überlegungen fehlt es an Intelligenz (grösstenteils sind sie einfach haarsträubender Blödsinn); künstlerisch misslangen seine Romane schon deshalb, weil er Story und Handlungsfluss seiner missionarischen Botschaft unterstellte, beispielsweise indem er die Handlung unterbricht, damit die Charaktere theologische Fragen erörtern können. Dass er sich bei DER EXORZIST diesbezüglich zurückgehalten hat, dürfte mit ein Grund sein, dass dieser sein einziges wirklich erfolgreiches Buch war; dennoch ist der Roman immer noch ein "humorloses, bleischweres Traktat“ (wie Stephen King ganz recht anmerkt). Dieses basiert auf einem wahren Fall von 1949 (Blatty liess sich aber auch von früheren Fällen inspirieren), der sich in Mount Rainer, Maryland abspielte, wo zwei Priester einem 13jährigen Jungen den Teufel austrieben. Für Blatty war dieser Exorzismus ein Beweis für die Existenz von Dämonen, woraus er (logisch fragwürdig) wiederum automatisch die Existenz des Guten schloss; dies versuchte er dann in seinen Roman zu vermitteln.

Er reicherte das Buch allerdings an mit derart viel Horror, Gewalt, Sex, Gotteslästerung und unanständiger Gossensprache, dass die Botschaft in all den drastischen Darstellungen glatt in den Hintergrund geriet und das Buch mehr als reiner, tabubrechender Horrorroman denn als ein religiöses Werk verstanden wurde, was wohl aber auch den Erfolg begründete: Als der Roman 1971 veröffentlicht wurde, löste er zusammen mit anderen Werken wie ROSMARY’S BABY einen gigantischen Horrorboom aus, der bis heute das Gesicht des übernatürlichen Romans prägt (der Erfolg eben von Stephen King und seinen Kollegen wären ohne Blatty undenkbar) und eine Menge Nachahmer fand (zudem schrieb Blatty 1983 eine – enttäuschende – Fortsetzung namens LEGION, aus der er selber den zufrieden stellenden Film DER EXORZIST 3 strickte). Dass da die Verfilmung nicht lange auf sich warten liess, versteht sich von selbst. William Peter Blatty selber adaptierte seinen Roman für die Leinwand; William Friedkin, der kurz zuvor mit FRENCH CONNECTION einen grossen Erfolg gefeiert hatte, wurde von Warner Bros. als Regisseur engagiert, nachdem Kandidaten wie John Boorman (der keine Grausamkeiten gegen Kinder inszenieren wollte, aber bekanntlich beim zweiten Teil die Regie übernahm), Stanley Kubrick (der wohl eh nicht der richtige gewesen wäre, wie 1980 SHINING zeigte), Mike Nichols (DIE REIFEPRÜFUNG, PRIMARY COLORS; er wollte sich nicht auf einen Film mit einem Kind in der Hauptrolle einlassen) oder Arthur Penn (BONNIE AND CLYDE, LITTLE BIG MAN) ausgestiegen waren. Der Film startete Weihnachten 1973 und wurde ein gigantischer Erfolg: Damals brach er alle Kassenrekorde, war er der finanziell erfolgreichste Film nach DER PATE und berücksichtigt man die Inflation, so ist er bis heute einer der rentabelsten Horrorfilme überhaupt. Horror und (religiöse) Tabubrüche zogen die Menschen in Scharen ins Kino und lösten Kontroversen aus; der berühmte Prediger Graham beispielsweise bezeichnete den Film als das Böse an sich (Blatty: "Ich habe natürlich grössten Respekt vor Billy Graham, aber dennoch empfand ich diese Äusserung als das Dümmste, was ich je gehört habe“), die katholische Kirche aber schätzte den Film (und hatte ihn ja beim Dreh unterstützt). Der Film erhielt zwei Oskars (für besten Ton und bestes adaptiertes Drehbuch; ferner war er für acht weitere Preise nominiert, unter anderem für beste Regie und bester Film) und vier Golden Globes (für Friedkin, Blatty und Blair und als bester dramatischer Film) und wurde zu einer Ikone der Popkultur. Natürlich hatte dies (neben einigen Sequels) eine Welle von ähnlich gelagerten Filmen zur Folge (ROSEMARY’S BABY wurde ja auch verfilmt, imho ist Polanskis Werk bis heute der beste Okkultthriller; ferner gab es da noch Filme wie DAS OMEN oder AMITYVILLE HORROR inklusive Fortsetzungen).

Diese Spielart des Kinos erlebte eine Renaissance, als das Jahr 2000 und somit das Millennium vor der Tür stand und Filme wie STIGMATA, END OF DAYS oder LOST SOULS erschienen (fast alle seelenlose Effekte-Spektakel). Im Zuge dessen erlebte 2000 auch DER EXORZIST selber eine erneute Kinoauswertung (damals bin ich selbstredend auch sofort ins Kino gepilgert). Vor allem auf das Drängen Blattys hin, welcher mit dem Film nie so ganz zufrieden war, machte sich Friedkin gemeinsam mit dem Autor daran, die neue Schnittfassung herzustellen. Es wurden 10 Minuten wieder eingefügt, die vor der Erstauswertung entfernt worden waren (darunter der berühmte "Spinnengang“), das Bild restauriert und die Tonspur komplett überarbeitet (von Steve Boeddeker und Jennifer Law-Stump) – teils wurden sogar zusätzliche Musik und neue Soundeffekte eingefügt; die deutsche Version erhielt eine neue Synchronisation (an der Stelle sei auch klargestellt, dass ich die Originalversion niemals vollständig gesehen habe und das Review auf der neuen Fassung basiert). Die Wiederaufführung mochte auch zu der Entscheidung geführt haben, endlich das Prequel zu produzieren, welches nun aufgrund von Streitigkeiten in zwei Versionen existiert (die von Paul Schrader kenn ich noch nicht, hoffe aber, dass sie nicht so saugt wie die von Renny Harlin). Hat der Film seinen Platz in der Filmhistorie verdient? Ist er so missionarisch geworden wie das Buch? Ist er wirklich der erschreckendste Film aller Zeiten? Das werdet Ihr alles auf den folgenden Seiten erfahren…


Inhalt

Böse und Gut bereiten sich auf die Konfrontation vor...
Böse und Gut bereiten sich auf die Konfrontation vor...

Wir beginnen mit ein paar Szenen aus irgendeiner Stadt, sehen unter anderem eine Marienstatue in einer Kirche (der Sinn dieser Einstellungen an der Stelle erschliesst sich mir allerdings nicht). Titeleinblendung! Danach begrüsst uns der Gesang eines Muezzins im Nordirak, wo in Sichtweite einiger Ruinen Ausgrabungen stattfinden. Ein kleiner arabischer Junge rennt zum Chefmaulwurf, ich mein, -archäologen, Lancaster Merrin, alter Mann und hauptberuflich Priester, und erzählt von Funden am Fusse des Hügels. Merrin geht gucken; ein anderer Archäologe zeigt ihm einige kleine Stücke: Scherben, Öllampen, Pfeilspitzen. Das Ungewöhnliche: Darunter befindet sich auch ein christliches Medaillon, das aus einer ganz anderen Zeitepoche stammt. Merrin buddelt in einem nahen Erdloch und fördert eine kleine Dämonenfratze aus Ton zu Tage. Später sitzt er in einem Teehaus am Basar, nimmt mit zitternden Händen eine Pille aus einem Döschen, welches er mit sich herumschleppt, und schluckt diese (seine Gesundheit ist wohl leicht angeschlagen). Dann ist er wieder unterwegs, kommt an einer Schmiede vorbei und entdeckt einen Schmid mit kaputtem Auge. In irgendeinem Büro, in welchem allerlei archäologisches Gerümpel herumsteht. Anwesend sind ein Beamter an seinem Schreibtisch sowie Merrin, der sich das Medaillon (einem christlichen Heiligen gewidmet) und den Tonkopf ansieht. Kaum spricht der Beamte über die Figur, bleibt die Wanduhr stehen. Der Beamte wirkt bedrückt, aber wegen was anderem: "Ich wünschte, sie würden nicht gehen.“ Merrin: "Da ist etwas, das ich erledigen muss.“ Die beiden verabschieden sich mit einer Umarmung, der alte Priester läuft durch die Stadt und wird dabei fast von einem Pferdewagen überrollt. Dann fährt er raus zu den Ruinen, wird von zwei bewaffneten Wachen entdeckt, die ihn aber erkennen und durchlassen und klettert dann auf einen Hügel, wo er einer Statue gegenübersteht, die einen Dämon mit vier Flügeln und erigiertem Geschlechtsteil darstellt. Die beiden stehen sich symbolträchtig gegenüber (Info am Rande: Da zu der Zeit der Irak keine diplomatischen Beziehungen zu den USA hatte, musste Friedkin für diese Sequenz eine britische Filmcrew anstellen – und drehte sie ausserdem erst, als die Dreharbeiten in Amerika abgeschlossen waren). Wir verlassen den Irak und betreten Georgetown, einen Stadtteil im Westen von Washington. Eine Frau mit kurzen Haaren und im Pyjama liegt im Bett und kritzelt unter dem Licht der Nachttischlampe auf einem Zettel herum. Ein seltsames Geräusch weckt ihre Aufmerksamkeit. Dieses scheint vom Dachboden zu kommen, sie geht aber nicht nachschauen, sondern ins Zimmer ihrer schlafenden Tochter, wo sie das Fenster schliesst und das Mädchen zudeckt.

Der Typ rechts ist Drehbuchautor William Peter Blatty
Der Typ rechts ist Drehbuchautor William Peter Blatty

Am nächsten Morgen wird Chris MacNeil, so der Name der Frau, in der Küche von Willi, der Haushälterin, begrüsst und beauftragt Karl (ein alter Schweizer und ebenfalls bei ihr angestellt): "Wir haben Ratten auf dem Dachboden, besorgen sie doch ein paar Fallen.“ Sein Einwand, es können keine Ratten auf dem Dachboden nisten, weil der sauber sei, zieht bei ihr nicht: "Na schön, dann haben wir saubere Ratten.“ Unsere Chris MacNeil scheint nicht schlecht zu verdienen, ist aber auch kein Wunder, ist sie doch eine berühmte Schauspielerin. Und eben als solche arbeitet sie heute auf einem Campus (dürfte die berühmte katholische Uni von Georgetown sein, übrigens in den USA die älteste ihrer Art), wo Regisseur Burke Dennings für einen Film eine Studentendemo inszeniert. Sie regt sich zwar auf über logische Fehler im Drehbuch auf, aber da der Drehbuchautor zurzeit in Paris "rumfickt“ und keine Korrekturen vornehmen kann, dreht man halt trotzdem. Chris hat die Aufgabe, mitten in den Pulk von Demonstranten zu drängen, einem Rädelsführer das Megaphon zu entreissen und die Massen zu beruhigen oder so. Am Drehort gurkt auch ein junger Priester herum, den wir noch öfters sehen werden. Nach getaner Arbeit übergibt Chris ihre Tasche einem Chauffeur und spaziert zu Fuss nach Hause, wobei sie auf der einen Seite Nonnen, auf der anderen Seite Kindern in Halloweenkostümen begegnet (ziemlich symbolschwanger, das). Sie kommt auch bei einer Kirch vorbei, wo sie den jungen Priester von vorhin entdeckt, der einen anderen Priester tröstet. Zuhause erwarten sie Sharon Spencer (Sekretärin und Kindermädchen), sowie ihre Tochter Regan, die den Tag über mit Sharon unterwegs war und vom Reiten schwärmt. Chris verspricht, Regan vielleicht Zuhause (liegt in Hollywood) ein Pferd zu kaufen. Da klaut Regan einen Keks, Chris rennt ihr hinterher und erwischt sie, die beiden balgen am Boden herum.

Damian Karras bei seiner Mutter
Damian Karras bei seiner Mutter

In irgendeiner U-Bahnstation. Unser Priester, der sich Damien (! DAS OMEN erschien allerdings erst ein paar Jahre später) Karras nennt, ist auf dem Weg nach New York, begegnet einem Bettler, der ihn um Geld bittet, ignoriert diesen aber (rechts so!). Im Big Apple freut sich seine Mutter (leicht angekalkt, wohnhaft in einer kleinen Wohnung in einem heruntergekommenen Block) sehr über den Besuch von ihrem Dimmy. Beim Abendessen erzählt sie ihm, dass Onkel John sie besuchen gekommen ist, später verbindet er ihr das Bein und verschreibt ihr Ruhe, sagt ihr dann durch die Blume, dass er sie gerne in ein Altersheim bringen würde. Aber sie weist das weit von sich: "Das ist mein Zuhause und hier bringt mich niemand weg.“ Abends geht Damien wieder, als seine Mutter bereits im Schaukelstuhl schläft, lässt aber etwas Geld da. Im Haus MacNeil zeigt Regan ihrer Mutter den Vogel, denjenigen nämlich, den sie im Hobbykeller selbst gebastelt hat. Chris stellt das Vieh zum Trocknen hin und entdeckt dabei ein Ouija-Brett. Regan erläutert, sie habe dieses im Schrank gefunden und ein wenig damit herumgespielt. Ihre Mutter meint, dass müsse man zu zweit spielen, und greift nach dem dazugehörigen Holzkeil, der flitzt ihr aber wie von selbst unten den Händen weg. Regan erzählt, sie spiele zusammen mit Captain Howdy, der ihr über das Brett auf ihre Fragen antwortet. Als sie es demonstrieren will ("Captain Howdy, findest du, dass meine Mama hübsch ist?“), regt der sich aber nicht. Des Abends liegt Regan im Bett und blättert im "Photoplay“, auf dessen Titelbild ("Trouble in the MacNeils“) sie selbst mit ihrer Mutter abgebildet ist. Chris nimmt ihr das Magazin weg und unterhält sich mit dem Mädchen über dessen Geburtstag und was sie beide zu dem Anlass unternehmen könnten, ihr Vorschlag beläuft sich auf Sightseeing in Washington und Kino, was Regan positiv aufnimmt. Unvermittelt fragt das Mädchen, ob Chris Burke Dennings mitnehmen will, denn sie vermutet, dass ihre Mutter diesen mag und gar heiraten will, was Chris entsetzt zurückweist: "Ich mag auch Würstchen, aber deswegen heirate ich doch keins!“ Priester Damien Karras und Kollege Tom, Chef der Uni (und in der Realität tatsächlich ein Pater), saufen in einer Bar; also, eigentlich säuft bloss Damien, der ist nämlich deprimiert, weil er sich wegen seiner Berufung kaum um seine Mutter kümmern kann. Tom bietet ihm eine Versetzung an, doch Damien will seinen Job als psychologischer Betreuer gleich ganz an den Nagel hängen, weil er nicht nur seine Mutter im Stich zu lassen, sondern auch die Menschen zwar in psychologischer Hinsicht, nicht aber in Glaubensdingen beraten zu können glaubt: "Ich fürchte, ich habe meinen Glauben verloren.“ Im Hause MacNeil versucht Chris, ihren Ex-Mann und Regans Vater in dessen Hotel in Europa zu erreichen, weil der sich am Geburtstag seiner Tochter nicht meldet, und staucht die Angestellte am anderen Ende der Leitung zusammen ("Haben sie eine Analphabetenprüfung abgelegt, um ihren Scheissjob zu bekommen?“), wobei sie sich auch von Sharon nicht bremsen lässt. Regan hört unbemerkt mit.

Regan verhält sich ein "bisschen" seltsam...
Regan verhält sich ein "bisschen" seltsam...

Mitten in der Nacht (oder am frühen Morgen) läutet das Telefon und weckt Chris aus dem Tiefschlaf. Die Arbeit ruft, Chris steht auf und entdeckt, dass Regan sich im Verlauf der Nacht zu ihr ins Bett geschlichen hat. "Was machst du denn hier?“ "Mein Bett hat gewackelt, ich konnte einfach nicht einschlafen.“ Auf dem Weg nach draussen hört Chris wieder Geräusche auf dem Dachboden; diesmal geht sie nachgucken, mit einer Kerze in der Hand, weil das Licht nicht funzt. In dem Gerümpel stösst sie sich das Bein und findet nichts als leere Rattenfallen. Da bricht ihre Kerze plötzlich in eine Stichflamme aus, zudem wird sie von Karl erschreckt: "Wie sie sehen, keine Ratten.“ Anderswo bringt ein Priester Blumenbuquets in seine Kirche und entdeckt, dass eine Marienstatue umgestaltet wurde, als wäre Marilyn Manson am Werk gewesen. Aus einem nicht näher bezeichneten Grund kommt Regan in den Genuss einer medizinischen Untersuchung (unter anderem wird ihr Blut abgenommen und, glaub ich, ein EKG oder sowas erstellt). Im Verlauf von dieser sie fällt durch seltsames Verhalten auf (turnt im Zimmer herum und summt dabei wie ein Kolibri) und hat eine kurze Vision einer Dämonenfratze. Nach dem Untersuch redet der Dr. Klein, der Arzt, mit Chris in seinem Büro. Seiner Meinung nach leidet Regan an einer Nervenstörung und er verschreibt ihr Ritalin, was vor allem gut gegen ihre Hyperaktivität sein wird (das Regan zuvor irgendwelche Symptome für irgendwas gezeigt hätte, ist mir wohl entgangen). Er vermutet, Ursache ist Stress bezüglich der Trennung der Eltern, was vielleicht auch ihre Lügen ("mein Bett hat gewackelt“ und so) und ihr Fluchen erklärt. Letzteres ist Chris neu, aber Dr. Klein hat ein schönes Beispiel: "Sie fauchte mich an: ‚Nehmen sie gefälligst die Finger von meiner gottverdammten Fotze!’“ Chris findet das lustig. Pater Karras und ein älterer, dicklicher Mann, sein Onkel John nämlich, betreten eine psychiatrische Einrichtung, wo seine Mutter eingeliefert worden ist (wegen einem Gehirnschlag oder so). Damien stinkt es, dass man die alte Frau nicht in ein richtiges Krankenhaus gebracht hat, aber John würgt ihm rein, dass sie sich das nur leisten könnten, wenn Damien statt ein armer Priester ein reicher Psychiater geworden wäre. Onkel John wartet draussen, während Karras in den Schlafraum der weiblichen Patienten geht, wo er erst aufgrund seines Priesterornats von den Insassinnen bedrängt wird, eine Krankenschwester muss ihn von diesen befreien. Seine Mutter indes wendet sich von ihm ab: "Dimmy, warum hast du mir das angetan?“ Draussen hält ihm Onkel John nochmals vor, dass sie kein Geld für eine bessere Klinik haben; später baut Damien seinen Frust beim Boxtraining ab. Abends. Bei MacNeils Zuhause findet eine Party statt, allerlei Leute aus dem Filmteam, Priester, sogar ein Astronaut, etc. sind anwesend. Burke Dennings, der Regisseur, ist bereits abgefüllt und macht sich einen Spass daraus, Karl (obwohl der ja Schweizer ist) als Nazi zu beschimpfen. Chris fragt einen gewissen Pater Dyer (im richtigen Leben ebenfalls ein echter Diener Gottes) nach diesem Priester mit dem dichten schwarzen Haar und dem ungewöhnlichen Blick, den sie schon mehrmals gesehen hat bei der Kirche St. Michael. Das sei Damien Karras: "Er ist unser psychiatrischer Berater“, und hat just einen schweren Schlag einstecken müssen, denn seine Mutter ist gestorben. "Sie lebte allein und war offenbar schon ein paar Tage tot, als man sie fand“ (Damien hätte sich viele Schuldgefühle ersparen können, wenn er sich einfach nach New York hätte versetzen lassen). In der Zwischenzeit hackt Burke weiterhin auf Karl rum, bis es dem zu bunt wird und er dem Infanten an den Kragen geht; die beiden müssen voneinander getrennt werden. Chris geht nach oben, Regan einen Nachtkuss geben, um danach zusammen mit Sharon den völlig besoffenen Burke auf den Weg nach Hause zu schicken. "Dein Wagen steht um die Ecke!“ Im Wohnzimmer sitzt indes Pater Dyer am Klavier und spielt ein lustiges Lied, die Anwesenden singen mit. Da kommt Regan runter, sagt zu dem Astronauten "du wirst da oben sterben“ und pisst dann auf den Teppich.

SCHRECK!
SCHRECK!

Chris steckt das Mädchen in die Badewanne und wäscht es. "Was bringt dich dazu, so was zu sagen?“ (mir würde mehr Sorgen machen, das Regan seit neuem nicht stubenrein ist). Dann bringt sie es ins Bett. "Mom, was stimmt mit mir nicht?“ Es sind nur die Nerven, beruhigt Chris ihr Kind, "schluck ganz brav deine Pillen und alles wird wieder gut.“ Chris verlässt den Raum, unten wischt Willi Regans Hinterlassenschaft vom Teppich auf, da ertönen Schreie und ein Poltern aus Regans Zimmer. Chris rennt sofort zurück und sieht zu ihrer Erschütterung, wie das Bett mit Regan drauf wie wild wackelt und auch nicht aufhört, als sie selber draufsteigt. Pater Dryer bringt Damien, der ein kleines Zimmer in einer Art Wohnheim hat, eine Flasche alkhaltiges Gesöff vorbei. Dimmy ist in düsterer Stimmung wegen seiner Mutter: "Ich hätte da sein müssen.“ Dyer tröstet ihn ein bisschen, bringt ihn dann zu Bett, er solle schlafen, und geht wieder. Damien schläft schnell ein und erlebt eine stimmungsvolle Traumsequenz, in welcher ihm unter anderem Merrins Medaillon und seine Mutter, welche in die U-Bahnstation runtergeht und verschwindet, bevor Damien sie erreichen kann, erscheinen. Verständlicherweise bringt Chris ihre Tochter am Tag nach der Party zum Arzt. Regan wehrt sich erbittert mit Fluchen und Spuken dagegen, eine Spritze zu bekommen, ihre Mutter und eine Krankenschwester müssen Dr. Klein helfen, sie zu bändigen. Währenddem hält Pater Karras eine Messe für seine Mutter. Gespräch Dr. Klein und Chris. Der Doktor vermutet bei Regan eine seltene Störung der chemoelektrischen Aktivität in ihrem Gehirn, verursacht durch eine Verletzung im Schläfenlappen. Die Ursache für das Rütteln des Bettes sieht er bei Muskelspasmen Regans und nicht im Bett selber: "Das Problem ihrer Tochter ist nicht ihr Bett, sondern ihr Kopf!“ Die Läsion könne operativ behoben werden, aber erst braucht man Bilder vom betroffenen Gehirn, also muss Regan eine recht unangenehme Prozedur über sich ergehen lassen: Erst wird ihr ein Infusionsschlauch an die Halsschlagader angeschlossen (eine blutige, seeehr unangenehme Szene) – soweit ich weiss, injiziert man so ein Mittel, welches nachher auf dem Röntgenbild die Blutbahnen besser sichtbar macht – , danach wird ihr Schädel geröntgt und voila, man hat ein Arteriogramm.

SHOCK!
SHOCK!

Dr. Klein und sein Kollege Dr. Taney betrachten sich die Röntgenaufnahmen, aber zu sehen ist nüsch. Da richtet eine Krankenschwester (gespielt von Linda Blairs Mutter) den beiden aus, das Mrs. MacNeil telefonisch nach Dr. Klein verlangt. Die beiden Ärzte machen sich sofort auf und werden von Sharon ins Haus gelassen. Sie erklärt, dass Regan, die im oberen Stock laut kreischt und growlt, trotz Torazin (Michael Myers hat auch Erfahrungen mit dem Zeug) gewalttätig geworden sei. Sie gehen in Regans Zimmer, wo Chris schon wartet. Regan wälzt sich wild im Bett herum (wirkt irgendwie belustigend), flucht und brüllt. Dr. Klein kriegt von ihr derart eine gescheuert, dass er zu Boden geht. "Regan“ schreit "Hau ab, die Sau gehört mir!“, lupft ihr Nachthemd und streckt den Leuten ihre Vagina entgegen. "Fick mich!“ Karl (taucht jetzt auch auf) und Taney halten das Mädchen fest, Klein verabreicht ihr eine Beruhigungsspritze, während Sharon Chris nach draussen bringt. Die beiden Frauen warten auf dem Flur, bis die beiden Ärzte Regans Zimmer wieder verlassen. Chris will wissen, wie ihre Tochter im Bett so herumgeschleudert hat werden können, Taney erklärt: "Pathologische Zustände können ungewöhnliche Kräfte auslösen.“ Als Dr. Klein wieder mit dem Schädellappen anfängt, platzt Chris der Kragen, ihre Tochter führe sich viel schlimmer auf, wie eine Psychopathin. Dr. Taney warnt davor, gleich zum Psychiater zu gehen, schlägt lieber ein Pneumoenzaphelogramm (welches auch eine Rückenmarkspunktion verlangt) vor. Wenn es eine Läsion gibt, wird man diese damit auf jeden Fall erkennen können. Regan leidet ziemlich unter der Prozedur, doch das Ergebnis ist auch diesmal negativ, mit ihrem Hirn scheint alles in Ordnung zu sein. Dr. Klein fragt Chris nach Drogen im Haus, doch sie streitet ab: "Ich rauche noch nicht mal Hasch.“ Damit sieht er alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft: "Ich denke, wir müssen uns nach einem Psychiater umsehen.“ Auf dem Weg zurück nach Hause fährt Chris vorbei an einem Auflauf von Gaffern, Sanität und Polizei am Fusse einer langen Treppe in der Nähe ihres Hauses. Daheim erwartet sie das klingelnde Telefon, doch niemand ist dran; das Licht flackert, Chris geht rauf in Regans Zimmer. Das Mädchen schläft, aber das Fenster ist offen; Chris schliesst dieses und deckt ihre Tochter zu. Dann staucht sie Sharon zusammen, die grad von der Apotheke nach Hause zurückkehrt, weil diese Regan allein gelassen hat. Sharon meint aber, Burke Dennings bei dem Mädchen gelassen zu haben. Die beiden schieben es erst auf Burkes Unzuverlässigkeit, dass er verschwunden ist, doch da besucht sie Chuck, ein Mitglied des Filmteams (Regieassistent), und teilt ihnen mit, dass der Regisseur die grosse Treppe zur Elm Street runtergestürzt und mittels Genickbruch tödlich verunglückt ist. Chuck geht wieder, Chris bricht in Trauer aus. Plötzlich kommt Regan auf dem Rücken die Treppe heruntergekrabbelt, hält unten und spuckt einen Schwall Blut (die erschreckendste Szene des Films).

Ein nettes kleines Mädchen...
Ein nettes kleines Mädchen...

Behandlungsversuch, die Nächste. Diesmal versetzt ein Hypnotiseur, unter Beobachtung von Dr. Klein und Chris, Regan in Trance und stellt ihr Fragen: "Ist jemand in dir?“ Das Mädchen bejaht, weiss aber nicht, wer es ist. Der Hypnotiseur will mit dem Eindringling reden, der angeblich ebenfalls hypnotisiert ist: "Komm heraus, antworte mir!“ Ein Bild fällt vom Kamin, die fremde Entität macht sich durch Knurren und Growlen bemerkbar. "Wer bist du?“, fragt der Hypnotiseur, aber statt dass er eine Antwort erhält, wird er von Regan mit eisernem Griff bei den Eiern gepackt (autsch!); Dr. Klein muss ihn befreien. Später. Pater Karras joggt auf einer Rennbahn und wird nach Beendigung des Trainings von einem schnauzbärtigen Typ in Hut und Regenmantel angequatscht, der sich als Lieutenant William F. Kinderman (benannt von Blatty nach sich selber?) vom Morddezernat vorstellt. Die beiden bescheinigen sich gegenseitig Ähnlichkeit mit Marlon Brando, bzw. Paul Newman (naja…), dann beginnt Kinderman, der Karras gen Wohnheim begleitet, vom Tode Burke Dennings zu erzählen, der nun doch schon eine Woche her ist, und befragt den Pater über Hexerei, Schwarze Messen, etc. Denn a) hat Karras mal über Hexerei referiert (allerdings nur über die psychologische Seite), b) wurde letztens ja eine Marienstatue in der Kirche St. Michael geschändet und c) vermutet der Lieutnant, dass zwischen eben dieser Kirchenentweihung und dem Todesfall Dennings ein Zusammenhang bestehen könnte. Letztes folgert er, weil Dennings Kopf um 180 Grad nach hinten gedreht worden war, was unwahrscheinlicherweise beim Sturz passiert sein kann (warum das jetzt was mit Hexerei zu tun hat, weiss ich allerdings auch nicht). Vielleicht war’s ein Verrückter, einer mit grossem Hass gegenüber der Kirch, ein durchgeknallter Priester möglicherweise, und Kinderman möchte von Karras wissen, ob er wen kennt, der dafür in Frage kommt, schliesslich ist er doch der Psychiater dort. Karras weiss niemanden, würde angesichts Arzt- und Beichtgeheimnis aber eh nichts verraten, schlägt zudem eine Einladung ins Kino aus. Schliesslich äussert er aber doch einen Verdacht: "Die Dominikaner, nehmen sie sich die mal vor.“ Kinderman gibt auf und geht: "Ich habe gelogen: Sie sehen aus wie Jerry Lewis.“ Regan indes wird in einer psychiatrischen Anstalt (Barringer Clinic & Foundation) ausführlich untersucht, schliesslich teilt ein Arzt, mit einer ganzen Sippe von Kollegen im Rücken, der verzweifelten Chris die Ergebnisse mit: Regan leidet höchstwahrscheinlich an einer so genannten somnambulen Wahnbildung (auch schlafwandlerische Besessenheit genannt); eine psychische Erkrankung, die selten in den "zivilisierten“ Ländern, häufiger aber bei Naturvölkern auftritt und meist einem Konflikt, einem Schuldgefühl innerhalb einer Person entspringt und im Gefühl resultiert, der eigene Körper sei von einem fremden Geist besessen. Die möglichen Behandlungsmethoden begeistern Chris nicht: "Meine Tochter kommt nicht in so eine gottverdammte Irrenanstalt!“ (he, in der Not frisst der Teufel fliegen! Naja, vielleicht wirkt ihre Ablehnung der Psychiatrie gegenüber verständlicher, wenn man denkt an Filme aus der Zeit wie EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST). Alternativ hat der Psychodoc einen "etwas abwegigen“ Vorschlag: Man solle eine Art Schocktherapie probieren, einen Exorzismus nämlich! "Es ist ein religiöses Ritual, in dem ein Rabbi oder Priester den in den Körper eingedrungenen Geist auszutreiben versucht. Eine fragwürdige Angelegenheit, ausser bei den Katholiken.“ Natürlich wird dabei nicht wirklich ein Dämon ausgetrieben, aber mittels der Kraft der Suggestion heilt die eingebildete Austreibung die eingebildete Besessenheit. Chris: "Sie raten mir also, ich soll mit meiner Tochter zu einem Hexendoktor gehen?“ (sie kann Regan ja immer noch in eine Irrenanstalt schicken). Unsere unglückliche Kleinfamilie des Tages kehrt zurück nach Hause, während Lieutnant Kinderman am Fusse der grossen Treppe hinunter zur Elm Street herumschnüffelt und eine kleine Tierfigur aus Ton findet, die aussieht wie von einem Kind gemacht. Chris findet unter dem Kopfkissen ihrer Tochter ein Kruzifix, weswegen sie etwas ungehalten ist; weder Karl noch Sharon noch Willi wollen dieses dorthin gelegt haben (hm, war’s Burke?). Da kommt Kinderman zu Besuch. Bei einem Kaffee fragt er Chris, ob ihre Tochter sich an den Abend von Burkes Tod erinnern könne, sie vielleicht noch wüsste, ob der Regisseur bei ihr im Zimmer war (er kommt reichlich spät, der mutmassliche Mord ist ja schon mehr als eine Woche her). Gemäss Chris war Regan an dem Abend aber voll mit Beruhigungsmitteln und hat wohl kaum irgendwas mitgekriegt. Kinderman erzählt ihr von seiner Mordtheorie, dass es wohl ein Mann mit Bärenkräften gewesen sein muss, der ins Haus schlich, nachdem Sharon weg und bevor Chris zurück war, Dennings tötete und dann aus dem Fenster geschmissen hat. Chris geht in die Küche, Kaffee nachschenken, Kinderman findet Zeichnungen sowie Tonfiguren, die von Regan stammen, ähnlich der, welcher er an der Treppe gefunden hat. Er nimmt noch’n paar Schlucke Kaffee, bittet Chris nochmals darum, Regan zu fragen, wenn es ihr wieder besser geht, holt sich noch ein Autogramm von ihr (und lobt sie für den Film ANGEL) und geht dann.

Kuckuck!
Kuckuck!

Da lärmt es aus Regans Zimmer, Chris rennt sofort rauf und muss mitansehen, wie allerlei Gerümpel durch Regans Zimmer fliegt und das Mädchen, sich selber mit einem Kruzifix penetriert. "Lass dich von Jesus ficken!“, kräht der Dämon in ihm, Blut überall. Chris will ihm das Kruzifix wegnehmen, doch es packt ihren Kopf, drückt sie mit der Nase zwischen seine Beine ("Leck mich!“) und versetzt ihr dann eine Ohrfeige, die sie von den Füssen wirft. Sharon und Willi eilen zur Rettung, doch per Telekinese verbarrikadiert der Dämon mit einem Sessel die Türe zum Zimmer; dann lässt er ebenfalls per Telekinese einen Schrank Chris angreifen, sie kann dem Möbelstück aber aus dem Weg kriechen. Das Ding sitzt auf dem Bett, schaut Chris an, indem es den Kopf *etwas* weit nach hinten dreht und fragt: "Weiss du, was sie getan hat, deine geile Tochter?“ Chris schreit. In einem Park. Pater Karras (in zivil) trifft sich mit Chris, die sich unter einem Kopftuch und hinter einer Sonnenbrille versteckt. Er bietet ihr eine Zigarette an, man smalltalkt ein wenig (z.B.: Karras war erst Priester, fing aber auf Drängen des Ordens ein Medizinstudium an wurde so Psychiater). Beide kennen Pater Dryer, der ja bei der erinnerungswürdigen Party dabei war, der hat Damien allerdings nichts von der Tochter erzählt. Chris kommt zur Sache: "Wie könnte man eine Teufelsaustreibung kriegen?“ Gemäss Karras gar nicht: "So was gibt’s einfach nicht mehr“, seit man von Geisteskrankheiten weiss (pah, wenn der wüsste!). Zudem befürchtet er, dass so etwas Regan eher noch mehr schaden als nützen würde. "Ausserdem führt die Kirche, bevor sie einen Exorzismus billigt, eine Untersuchung durch, um festzustellen, ob er gerechtfertigt ist.“ Zumindest lässt er sich dazu erweichen, das Mädchen mal zu begutachten. Bei den MacNeils (wo unter der Sonnenbrille von Chris ein schönes Veilchen zu Tage kommt) erwartet sie Karl: "Das Ding will nicht angeschnallt sein.“ Karras geht allein ins Kinderzimmer und begegnet einer Regan, die nun endgültig alles andere als gesund aussieht (da hilft wirklich keine Hautcreme mehr). Sie ist ja festgebunden, hat ausserdem einen Sauserstoffschlauch in der Nase stecken und befindet sich fest in der Hand von Pazuzu. Karras begrüsst Regan, das Ding stellt sich als der Teufel vor und verlangt von ihm, die Fesseln zu entfernen. Der Priester schlägt ihm vor, diese doch einfach selber zu lösen, wenn er schon der Teufel ist, aber der empfindet so was als "zu vulgäre Kraftdemonstration“. Dann macht er den Bettler nach, den Karras einst in der U-Bahn ignoriert hat, und behauptet, seine Mutter sei auch "hier drin, bei uns.“ Folglich müsste es den Mädchennamen seiner Mutter wissen, schliesst Karras, doch das Ding schweigt. Karras geht näher ran, da kotzt es ihn mit Erbsensuppe voll. Etwas später, im Hobbykeller. Karras sieht sich die Bastelarbeiten von Regan an (darunter ein Bild von einem Löwen mit Flügeln), während Chris seinen Pulli nach dem Waschen bügelt und ihm dann zurückgibt. Chris besteht immer noch auf einem Exorzismus: "Nichts, was sie tun, könnte es noch schlimmer machen.“ Aber: "Ich darf es nicht. Nicht ohne Beweise, die von der Kirche als Zeichen von Besessenheit akzeptiert werden.“ Als da wäre das zum Beispiel das Sprechen in einer fremden Sprache, mehr weiss er von der Sache aber auch nicht. Er würde eh was anderes empfehlen: "Sechs Monate unter strenger Beobachtung im besten Sanatorium, das sie finden können.“ Aber Chris besteht darauf, dass Regan besessen ist: "Dieses Ding da oben ist nicht meine Tochter!“ Später bringt sie ihn zur Türe, und bestätigt ihm, dass Regan nicht gewusst haben kann, dass seine Mutter gestorben ist. Beim Weggehen wird Karras von Lieutnant Kinderman beobachtet, der das Haus von seinem Auto aus im Auge behält. Irgendwann später sitzt Karras in einem Tonraum und hört sich Tonbänder von Regan und Chris an, die anscheinend einst für den Familienvater bestimmt waren. Noch etwas später hält er eine Messe.

Ein Fall für ´ne gute Hautcreme
Ein Fall für ´ne gute Hautcreme

Schliesslich besucht er wieder Regan, diesmal hat er ein Tonbandgerät mitgebracht; der Dämon freut sich bereits: "Toller Tag für einen Exorzismus.“ Dann öffnet er per Telekinese eine Schublade, Karras schliesst diese und verlangt eine Wiederholung, doch der Dämon weigert sich. Dafür spricht er etwas Latein und Französisch (wirklich eine bösartige Sprache!), während Karras fleissig aufnimmt, skandiert dann, dass er für immer in Regan zu bleiben gedenkt. Karras holt ein Fläschchen Wasser hervor, bezeichnet es als Weihwasser und besprengt Regan damit, was dem Dämon offensichtlich Schmerzen bereitet und ihn in einer unverständlichen Sprache schreien lässt. Danach geht er runter, wo Chris grad ein Telefonat mit Regans Vater beendet, der immer noch in Europa ist und welchen sie noch nicht über die Vorkommnisse informiert hat. Karras nimmt gerne etwas Scotch und erzählt ihr, wie Regan vorhin einen Ausbruch gehabt hat, als er sie mit dem angeblichen Weihwasser besprengte, welches in Wirklichkeit aber bloss ungeweihtes, normales Leitungswasser ist. Chris gesteht ihm unvermittelt: Ihre Tochter hat Burke Dennings getötet und aus dem Fenster gestossen. Später spielt Karras das Band mit Regans Kauderwelsch einem Sprachexperten oder so vor, der auch grad erkennt, dass es sich dabei um normales Englisch handelt, bloss rückwärts gesprochen. Er lässt das Band also rückwärts laufen und schon ertönen verschiedene Stimmen, die sich unterhalten und am Schluss nach einem gewissen "Merrin“ rufen. Karras hört sich das Band nochmals in seinem Zimmer an, da erschreckt ihn das Telefon; Sharon ist dran, bittet ihn zu sich. Karras begibt sich zum Haus der MacNeils, Sharon will ihm etwas zeigen, das Chris nicht sehen soll, und führt ihn ins Kinderzimmer, wo jetzt arktische Temperaturen herrschen. Sie knöpft Regan das Nachthemd auf und zeigt Karras den "Help-Me“-Schriftzug, der sich auf deren Bauch gebildet hat… Am nächsten Tag geht Pater Karras zum örtlichen katholischen Obermotz, berichtet von dem Fall und schlägt tatsächlich einen Exorzismus vor: "[Ich] bin überzeugt, dass alle Bedingungen, die das Ritual erfordert, erfüllt sind.“ Der Bischof will aber einen anderen Priester als Karras hinzuziehen und bespricht sich mit Pater Tom. Der empfiehlt, Karras zwar zum Assistenten zu machen, aber Pater Lancaster Merrin, der vor ein paar Monaten aus dem Irak zurückgekehrt ist und jetzt in Woodstock an einem Buch schreibt, als Exorzisten zu beauftragen. Der hat schon mehrmals Exorzismen durchgeführt, das letzte Mal vor zehn oder zwölf Jahren in Afrika, was mehrere Monate gedauert (und ihn fast umgebracht) hat (nebenbei: Das Harlin/Schrader-Prequel nimmt nicht auf diesen, sondern auf Merrins ersten Fall von 1949 Bezug). Pater Merrin (der nach einer Pause von 85 Minuten endlich wieder im Film auftaucht) spaziert einen Waldweg entlang, da kommt ein junger Priester herbei gerannt und übergibt ihm einen Brief. Der Dämon in Regans Körper indes scheint etwas zu ahnen…

Einfach nur cool!
Einfach nur cool!

Ein Taxi hält vor dem Heim der MacNeils, Pater Marrin steigt mit einem Koffer in der Hand aus und nähert sich dem Haus (hier die berühmte, vage von René Magrittes Bild "L’Empire des lumières“ inspirierte Einstellung). Chris öffnet ihm, Karras begrüsst ihn…ebenso der Dämon: "Meeeerrin!“ Der Angesprochene interessiert sich nicht für Regans Vorgeschichte, schickt stattdessen den jüngeren Priester einige Sachen holen: Arbeitskleidung, Weihwasser, "ihre Ausgabe des römischen Rituals, die grosse. Am besten beginnen wir gleich.“ Während Damien unterwegs ist, bereitet sich Merrin betend auf die kommende Aufgabe vor, nimmt dann aber gern von Chris etwas Tee mit Brandy entgegen. Aber da kommt auch schon Karras zurück. Unsere beiden Priester bereiten sich auf den "Kampf“ vor; der Exorzist gibt seinem Assistenten die nötigen Anweisungen. Wichtig ist vor allem, jede Unterhaltung mit dem Dämon, die über Fragen zur Sache selber hinausgeht, zu vermeiden, denn er wird eine Mischung aus Lüge und Wahrheit auftischen, um möglichst wirksam psychologische Attacken ausführen. Es gäbe übrigens auch nur einen einzigen Dämon und nicht mehrere, wie Karras glaubt. Merrin fragt noch Chris nach dem zweiten Vorname ihrer Tochter; dieser lautet Teresa (was bringt ihm dieses Wissen?). Der Dämon erwartet sie schon knurrend und growlend, die beiden Gottesmänner betreten das Zimmer (wo’s immer noch verdammt kalt ist) und nach 100 Minuten Laufzeit beginnt endlich der Exorzismus. Merrin packt sein Kruzifix und ein Fläschchen Weihwasser aus, Pazuzu begrüsst ihn freundlich: "Steck deinen Schwanz in ihren Arsch!“, etc. Der Priester verbietet ihm den Mund und bringt ihn mit Weihwasser zum Schweigen, nimmt dann sein Buch und beginnt ein Gebet, da rotzt der Dämon ihm die Brille voll. Merrin nimmt sie ab und wischt den Rotz weg, während sein Gegner ihn anzüngelt, fährt dann weiter mit dem Gebet, Karras ergänzt jeweils die Schlussformel. Der Dämon wendet sich an Damien: "Deine Mutter lutscht Schwänze in der Hölle, Karras, du gottloser Schleimscheisser!“ Er tobt, bis das Bett wackelt, Merrin greift wieder zum Weihwasser, das Bett erhebt sich in die Luft, Karras verschlägt’s die Sprache, Merrin muss ihn wieder zur Vernunft bringen: "Damien! Das Responsorium!“ (Definition: Unter dem Begriff Responsorium versteht man in der römisch-katholischen Liturgie den abwechselnden Gesang [hier halt eine Rezitation] zwischen Priester und Gemeinde [hier Karras]). Damien fängt sich und spricht die Formel. Das Bett kommt wieder auf den Boden zurück, das Licht flackert, der Dämon züngelt und keucht Karras an. Merrin legt Regan die Hand auf die Stirn und auch Karras berührt sie, während sie wieder Erbsensuppe kotzt. Merrin muss seine vollgesaute Purpurstola (so ’ne Art Schal) ausziehen, Damien geht sie ins anschliessende Badezimmer waschen; im Schlafzimmer lässt der Dämon Schranktüren knallen, Vorhänge wehen, etc.

"The Power of Christ compells you!"
"The Power of Christ compells you!"

Karras bringt das Kleidungsstück zurück; Merrin hat einem Hustenanfall, was den Dämon amüsiert, der alte Priester greift ihn an. "Ich treibe dich aus, du unreiner Geist!“, schimpft er. "Im Namen des Herrn Jesus Christus, er ist es, der dir befiehlt!“ Die Decke und die Zimmertüre kriegen Risse, Zeug fällt um. Merrin macht Regan mit dem Finger Kreuze auf die Stirn, Pazuzu dreht den Kopf einmal um 360 Grad, da bebt das Zimmer so stark, dass beide Priester umgeworfen werden; der Dämon schreit Damien an: "Du hast deine Mutter getötet, du hast sie elend verrecken lassen!“ "Halt dein Maul!“ Die Decke fliegt von Regans Bett, die Fesseln lösen sich, sie selber schwebt hoch in die Luft, das Zimmer bebt abermals. Merrin nimmt das Weihwasser und droht Pazuzu: "Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich, die Kraft Jesu Christ bezwingt dich, etc.“, Karras steigt mit ein. Wo das Weihwasser auf Regans Körper auftrifft, tun sich Wunden auf. Schliesslich sinkt Regan langsam wieder zurück aufs Bett, Karras fesselt ihre Hände, dann ihre Füsse, da schlägt der Dämon ihn von hinten nieder. Merrin zwingt diesen mit dem Weihwasser zurück, Karras steht wieder auf, da bebt das Zimmer ein erneutes Mal und wirft beide um. Regan kniet auf dem Bett und in einem unheimlichen Licht erscheint die Statue von Pazuzu. Die Erscheinung verschwindet wieder, Merrin erhebt sich und befiehlt dem Dämon: "Weiche vor Christus, du Fürst der Hölle!“ Regan liegt relativ still da, Karras deckt sie zu. Merrin schlägt eine kurze Pause vor. Die beiden Geistlichen hocken im Gang und ruhen ein bisschen. Karras: "Wieso dieses Kind? Es ergibt keinen Sinn!“ Merrin antwortet: "Er will, dass wir uns anders sehen, animalisch, hässlich. Damit wir erst gar nicht auf die Idee kommen, dass Gott uns lieben könnte.“ Dann entschuldigt er sich und geht ins Badezimmer, um dort eine von seinen Pillen zu schlucken, während Karras bei Regan hereinschaut. Er sieht kurz seine Mutter auf dem Bett, dann wieder das besessene Mädchen (das inzwischen wieder richtig ans Bett gebunden ist). Er tupft ihr mit einem Tuch die Stirn ab, da spricht Pazuzu mit der Stimme seiner Mutter zu ihm: "Dimmy, wieso quälst du mich?“ "Du bist nicht meiner Mutter“, erwidert Karras und lauscht mit einem Stethoskop nach Regans Herzschlag. Merrin kommt rein, Damien macht sich Sorgen um das Herz des Mädchens, da redet der Dämon wieder mit der Stimme seiner Mutter, Karras hält es nicht mehr aus und brüllt: "Du bist nicht meine Mutter!“ Merrin schickt ihn nach draussen. Der alte Pater holt Kruzifix und Weihwasser hervor, kniet sich neben das Bett und liest wieder Gebete vor. Karras hat sich im Erdgeschoss auf eine Bank gesetzt, Chris nähert sich: "Ist es vorbei?“ Nein, ist es nicht, aber Regan wird auch nicht sterben, wie er ihr versichert. Er geht wieder rauf, während Chris an die Tür geht, weil es geklingelt hat, und Kinderman hereinlässt. Karras findet Merrin tot vor. Er versucht sofort, ihn zu reanimieren, aber er hat keinen Erfolg. Pazuzu hat sich befreit und beobachtet ihn dabei, er kichert schadenfroh. Rasend vor Wut und fluchend geht Damien auf den Dämon los, prügelt auf ihn ein, würgt und ringt mit ihm, wobei er das Medaillon verliert, das er um den Hals trägt, und verlangt schliesslich von ihm: "Nimm mich! Fahr in mich!“ In die Enge getrieben gibt Pazuzu tatsächlich das Mädchen frei und fährt ein in Karras. Der Dämon will mittels des Priesters Körper das nunmehr befreite Mädchen angreifen, doch Damien schafft es, die Kontrolle zurückzuerlangen und springt aus dem Fenster, landet auf der Treppe, stürzt diese ganz hinunter bis zur Elm Street.

Ende gut, alles gut!
Ende gut, alles gut!

Vom Lärm aufgeschreckt rennen Chris und Kinderman rauf ins Zimmer, wo sie Regan finden, die sich weinend in eine Ecke verkrochen hat, sowie die Leiche von Merrin. Der Lieutnant blickt aus dem Fenster, wo er Karras in seinem Blut liegen sieht, es kommen bereits Leute herbeigelaufen, auch die Polizei lässt nicht lange auf sich warten. Chris schliesst ihre Tochter in die Arme. Pater Dyer kämpft sich an den Menschen vorbei, kniet sich zu Karras hin, in dem noch ein wenig Leben steckt, und nimmt dessen Hand. "Möchtest du beichten?“ Karras antwortet, indem er die Hand seines Freundes drückt. "Bereust du deine Sünden? Bereust du, dass du Gott beleidigt hast? Bereust du die Sünden deines vergangenen Lebens?“ Karras drückt ein weiteres Mal zu. Dyer: "Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Amen." Pater Damien Karras stirbt (und dürfte von nun an in der Hölle schmoren wegen Selbstmord. Mal abgesehen davon: Ist Pazuzu jetzt nicht frei?). Am Tag. Die Spuren der Ereignisse sind beseitigt; das Blut vom Ende der Treppe weggewischt, das kaputte Fenster vermacht, unsere nunmehr wieder glückliche Kleinfamilie bereitet sich darauf vor, abzureisen. Die Koffer sind im Wagen verstaut, der Hausrat ist in Kartons eingepackt, die Möbel sind eingemottet. Sharon gibt Chris das Medaillon von Karras, "es lag in Regans Zimmer.“ Die beiden verabschieden sich voneinander. Draussen begegnet Chris Pater Dyer, der nach Regans Befinden fragt. "Sie erinnert sich an überhaupt nichts“, so die Antwort. "Das ist gut“, meint er. Auch Willi und Regan kommen nun raus. Das Mädchen sieht schon wieder ziemlich gesund aus. Chris verabschiedet sich vom Pater, Regan herzt ihn noch, bevor sie einsteigt. Karl chauffiert den Wagen vom Hof, Willi schliesst das Tor. Da hält der Wagen nochmals an, Chris ruft den Pater herbei und gibt ihm das Medaillon, der gibt es aber gleich wieder zurück: "Nein, behalten sie es.“ Der Wagen fährt los, Regan und der Pater winken sich ein letztes Mal zu. Dyer guckt sich ein nochmals die Treppe zur Elm Street hinunter an, dann trifft er beim Weggehen auf Lieutnant Kinderman. "Sie haben sie knapp verpasst“, aber zumindest kann er dem Polizisten ausrichten, dass es der Kleinen gut geht. "Das ist das Wichtigste“, meint Kinderman. Der Ermittler will Dyer ins Kino einladen, doch der kennt den betreffenden Film schon. "Tja, wieder nichts. Waren sie schon essen?“ "Nein.“ Die beiden gehen zusammen weg. Ende.


Analyse

Der Film hält sich ziemlich genau ans Buch (auch wenn es naturgemäss einige Kürzungen gibt, Handlungsstränge weggelassen wurden); kein Wunder, war ja Blatty Drehbuchautor und sogar Produzent. Die Handlung ist recht episodisch aufgebaut (wobei zwischen zwei Episoden Handlungs- oder Zeitsprünge liegen können), der Film wächst Baustein um Baustein, bis zur Finalen Exorzismus-Episode. Der Auftakt bleibt etwas rätselhaft, soll wohl auf das Erwachen des Bösen hinweisen und dieses mit Merrin in Verbindung setzen, der auf geheimnisvolle Art zu ahnen scheint, dass ihm ein Kampf mit seinem alten Feind bevorsteht. Danach verabschiedet er sich vorerst aus der Handlung, stattdessen treffen wir auf die wohlhabende und auf den ersten Blick glückliche Kleinfamilie MacNeil, präsentier durch Tochter und Mutter. Es gibt aber "Ungereimtheiten": Der Vater fehlt, da die Eltern in Scheidung leben (worunter die Tochter zu leiden scheint; sie schlägt ihrer Mutter einmal gar Dennings als neuen Vater vor), die Mutter ist berufstätig, beschäftigt ein Kindermädchen, dass sich statt ihrer um ihre Tochter kümmert, ist Atheistin (und lässt Regan folglich auch keine religiöse Erziehung angedeihen) und flucht gelegentlich. Es drängt sich die Vermutung auf, dass für Blatty dieses nicht hundertprozent gottgefällige Umfeld das Mädchen anfälliger für "Unheiliges", hier eben für Pazuzu (der z.B. den ersten Kontakt über Regans einsames Ouija-Spiel aufnimmt), macht.

Während der Odyssee durch die medizinischen Institutionen, die auf Regans Veränderungen folgt, hängt die Handlung manchmal ein bisschen durch, dieser Teil ist aber notwendig, um die Wissenschaft dem Phänomen gegenüber als hilflos darzustellen (der Film wird so ausserdem in der Realität verankert, damit die unglaublichen Ereignisse glaubwürdiger wirken), so dass schliesslich die Wissenschaftler selber ihre Niederlage eingestehen und einen Rückgriff auf religiöse Praktiken als einzigen Ausweg empfehlen müssen (auch wenn der Psychiater versucht, deren Wirkung wissenschaftlich zu erklären). Wobei nur die katholische Kirche, die als einzige das Ritual des Exorzismus kennt, Hilfe anbieten kann (aber wenigstens verlangt auch sie erst einmal Beweise für eine Besessenheit).

Der titelgebende Exorzist taucht hier auch endlich wieder auf, als "bewiesen" ist, dass hinter den Phänomenen ein echter Dämon steckt, was zumindest für Blatty ja auch die Existenz Gottes impliziert. Blatty: "Im Grunde ist die Aussage: Es gibt einen Gott." (Aber eben: Wieso sollte man von der Existenz des Bösen automatisch auf die des Guten schliessen?) Folglich konvertiert im Verlauf Handlung nicht nur Chris zur gläubigen Katholikin (ursprünglich hätte sie dies sogar mit dem Satz "I believe in the devil“ bekräftigen sollen, Ellen Burstyn verweigerte diesen jedoch), sondern es findet auch der Priester Damien Karras über den Exorzismus zurück zum Glauben, den er zuvor nicht zuletzt deswegen zu verlieren drohte, weil ihm wegen seiner Berufung Zeit und Geld fehlten, um sich richtig um seine Mutter zu kümmern; die Traumsequenz veranschaulicht seine Hilflosigkeit und Schuldgefühle sehr schön. (Wobei er sich zum Beispiel, um ihr ja eigentlich nach New York hätte versetzten lassen können, um ihr näher zu sein, oder was weiss ich.) Allerdings muss er dafür mit dem Leben bezahlen (und aufgrund des technischen Selbstmordes vielleicht auch mit seiner Seele, auch wenn er sich für einen anderen aufgeopfert hat), ebenso wie Merrin (vielleicht das eigentliche Ziel des Dämons, während Regan nur eine Art Lockmittel ist; es wird schliesslich mehrmals klar, dass Pazuzu Merrin durchaus erwartet hat) der seinen letzten Kampf mit dem Dämon verliert. Ein teurer Preis dafür, dass Pazuzu zwar in dieser "Schlacht“ besiegt worden ist, dass ihn aber nichts und niemand daran hindert, gleich den nächstbesten Idioten auf der Strasse zu besetzen (so scheint er Karras Körper auch bereits verlassen zu haben, als dieser auf die Beichte offensichtlich als er selbst reagiert). Aber zumindest formell ist das Böse besiegt und am Schluss der Normalzustand wieder hergestellt (und mit Regan eine weitere Gläubige gefunden).

Noch was zu Pazuzu: Der Dämon besetzt angeblich Menschen, um sie hässlich, animalisch, der Liebe Gottes nicht wert erscheinen zu lassen und so letztlich vom Schöpfer zu entfremden (so gesehen scheint es Regan eher zufällig getroffen zu haben; Merrin interessiert sich ja nicht einmal für ihren Hintergrund, es kommt ihm nur auf den Dämon und dessen Absichten an, nicht darauf, wen dieser schlussendlich besetzt hat). Ein ineffektiver Plan, nimmt doch kaum jemand ausser den nächtsten Angehörigen und ein paar Ärzten Notiz davon (ausserdem hat die Wissenschaft wohl weitaus mehr Erfolg darin, den Menschen zu "entzaubern“, nimmt Pazuzu quasi die Arbeit ab. Auch die Ärzte zeigen wenig Interesse an Regan als Mensch, sie wirkt inmitten all der medizinischen Ausrüstung wie ein Versuchskaninchen). Etwas enttäuschend finde ich, dass wir weder über Pazuzu noch über das Ritual des Exorzimus besonders viel Hintergrundinfos erhalten. Damit Blattys Botschaft rüberkommt, ist es anscheinend nur wichtig, dass es einen Dämon gibt, was für einer es ist, scheint nebensächlich. Dabei wäre Pazuzu ziemlich interessant: Der Dämon stammt aus der Kultur der Sumerer und Akkader, hat einen Hunde- oder Löwenkopf, einen schuppigen Oberkörper, einen Skorpionschwanz, einen schlangenköpfigen Penis, Adlerfüsse und zwei Flügelpaare. Die rechte Hand trägt er erhoben, die Linke nach unten gerichtet (was für Leben und Tod, oder Schöpfung und Zerstörung steht). Er war der König der bösen Winddämonen, die Verkörperung des Südostwindes, aber auch Beschützer vor Pest und Bekämpfer der bösen Dämonin Lamaschtu, Verursacherin des Kindbettfiebers, weswegen Pazuzu-Anhänger beliebt bei Schwangeren und Gebärenden waren. Er war also eine ambivalentere Erscheinung, als von Blatty beschrieben. Überraschenderweise wird uns auch über den traditionsreichen Exorzismus (das "römische Ritual“, das im Film erwähnt wird, stammt schon aus dem Jahre 1614) nichts Näheres erklärt. Wir dürfen ein bisschen dabei zuschauen, welche Regeln dahinter stecken, erfahren wir kaum (z.B.: weitere Beweise für eine Besessenheit sind neben Sprechen in fremden Sprachen auch Hellsichtigkeit oder eine übermenschliche Kraft und die Abfolge von Gebeten und Beschwörungen ist genau festgelegt).

US-Artwork
US-Artwork

Von Blattys Botschaft abgesehen funktioniert DER EXORZIST auf einer anderen, unmittelbareren Ebene hervorragend als sozialer Horrorfilm, der (abgesehen davon, dass er mit seiner esoterischen Tonlage wohl eh viele Menschen anspricht, die durch die wissenschaftsgläubige, materialistische Moderne verunsichert sind) die gesellschaftlichen Ängste bezüglich des Generationenkonflikts seiner Zeit, das Unbehagen angesichts der Veränderung der Moralvorstellungen aufgreift. In den frühen Siebzigern war dieser Konflikt von 1968 her noch virulent und es braucht nicht viel Fantasie, um in Regan die rebellierenden Jugendlichen zu sehen, quasi eine Personifikation all ihrer negativen Eigenschaften: Ablehnung der alten Werte (bzw. der Religion), Unflätigkeit, Gewalttätigkeit, Ungezügeltheit; eine Jugend, die sich wie vom Teufel besessen verhält. Nur, dass dieser in der Realität nicht so leicht auszutreiben war. Das ist allerdings auch der Teil des Filmes, der heute einiges von seiner Wirkung eingebüsst hat, denn kein Mensch macht sich noch gross Sorgen wegen Jugendlichen mit Gossensprache. Auf jeden Fall ist der Film bis ins Mark konservativ (im Horrorgenre nichts Ungewöhnliches, geht es dort doch meist um das Eindringen des Fremden in die Normalität und die Wiederherstellung des früheren, normalen Zustandes – meist durch die Vernichtung des Fremden), sogar missionarisch (und vielleicht daher auch so ausgesprochen ernsthaft). Man kann mit seiner Botschaft einverstanden sein oder nicht (fürs Protokoll: Ich teile in keiner Weise Blattys Ansichten), auf jeden Fall kann sie zum Nachdenken anregen.

Aber man kann den Film auch problemlos einfach als reinen Horrorfilm konsumieren, ohne auf irgendwelche Aussagen zu achten, schon weil es jede Menge widerwärtige und erschreckende Szenen gibt (wir kriegen alles von Kotzen über öffentliches Urinieren bis Selbstpenetration mit einem Kruzifix), von denen die Botschaft in den Hintergrund gedrängt wird; wobei man ganz klar konstatieren muss, dass nicht alles davon heute noch Eindruck macht, vor allem die unflätigen Fluchtiraden der besessenen Regan wirken heute eher erheiternd, ebenso haben einige der Hüpfbett-Effekte und die blasphemischen Elemente klar an Biss verloren. Dennoch gibt es mehr als eine Szene, die im höchsten Masse unangenehm anzuschauen, teils sogar echt harter Stoff ist (siehe z.B. die Kruzifix-Selbstpenetration oder der "Spider-Walk“). Es liegt aber auch an der ausgezeichneten Inszenierung, dass DER EXORZIST so gut als Horrorfilm funktioniert. William Friedkin (der just vorher für FRENCH CONNECTION mit dem Oscar ausgezeichnet wurde) lässt sich zu Anfang viel Zeit für Einführung der Charaktere und Vorbereitung auf die übernatürlichen Vorkommnisse (vielleicht sogar etwas zu viel Zeit, wirkt manchmal etwas langatmig), bis das Tempo anzieht und im furiosen Showdown endet (vielleicht etwas schade, dass der Exorzismus auf die Art bloss 20 Minuten dauert), wobei der Film nach und nach durch Veränderung von Beleuchtung, Farbgebung, Kamerawinkel und –führung sowie Ton immer "wilder“ wird. Friedkin arbeitet subtil (die Regie gibt sich recht bescheiden, keine unnötigen Spielereien, konzentriert sich auf das Nötigste), ausgeklügelt (Fridkin weiss genau, wie er die Schockeffekte vorbereiten muss – beispielsweise zeigt er uns meist das Entsetzen in den Gesichtern der Augenzeugen, bevor er uns den Schockeffekt selber präsentiert. Eine besonders schöne Idee sind zudem die Dämonenfratzen, die immer wieder mal sekundenbruchteillang im Bild auftauchen) und bildgewaltig (es gibt so einige memorable Bilder in diesem Film, mit Owen Roizman für die USA und Billy Williams für den Irak stehen talentierte Männer hinter der Kamera) und auch dank sorgfältigem Gebrauch von Licht und Schatten schafft er es, eine bedrohliche Grundstimmung zu schaffen; manchmal kommt geradezu gothisches Gruseln auf. Clever auch, den Film als eine Abfolge von Kontrasten zu inszenieren: Auf helle Szenen folgen dunkle, auf laute Szenen mit grellem Ton folgen ganz stille.

Viel von seiner Wirkung verdankt der Film dem Sounddesign (das ihm damals verdientermassen einen Oscar eingebracht hat). Dafür nahm man beispielsweise den Klang wütender Bienen oder die Schreie geschlachteter Schweine auf, engagierte Gonzalo Gavira, Toningenieur von EL TOPO – obwohl der ein "barfüssiger, mexikanischer Bauer“ war (er stellte unter anderem das Geräusch her, wenn Regans Kopf rotiert, und zwar mittels einer alten Brieftasche), gab dröhnende Basstöne hinzu, etc. Buzz Knudson, der Tonchef, brauchte ganze 15 Wochen, um dies alles zur Zufriedenheit des Regisseurs zu kombinieren. Für die Filmmusik wollte Friedkin erst PSYCHO-Komponist Bernard Herrmann einspannen, doch da er mit diesem nicht auskam, stellte er den Argentinier Lalo Schifrin an, der aber einen klassischen, zu dominanten Score komponierte. Stattdessen holte Friedkin sich Jack Nitzsche, der atonale Musik komponierte, zusätzlich zu den Musikstücken von verschiedenen Komponisten, die Friedkin vorher ausgewählt hatte (darunter auch den Anfang von TUBULAR BELLS, einek Album von Mike Oldfield). Der Ausstattung kommt zugute, dass man mit der Erlaubnis der atholischen Kirche an Originalschauplätzen drehen durfte – wobei man sogar echte Priester als "technical advisors“ (und Schauspieler) hatte. Die Drehorte im Irak, von der Ausgrabungsstelle mit den Ruinen bis hin zum Basar, sind schon von Natur aus beeindruckend und sorgen für etwas Exotik.

DER EXORZIST ist kein blutrünstiger Splatterfilm, geht als Mainstream-Streifen seiner Zeit aber ziemlich weit (die Splatterexzesse der Endsiebziger und Achtziger waren ja eh noch weitgehend unbekannt) – daher war es auch überraschend, dass die MPAA dem Film als R-Rated einstufte. Es gibt etwas Kunstblut, ziemlich viel physische Gewalt und ein paar Ekeleffekte. Eindrücklich sind die Darstellungen medizinischer Untersuchungen aufgrund ihrer Realitätsnähe (so richtig unangenehm ist die Halsschlagader-Infusion). Am blutigsten und imposantesten ist die "Spider-Walk“-Szene, die auch heute noch zu verstören vermag (kein Wunder, dass Friedkin diese damals rausgenommen hat; übrigens auch deshalb, weil sie ihm dramaturgisch zu früh eingefügt erschien – dafür wurde sie 1977 in RUBY sowie in anderen B-Filmen verwendet). Diese wurde von einem "Schlangenmenschen“, der Artistin Linda R. Hager, mithilfe eines Korsetts und Angelschnüren performt. Auch die anderen Effekte, wie beispielsweise das wackelnde Bett (es gab drei verschiedenen Betten für drei verschiedene Bewegungen) oder die Schwebeszenen sind gelungen und durchaus auch heute noch beeindruckend (ich behaupte, in der Qualität der Effekte übertrifft das Original auch das Harlin-Prequel mit seinen lächerlichen CGIs). Die Maske der besessenen Regan ist furchteinflössend; verantwortlich dafür war Dick Smith, der auch Max von Sydow auf "alter Mann“ trimmen musste (war der bei den Dreharbeiten doch erst Mitte vierzig). Smith war in der Tat darauf spezialisiert, Menschen alt aussehen zu lassen, unter anderem liess er Dustin Hoffman in LITTLE BIG MAN altern, für AMADEUS gewann er sogar den Oscar.

Zu den Schauspielern. Linda Blair, unter hunderten von Kinderdarstellern ausgewählt, arbeitete bereits mit fünf Jahren als Model und stand schon für eine Sitcom und zwei Spielfilme vor der Kamera, bevor sie dank DER EXORZIST mit 13 Jahren ihren Durchbruch (und bereits ihren Karriere-Höhepunkt) hatte und sogar für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert wurde. Den konnte sie allerdings vergessen, als herauskam, dass sie ein Stimmdouble hatte – die Oscarpreisträgerin und in Hörspielen erfahrene Mercedes McCambridge (DER MANN, DER HERRSCHEN WOLLTE; GIANT, JOHNNY GUITAR) als Pazuzu-Stimme. Deren Name wurde in den ersten Kopien in den Credits nicht einmal erwähnt. Ausserdem hatte Blair in Eileen Dietz ein Körperdouble, unter anderem für die Kruzifix-Penetration. Ansonsten spielt sie ihre Rolle, die für ein Mädchen ihres Alters schwer gewesen sein muss, hervorragend. (Nebenbei: Nach Veröffentlichung des Filmes erhielt sie Morddrohungen, Warner Bros. musste für sie Bodyguards bereitstellen.) Sie nahm die Rolle im zweiten Teil wieder auf, versandete dann aber in B-Filmen wie WITCHCRAFT oder CHAINED HEAT. Dafür ist sie eine erfolgreiche Amateurreiterin und engagiert sich in mehreren Tierschutzorganisationen. Max von Sydow (der wie Blair für seine Maske täglich mehrere Stunden hinhalten musste), in Schweden aufgewachsen, dank Ingmar Bergman zum Weltstar geworden und bis heute geblieben, hat nicht allzu viel Screentime, ist aber die absolut perfekte, geradezu archetypische Besetzung für die Rolle des Merrin (ursprünglich war Marlon Brando vorgesehen, doch Friedkin lehnte ihn ab). Ellen Burstyn (die Konkurrentinnen wie Jane Fonda, Shirley MacLaine oder Audrey Hepburn ausstach) dient in ihrer Verkörperung der Chris MacNeil als Identifikationsfläche für den Zuschauer. Sie lässt einen ihren Schmerz anschaulich mitfühlen (sogar sprichwörtlich: In der Szene, in der die besessene Regan sie mittels Ohrfeige umwirft, verletzte sie sich beim Hinfallen am Rücken), dennoch wird sie nicht zu einem nervenden, hysterischen Nervenbündel. Sie war als beste Schauspielerin nominiert (hatte vorher auch schon für THE LAST PICTURE SHOW eine Nomination erhalten), gewann den Oscar aber erst für ALICE DOESN’T LIVE HERE ANYMORE, führte viele Jahre zusammen mit Al Pacino Lee Strasbergs Actors Studio, nachdem Strasberg verstorben war, und dreht bis heute. Jason Miller (der die Rolle anstelle von Jack Nicholson erhielt), leider 2001 an einem Herzanfall verstorben, stand als Damien Karras das erste Mal vor der Kamera, zuvor hatte er als Theaterautor Furore gemacht und wurde für sein Stück THAT CHAMPIONSHIP SEASON mehrfach ausgezeichnet, sogar mit dem Pulitzerpreis. Er ist ein eindrücklicher Charakterdarsteller und war zu Recht für den Oscar nominiert. Für THE NINTH CONFIGURATION und THE EXORCIST III arbeitete er wieder für William Peter Blatty. Den Part des Lieutnant Kinderman übernimmt Lee J. Cobb, der bereits 1976 starb (auch an Herzanfall), seit den 30ern in vielen Western (und auch in einer Westernserie) mitgespielt hatte sowie in Filmen wie ON THE WATERFRONT (DIE FAUST IM NACKEN) mit Marlon Brando oder Don Siegels COOGAN’S BLUFF mit Clint Eastwood. Er kommt sympathisch rüber als Netter-Onkel-Typ. Der versoffene Burke Dennings wird dargestellt von Jack MacGowran, der noch vor der Uraufführung des Filmes an Grippe einging (auch Vasiliki Maliaros, die Darstellerin von Karras Mutter, starb vor der Premiere), aber unvergessen bleibt als Professor Abronsius in Polanskis TANZ DER VAMPIRE. Mit Reverend William O’Malley als Pater Dyer und Reverend Thomas Bermingham als Pater Tom spielen zwei echte Gottesmänner mit, beide machen ihre Sache für Laien erstaunlich gut. Ausserdem waren sie als Berater dabei.

Gesehen habe ich, wie gesagt, die längere und überarbeitete Neufassung und zwar auf einer DVD von Warner Bros. (welche die Silberscheibe in ein snapper case einpackten, eins dieser blöden Pappdinger, welche das Label bei Klassikern so gerne verwendet). Bild und Ton sind für ihr Alter geradezu sensationell (ist natürlich auch der Überarbeitung geschuldet), auch wenn nicht immer das Niveau eines neuen Filmes erreicht wird. Die englische Tonspur gibt es in Dolby Digital 5.1 sowie 2.0, die deutsche nur in DD 5.1, dazu jede Menge Untertitel. Die Extras sind etwas dünn gesät: Es gibt einen Audiokommentar von William Friedkin, sowie Texttafeln mit Cast & Crew und den Preisen, die der Film gewonnen hat. Zudem gibt es vier TV- und zwei Radiospots, sowie zwei Trailer, die sich aber allesamt auf den Re-Release beziehen, einen Originaltrailer von 1973 findet man hier also nicht. Für einen Film dieser Grössenordnung und Bedeutung ist solch knappes Bonusmaterial eine Schande.


Fazit (endlich! Das ist wohl das längste Review, das ich je geschrieben habe): DER EXORZIST ist ein ausgezeichneter Horrorfilm; Friedkins Regie, die Bilder, der Ton, die Schauspieler, die Tabubrüche, all dies verbindet sich hier zu einem (emotional) mitreissenden Werk, das Realität mit physischem und psychischem Horror verbindet und eine dichte Atmosphäre aufweist. Die Botschaft mag extrem konservativ, sogar missionarisch sein, aber zumindest regt sie zum Nachdenken an und drängt sich eh nicht in den Vordergrund. "Der erschreckendste Film aller Zeiten“ ist DER EXORZIST allerdings ganz klar nicht, es gibt einige Kandidaten, welche diesen Titel eher verdienen (beispielsweise THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, der bloss ein Jahr später gedreht wurde, oder EVIL DEAD). Man muss auch zugeben, dass ieles, was vor mehr als dreissig Jahren erschreckend war, heute grad noch ein Lächeln provoziert. Dennoch vermag der Film den Zuschauer immer noch zu gruseln sowie zu erschrecken und seinen Platz in der Filmgeschichte kann ihm niemand absprechen. Die acht Biere, die ich ihm geben, sind bitte als Qualitätswertung und nicht als Wertung des Fun-Faktors zu verstehen; die einzelne Bombe repräsentieren das, was verhindert, dass der Film noch besser geworden wäre (Blattys missionarischer Eifer, etc.). Alles in allem einer der ganz grossen Klassiker des Horrorgenres und ein Film, den man gesehen haben muss.


(c) 2007 Gregor Schenker (manhunter)


Bewertung

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BIER-SKALA
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Ralphs Review

Abt. Denkmalschändung

Was ist ein ‚Klassiker‘? Nun, das Wort bedeutet, auf eine Person angewandt, daß diese Person auf ihrem Gebiet herausragendes geleistet hat - so herausragend, daß die Leistung als exemplarisch für das Gebiet anzusehen ist. Wenn man selber etwas in diesem Gebiet leisten möchte, wäre es demnach ratsam, sich an dem Schaffen der ‚Klassiker‘ zu schulen. Auf ein Einzelwerk übertragen bedeutet der Begriff hingegen, daß dieses eine Werk so gut ist, daß es als exemplarisch für seine gesamte Gattung anzusehen ist. Und jetzt, Leute, kommt die Preisfrage: Wer stellt eigentlich die Kriterien für das auf, was klassisch ist?

Nun, im Falle der Literatur und der Musik sind es in aller Regel die zuständigen Fachwissenschaften. Zwar führt die Identifizierung eines Werkes durch diese Fachwissenschaften als Klassiker zwar nicht unbedingt dazu, daß es verstärkt rezipiert wird. Im Grunde interessiert ihr Urteil großartig eigentlich kaum jemand, aber es wird auch nicht in Frage gestellt. Gelesen wird demnach von der breiten Masse nicht Charles Dickens sondern Rosamunde Pilcher. Kaum jemand der Pilcher-Leser käme aber auf die Idee zu behaupten, Frau Pilcher sei dem alten Charles qualitativ überlegen. Auf dem Gebiet der Musik verhält es sich in etwa genauso. Unumstrittene und allgemein anerkannte Klassiker sind Leute wie Bach, Beethoven und Offenbach. Gehört wird --- naja, ich möchte mich jetzt mit niemanden anlegen. Dennoch würde auch hier kein ‚Scorpions‘-Fan behaupten, das Schaffen der Band seines Herzens sei dem Beethovens überlegen. Man erkennt vielmehr neidlos an, daß hier objektive Qualität und persönlicher Geschmack einfach auseinander klaffen. Und dies ist ja auch nicht weiter tragisch. Man kann auch ohne die ‚Mondschein‘-Sonate glücklich werden und ein zufriedenes Leben führen. Auf dem Gebiet des Films scheint es sich da allerdings etwas anders zu verhalten. Da legt, so habe ich zumindest den Eindruck, nicht die Filmwissenschaft fest, was ein Klassiker ist, sondern die verschiedenen Organe der Filmwirtschaft, angefangen bei der ‚TV-Spielfilm‘ oder ‚Cinema‘ über diverse ‚Fanbücher‘ bis hin zu dieser ominösen Academy, die einmal jährlich den nicht weniger ominösen Oscar (geschützter Markenartikel!) verleiht. Und was die als ‚Klassiker‘ bezeichnen gilt dann auch allgemeinhin als ‚Klassiker‘ und wird relativ unkritisch von der breiten Öffentlichkeit nachgebetet. Daß die Filmwissenschaft nur selten mit den Propagandaorganen der Filmindustrie einer Meinung ist, schert da wenig. Nicht die Wissenschaft gibt hier die Stoßrichtung vor, sondern die Anzahl der Oscars bzw. Nominierungen, die ein Film erhält. Daß diese als Maßstab für die Qualität eines Films bzw. des Gesamtwerkes eines Filmschaffenden eher zweifelhaft sind dürfte allerdings schon der Umstand verraten, daß ‚Titanic‘ elf Oscars bekam, Alfred Hitchcock sein Leben lang aber nicht einen einzigen. Auch unser heutig zu besprechendes kleines Kammerspiel, ‚Der Exorzist‘, gilt als ein solcher ‚Klassiker‘ von des Filmwirtschaftsjournalisten Gnaden, unterstrichen von zwei verliehenen Oscars. Er gilt als Klassiker des Horrorfilms und nicht nur das – er gilt nicht als EIN Klassiker des Horrorfilms, nein, er gilt sogar als DER Klassiker des Horrorfilms, an dem sich alle anderen Horrorfilme, bitte - danke, zu orientieren haben. Zumindest, wenn man die ‚Cinema‘ fragt. Viele ernst zunehmende Filmwissenschaftler sehen das allerdings anders. Eigentlich bezieht dieser Film in allen mir bekannten seriösen Schriften Prügel, auch wenn einige Zeitgenossen die Regiearbeit William Friedkins für begnadet halten und die ach-so-bedeutende ‚Academy of Awards‘ das Drehbuch von William Blatty (nach seinem eigenen Roman) gar für oscarwürdig befanden (neben dem Ton – der bekam auch einen Oscar).

Ich kann mich noch erinnern, wie ich, als mehr oder minder kleiner Junge, zum ersten mal den Exorzisten sah. Was hatte ich nicht alles legendäres über diesen Film gehört. Was habe ich für Wunderdinge erwartet, die ich meinte zu sehen bekomme. Wie gespannt und aufgeregt war ich, als der Film begann, mental darauf eingerichtet, jeden Moment vor Angst und Schrecken in das vor mir liegende Kissen zu beißen. 120 Minuten später hingegen fragte ich mich dann allerdings verwirrten Blickes, was ich da jetzt gerade eigentlich gesehen hatte. Nicht nur, daß ich auf die legendären, Angst einflößenden Momente des Films vergeblich gewartet hatte – ganz im Gegenteil, der Streifen langweilte mich beinahe zu Tode – ich war nicht einmal in der Lage aus dem, was ich da gesehen hatte, eine konsistente, in sich schlüssige Handlung zu destilieren. Worum ging es da eigentlich? Wer waren all diese Leute, die da ständig in und wieder aus dem Bild rannten? Was haben die da gemacht? Warum sind sie gekommen? Weshalb sind sie wieder gegangen? Warum galt dieser wirre, umständliche Schnarcher als Klassiker und Meisterwerk und wer, par Diable, war eigentlich für diese grottenschlechte Synchronisation verantwortlich? Als dann, Jahre später (Anno 2000 oder so die Kante), der Directors Cut ins Kino kam beschloß ich, Friedkins Musenkind noch einmal eine Chance zu geben. Vielleicht war ich beim ersten Sehen ja zu jung gewesen, um die Feinheiten und subtilen Botschaften des Film zu erkennen. Aber nee – war auch dieses mal wieder nichts. Zwar blieb mir der berühmte, erst jetzt eingefügte Spiderwalk (dazu weiter unten) in bleibender Erinnerung, aber ansonsten hatte ich wieder den Eindruck der Präsentation eines völlig langweiligen und wirren Schinken beizuwohnen. Das einzig Positive (neben dem Spiderwalk), das mir haften blieb war, daß man dem Film offenbar eine neue Synchronisation spendiert hatte. Die Stimme der kleinen Regan war nicht mehr so enervierend schnarrend wie in der ‚Urfassung‘ des Streifens. Mir fiel aber etwas anderes auf, das mir beim ersten Sehen in meiner jugendlichen Naivität noch entgangen war, nämlich die zweifelhafte, reaktionäre Ideologie, die den Streifen durchzieht. Und plötzlich konnte ich mir dann doch erklären, warum der Film vor 30 Jahren so erschreckte und derart starken Zulauf hatte und vielleicht auch, warum die Filmwirtschaft, immerhin keine sozial-allgemeinnützige, sondern eine urkapitalistische Einrichtung, den Film so hochjubelte.

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Mir ist durchaus bekannt, daß Regisseur William Friedkin ein langjähriger Kämpfer gegen die Todesstrafe in den USA ist und seit den 60er Jahren in Dokumentar- und Spielfilmen sich immer wieder kritisch mit diesem Thema auseinander gesetzt hat. Ich möchte ihm also nicht unterstellen, daß er ein Reaktionär ist. Im Falle des ‚Exorzisten‘ muß man aber feststellen, daß er zumindest nicht allzuviel dagegen unternommen hat, eine reaktionäre Lesart seines Films zu vermeiden. Warum, in wie fern dies auf sein Konto geht oder auf das seines Drehbuchautoren Blattys oder ob ihm dies vielleicht gar nicht aufgefallen ist, darüber vermag ich nicht zu urteilen.


Inhalt

Irgendwo im nördlichen Irak, lange vor den goldenen Zeiten, als die USA das Land noch mit Waffen belieferte statt mit selbigen zu bombadieren. Genauer gesagt befinden wir uns bei Ninive, dem bibelkundigen Leser sicher ein Begriff und im volle Gange ist eine Ausgrabung einer antiken Wasweißichwasdaswar-Stätte. Irgendetwas Seltsames wurde gefunden, was ein Junge, der mit höchstwahrscheinlich mit Kinderarbeit das Überleben seiner Familie sichert, dem Leiter der Ausgrabung meldet. Bei diesem Leiter handelt es sich um einen jovialen älteren Herrn westlicher Provienz. Mit Kennerblick begutachtet er die Funde, bei denen es sich um ein Amulett und eine kleine Büste handelt, die einen Dämonenkopf darstellt. "Nicht aus der selben Periode,“ stellt der älterer Herr erstaunt fest. Was dies nun genau bedeutet wird uns nicht weiter mitgeteilt, aber es reicht dazu hin, ihn verdammt zu beunruhigen. Zumindest wirkt er nicht gerade sehr entspannt, als er sich wenig später in einem Straßencafé einen Tee genehmigt und sich dabei mit zitternder Hand ein paar Pillen einschmeißt. Noch später, wahrscheinlich im Hauptquartier der Ausgrabungsexpedition, schaut er sich mit einem Mitarbeiter die Gesamtkollektion der Funde an. Der Mitarbeiter spricht ihn mit "Vater“ an, womit uns zumindest die eigentliche Profession des älteren Herrn klar wird: meinetwegen ist er auch Archiologe, aber hauptberuflich ist der Mann katholischer Priester. "Das Böse gegen das Böse“, merkt der Mitarbeiter krypthisch an. In diesem Moment bleibt die in einer Ecke des Bureaus postierte Standuhr stehen. Wahrscheinlich Signal dafür, daß das Ende der Welt nahe ist oder so was. Zumindest ist der Priester dergestalt beunruhigt, daß er sofort das Weite sucht und zur Ausgrabungsstätte eilt. Dort scheint aber alles in Ordnung zu sein. Weit und breit kein Antichrist zu sehen oder was immer der Priester da erwartet haben mag. Nun eilt er ein wenig ziellos durch die Straßen der Stadt und wird dabei beinahe von einer Kutsche überfahren, die aus einer dunklen Straßenseite fährt. In der Kutsche sitzt eine Frau, der offensichtlich eine Lepraerkrankung arg zu gesetzt hat (wie geschmackvoll).

In einer nächsten Einstellung sehen wir den Priester in einem Buggy (heißen diese Autos so?) durch die Wüste düsen. Vor einer Art Heiligtum oder was auch immer das sein mag, hält er an und wird von zwei in Palästinensertüchern gehüllten und mit Gewehren bewaffneten Kämpfern empfangen. Vielleicht die Vorläufer von Al Quaida? Vielleicht, denn es wird mit keinem Wort erwähnt, warum sich hier bewaffnete Mitmenschen rumtreiben. Allerdings scheinen die Bewaffneten mit dem Priester gut bekannt zu sein, denn sie lassen ihn ein. Wenig später findet sich der Priester auf einem großen Platz wieder, auf dessen Mittelpunkt sich die imposante Steinstatue eines geflügelten Dämons befindet (muß der etwa mit Waffengewalt bewaffnet werden? Weltkulturerbe 1973?). Wenn ich das richtig überblicke hat der Dämon übrigens das selbe Antlitz wie die zuvor gefundene kleine Büste. Hat das wohl etwas zu bedeuten? Der Priester schaut die Statue an und bemerkt in weiter Ferne zwei miteinander kämpfende Hunde. Dann geht die Sonne unter... ... und schon sind die ersten 10 Minuten des Films um ohne daß das ganze einen Sinn ergeben hätte oder ein deutsches bzw. englisches Wort gesprochen wurde, denn bislang war alles irakisches OmU. Nun sehen wir ein westliches Stadtpanorama und eine schriftliche Einblendung verrät uns, daß wir uns in Georgetown, Washington, USA befinden. Die Schauspielerin Chris MacNeil klappt zur nächtlichen Stunde die Seiten eines Drehbuches zu und beschließt, bevor sie sich zur Ruhe bettet noch einmal nach dem Töchterchen Regan zu sehen. Die etwa 12-Jährige schlummert friedlich. Dabei fällt Chris aber auf, daß es über ihr, also auf dem Dachboden, ziemlich rumort. Am nächsten Morgen bittet sie den Diener des Hauses, Karl, einem Schweizer, worauf dieser, wie wir noch erfahren werden, auch Wert legt, Rattenfallen aufzustellen. Karl wiegelt ab. da oben gäbe es keine Ratten. "Und was macht dann diesen Lärm?“ möchte Chrissy wissen.

Wenig später findet sich die Aktrice auf dem Set zu ihrem neusten Film ein, welches auf dem Campus der Georgetown´schen Universität spielt. Hier wird wohl gerade die jüngste Vergangenheit, die Studentenrevolte, filmisch aufgearbeitet. Zumindest macht Chrissy in einer beeindruckenden Filmszenen den die revoltierenden Studenten darstellenden Statisten klar, daß ihr Anliegen zwar gut und richtig, ihre Mittel aber falsch seien. "Keine Gewalt“ und so. Nun waren die wenigsten Studenten oder andere Protestler der späten 60er und frühen 70er zwar gewalttätig, die meisten lehnten Gewalt sogar explizit ab (und viele waren auch schlichtweg zu dicht, um überhaupt Gewalt auszuüben), bekanntlich hatte die bürgerliche Meinungsmehrheit aber schon mal vorsorglich den Untergang des Abendlandes ausgerufen. Daß die verzerrende Hetze gegen die Anliegen der protestierenden Studenten der bürgerlichen Medien z.B. in der BRD bis hin zu dem Attentat auf Rudi Dutschke führen konnte ist eines der traurigsten Kapitel dieser Zeit. Nach dem Dreh tauscht sich Chrissy kurz mit dem Regisseur Burke Dennings aus und geht dann zu Fuß nach Hause. Unterwegs fällt ihr der Priester Damien Karras auf, der sich in einem Gespräch mit einem älteren Bruder über eine Glaubenskrise austauscht. Zu Hause erkundigt sich Chrissy bei Regan und ihrer Nanny Sharon nach ihrem Tag. Beide können nur Positives berichten. Außerdem wünscht sich Regan zum Geburtstag ein Pferd. Dann macht Chris sich dran, eine bevorstehende Abendgesellschaft zu planen. Richtig spannend, wie es hier so zugeht (gähn!). Wir schalten um zu dem erwähnten Priester Damian Karras, der in einem Ghettoviertel seine kranke Mutter besucht. Diese ist nach Problemen mit ihren Beinen kaum noch bewegungsfähig und Damien schlägt ihr ein schönes Altenheim vor, doch Mama möchte ihr Revier nicht verlassen (was durchaus nachvollziehbar ist – was sagt die Einrichtung von Altenheimen eigentlich über eine Gesellschaft aus?). Damien zündet sich erst mal ´ne Kippe an und seine Mutter bemerkt, daß ihr Filius anscheinend Sorgen hat. Damien streitet dies aber ab. Derweil vergnügen sich Chris und Regan im Hobbyraum. Chrissy findet ein okkultes Spielbrett, mit dem ihr Töchterchen nach ihrer Aussage neuerdings ihre Freizeit (von der sie viel zu haben scheint, denn sie besucht weder eine Schule noch hat sie einen Privatlehrer – glückliches Mädchen) ausfüllt. Chris bemerkt, für dieses Brett benötige man doch zwei Personen. Regan meint, sie hätte ja einen Spielpartner – einen imaginären Captain Howdie. Chris ist etwas verblüfft, mehr aber nicht.

Später am Abend planen sie Regans bevorstehenden Geburtstag. Regan bietet generös an, daß Mami zu den projektierten Aktivitäten auch Dennings mitnehmen kann – immerhin sei da doch etwas im Busche, was Chrissy aber entscheiden ablehnt. By the way erfahren wir aber auch, daß sich Regans Vater aus dem Staub gemacht hat. Das lief wohl nicht mehr so gut mit ihm und Chris. Wer sieht, wie Elen Burstyn die Rolle ausfüllt, hat jedes Verständnis. In einer Kneipe bespricht sich Damien mit seinem Seeelsorger, dem älteren Bruder Tom. Damien hat eine Glaubenskrise und fühlt sich seinem Beruf nicht mehr gewachsen. Der Jesuitenorden hatte ihn einst dazu bestimmt, Psychologie zu studieren und in der Psychatrie tätig zu sein (für diejenigen, die´s vielleicht nicht wissen: Viele Ordensschwestern- und Brüder haben über ihr theologisches Studium hinaus noch eine ‚weltliche‘ Profession erlernt, in der sie als Vertreter ihres Ordens tätig sind). Tom ist durchaus verständnisvoll und Damien zündet sich erst mal die nächste Kippe an (das waren noch Zeiten, in denen man als Priester ungeniert in der Öffentlichkeit rauchen und sich zuschütten konnte – oder soll das etwa nur Damiens Glaubenskrise drastisch illustrieren?). Am nächsten Tag versucht Chris vergeblich den Vater der geburtstäglichen Regan an die Strippe zu kriegen, damit dieser seiner Tochter gratulieren könne. Doch ist der Mann, der sich zur Zeit in Rom aufhält, wohl unabkömmlich. Chris reagiert dementsprechend verärgert und wir sehen die betrübte Regan, die sich im Nebenraum befindet und wohl unbeabsichtigt das Gespräch mitbekommt. Nächtens klingelt das Telephon. Chris nimmt ab, erhält von Burke einige evidente Durchsagen für den nächsten Drehtag und bemerkt, daß Töchterchen Regan ebenfalls in ihrem Bett liegt. Ihr Bett habe so gewackelt, gibt Regan zu Protokoll, deshalb könne sie da nicht schlafen. Chrissy ist, verständlicherweise, ein wenig irritiert. Wir schalten über zu Tom, der seine Kirche betritt und eine Marienstatue geschmacklos geschändet vorfindet. Irgend jemand hat ihr Brüste und einen Phallus angeklebt und das Ganze dann mit Blut beschmiert. Tom ist entsetzt und der schon genervte Zuschauer stöhnt auf, denn immerhin sind zwar schon 30 Minuten Film um, doch immer noch haben wir keine wirklich nachvollziehbare Handlung. Was soll das Ganze da eigentlich? Möglicherweise haben Regisseur Friedkin und sein Drehbuchautor Blatty ebenfalls bemerkt, daß bislang eigentlich nichts geschehen ist, was irgendwie einen zusammenhängenden Sinn ergäbe, denn unvermittelt gehen sie nun in die Vollen und wir sehen, wie Regan einmal völlig ärztlich durchgecheckt werden. Dabei zeigt sie äußerst deviante Verhaltensmuster, denn urplötzlich geht sie wie geistesabwesend summend durch den Raum und umarmt eine Türe. Im Nachgespräch zwischen Chris und den behandelnden Ärzten erfahren wir nun etwas, das zumindest mir bislang kaum aufgefallen ist, nämlich daß Regan tierisch einen an der Klatsche zu haben scheint. Okay, dieser Captain Howdie und das wackelnde Bett waren nicht ganz alltäglich, anderseits sind (das sage ich jetzt als studierter, promovierender Pädagoge) imaginäre Freunde bei Kindern, insbesondere wenn sie aus zerütteten Verhältnissen stammen (und das trifft auf Regan sicher zu) auch nicht völlig ungewöhnlich sondern phasenweise ein ganz normaler Bewältigungsmechanismus und auch ansonsten schien mir Regan bislang nicht besonders behandlungsbedürftig. Jetzt erfahren wir aber, daß Regan eine Affinität zu unanständigen Wärtern zu haben scheint (war bislang nicht die Rede von) und bei der Untersuchung die Ärzte sogar aufforderte, ihre "Finger“ von "ihrer Fotze“ zu lassen – eine Mitteilung, auf die Chris meiner Meinung nach dann allerdings unangemessen amüsiert reagiert. Sie fragt dann aber, ob vielleicht ein Psychater weiterhelfen könne. Dies wiederum lehnen die Ärzte ab und schlagen vor, daß Mädel doch einfach mal mit Medikamenten voll zu pumpen (na schön, der Film wurde vor über 30 Jahren gedreht, da bewertete man Psychopharmaka noch anders als heute, aber schon damals waren die psychologischen Erkenntnisse von Alfred Adler und Sigmund Freud mühelos zugänglich und da hätte man erfahren können, daß Medikamente bei psychischen Störungen insbesondere bei Kinder sicher nicht der Weisheit letzter Schluß sind). Das Gespräch endet mit der ärztlichen Feststellung, daß Regans deviantes Verhalten aus dem Trauma herrühre, daß durch die Trennung ihrer Eltern ausgelöst wurde (und da pumpt Ihr die Kleine dann mit Medikamenten voll?) und daß sich Chrissy keine Sorgen machen müsse (um Woody Allen zu zitieren: Wo haben diese Leute eigentlich Medizin studiert? In Auschwitz?).

Derweil bekommt Danien von seinem Bruder eröffnet, daß ihre Mutter ins Krankenhaus gekommen sei worauf beide dieses Krankenhaus auch besuchen. Sagte ich Krankenhaus? Mir ist zwar bewußt, daß man das amerikanische Gesundheitssystem nicht mit dem deutschen vergleichen kann, doch scheint es sich hier eher um eine herunter gekommene Psychatrie denn um ein Krankenhaus im klassischen Sinne zu handeln. Zumindest wird die Anstalt durchgehend von Gestalten bevölkert, die wir hierzulande nicht in ein ‚klassisches‘ Krankenhaus sondern in die Psychatrie einweisen würden. Dann entspannt sich ein Dialog, in dem Damien von seinem Bruder vorgeworfen bekommt daß wenn er nicht Priester geworden wäre er als Psychater nun genug Geld verdienen würde, um ihrer Mutter ein ‚richtiges‘ Krankenhaus zu finanzieren und nicht --- das da. Wie bereits angedeutet – in Anbetracht der archaischen Zustände, die hier herrschen ein sogar nachvollziehbarer Vorwurf. Damien besucht Mama und darf sich arge Vorwürfe anhören. Sie gibt ihm die Schuld daran, daß sie nun hier gelandet sei. Später fragt Damien seinen Bruder, ob er Mami nicht hätte nach woanders hin hätte verlegen lassen könne. "Wohin denn?“ fragt der Bruder verärgert, "in ein Privathospital? Und wer bezahlt das?“ Wer gehofft hat, zumindest nach und nach aus dem ganzen Durcheinander, das uns bislang präsentiert wurde so etwas wie eine konsistente Handlung destilieren zu können wird wieder einmal enttäuscht, denn kaum daß es interessant wird, switschen wir mal wieder – und zwar zu dem Regan-Chrissy-Handlungsstrang. Nicht, daß es falsch wäre, einen Film mit zwei verschiedenen Handlungssträngen komplex aufzubauen und diese dann zusammen zu führen – Alfred Hitchcock hat dies drei Jahre später in seinem letzten Meisterwerk ‚Familiy Plot‘ exemplarisch vorgeführt – nur möchte man irgendwann einmal wissen, woran man eigentlich dran ist. Was möchte der Film eigentlich erzählen? Der ‚Exorzit‘ bleibt dem Zuschauer auch in der 45. Minute eine Antwort auf die Frage schuldig. Dafür sehen wir die bereits angekündigte Abendgesellschaft, die Chris veranstalten wollte. Auf diese ist auch Pater Dyer geladen, von dem wir bislang weder etwas gehört noch gesehen haben. Der verkündet nun aber, mit einer Zigarette im Mund (dazu siehe weiter oben), daß ein Priester seiner Diozöse Namens Damien Karras den Verlust seiner Mutter zu beklagen habe was die Partygesellschaft natürlich weitergehend kalt läßt – nicht einmal unverständlich, was soll man auf einer Party auch mit so einer Information anfangen, die zwar die Handlung vorantreibt, ansonsten aber völlig fehl am Platze wirkt. So kann sich auch niemand damit wirklich identifizieren. Dafür fängt der völlig betrunkene Burke Krach mit Karl an, indem er ihm vorhält, er sei gar kein Schweitzer sondern ein Deutscher und ehemaliger Nazi (jetzt wissen wir auch, warum Karl der feine Unterschied zwischen ‚Deutscher‘ und ‚Schweizer‘ so wichtig ist). Noch bevor Karl Dennings hierfür die Fresse polieren kann führen Chrissy und eine Freundin Burke zur Tür, mit dem Hinweis um die Ecke stünde sein Auto. Klar, völlig betrunkene Partygäste, die alleine nicht einmal mehr gehen können, führt man zu ihrem Auto, damit sie damit nach Hause fahren. Hab ich irgend etwas verpaßt und steht Burk auf der Abschußliste? Mann, ist das doof!!! Wenig später singt die Partygesellschaft fröhlich Musicalstandards zur Begleitung Dyers auf dem Klavier. Plötzlich erscheint Regan auf der Szene, sagt einigen der Partygästen ihr baldiges Ableben voraus und pinkelt auf den Boden. Leider verpaßt Chrissy die Gelegenheit, den Auftritt ihrer Tochter den Gästen als Fluxus-Aktionskunst im Stil der Zeit schmackhaft zu machen (Yoko Ono hätte das wohl ‚Piss-Piece‘ genannt). Vielmehr ist es ihr hochnotpeinlich und die Party erst mal vorbei.

Kurz darauf badet Chris ihre Tochter und fragt sie dabei, was das Ganze eigentlich solle. Regan kann darauf auch keine richtige Antwort geben und Mami tippt: "Es sind wohl die Nerven“, gefolgt von einem meisterhaften pädagogischen Ratschlag: "Schluck brav deine Pillen.“ Hey ho! Chris bringt Regan ins Bett, schließt die Zimmertüre hinter sich und steuert ihre eigene Schlafstätte an als sie plötzlich hinter der Türe einen gellenden Schrei hört. Chrissy rennt zurück in Regans Zimmer und muß erschreckt zur Kenntnis nehmen, daß Regans Bett tatsächlich die Fähigkeit zu haben scheint wie wild zu wackeln. Mami stürzt sich auf ihr schreiendes Töchterchen, um sie zu beschützen, was auf das Bett allerdings keinen größeren Eindruck macht. Es wackelt einfach weiter. Gleichzeitig besäuft sich Damien um so den Tot seiner Mutter zu verarbeiten (mmh – währen für einen Jesuitenpater eigentlich nicht Gebet und Seelsorge die Mittel der Wahl?). Nach der dritten Promille knackt Damien weg und Friedkin beglückt den geneigten Zuschauer mit einer –äh - hinreißenden Alptrausequenz. Diese Sequenz hat tatsächlich einige Berühmtheit erlangt, da sie ihre einfallslose Inhaltslosigkeit durchaus geschickt versteht zu kaschieren, in dem tief in die Trickkiste gegriffen wird. Zuerst sehen wir nämlich unendlich lange das Medaillon, daß am Anfang des Streifens im Nordirak ausgegraben wurde von oben (wo oben?) nach unten (wo unten?) fallen. Dabei, immer nur ganz kurz blitzartig für ein Bild, wird die legendäre Teufelsfratze eingeblendet, die vor 30 Jahren die Zuschauer wohl tatsächlich erschrocken zu haben scheint, wenigstens danach zu schließen, wieviel über diesen kleinen Gag alles geschrieben wurde. Auch die Tonspur wird fleißig genutzt um für etwas Atmosphäre zu sorgen: Während der ganzen Sequenz hören wir fast nichts außer das schweres Stöhnen, das Damien in seinem suffgeschwängerten Alptraum von sich gibt. Nachdem also das Medaillon lustig durchs Bild gefallen ist, wir den Gehörnten persönlich kennen gelernt haben und von dieser Tonspurspielerei höllisch genervt sind sehen wir, wie Damien vor dem Ausgang einer U-Bahn-Station steht. Seine Mutter kommt die Treppe hoch, sagt einmal "Damien“, wir sehen noch mal für eine sechzehntel Sekunde den Gehörnten und Mami geht dann wieder die Treppe der Station runter. Tja, und das war´s dann auch schon mit dem Alptraum. Voll scary, n´est-ce pas? Wir widmen uns nun wieder dem anderen – äh – Handlungsstrang, nämlich dem Weiteren Verbleib unseres kleinen Problemkindes. Regan wird ein weiteres mal ärztlich untersucht und quittiert das Vorgehen der Jünger Hypokrates recht ungnädig in dem sie diese als "Hurenböcke“ und "Wichser“ bezeichnet. Das Wackeln des Bettes führen die Mediziner übrigens auf Spasmen zurück, was Chrissy kaum überzeugt (und uns als Zuschauer natürlich auch nicht, denn wir wissen ja, was Sache ist, hehe! – Gähn).

Es folgt mal wieder eine Nachbesprechung und diesmal eröffnen die Ärzte der besorgten Chrissy, daß man das mit der medikamentenbewährten Psychose wohl vergessen könne. Vielmehr sei zu vermuten, daß Regan irgendeinen Schaden an einer der Scheitellappen ihres Gehirns habe (die genauen medizinischen Termini habe ich mir nicht gemerkt). Also wird Regan einer weiteren, mir völlig unbekannten medizinischen Prozedur unterworfen in der die Ärzte ihr eine Kanüle in den Hals schieben und Blut abnehmen. Schön blutig das alles und Regan schreit auch wie am Spieß (an die Mediziner unter uns: was machen die da eigentlich?). Jetzt können wir uns einige wunderschöne Röntgenaufnahmen des Denkorganes Regans anschauen aus denen die Ärzte messerscharf schließen, daß die Idee mit der Scheitellappenerkrankung wohl auch ein Schuß in den Ofen war. Der Hirnkasten ist völlig in Ordnung und arbeitet in tolerierbaren Parametern. Plötzloch, äh, plötzlich klingelt das Telephon der Arztpraxis. Sharon bittet Chrissy rasch nach Hause zu kommen, da dort die Nähmliche ziemlich am Dampfen sei. Mutti und Ärzteteam eilen zum Lager der Kranken. Regan hat einen Anfall der sich darin äußert, daß sie, im Bett liegend, ein imposantes Ganzkörperheadbanging performt. Unvermittelt hört Regan aber auf zu bangen (schade eigentlich – sieht nämlich ziemlich lustig aus), schaut mit verzerrten Gesicht ihre Gäste an und faucht mit dämonischer Stimme: "Haut ab! Die Frau gehört mir!“ Welche Frau meint sie? Dann beginnt sie wieder zu toben und skandiert dabei eine Aufforderung zum Beischlaf wobei sie sich allerdings deutlich der Fäkalsprache bedient. Die Ärzte stellen sie mit einer Spritze ruhig.

Die Ärzte haben nun einen neuen Geistesblitz, was mit der Kleinen wohl los sein könnte: Sie sei eine gespaltene Persönlichkeit. Um diese These zu verifizieren müsse man aber erst einmal eine Rückenmarkspunktion vorgenommen werden (hä?). Also punktiert man fröhlich das Rückenmark der schreienden Regan, schaut sich das Ergebnis an und ist, mal wieder, so klug als je zuvor. Wieder nichts. Aber noch haben die wackren Mediziner einen Trumpf im Ärmel: Könne Regan vielleicht mit Drogen zu tun haben? (Wow, was müssen die sich in den frühen 70ern eigentlich gezogen haben um so abgehen zu können?) Chrissy hält dies allerdings für ausgeschlossen, denn sie, Chrissy, rauche noch nicht mal Hasch (was sagt das jetzt bitte über Regan aus? Nehmen nur die Kinder Drogen, deren Eltern das auch tun?). Tja, dann wissen die Ärzte aber auch nicht mehr weiter. Und plötzlich kommt jemand die geniale Idee, man könne es ja vielleicht doch mal mit einem Psychater probieren (genau, wenn der chemische Cocktail nicht mehr hilft, dann geht man zur Psychotherapie über. Hoffentlich gerate ich nie in die Finger SOLCHER Ärzte!). Später am Abend. Chrisy schleicht einsam durch die Zimmer ihres Anwesens. Das Telephon klingelt. Sie nimmt ab, aber keiner ist dran. Dann flackert ein wenig die elektrische Beleuchtung und Friedkin versucht, etwas Spukhaus-Feeling zu verbreiten. Chrissy schaut nach der friedlich schlummernden Regan und schließt das Fenster ihres Zimmers, welches unerklärlicherweise offen steht. Und nun aufgepaßt, jetzt wird’s spooky: Als Chrissy die Zimmertüre schließt sehen wir noch einmal eine sechzehntelsekunden lange Einblendung des Teufelsgesichtes und an der Wand des Zimmers zeichnen sich in der Dunkelheit weiß schimmernd die Umrisse der geflügelten Dämonenstatue ab, die im nördlichen Irak unter strenger Bewaffnung vor sich hin modert. Mann, der Friedkin hat´s echt drauf --- Unten macht Chrissy Sharon erst mal heftige Vorwürfe: Sie könne bei den Temperaturen doch nicht das Fenster in Regans Zimmer offen stehen lassen. Sharon ist sich aber keiner Schuld bewußt. Sie ist eben erst nach Hause gekommen und als sie ging war das Fenster verschlossen. Und wieder klingelt das Telephon. Diesmal ist auch jemand dran, nämlich ein Kollege Chrissies, der ihr mitteilt, daß Burke Dennings im Vollsuff leider ganz in der Nähe ihres Hauses einen Unfall gehabt habe: Es ist eine Treppe runtergestürzt. Chrissy bricht ob dieser Mitteilung verzweifelt in Tränen aus, aber das Schicksal ist hart und setzt noch einen drauf. Und zwar in Form des schon erwähnten Spider-Walks - einer Szene, die in der Urfassung des Films geschnitten und erst in den Schnitt des Direktors wieder eingefügt wurde: Regan kommt, fast wie eine Spinne, auf dem Rücken und auf allen Vieren die Treppe runtergekrabbelt, reißt fauchend den Mund auf und spuckt ein wenig Blut. Eigentlich unverständlich, daß die Szene 1973 geschnitten wurde. Sie ist nämlich die einzig sehenswerte des ganzen Films und ausnahmsweise mal wirklich geistreich und gut gemacht und erlangte nicht zu Unrecht eine gewisse Berühmtheit. Chrissy hingen klappt, erwartungsgemäß, völlig zusammen.

Die Nacht geht, der Tag kommt und Regan wird einer psychatrischen Sitzung unterzogen. Der Psychater hypnotisiert sie, Regan geht in den Dämonenmodus, faucht ein paar Schweinerreien und kneift dem Seelenklemptner schließlich mächtig in die Hoden (Au!). Gleichzeitig hält Damien (von dem haben wir ja schon länger nichts mehr gehört) sich fit, in dem er auf dem Sportplatz ein paar Runden dreht. Er bekommt Besuch von einem älteren Herrn, der sich als Inspektor Kinderman ausgibt und um Damiens Mithilfe bei der Klärung eines Falles in seiner Eigenschaft als Psychater bittet. Kinderman untersucht nämlich den Tod Burke Dennings und ist der Meinung, daß es sich dabei keinesfalls um einen Unfall handele. Sein Kopf war um 180 Grad verrenkt und das scheint bei alkoholisierten Treppenstürzen wohl eher untypisch zu sein. Kinderman vermutet vielmehr, daß es sich um einen Ritalmord handeln könne da ja letztens auch die Marienstatue der Kirche geschändet wurde - und DAS deutet nun unfehlbar darauf hin, daß hier ein ehemaliger Priester zu Gange sei!!! (Also das ist jetzt mal eine schlüssig erstellte Indizienkette – etwa so schlüssig wie Alfred Tetzlaffs berühmter Nachweis, daß Walter Ulbricht eigentlich ein Agent der BRD war. Mann, ist das alles dämlich – ich meine natürlich den ‚Exorzisten‘, nicht die herrliche ‚Ein Herz und eine Seele‘ – Serie!). Kinderman bittet Damien, falls er in der psychatrischen Behandlung in diese Richtung mal was höre doch so nett zu sein, ihn zu informieren. Die ärztliche Schweigepflicht ist ihm dabei übrigens herzlich egal ("Also, Herr Doktor – ich – ich – äh – also, nachdem ich von dem Priesteramt ausgeschieden bin schände ich nachts Marienstatuen und opfere Menschen bei rituellen Handlungen. Bin ich jetzt krank?“). Von Regan erfahren wir auch mal wieder etwas Neues. Während sie an ihr Bett gefesselt fröhlich vor sich hin kreischt haben ihre Ärzte, diese Halbgötter in Weiß, den nächsten Einfall. Regan habe keine Nerven- oder Hirnerkrankung sondern leide unter einer Art Somnabulismus (oh, Mann – wann ist es vorbei? Wann ist es vorbei? Das wird ja immer doofer!!!). Es gäbe jetzt zwei Alternativen: Entweder man weise Regan einfach mal in die Klapse ein, oder man unterziehe sie so einer Art Exorzismus, weniger aus religiösen Gründen sondern als eine Art Placebo – suggestionsmäßig und so. Das hätte schon öfters geholfen (Hilfe!). Chrissy findet die Idee gar nicht so übel – zumindest besser als Klapse. Alldieweil untersucht Kinderman die berühmte Treppe, die Burke hinuntergefallen ist und die genau vor der Haustür der MacNeils endet. Kinderman klingelt unbefangen, schnorrt ´ne Tasse Kaffee und fragt Chris ein wenig über die Mordnacht aus. Jetzt erfahren wir, wenn ich das richtig mitbekommen habe, zum ersten mal, daß Burke in seiner Todesnacht hier mal reingeschaut hat und zwar genau in dem Zeitrahmen, als Regan oben bereits friedlich schlummerte, Sharon in Richtung Piste schon unterwegs und Chrissy von wo auch immer noch nicht zurück war (und da läßt man das kranke Kind einfach alleine zu Hause. Aber, was ist eigentlich mit unserem Schwietzer Junge Menhunter – äh – Karl [kleiner seiteninterner Scherz]? - Der wohnt doch auch da). Und als Burke im Haus war muß noch jemand anderes im Haus gewesen sein (Karl?), der Burke dann aus Regans Fenster raus auf die Treppe geworfen habe, jemand mit ‚Bärenkräften‘ (okay, da fällt Karl wohl weg). Kinderman fragt, ob er Regan mal sprechen dürfe. Chrissy vertröstet ihn auf später. Zur Zeit sei sie etwas unpäßlich (kann mal wohl sagen – Aber warum, verschnaast noch mal, verhört Kinderman nicht endlich mal den Karl. DER WOHNT AUCH IN DIESEM HAUS!!! DER WOHNT AUCH DA! DER WOHNT AUCH DA!!!!! Mann, ist der Film ... aaaaah!!!). Kinderman trinkt sein Käffchen aus und verabschiedet sich. Aus Regans Zimmer ertönt ein gellender Schrei, Chrissy rennt hoch und darf zusehen, wie, während diverse Gegenstände durch den Raum fliegen und ihr kleines Töchterchen mittels eines Kruzifixes erste, übrigens recht blutige Masturbationserfahrungen sammelt (Masturbation und Menstruation in einem). Dann zieht Regan ihr entsetztes Mütterchen an sich heran, faucht im Dämonenmodus "Leck mich! Leck mich!“ und drückt ihren Kopf unter ihr Nachthemd zwischen ihre blutverschmierten Beine. Als Chrissy sich, im Gesicht nun auch recht blutverschmiert (ach, wie appetittlich) gegen Regan wehrt, bekommt sie von dieser erst einmal ein paar auf die Zwölf. Juchhe!

The day after. Chrissy, die nach den schlagenden Argumenten ihres Töchterchen übrigens ein gehöriges Veilchen ums Auge herum hat, trifft sich in einem Park mit Damien. Und jetzt werden endlich, endlich die zwei Handlungsstrenge unseres kleinen Dramas zusammengeführt. Beider Freund Dyer hat ein Treffen zwischen Damien und Chris vermittelt, denn sie möchte, daß er für Reagean einen Exorzismus ausführt. Damien ist von diesem Ansinnen gar nicht begeistert. Exorzismus hält er für überholt, ein Relikt des Mittelalters. Heute hätte die wissenschaftliche Psychologie diesen Mythos abgelöst (na, da kennt er Friedkin und Blatty noch nicht). Er ist aber gerne bereit, sich den kleinen Satansbraten einmal anzusehen. Also treffen sich Regan und Damien auf ein Plauderstündchen, in dem Regan wieder in den Dämonenmodus umschaltet und sich als der Gehörnte lui-même vorstellt. Regan sei schon längst bei ihm in der Unterwelt. Damien ist wenig überzeugt, da fährt sein Gesprächspartner (wer immer es auch sein mag) härteres Geschütz auf: Auch seine Mutter sein bei ihnen. Der Geistliche verliert die Fassung dennoch nicht und fragt Regan/ Teufel: "Wenn meine Mutter wirklich bei euch ist, dann kennst Du ihren Vornamen. Wie heißt sie?“ Statt einer Antwort bekommt er allerdings einen großen Schwung schönen, grünen Schleim ins Gesicht gespuckt (eine weitere – äh – legendäre Szene dieses Lichtspiels). Obwohl solch Schleimspucken sicher nicht alltäglich ist (und Regan im übrigen zwischenzeitlich schon so aussieht, als sei sie nicht vom Chef der Hölle besessen sondern höchstpersönlich aus dieser ausgespeit worden – inclusive gelb leuchtender Augen!) hält Damien daran fest, daß kein Fall von Besessenheit, sondern von Geisteskrankheit vorliegt. Für einen Exorzismus müßten hingegen noch ein paar mehr Kriterien erfüllt werden, beispielsweise das Sprechen in unbekannten Sprachen. Grüner Schleim spucken allein reicht da nicht. Damien ist aber gerne bereit, der Sache weiter nachzugehen und taucht wenig später in frisch gereinigten Ordinat und mit einem Tonbandgerät wieder bei Regan auf. Tatsächlich unterhalten sich beide nun ein wenig auf Latein und Französich (kann Regan in der Schule, die sie nicht besucht, gelernt haben). Damien zückt ein Fläschchen Weihwasser und besprengt Regan damit. Diese bekommt nun einen richtig gehenden Anfall und bricht in eine Art Glossalie aus. Aber auch das überzeugt Damien nun mal gar nicht. Denn – in dem Fläschchen war gar kein Weih- sondern ganz normales Leitungswasser. Was für ein Schelm, der Gute--- Chrissy hat sich aber darauf eingeschossen, daß ihre Tochter besessen sei und konfrontiert Damien mit ihrer Vermutung, daß Regan möglicherweise Burke Dennings um die Ecke gebracht habe. Hui!

Später am Abend hört Damien sich das Tonband noch einmal an und kommt auf die geniale Idee, das Ding mal rückwärts laufen zu lassen. Und siehe da – da erweist sich Regans Glossalie doch tatsächlich als verstehbare Sprache: “Laß sie sterben! Es ist heiß in diesem Körper!“ Aha--- Da klingelt das Telephon. Sharon ist an der Strippe. Damien solle schnell kommen, sie müsse ihm etwas zeigen, was Chrissy keinesfalls sehen soll. Also düst Damien sofort los zum Herz des Geschehens wo die verängstigte Sharon ihn bereits erwartet. Sie stapfen hoch in Regans Bude, und Sharon zeigt dem Geistlichen das Unaussprechliche. Auf Regans Bauch bilden sich Buchstaben ab: "Helph me!“ Nun ist Damien aber doch überzeugt und wird sofort beim Bischof vorstellig, um einen Exorzismus zu beantragen. Der Bischof hält mit dem Erzbischof Rücksprache, der mit dem Kardinal, der mit dem Papst, man wirf eine Münze und kommt zu dem Ergebnis, daß für den Exorzismus der beste Mann wo gibt angefordert werden soll. Und das ist – Pastor Merrin, der hat so was schon mal gemacht (eine Mitteilung, die Damien übrigens etwas erstaunt). Und Pastor Merrin ist – richtig, unser wackerer Archiologe vom Anfang. Zwar gibt dieser nordirakische Prolog auch so noch immer keinen Sinn, aber zumindest wissen wir jetzt, mit wem wir´s da zu tun hatten. Ist ja auch schon mal was wert (Mensch, Friedkin, ich weiß wo dein Auto steht – ich weiß wo dein Auto steht – ICH WEISS WO DEIN AUTO STEHT!!!).

Und so taucht Vater Merrin wieder auf der Szene auf. Er soll exorzieren, Damien ihm dabei assistieren. Merrin stellt sich artig bei Regan vor und bekommt eine Reihe von Beschimpfungen ans Ohr geworfen, unter anderem die Aufforderung, mit Anverwandten den Beischlaf auszuüben (erinnert mich eigentlich an einige verbale Auswüchse in unserem Forum – ob auch da mal --- äh --- ich meine, das könnte vielleicht einige Probleme lösen---) und noch einige Blasphemien, die ich hier lieber nicht wiedergeben möchte. Umgehend beginnen Merrin und Damien mit dem Exorzismus, worauf Regan zuerst wieder mit einer Portion grüner Kotze und der Mitteilung, daß Damiens Mutter Phalli in der Hölle lutscht reagiert. Überhaupt wirkt Regan ziemlich verärgert, so verärgert, daß sie samt dem Bett in die Luft schwebt und die munteren Exorzisten als "Abschaum“ und "Hurenböcke“ beschimpft – das alles natürlich im stimmlichen Dämonenmodus - klar. Es gibt wieder ´ne Ladung Grünes und jetzt fliegen sogar wieder die Einrichtungsgegenstände durch´s Zimmer (hatten wir allerdings auch schon). Merrin bekommt jetzt sichtlich Herzbeschwerden (wir erinnern uns an die Tabletten aus dem Prolog), reißt sich aber zusammen und exorziert munter weiter (das Overacting, was Max von Sydow hier in der Rolle des Merrin präsentiert ist wirklich köstlich). Regan ergeht sich in weiteren Beschimpfungen und unterstreicht diese noch mit der berühmten 360 Grad-Drehung ihres Kopfes. Jetzt bekommen auch die Wände Risse und der Kameramann wackelt arg mit seiner Kamera rum (toll!). Und Friedkin setzt noch einen drauf: Regans Fesseln lösen sich und sie schwebt einen Meter hoch über ihr Bett. Sydow und Partner reagieren nun gemeinsam mit gnadenlosen Overacting und skandieren immer wieder: "Die Macht Jesu besiegt dich! Die Macht Jesu besiegt dich! Die Macht Jesu besiegt dich!“ Höchstwahrscheinlich von Sydows Spiel so amüsiert, daß sie sich nicht mehr in der Luft halten kann sinkt Regan wieder zurück aufs Bettchen wo Damien sie versucht zu fesseln, sich aber einen tierischen Schlag auf die Freßleiste einhandelt. Dann wackelt der Kameramann noch mal lustig rum, Regan schreit lustig rum und im Hintergrund erscheint die Gestalt des geflügelten Dämons – ihr wißt schon, der Steinknabe da aus dem Vorspann. Der schaut aber nur kurz rein und ist sofort wieder weg (wahrscheinlich weil er weiß, wo Friedkins Auto steht). Da Regan wieder etwas ruhiger wird gehen Merrin und Damien erst mal vor die Tür eine Runde chillen. Und nun kommt die Schlüsselszene des gesamten Streifens. Aufgepaßt! Damien fragt Merrin, warum denn ausgerechnet dieses unschuldige Kind ein Opfer des Satans wird. Gute Frage, Alter! Das möchten wir Zuschauer bereits seit zwei Stunden wissen. Leider ist Merrins Antwort, zumindest für mich, alles andere als befriedigend: Satan habe sich dieses Kind ausgesucht, damit wir Menschen verzweifeln und nicht auf den Gedanken kommen, daß Gott uns lieben könne. Also, ich verzweifle an diesem Film ja auch, aber meinen Glauben an Gott hat das bislang noch nicht angefochten. Auf dem Klo zieht sich Merrin noch ein paar seiner Pillen und dann geht es auch munter weiter. Als Regan allerdings mit der Stimme von Damiens Mutter spricht: "Damien, warum quälst du mich?“ geht das diesem aber doch sehr an die Nieren, so daß er sich erst inmal nicht in der Lage sieht, der Exorzismus weiter fortzusetzen. Also geht er noch mal fünf Minuten vor die Türe, während Merrin alleine weiter macht. Damien steht wie Falschgeld nun auf dem Flur herum, als es mal wieder klingelt und Inspektor Kinderman mal wieder reinschauen möchte. Er fragt, ob alles in Ordnung sei und das möchte jetzt auch Damien mal wissen. Also schauen sie gemeinsam in Regans Zimmer rein, wo der in Ausübungs eines Dienstes an einer Herzattacke verstorbene Merrin tot auf dem Boden liegt und Regan amüsiert auf ihrem Bettchen sitzt und vor sich hinkichert. Kinderman ist sichtlich irritiert ob des Anblickes, Damien hat aber irgendwo auch keinen Bock mehr, weder auf den Exorzismus noch auf diesem Film. Und damit beides jetzt endlich mal ein Ende findet, faucht er den Dämon in Regan an, er solle sich gefälligst nicht an kleinen Kindern vergreifen, sonder sich mit einem ebenbürtigen Gegner anlegen, nämlich ihm – Damien! "Nimm mich!“ fordert er den Dämon auf. Der Dämon oder Satan persönlich oder wer auch immer sich da so rumtreibt überlegt sich, daß ein katholischer Priester tatsächlich eine schmuckere Trophähe sei als ein nervendes Mädchen, daß demnächst in die Pubertät kommt und dann sicher noch unerträglicher wird. Also fährt er kurz entschlossen in Damiens Körper und --- Hehe – ätschibätsch – ausgetrickst – angeschmiert! Denn Damien macht jetzt einen entschlossenen Sprung durchs Fenster und purzelt hinab auf jene Treppe und diese dann herunter an deren Fuße einst auch Dennings sein Ende fand. Von irgendwoher kommen jetzt nicht nur ganz viele Leute, sondern auch Pastor Dyer, der sich um Damien kümmert: "Möchtest du beichten, Bruder?“ fragt er. Mit letzter Kraft umfaßt Damiens Dyers Hand und verscheidet dann ohne noch etwas zu sagen – Die Harder.

Derweil sehen wir Chrissy ihre nun vom Bösen befreite, aber in Tränen aufgelöste Tochter umarmen, während Kinderman daneben steht, sich am Kopf kratzt und sich fragt, ob man Friedkin für den ganzen Blödsinn hier irgendwie juristisch rankriegen könne. Epilog: Many days after. Die MacNeills räumen die Bude, verabscheiden sich von Karl und Sharon und hoffen, woanders eine bessere Zukunft zu finden. Auch Vater Dyer schaut noch mal rein um sich zu vergewissern, ob die MacNeills auch wirklich abhauen. Hierbei erfahren wir auch, daß Regan sich an nichts mehr erinnern kann (hat die es gut – das wünscht sich der Zuschauer nach diesem Film nämlich auch). Die MacNeills düsen ab. Dyer schaut ihnen hinterher. Auch Kinderman taucht noch mal auf. Beide überlegen, was sie jetzt, da der Film nun aus ist, wohl machen könnten. "Ein neues, besseres Leben anfangen“, schlägt Dyer vor. Also gehen beide erst einmal gemeinsam zu Mittag essen. Und während sich da eine wunderbare, neue Freundschaft anbahnt ist dieser Schmu endlich vorbei. Mann, war das blöd.


Analyse

Roland M. Hahn und Volker Jansen mutmaßen in ihrem ‚Lexikon des Horrorfilms‘, der ‚Exorzist‘ sei einer jener Filme, die sich vornehmlich an ein Publikum wenden, das nicht zu den regelmäßigen Kinogängern gehört, also über nur wenig Seherfahrung verfügt. Dabei muß man bedenken, daß im Entstehungsjahr des ‚Exorzisten‘ 1973 noch längst nicht alle (westlichen) Haushalte flächendeckend mit Fernsehapparaten versorgt waren und video- oder gar DVD-generiertes Heimkino noch in weiter Ferne lag. Ein Kinobesuch war also noch ein Erlebnis, insbesondere, wenn einem Film ein derartiger Werbeaufwand wie dem ‚Exorzisten‘ vorangestellt wurde. Hinzu kamen, wie Wiliam K. Everson in ‚Klassiker des Horrorfilms‘ referiert, gezielt gestreute Gerüchte über Zuschauermassen, die, vor Schrecken gepeinigt, in panischer Angst aus dem Saal rannten, gar ohnmächtig wurden oder sich spontan übergaben (bei der Kinoauswertung des zweiten ‚Werner‘-Films soll es ja ähnliche Phänomene gegeben haben – allerdings aus anderen Gründen.) Wer also vor 32 Jahren eine Kinokarte löste um den ‚Exorzisten‘ zu sehen konnte sicher sein, nicht nur dem ‚grauenerregensden Horrorfilm aller Zeiten‘ (Eigenwerbung) beizuwohnen – er hatte ein richtiges Erlebnis vor sich, eine wahre Achterbahnfahrt. Auch wenn viele dieser Berichte aus Public Relation-Gründen sicher arg überzogen waren - irgendwas muß schon dran gewesen sein, denn nicht umsonst ist der ‚Exorzist‘ bislang der erfolgreichste Horrorfilm aller Zeiten. An der Werbekampagne allein kann es nicht liegen, denn zumindest ein langfristig erfolgreicher Film lebt ja nicht von Hochglanzanzeigen, sondern von Mundpropaganda. Diejenigen, die ihn gesehen haben empfehlen ihn im Freundes- und Bekanntenkreis aufs Wärmste weiter. Und irgendetwas an diesem Film scheint, damals wie heute, zumindest auf Zuschauer, die keine eingefleischten Horrorfilmfreaks sind, überzeugend und erschreckend zu wirken.

Im Vergleich zu den Schlachtplatten, die Fulci und Konsorten uns einige Jahre später ins Haus lieferten fällt erst einmal auf, daß der ‚Exorzist‘ im Zeigen von ‚Scheußlichkeiten‘ (sprich Gore oder Splädda) äußerst zurückhaltend ist. Die Filme der ‚Hammer‘-Produktion, die zur gleichen Zeit entstanden waren da schon um einiges weniger zimperlich – ganz zu schweigen von dem, was zu bereits aus Italien kam. Die wenigen Effekte, die es im ‚Exorzisten‘ zu bestaunen gibt brillieren denn auch weniger durch ihren ‚Ekel-Faktor‘, sondern durch einen nicht zu leugnenden Einfallsreichtum: Die berühmte 360-Grad-Drehung von Regans Kopf, ihre Gespucke von grünen Schleim, die Schwebeszenen, ihre Satansfratze – alles sehr originell und später gern kopiert, aber nicht gerade ‚hart‘. Der einzig wirklich furchterregende Effekt, der legendäre Spiderwalk Regans, wurde erst im Directors Cut wieder eingefügt, spielt also für die Rezeption des Films so gut wie keine Rolle. Auch ansonsten werden die typischen Topoi des Horrorfilms nur sehr sparsam benutzt. Ab und zu ein paar wehende Vorhänge, ein Rascheln auf dem Speichern, flackerndes Licht, Anrufe ohne das jemand an der Strippe ist – und das war es dann auch schon. Nur eins, zwei mal tritt jemand unvermutet ins Bild, kommt plötzlich aus dem Dunkeln und was es sonst noch an Spielerreien gibt, mit denen Regisseure gerne ihr Publikum erschrecken. Auch da hatte man 1973 schon ‚Härteres‘ gesehen (und wird es erst recht drei Jahre später im wesentlich weniger zurückhaltenderen ‚Omen‘ sehen).

Das der Film dennoch wenigstens zeitweise eine gewisse beunruhigende Grundstimmung hat liegt an der psychologisch nicht ungeschickten blitzartigen Einblendung des Teufelsgesichtes an zentralen Stellen des Films. Hier wird das Unbewußte des Zuschauers frontal angegriffen, ganz wie in der im Allgemeinen von Gegnern wie Befürwortern des Films hochgelobten (auf die Dauer aber leider auch nervende) Arbeit mit der Tonspur, für die es sicher mal zu recht einen Oscar gegeben hat. Um noch mal Hahn und Jansen zu zitieren: "Wenn Regan grünen Brei herauswürgt, sind die begleitenden Kotzgeräusche wirklich superb.“ Und weiter: "die zentrale Auseinandersetzung ... wird von einem dunklen Baßgedröhne begleitet, das pikanterweise auf eine jahrhundertealte Tradition der katholischen Kirche zurückgeht – die sogenannte ‚Demutspfeife‘ der Orgel, deren Ton direkt auf das Zwerchfell einwirkt und ein Gefühl nervöser Unruhe hervorruft.“ Aber reicht allein das aus, um den furchterregensden und erfolgreichsten Horrorfilm aller Zeiten, Völker und Nationen zu kreieren? Sicher nicht. But at first, let´s have a look on the Drehbuch. Das stammt von William Blatty, der hier seinen eigenen höchst erfolgreichen, in 13 Millionen Exemplaren über die Ladentheke gegangen Roman verwurstelt. Ich kenne das Buch nicht und es sollte für die Bewertung des Films auch keine Rolle spielen. Seine Lektüre hätte mir aber möglicherweise geholfen zu verstehen, worum es in dem Film eigentlich geht. Denn wenn der Roman auch das größte Stück Literatur der gesamten Menschheitsgeschichte wäre und Blatty ein Romancier, den Nachgeborenen einst in einem Atemzug mit Dickens, Dostojewski und Thomas Mann nennen werden – seine von ihm vorgenommene Umsetzung in ein Drehbuch ist einfach nur grottig. Warum es dafür ein Oscar gab erschließt sich zumindest mir im Mindesten nicht. Mal abgesehen davon, daß ein wenig Humor dem über 120 Minuten langen Opus ganz gut getan hätte, als ich den Film das erste mal sah – ich erwähnte es bereits – hatte ich hinterher Schwierigkeiten überhaupt wiederzugeben, worum es eigentlich gegangen war. Auch ein zweites Sehen lichteten die Nebel nur wenig und selbst beim Verfassen der Inhaltsangabe des Reviews war ich mir nicht immer hundertprozentig sicher, worüber ich da jetzt gerade schreibe. Da ist zum ersten dieser seltsame Prolog (‚Nördliches Irak‘), der sich irgendwie nicht stimmig in das Gesamtbild einfügen möchte. Okay, wir bekommen Pater Merrin zu sehen, den titelgebenden Exorzisten. Der verschwindet dann aber erst mal wieder für 90 Minuten aus dem Film. Wir bekommen auch die geflügelte Dämonenstatue zu sehen, die sich nachher körperlich in Regans Zimmer manifestiert (etwa 110 Minuten später), aber warum sie das tut wird nicht weiter erklärt. Hätte man sich den Prolog gespart hätte ihn auch niemand vermißt. Überhaupt wird an keiner Stelle geklärt, warum der Satan (oder irgendeiner seiner dämonischen Gefolgsleute) eigentlich so stark an Regan interessiert ist. Diese Kardinalfrage wird zwar einmal, fünf Minuten vor Schluß (übrigens in einer erst im Directors Cut wieder eingefügten Szene), von Damien gestellt - die wenig erhellende Antwort Merrins habe ich bereits in der Inhaltsangabe wiedergegeben. Man weiß es schlichtweg nicht, warum es ausgerechnet die 12-jährige Tochter einer U.S.-Schauspielerin Besitz trifft. Zufallsprinzip? Mir fielen da nämlich spontan eine Reihe von Leuten ein, die strategisch und für Werbezwecken in Sachen ‚Sympathy for the Devil‘ viel günstiger wären, z.B. Mr. President oder Paul Mc Cartney. Wie Blatty die Sache angeht ist sie völlig beliebig und unbefriedigend. Auch die Progession des Besessenwerdens Regans ist völlig mißraten. Der Fehler liegt hier in der Struktur des Drehbuches, daß in den ersten 90 Minuten versucht zwei erst einmal voneinander unabhängige Geschichten parallel zu erzählen, wobei beiden Handlungssträngen etwa gleich viel Zeit zukommt: Hier die Geschichte von Regans Besessenheit, dort die Geschichte von Damiens Glaubenskrise. Erst für den Exorzismus werden beide Stränge zusammengeführt. Keine schlechte Idee - wenn man es denn 1.) kann, 2.) wenn es gelingt beide Stränge schlüssig aufeinander zu beziehen und 3.) wenn man überhaupt so viel Talent hat, zwei Hauptpersonen gleichberechtigt nebeneinander zu etablieren. Hat Blatty aber nicht. Interessanterweise (wenn sicher auch kaum beabsichtigt) ist der Damien-Handlungsstrang (eigentlich ja eher der B-Strang) sehr viel besser und konsistenter geraten als der Regan-Strang, denn Damien ist eigentlich die einzige Person in dem ganzen Spektakel, der es gelingt beim Zuschauer so etwas wie Interesse zu erwecken. Seine Glaubenskrise, verstärkt durch den Tod der Mutter, ist insbesondere durch die großartige schauspielerische Leistung Jason Millers überzeugend und stimmig. Hätte man den Rest weggelassen und den Film "Der Priester“ genannt hätte daraus sicher ein höchst interessantes Charakterdrama werden können. Vielleicht hätte der Film, statt mit einem Exorzismus damit geändert, daß Damien zu Mutter Teresa nach Kalkutta pilgert und in der Ausübung einer sinnvollen, humanitären Tätigkeit wieder zu sich selber findet und seinen Glauben neu definieren kann. Hätte ich zumindest nicht schlecht gefunden. Schade... Der Regan-Strang nun aber versinkt in absolute Konfusion. Hat sie gerade noch harmlos geschwindelt und eine etwas windige Geschichte von einem imaginären Captain Howdie erzählt (was bei einsamen Kindern in diesem Alter – Trennungsopfern! – nun nicht gerade auf eine gefährliche Geisteskrankheit sondern eher auf ein Defizit an Zuwendung hindeutet), so wird sie drei Minuten später als angeblich hochgradig gestört einem Ärzteteam vorgestellt, wobei sie bei der Untersuchung wirr durch das Behandlungszimmer tanzt und die Ärzte beschimpft. Dieser Übergang ist völlig abrupt und unmotiviert. Betroffenheit oder Interesse beim Zuschauer stellen sich kaum ein. Auch im Weiteren zerfasert der Regan-Strang völlig. Wir sehen endlose Untersuchung, grenzdebile Mutmaßung der Ärzte und fragen uns warum sich alle eigentlich über alles mögliche wundern aber niemand sich mal die Frage stellt, wieso Klein-Regan von einem Tag auf den anderen so aussieht als hätte sie eine Ganzkörperverbrennung vierten Grades nur knapp überlebt. Irgendwie wirkt das alles sinnlos und konfus hingeschrieben und umgestezt. Hinzu kommt die miserable schauspielerische Leistung der andersweitig ebenfalls oscarprämierten Elen Burstyn als Regans Mutter. Zumindest in diesem Film verfügt sie gerade einmal über einen Gesichtsausdruck und erweckt permanent den Eindruck, als hätte sie mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun (wäre auch besser so).

Wenn wir gerade bei den schauspielerischen Leistungen sind: Auch Linda Blair als Regan empfielt sich ganz sicher nicht für höhere Weihen und was der Bergmann-geschulte Max von Sydow als Pater Merrin abliefert kann man nur noch als ironischen Kommentar des Schauspielers zu dem Ganzen äußern. Sein Overacting speziell in der Exorzismusszene muß man wirklich gesehen haben – eine erstklassige komödiantische Leistung. Lee J. Cobb als Kinderman macht ebenfalls den Eindruck, als würde er den Film nicht ganz ernstzunehmen und was die diversen Nebenfiguren anbelangt – tja, auch da wird man schauspielerische Kabinettstückchen vergeblich suchen. Der einzige, der wirklich überzeugt ist, wie schon erwähnt, Jason Miller als Damien Karras und um so mehr schmerzt es denn auch, wenn man sieht, wie wenig es Blatty und Friedkin gelingen möchte, den interessanten und auch gut aufgebauten Handlungsstrang in den Rest des Films zu integrieren und zu einem glaubhaften Ende zu führen. Denn ob Pater Karras nun eine Glaubenskrise oder Harnbeschwerden hat ist für den Regan-Strang, zumindest so, wie Blatty und Friedkin es darstellen, völlig belanglos. Zwar liegt der Clou des Ganzen darin, daß Damien sich am Ende in einem Akt des wiedergewonnenen Glaubens für Regan opfert, allerdings ist der Weg zu dem wiedergewonnen seinem Glauben viel zu kurz und mechanisch dargestellt. Eben noch der von Gott enttäuschte Apostat sieht er die ‚Helph me‘-Schrift auf Regans Bauch und schon wird aus dem Saulus ein Paulus. Einerseits ist dies zwar schlüssig, denn wem gäbe so ein Erlebnis nicht zu denken und reichlich Anregung, seine theologischen Positionen noch einmal zu überdenken. Anderseits würde ich an dieser Stelle gerne mehr über Damien erfahren. Ich möchte etwas übers eine Betroffenheit wissen, wie er sich zu dem Ganzen positioniert, wie er gedenkt, das ERLEBTE in sein ERLEBEN zu integrieren, wie es sein Denken über Gott, den Teufel, die Welt und seine Mitmenschen beeinflußt und verändert. Ich möchte, daß das begonnene Charakterdrama fortgesetzt wird – ist aber Fehlanzeige. An der eigentlich bedeutsamsten Stelle des Films, in der Damien seinen Glauben wiedergewinnt erweitert sich sein Charakter nicht etwa um eine neue Facette, ganz im Gegenteil: Er verkommt zur papierenden Knallcharge wie alle Personen in diesem Film und überagiert 10 Minuten später mit Sydow fröhlich vor sich hin. Hier wird das einzig interessante Element des Films eine halbe Stunde vor Toresschluß auch noch fahren gelassen. Noch mals Schade. Noch ein paar Worte zu die für die Handlung nicht ganz unwichtigen Personen Dennings und Kinderman. Anfangs wird ja der Eindruck erweckt, Chrissy könne etwas mit Dennings am Laufen haben. Dieses Element wird aber im Weiteren nicht mehr aufgegriffen. Dies ist schon deshalb bedauerlich, weil hier wenigstens eine Spur für eine Erklärung darin liegen könnte, warum der Knabe sich nächtens im Haus der MacNeils rumtreibt und Regan ihn aus dem Fenster wirft – vielleicht ja aus Eifersucht. Ist zwar auch recht holprig, denn sie ist ja eh besessen und der Teufel wird wahrscheinlich kaum ein Problem damit haben, wenn Mrs. MacNeill einen neuen Mr. Lover-Lover anschleppt, wäre aber zumindest etwas. So aber müssen wir einfach nur konstatieren, daß jemand da in dem Haus auftaucht und aus dem Fenster geworfen wird. Warum er da auftaucht und aus dem Fenster fliegt? Gute Frage – nächste Frage. Im Zusammenhang mit Dennings habe ich übrigens schon in der Inhaltsangabe darauf verwiesen, daß es kaum von gesteigerter Fürsorge kündet, einem völlig Betrunkenen die Heimreise mit dem eigenen Wagen nahe zu legen. Vielleicht sollten sich diese Leute mal wieder ein paar Folgen des "Siebten Sinns“ anschauen. Kinderman, der dann auf den Plan tritt um Dennings Ableben zu untersuchen sorgt in der Handlung für mehr Verwirrung statt Klarheit. Man hat den Eindruck, als habe Blatty versucht, mit Dennings Himmelsfahrt (oder besser gesagt Fensterfahrt) einen spannungssteigernden Plot-Point zu etablieren, nur nicht ganz so genau gewußt, wie man das eigentlich anstellt. Durch Kindermans Auftauchen wird die Verwirrung dann perfekt. Wichtige Informationen über die Umstände von Dennings Tod werden dem Zuschauer erst spät und dann zu beiläufig mitgeteilt um wirklich Spannung erzeugen zu können. Und dann Kinderman messerscharfe Schlußfolgerung, daß in Anbetracht der Position der Leiche und einer Marienschändung es sich bei Dennings Tod nicht um einen Unfall sondern nur um einen Ritualmord handeln könne, ausgeübt von einem ehemaligen Priester – also, das ist so weit hergeholt, daß es schon beinahe von Olaf Ittenbach stammen könnte. Dessen Verhältnis zu Logik und Wahrscheinlichkeit ist nämlich auch alles andere als problemlos. Ganz nebenbei fragen wir uns, warum Kinderman nie auf die Idee kommt, zu all den unheimlichen Begebenheit mal unseren Reichsdeutschen – äh – Schweizer Karl zu befragen. Der wohnt nämlich auch in der Bude und müßte alles ja exclusiv mitbekommen haben (es sei denn, auch er hatte Ausgang – aber wie ist Dennings dann überhaupt erst ins Haus gekommen? Hatte er einen eigenen Schlüßel, oder hat Regan ihm geöffnet? Je ne sais pas... wie Jean Rollin sagen würde.)

Wobei wir aber auch wieder bei unserer Ausgangsfrage wären: Warum, um alles in der Welt, ist der ‚Exorzist‘ eigentlich so erfolgreich? Nun, der Exorzist erzählt nicht nur eine (reichlich wirre) Geschichte – er erzählt auch eine Geschichte hinter der Geschichte (klingt gut, wa?). Und die hat es nun wahrlich in sich. Wir erinnern uns: 1973, als der Film raus kam, lagen die Ereignisse von 1968 gerade einmal fünf Jahre zurück. Im Film wird sogar, ganz am Anfang, direkt Bezug darauf genommen, wenn die Studentenrevolte in den gezeigten Dreharbeiten nachgespielt wird – eine Szene, in der eine recht bürgerliche Haltung eingenommen wird: Irgendwie habt ihr ja recht, aber so geht es ja auch nicht. Was geschah 1968? "Bislang so nette Kinder“, um Norbert Stresaus sicher über nicht alle Zweifel erhabene Schrift "Der Horror-Film“ zu zitieren, erhoben sich gegen ihre Eltern, proklamierten neue Werte und stellten das Bestehende in Frage. Aber nicht nur das: Sie kleideten sich anders, hörten seltsame Musik, organisierten Demonstartionen und experimentierten mit Drogen und neuen Lebensformen, die dem bürgerlichen Establishment nun ausgesprochen suspekt waren. Der endlos lange und blutige Vietnam-Krieg tat ein übriges dazu, junge Menschen in den westlichen Nationen dazu zu bringen, überkommene Gewißheiten radikal zu fragen. Irgendwie verstanden sie nicht ganz, warum ihre angebliche Freiheit nur verteidigt werden konnte, in dem man unschuldige Zivilisten in einem rückständigen asiatischen Land mit Napalm bombadierte. Der wackre Bürgersmann, der häufig auch Familienvater (und natürlich auch Familienmutter) war beobachtete dieses anarchistische Treiben mit Skepsis, Abscheu und spätestens beim Stichwort ‚Freie Liebe‘ – was immer man von ihr halten mag – ging ihm der Hut hoch. Freud wird wissen, warum. Der Zuschauer, der 1973 brav seinen Obolus entrichtete um den ‚Exorzisten‘ zu sehen, kannte in vielen Fällen diese Umwertung aller Werte aus eigenem Erleben. Vielleicht waren auch seine Tochter oder sein Sohnemann, auf die er einst große Hoffnungen gesetzt hatte, zu einem dieser barfüßigen Hippies geworden, die auch noch Hasch rauchten und andere böse Dinge taten, denen zumindest aber eine Lebensplanung im bürgerlichen Verständnis völlig egal schien. Und vielleicht konnte auch er sich dies nicht anders erklären, als daß eine böse Macht über seine Kinder gekommen sei, denn der Gedanke, daß die eigenen Werte, die ihn ein Leben getragen hatten nun reif und würdig waren hinterfragt zu werden – dieser Gedanke war zu schrecklich, stellte er doch die eigene Existenz und Lebensgrundlage in Frage. Für so einen Zuschauer konnte (und kann) der ‚Exorzist‘ tatsächlich entlastend wirken, denn er verweist die Ursache für die Rebellion vom Diesseits ins Jenseits. Nicht eigene moralische Defizite, die von den Kindern erkannt und angeprangert werden, sind für die Rebellion verantwortlich. Vielmehr ist es eine unbestimmbare, finstere Macht, die sich dem eigenen Verantwortungsbereich entzieht. Man hat also gar nichts falsch gemacht, sondern einfach nur Pech gehabt. Der ‚Exorzist‘ ermöglicht einer irritierten, kleinbürgerlichen Klasse die Ursachen für ihre Irritation an eine außerweltlichen Instanz abzugeben. Sie muß sich selber nicht in Frage stellen, denn daß die Hütte brennt liegt nicht mehr in ihrem Einflußbereich. Der Film bestätigt, was Springer schon immer wußte: Die 68er sind des Teufels. So einfach ist das. War Regan zu Anfang des Films nicht auch "so ein nettes Kind“? Kaum 60 Minuten später hingegen masturbiert sie mit einem Kruzifix als Vibratorersatz und stößt dabei Blasphemien aus. Ganz nebenbei wird so einerseits auch der Voyeurismus des Kleinbürgers, anderseits aber auch sein Wunsch nach moralischer Empörung bedient. Mag er sich, gerade zur Entstehungszeit des Films, doch so manches mal zwar heimlich aber umso lustvoller ausgemalt haben, was diese Hippies (mithin die eigenen Kinder) da zur nachtschlafenden Stunde in ihren Kommunen so alles getrieben haben mögen und war dabei vielleicht über seine eigenen Obsessionen, nämlich daß er möglicherweise selber gerne mal alle Hemmungen fallen lassen würde, ausgesprochen erschrocken. Der Film erinnerte ihn dann wieder an das, was wirklich betrieben wurde und bestätigte zugleich seine schlimmsten Befürchtungen: Was man da machte war nichts anderes als das Feiern einer dionysischen Orgie, einhergehend mit der Entweihung heiligster Symbole. Wer ‚Freie Liebe‘ sagte meinte Masturbation mit Kruzifixen und das Benutzen einer blasphemischen und sexualisiert-perversen Sprache. Und da wollte man nun wirklich nicht dabei sein. Was für ein Glück, daß man auf der richtigen Seite steht. In diesem Sinne transportiert der ‚Exorzist‘ eine zutiefst reaktionäre Botschaft, die ein ebenso reaktionäres Publikum ideologisch für seine zum Lebensinhalt erhobene Verdrängung ihrer eigenen Wünsche nach einem besseren, freieren und schöneren Leben belohnt und in dieser Verdrängung sogar noch bestärkt. In diesem sinne funktioniert der Film denn auch noch heute und dies dürfte erklären, warum er einerseits als so furchteinflößend gilt, anderseits aber auch in ‚Klassiker‘-Würden erhoben wurde: er entlastet das Kleinbürgerherz und vernebelt es zugleich mit reaktionärer Ideologie. Das System dankt.

Nun wäre das nicht gerade einmal das, was mich am ‚Exorzisten‘ sooooo stören würde. Ich erwarte von einem Film nicht zwangsläufig, daß die Macher politisch mit mir übereinstimmen. Was beim ‚Exorzisten‘ jedoch äußerst bedenklich ins Auge fällt ist, daß die reaktionäre Stellungnahme nicht etwa die Haltung seiner Macher spiegelt. Vielmehr erweckt er den Eindruck, als würde nur gemeine Sache mit dem politischen Mainstream gemacht um möglichst viele Leute dazu zu bringen, eine Kinokarte zu lösen. Zwar habe ich während der Vorbereitung für dieses Review mehrfach Stimmen gehört, daß insbesondere Blatty ein überzeugter Katholik sei, der mit Buch und Film Werbung für seinen Glauben machen wollte und das sogar katholische Geistliche sich positiv über die angeblich missionarische Wirkung des Films geäußert hätten. Selbst wenn dies so ist, dann macht es die Sache nicht besser. Denn das, was wirklich am ‚Exorzisten‘ beunruhigt sind nicht etwa die ‚suberben Kotzgeräusche‘ der Tonspur oder der Einsatz der Demutspfeife, es ist die Art und Weise in der religiöse Symbole, die für gläubige Menschen Bedeutsamkeit besitzen, zu Gunsten des hemmungslosen Tabubruchs entweiht werden. Wobei dieser Tabubruch wiederum nur dazu dienen soll, ein reaktionäres Publikum in seinen Vorurteilen gegen Ideen für eine humanere, lebenswertere Welt zu bedienen und sie darüber hinaus ins Kino zu locken. Ich habe ganz massive Schwierigkeiten, wenn ich mir vorstellen soll, daß ein Christ sich ausdenkt, wie ein Mädchen mit einem Kruzifix masturbiert um damit Werbung für seien Glauben zu machen. Von den vielen verbalen Blasphemien, die Regan in diesem Film ausstößt und die ich ganz bewußt in meiner Inhaltsangabe NICHT wiedergegeben habe, ganz zu schweigen. Sollte der ‚Exorzist‘ wirklich eine christliche Botschaft haben, dann verwechselt er – und das ist wirklich bedauerlich – Christentum mit Reaktion. Christentum ist aber nicht die Wahrung bürgerlicher Werte, dafür ist Jesus nun wahrlich nicht am Kreuz gestorben. Christentum hinterfragt bürgerliche Werte und ist bemüht neue, wirklich christozentrische Werte zu definieren. Diese haben allerdings nur noch wenig damit zu tun, was sich der bürgerliche (und wirtschaftsliberale) Mainstream vielleicht darunter vorstellt. Von diesen Werten aber, der Überwindung des Kapitalismus, der Gleichberechtigung der Geschlechter und Ethnien und der Botschaft von einem Gott, der im letzten Gericht kein Ansehen der Person kennt weiß der ‚Exorzist‘ nichts zu erzählen. Blatty und Friedkin entwerfen nicht die Vision einer besseren Welt, sie sagen uns lediglich, daß man mit Kruzifixen nicht masturbieren sollte. Das wußte ich allerdings schon vorher. Wenn der ‚Exorzist‘ nicht mehr zu bieten weiß als das angebliche Horrorgemälde einer Gesellschaft zu entwerfen, in der bürgerliche Werte nichts mehr gelten und dabei auch vor dem widerlichsten Tabubruch nicht zurückschreckt, dann kann ich gut und gerne auf diesen Film verzichten. Denn eine Apologie bürgerlicher Werte – und seien sie noch so katholisch-christlich verbrämt – brauchen wir nun wirklich nicht. Dafür ist schon die Anfrage Jesus durch seinen Kreuzestod und seine Wiederaufserstehung an jeden Einzelnen von uns viel zu radikal. In Anbetracht dieser Tatsachen weder Bomben noch Biere. Dieser Film macht keinen Spaß und wenn man ihn nicht gesehen hat, hat man auch überhaupt nichts verpaßt.


© 2008 Ralph Fischer


Bewertung

BOMB-SKALA
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BIER-SKALA
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