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Bruce Lee - Die Todesklaue des Tigers

BRUCE LEE - DIE TODESKLAUE DES TIGERS
Die Todesklaue des Tigers
Deutscher Titel: Die Todesklaue des Tigers

Hongkong 197? - 72 min - FSK: 16

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Inhaltsverzeichnis

Credits

Besetzung:

Bruce Lee  (Dragon Lee)
Chen Lee  (Bruce Li)
N.A.  Bolo Yeung
N.A.  Bruce Lei
N.A.  Tiger Yang
N.A.  Hugh McCrory
N.A.  Alexander
N.A.  Kong Tao
Sue  (Shirley Kam)
N.A.  Lee Hoi Sang

Crew:

Regie  Joseph Kong, Godfrey Ho
Drehbuch  Szeto On
Kamera  Yau Ki
Schnitt  Leung Wing Chang
Musik  Chow Fuk Leung
Production Design  N.A.
Spezialeffekte  Michael Fung
Produzent  Tomas Tang, Joseph Lai
ausführender Produzent  N.A.
Produktion  N.A.

Vorwort

Glaubt mir irgendjemand, wenn ich behaupte, nicht gewusst zu haben, dass unser heutiger Film ein weiteres Werk aus der Filmschmiede des umtriebigen HK-Producer Joseph Lai ist? Vermutlich nicht, aber es entspricht der Wahrheit. Die DVD-Hüllte verschweigt dieses Faktum nämlich schamhaft (obwohl badmovies.de-Reviews von Lai-Filmen doch inzwischen ernsthaft als verkaufsfördernde Maßnahme angesehen werden sollten), sondern erwähnt nur den Namen Godfrey Ho. Der ist, zugegeben, ein alter Spezi von Lai, arbeitete aber nicht exklusiv für dessen filmschaffende Vereinigung, sondern war überall zu finden, wo ein schneller Hongkong-Dollar zu verdienen war.

Spätestens der Vorspann aber bringt es an den Tag - und bei der Einblendung der Produzenten trifft den geneigten Cineasten sicher der Schlag, denn da steht nicht nur der Name Joseph Lai, sondern auch der des anderen großen Phantoms des Hongkong-Ramschkinos, Tomas Tang (singulär verantwortlich für einen meiner alltime-Lieblingsfilme, das viel und gern zitierte Frauenlager der Ninja, Ninja in Action und zahlreiche andere ansatzweise als “Film” einzustufende Zelluloidschändungen), wobei es sich hierbei um eine seiner frühesten Inkarnationen handeln muss (es besteht die Möglichkeit, dass es sich zu dieser Phase, we’re talking early seventies here, durchaus um Godfrey Ho handeln kann, was der sicher wieder bestreiten wird; näheres zum Phänomen Tomas Tang und der bewegten Geschichte dieses Multifunktions-Pseudonyms findet sich auf der hübschen Site Ultimate Ninja, die ich jedem Fan des Lai-/Tang’schen Patchwork-Kinos nur dringend ans Herz legen kann).

Okay, befassen wir uns mit dem Film an sich - er gehört einem Genre an, das so manchem Filmfan schon die Zornesröte aufs Gesicht getrieben hat und das zum stets gern wiederholen Repertoire unterklassiger Privatsender wie RTL II gehört - Bruceploitation. Nach dem das mysteriöse Ableben des Kampfsportidols Bruce Lee Hongkongs Filmemacher wohl wie ein mittlerer Schock getroffen hatte (erstmals begann sich die westliche Welt so richtig für das fernöstliche Martial-Arts-Filmschaffen so richtig zu interessieren und dann warf das Idol des Genres so einfach und ungefragt den Löffel), kombinierten sie durchaus zutreffend, dass der typische Europäer oder Amerikaner einen Chinesen nicht vom anderen unterscheiden könne und überboten sich gegenseitig mit der Entdeckung von Bruce-Lee-Imitatoren, die sie mit verkaufsträchtigen Pseudonymen wie Bruce Le, Bruce Li, Bruce Lai oder Bruce Lei ausstatteten und auf die Bahnhofskinos dieser Welt losließen. Internationale Verleiher, skrupellos wie immer, hatten damit auch kein Problem und titelten die Streifen, falls das nicht schon die Produzenten in Hongkong besorgt hatten, zu “neuen” Bruce-Lee-Filmen um und das Publikum strömte, obwohl die Filme handwerklich und ihre Stars kampftechnisch den Originalen nicht das Wasser reichen konnten. Diese Vogue der Imitatoren-Filme zog sich von ungefähr 1975 bis 1982 hin - dann nämlich erklomm mit Jackie Chan endlich ein neuer legitimer Nachfolger von Bruce Lee (was die Popularität angeht und den Einfluss, den er in der HK-Filmszene auslöste; schauspielerisch und kampftechnisch haben die beiden keine wirklichen Gemeinsamkeiten) den Kampfkunstthron und feierte seinen internationalen Durchbruch.

Damit hätten wir die grobe Historie auch abgearbeitet. Für Die Todesklaue des Tigers, keine Ahnung, wie der im Original heißt, obwohl ich sicher gut eine Stunde in der IMDB recherchiert habe, konnte ich keinerlei Informationen zu diesem Film auftreiben, stellten sich Lai und Tang wohl die Aufgabe, so viele Aushilfs-Bruce-Lees wie möglich einzubauen (ich schätze, nur The Clones of Bruce Lee, ein früher Bruceploiter, dürfte mehr bieten), was die Sache für einen Reviewer, der in der Welt der Les und Lis nun nicht absolut daheim ist, nicht einfacher macht - denn ich kann einen Bruce Le nun mal wirklich kaum von einem Bruce Li unterscheiden, und verdammt will ich sein, wenn ich ernsthaft weiß, wer von den Gesellen nun wen spielt (einzig bei “Dragon Lee” bin ich mir relativ sicher). Egal, soll dem Spaß keinen Abbruch tun - Vorhang auf, Film ab.

Inhalt

Wir beginnen unser Spiel in einer dunklen Gasse des Nächtens, wo ein schwarzer Typ, der als Samuel Wells kreditiert wird (aber mich soll der Blitz beim Verrichten der Notdurft erschlagen, wenn das nicht ein ziemlich junger Steve James ist), mit einem anderen fiesen Typen einen finsteren Deal durchzieht - gegen Identifikation mittels zerrissenem Geldschein (Ihr kennt das Spiel, jeder hat eine Hälfte und wenn die beiden Hälften wirklich zusammenpassen, ist die Sache geklärt) erhält Sammy (so heißt “Samuel Wells” im Film) einen Koffer mit billigen Klunkern aus dem Kaugummiautomaten, eh, Diamanten. Er hat jedoch nicht viel davon, weil unbekannte Attentäter seinen Geschäftspartner entleiben und ihm selbst eins auf die Mütze hauen. Als Sammy wieder zu sich kommt, ist sein Geschäftspartner immer noch tot, der Diamantenkoffer leer und von den Entwendern der Kostbarkeiten nichts zu sehen.

Ist das nun Steve James oder ist das Steve James? Experten an die Front!

Cut zum Vorspann, der aus einem handgemachten deutschen Vorspann auf neutralem schwarzen Grund (und der sichtlich nach eigenem Gusto ein paar Namen in den Raum wirft, die nicht mal was mit Bruce Li oder Bruce Lei zu tun haben, dafür wird ein “Barry Lam” als Hauptdarsteller erwähnt; ach ja, und “Samuel Wells” genießt Top-Billing) und dem munter über den Bildschirm wobbelnden Original-Vorspann zusammengesetzt ist (ich weiß, Titel-Tafeln zu erstellen war noch nie die Spezialdisziplin von HK-Filmemachern, die ja bekanntlich auch weiße Schrift auf weißem Grund für lesbar genug erachten, aber diese Einblendungen zittern und schlingern so ziellos über die “Leinwand”, dass man schon verdammt gut aufpassen muss, um die Namen zu lesen, so sie einen denn gesteigert interessieren).

Nach der kurzen Einstellung eines Flugzeugs im Landeanflug auf den HK-Airport (eine solche Szene ist vermutlich in Hongkong gesetzlich vorgeschrieben, auch wenn sie, wie hier, wohl aus achttausenddreihundertzwölfzig mal abgenudelter Stock Footage besteht), sehen wir unseren comic-relief-Charakter (ich wüsste nicht, dass er sich eines Namens bedient, aber da er lustigerweise schielt, und wir wissen alle, Schielen ist per se lustig, nennen wir ihn einfach Schielauge), der jemanden vom Flugplatz abholen soll. Da er aber, wie erwähnt, schielt, packt er sich den erstbesten harmlos aus der Ankunftshalle spazierenden professionellen Bruce-Lee-Imitator, begrüßt ihn als den “kleinen Drachen” (womit dann endgültig geklärt wäre, dass wir den rotbeshirteten und coole 70er-Sonnengläser tragenden Kerl für Bruce Lee, oder zumindest einen Bruce Lee halten sollen) und schleppt ihn ab, während ein anderer professioneller Bruce-Lee-Imitator sich verdutzt fragt, wo wohl derjenige steckt, der ihn abholen soll (comedy is going to ensue, I’m sure), die Schultern zuckt und irgendwohin marschiert.

Schielauge stellt seinen kleinen Drachen seinem Kumpel Ling vor, der ihn mit der Abholung des Typen beauftragt hat. “Das ist Bruce,” stell Schielauge den Rotbehemdeten vor. Ling weiß offensichtlich selbst nicht so recht, wen er eigentlich erwartet hat (oder die Chinesen können sich am Ende selbst nicht auseinanderhalten...) und fragt, ob er denn gutes Kung-fu drauf habe. “Ich hab ganz schön was auf dem Kasten,” grinst Bruce und Schielauge sekundiert: “Er ist Kung-fu-Experte!” (Woher will Schielauge das wissen?)

Hm, wer würde diesen fröhlichen Strahlemann ernstlich mit Bruce Lee verwechseln??

Bruce Nr. 2 (man sollte die wirklich einfach durchnummerieren - okay, Rotshirt-Bruce ist von nun an offiziell Bruce Nr. 1) ist indes in die Hafengegend gewandert, wo er for no particular reason von ein paar Hafenarbeitern umringt und mit der Gretchenfrage konfrontiert wird: “Nennt man dich den kleinen Drachen?” “Manchmal schon”, brummt Bruce Nr. 2 (mit dem klassischen Bruce-Lee-über-die-Schulter-kuck-Blick) und schon ist der Kampf im Gange. Bruce Nr. 2 müht sich redlich, klassische Bruce-Lee-Verhaltensweisen wie Mimik und gewisse Gesten zu imitieren (besonders die berühmte “komm-schon”-Aufforderung per Zuwinken), und so gar schlecht kämpfen tut er auch nicht, aber mit dem Original wird ihn sicher keiner verwechseln (und sei’s, weil der echte Bruce Lee sich zumindest rasierte). Wie nicht anders zu erwarten, wischt Bruce Nr. 2 mit seinen Kontrahenten den staubigen Boden auf, bis diejenigen, die noch stehen können, auf komödiantische Art und Weise das Weite suchen.

Wir schalten um in eine Szene, die in einem traditionellen Martial-Arts-Klopper zu Zeiten der Ching-Chang-Chong-Dynastie überzeugender wirken würde und von mir zunächst auch für eine solche gehalten wurde (bei Lai und Tang kann man ja nie wissen) - ein alter Knabe mit dem typischen Waigel-Augenbrauen-Problem, das in alten traditionellen Martial-Arts-Kloppern unzweifelhaft (in Ermangelung tragbarer schwarzer Hüte) den oberschuftigen Erzbösmann identifizierte (und dies auch hier tut) namens Ko Fai Tan wird von seinen Untergebenen informiert, dass Bruce Li und Bruce Lei eingetroffen seien, um Sammy zu helfen (es ist schön, wenn die Bösen besser informiert sind als die Guten). Da Ko Fai vermutlich weiß, dass ihm allenfalls ein auferstandener Bruce Lee wirklich Ärger machen könnte und die zweitklassigen Doubles keine größere Bedrohung darstellen (so sagt er das natürlich nicht im Film, newa), macht er sich keine größeren Sorgen.

Den Blick hab ich auch schon mal irgendwo gesehen... nicht verraten, ich komm drauf...

Ling trifft sich dieweilen mit Sammy - die beiden sind alte Kumpel (weswegen Ling wohl die Bruce Lis, Leis und Lows dieser Welt zur Imitatoren-Convention eingeladen hat). Sammy rapportiert, das ihm die Diamanten, die er im Auftrag seines Bosses Si Tan hätte entgegennehmen sollen, geklaut wurden (dass Sammy also zugegebenermaßen ein Gangster ist, macht ihn nicht wesentlich sympathischer) und Si Tan nun naheliegenderweise vermute, Sammy habe sich die Diamanten in die eigene Tasche gewirtschaftet. Aus irgendeinem nichtigen Grund geraten sich Ling und Sammy in die Haare und brechen, weil sie gerade nichts besseres zu tun haben, einen Kung-fu-Kampf vom Zaun. Bevor sich die beiden aber ernsthaft die Kauleisten polieren können, greift Bruce Nr. 1 friedensstiftenderweise ein und führt die Debatte auf ein sachliches Niveau zurück - “wir werden dich raushauen”, verspricht er Sammy und macht sich auf, um bezüglich des Verbleibs der Klunker Ermittlungen anzustellen. “Bist du wirklich Bruce Lee?” erkundigt sich Sammy, der wohl mal Enter the Dragon gesehen hat und den Hauptdarsteller anders in Erinnerung hat. “Ich bin genauso gut wie er,” grinst Bruce Nr. 1. Zum Gartentürchen wird er von Schielauge begleitet, der aber wird vom zweiten comic-relief-Charakter erwartet, einem Geldhai, dem Schielauge ein Sümmchen von 700 Dollar schuldet. Bruce Nr. 1 schubst den Geldhai nicht mal gelb-würdig herum, macht ein paar vage drohende Kung-fu-Gesten und macht sich mit Schielauge vom Acker. Geldhai ist sauer, nimmt die Verfolgung auf und entdeckt einen joggenden Typen in ähnlicher Aufmachung und mag ihn verprügeln. Dumm nur, dass es sich hierbei um den zufällig hier rum laufenden Bruce Nr. 2 handelt, der ihn (inklusive lustiger Soundeffekte wie dem beliebten Gong-Geräusch, wenn Bruce Nr. 2 Geldhai auf die Platte haut) hochgradig komisch verprügelt.

Nach dem Geständnis von Bruce Nr. 1 ist bei Ling der Groschen gefallen, dass man den falschen Bruce Lee vom Flughafen abholen hat lassen (well, es ist nun mal so, if you want the job done right, do it yourself). Stellt sich nur die Frage, wo ist der richtige? “Sie sehen sich so ähnlich,” verteidigt sich Schielauge halbherzig, ehe Lings Schwesterherz Sue der glorreiche Einfall kommt, dass Bruce Lees Bruder stadtbekannt in Hongkong hause und man dann doch mal bei dem nachfragen könnte (!).

Irgendwo in der Prärie befleißigt sich dieweil unser dritter hauptamtlicher Bruce-Lee-Imitator, ergo Bruce Nr. 3, mit generischem Kung-fu-Workout zu europäischer Disco-Synthi-Musik (ist das Jean-Michel Jarre? Ich glaub nicht, aber ich KENNE diese Nummer, ich KENNE sie...).

Verrate mir sofort, wer hier der ECHTE Bruce Lee ist, sonst gibt´s Dresche!

Ling und Sue sprechen dieweil mit irgendeinem Bruce (ich kann die mittlerweile nicht mehr auseinanderhalten), der sich als Dragon Lai vorstellt (oder so, aber es ist NICHT Dragon Lee, da bin ich mir sicher) und auskunftet, dass er, Bruce Lee und dessen Bruder Chen sich sehr ähnlich sehen würden. “Ich suche aber Bruce Lee,” brummt Ling, aber Dragon weiß von nix. Womit wir wieder beim Thema “Bruce Lees Bruder” wären (soweit waren wir schon mal) - “Bruce will unerkannt bleiben”, ahnt Ling (hä?) und Dragon, der sich damit aus der Handlung verabschiedet (doppel-hä?) stimmt zu. Also sucht Ling Chen Lee (Bruce Nr. 4, aber da der einen eindeutig identifizierbaren Charakternamen hat, will ich hier auf die Nummerierung mal verzichten) auf, der in einem Requisitenschrank sichtlich Brucens gelben Game of Death-Overall mit dem schicken schwarzen Streifen gefunden hat und zu Protokoll gibt, von Bruce Lee über alle Einzelheiten der Handlung informiert worden zu sein (gut, dann kann er mir vielleicht erklären, what the fuck hier Sache ist). Ling ist die Tatsache “Bruce Lees Bruder” nicht Qualifikation genug und besteht auf einem Sparrings-Match, das gerne gewährt wird. Man ist gegenseitig von den Kampfkünsten beeindruckt. Chen überrascht uns und Ling mit der Information, dass Bruce selbst erst ins Geschehen einzugreifen beabsichtigt, wenn klar ist, “wer hinter der Sache steckt!” (Aha, Bruce ist also auch nicht schlauer als wir. Aber so richtig heidenmäßig find ich das nicht - andere die Dreckarbeit machen lassen und dann erst zum Showdown mal vorbeizuschauen).

Chen und Ling analysieren die Sach- und Rechtslage. Sammy ist ein stadtbekannter Spieler (ein wahrer Wonneproppen also), also könnte es sein, dass einer seiner Kreditgeber was mit der Sache zu tun haben könnte. Man vereinbart ein Treffen mit Sammy in einer finsteren Lagerhalle, wo Chen und Ling von ein paar munteren Gesellen, angeführt von einem gewissen Long, attackiert werden. Das sind allerdings Freunde von Sammy, und als der schlichtend eingreift, herrscht schnell Peace Fun Pancakes. Sammy weist darauf hin, dass sein Boss Si Tang ihn für den feigen Diamantendieb hält, weil außer ihm und dem Boss nur noch ein gewisser Wang von dem Deal wusse. Ling kombiniert, dass es jemand so aussehen lassen wollte, als wäre Sammy der Täter (nein! Da wär ich NIE draufgekommen!) und nach langanhaltendem Brainstorming verfällt man auf die glorreiche Schlußfolgerung, da Sammy per Definition unschuldig ist und Si Tang sich vermutlich nicht seine eigenen Diamanten klaut, Wang könnte die Pestbeule sein, die den fiesen Plan ausgeheckt hat (eine kriminalistische Meisterleistung - Sherlock Holmes, Charlie Chan, Miss Marple, Columbo und Hercule Poirot zusammengenommen hätten das nicht so schnell rausgefunden). “Wir kümmern uns um Wang,” verspricht Ling (they, of course, will do nothing remotely like that) und empfehlen Sammy, erst mal unterzutauchen (worauf Sammy, der ersichtlich bereits untergetaucht ist, sicher auch nicht gekommen wäre. Schätzungsweise überlegt Sammy an dieser Stelle, ob er nicht vielleicht doch kompetente Hilfe in Anspruch nehmen sollte, Inspektor Kodijak aus der Mad Mission-Reihe zum Beispiel).

Widescreen-Photography at its best... und übrigens - das ist der ECHTE Bruce Lee. Und wenn Ihr´s glaubt, ich habe prima Gebrauchtwagen...

Bruce Nr. 1 ist, despite being not the real Bruce Lee, tatsächlich am Ermitteln, in einer Bar, wo er sich zwei Whiskeys einpfeift (das ist wohl auch was, was dem Echten nie passiert wäre) und schnappt sich eine Nachtschwalbe namens Candy und packt sie am Kragen. “Sag deinem Boss, Bruce Lei will ihn sprechen!”, donnert er (womit auch geklärt wäre, wer ER ist, oder so ähnlich. Dummerweise ist laut IMDB Bruce Lei identisch mit Dragon Lee und DAS IST ER EINFACH NICHT!). Einem kaukasischen Thug, der Candy beistehen will, haut Bruce Nr. 1 eine aufs Maul (was so ziemlich seine größte, letzte und einzige Actionszene ist).

Während Ling aus keinem gesteigerten Anlass einen buddhistischen Tempel aufsucht, ist Bruce Nr. 3 (und für meinen Geschmack ist DAS Dragon Lee) beim Trainieren in einer Sporthalle, die von der Größe her ungefähr meinem Wohnzimmer entspricht und daher nicht wirklich GROSS und ECHT wirkt, sondern mehr wie der private Fitnessraum eines etwas besser Betüterten. Ein kaukasischer Typ schickt einen anderen kaukasischen Typ los, Bruce Nr. 3 (der im übrigen, aber das habt Ihr Euch sicher schon gedacht, der ECHTE Bruce Lee ist...) prophylaktisch mores zu lehren. Bruce mag zwar nicht kämpfen, sieht sich aber dazu genötigt und vertrimmt beide Gegner solange, bis sie lachen, eh, aufgeben (Dragon Lee immerhin kommt von den Moves und der ganzen, manchmal etwas arrogant wirkenden Kampfart immerhin recht nahe ans Original).

Auch der Anzug kommt mir irgendwie bekannt vor... naja, er kleidet halt auch schick...

Ko Fai Tai Ginseng, oder wie der Knabe heißt, Ihr erinnert Euch, aufgrund fehlender anderweitiger Vorschläge so was wie unser Bösmann mit der Augenbraue des Todes, erhält Nachricht, dass Ling sich einen ernsthaft guten Kämpfer an Land gezogen habe und giert nach persönlicher Inaugenscheinnahme deren kampfkünstlerischer Fähigkeiten. Und so steht er wenig später irgendwo in einem Steinbruch rum und sieht sich Ling gegenüber, der sich ein Jackie-Chan-in-seinen-frühen-Traditionals-Gedächtnis-Kostüm angezogen hat (wie hat man den Kampf verabredet? Ruft man in Hongkong wirklich einfach irgendwo an und sagt: “Du, ey, ich hab gehört, dein Kung-fu ist voll krass, Alder, willse mal kloppen?”). Wie üblich in traditionellen Martial-Arts-Filmen ist ein ca. 200jähriger Mümmelgreis dem Jungspund Lichtjahre überlegen (er ist sogar so frech, mit einem Arm auf dem Rücken zu kämpfen) und besiegt Ling fair and square, man trennt sich freundschaftlich mit gegenseitigen Komplimenten, dann (etwas später, I presume, er hat die beiden getrennt voneinander einbestellt) fordert Ko Fai auch Chen Lee, der sich besser schlägt. Ich würde den Kampf, der irgendwie kein echtes Ende hat, als klassisches Unentschieden werten.

Ko Fai ist insgesamt aber eher unbeeindruckt und stellt fest, der einzige, der wirklich Ärger machen könnte, wäre Bruce Lee, und um den würde er sich dann zu gegebener Zeit selbst kümmern. Könnte mir bitte jemand sagen, ob der Film eigentlich auch so etwas wie eine Story hat?

Bruce Nr. 3 (also der “echte”) sucht Lings Anwesen auf, wo er erst einmal Schielauge beistehen muss, der gerade wieder einmal eine Auseinandersetzung mit Geldhai hat, der sich einen Schlägertypen mitgebracht hat. Bruce steht dem Schielkopp bei und verprügelt die beiden gar lustiglicht, um sich dann Ling als “kleiner Drache” vorzustellen. “Dann bist du Bruce Lee”, freut sich Ling. “Das habe ich nicht gesagt,” grinst Bruce schelmisch (ein Anflug von Anstand? Ein weiterer Versuch, das Publikum zu foppen? Einfach nur ein vermeintlich cooler Spruch?), meint aber, “eine Spur” zu haben (mein erstes Wort!) und verspricht, sich wieder zu melden. Damit hüpft er auch schon wieder fort. Auf die Gefahr hin, mich wie so oft zu wiederholen: Hä???

Damit langsam mal irgendetwas außer ein paar nach dem Zufallsprinzip in die Story geworfenen Kampfszenen passiert, tut Ko Fai etwas Böses: er befiehlt die Entführung von Lings Schwester Sue, damit man die im Falle eines Falles als Druckmittel einsetzen kann (etwas vorgreifend, diese Aktion, ist ja nicht so, als wäre man Ko Fai ernsthaft auf der Spur), und bei der Gelegenheit könne man auch gleich Bruce Lei (der sich bislang durch extreme Gefährlichkeit ausgezeichnet hat, wie wir uns erinnern) miteinsacken. Und so wird Bruce Lei beim fröhlichen Spazierengehen von Geldhai und seinem Kumpel (die also offensichtlich auf Ko Fais Lohnliste stehen, was immerhin eine kleine Überraschung darstellt. Ko Fai hat wohl ein Herz für Debile) hinterrücks mit einem Rohr k.o. geschlagen und in einem Schuppen an einen Pfosten gefesselt, wo er so ziemlich den Rest des Films verbringen wird.

Die Strafe für unerlaubtes Imitieren von Bruce Lee: Man bekommt das Maul gestopft!

Sammy ruft seinen Boss Si Tang an und arrangiert ein erklärendes Meeting. Dies allerdings hört einer von Ko Fais Spießgesellen und erzählt es brühwarm weiter. Ko Fai gibt Order, dass Wang (der also tatsächlich für Ko Fai in Si Tangs Bande Unfrieden stiftet) Sammy eliminieren soll.

Es folgt eine KOMEDY-Einlage mit Schielauge und Geldhai, in der sich die beiden zeitgeraffert (zu einer ebenfalls hochgepitchten Version des “Säbeltanzes”) ein wenig jagen. Ohne Beistand irgendeines Bruces steht Schielauge auf verlorenem Posten und wird in einen modischen Pappkarton gehüllt bei Ling vorstellig. Ling ist mit irgendeinem der Bruce Lees beschäftigt und stellt ihn Schielauge als “Großen Drachen” vor. (von mir aus, ich hab längst aufgegeben, da durchblicken zu wollen).

Der fiese verräterische Wang setzt Si Tang einen Floh ins Ohr, wonach ein japanischer Geschäftspartner namens Tanaka ihn umgehend zu sehen wünsche, was zweifellos wichtiger als die Verabredung mit Sammy sei. Si Tang stimmt zu (was ich für ziemlich idiotisch halte, schließlich will Si Tang doch wissen, wo seine Diamanten sind!), was Wang die Möglichkeit bietet, Sammy am vereinbarten Treffpunkt mit einer Handvoll Schlägertypen aufzulauern. Sammy hat nur seinen Kumpel Long dabei. Ein mittelschwerer Kung-fu-Kampf entbrennt (etwas unwahrscheinlicherweise findet sich unter Wangs Bande auch Geldhai, der mir bislang nicht wirklich als fähiger Kämpfer aufgefallen ist), in dessen Verlauf Long den Löffel schmeißt, worauf Sammy nun wirklich angepisst ist. Dennoch braucht er die Hilfe von Ling und Chen Lee (soll der der “Große Drache” sein? Whatever!); ich weiß zwar nicht, woher die von dem Treffen und der gestellten Falle wissen, aber, mein Gott, dafür sind Helden eben da, die spicken dann halt auch mal zwei-drei Seiten im Drehbuch nach vorn, damit sie wissen, wo sie gebraucht werden. Mit der fachkundigen Unterstützung von Ling und Chen gelingt es, den Kampf zugunsten der nominell Guten zu entscheiden, Wang allerdings entkommt für spätere Verwendung (und sollte sich ernsthaft frage, warum er bei einem schlichten und einfachen Mordauftrag nicht einfach ein Schießeisen zückt und Sammy in die nächste Welt ballert, sondern statt dessen auf das Mittel “zehn gegen einen“-Kung-fu-Fight zurückgreift, das noch in keinem Film dieser Welt funktioniert hat, abgesehen mal von I‘m Gonna Git You Sucka mit eben Steve James, weil der EINE IMMER gewinnt), dieweil Si Tang sich seinerseits an seinem Treffpunkt mit Tanaka wundert, warum weit und breit kein Japaner zu sehen ist. Der Gangsterboss reimt sich zusammen, dass Wang wohl die Termine verwechselt habe (tja, die alten Zeiten, als es noch keine EDV-gestützte Terminverwaltung gab...) und genießt wahrscheinlich die unvermutete Freizeit.