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BLOOD ANGEL 2
Deutscher Titel: Blood Angel 2
Blood Angel 2
Blood Angel 2

alternative Titel: Blood Angel II, Blood Angel 2: The New Rage

Deutschland 2005 - 83 min - FSK: --

Inhaltsverzeichnis

Credits

Besetzung:

Mary Jennifer Selby  (Akasha Jones)
Burt  (Rüdiger Schuster)
Tony  (Barry More)
Jonas Brackett  (Lenny Brasso)
Jim  (Robin Ebneth)
Fred  (Akki McCoy)
Freds Freund  (Ingo Lee =Ingo Trendelbernd)
Marc  (Andrew "Machine" Clay)
Burts Freundin  (Ioana Herzeg)
Marys Freund  (David Jansen)

Crew:

Regie: Ingo Trendelbernd
Drehbuch: Randy Silker (=Dirk Woiciech)
Kamera: Dirk Woiciech
Schnitt: Dirk Woiciech
Musik: Christoph Maas, Amokcallsacoma
Production Design: N.A.
Spezialeffekte: Ralf Burmester (SFX), Gerd Richter (VFX)
Produzent: Ingo Trendelbernd
ausführender Produzent: N.A.
Produktion: Lee/Leroc Filmworkshop

Vorwort

Abt. Geschnetzeltes aus deutschen Landen frisch auf den Tisch

Okay, es war in der zeitlichen Abfolge nicht unbedingt so geplant, dass wir nach Violent Shit 3 gleich noch was aus dem Amateur-/Indie-Bereich unter die Lupe nehmen, aber die berühmten nicht zu beeinflussenden äußeren Umstände (zum einen die lahme Post, die lange lange lange brauchte, um mir unser heutiges Opus zuzustellen, zum anderen unser Forumsrazor, der für die Schnaas-Verabreichung zuständig war) führen zur ungeplanten inflationären Amateurisierung :-)

Nach der Güteklasse-Hinrichtung, die ich dem Schnaasschen Machwerk zukommen liess, zittern wahrscheinlich sämtliche nonprofessionellen Filmemacher, die mir ihre Werke zur Begutachtung zukommen liessen (bzw. das eventuell noch vorhaben) wie Espenlaub und richten ihre Stossgebete an den ollen Ratzinger-Popen (aber ich glaub, der hätte mit Violent Shit noch ganz andere Probleme als ich). Dabei bin ich doch gar nicht so, wenn mir ein Film gefällt, ist´s mir wurscht, ob er für 28,50 € in drei Nachmittagen auf der Kiesgrube gedreht oder für 200 Mio. $ von fünf Hollywood-Studios in Kollaboration gestemmt wurde.

Und bei Blood Angel 2 sind die Vorzeichen aus meiner Sicht nicht gar so schlecht – aus dem Dunstkreis der hiesigen Produzenten hab ich schliesslich schon Torsil Ultra und Death: Download gesehen und beide mit durchaus positiv ausfallenden Zeugnissen auf den weiteren Lebensweg entlassen. Trotzdem ging Ingo, dem Regisseur und Produzenten von Blood Angel 2, schon ein wenig die Muffe – er kennt des Docs genetisch bedingte Skepsis gegenüber ultrabilligen Schmodderfilmen und, so deutete er an, als solchen könnte man Blood Angel 2 unter Umständen betrachten.

Nun, kommen wir langsam zum Thema – im Hause Lee/Leroc hatte man sich vorgenommen, mit einem Budget von summa summarum stolzen 499 Euro (dafür montiert sich vermutlich nicht mal Schnaas den Karl-the-Butcher-Kühlergrill vor die Visage) ein Remake des sort-of-Klassikers des Rape´n´Revenge-Genres, I Spit On Your Grave (aka Day of the Woman) zu remaken. Ob das nun die Sache ist, auf die die Welt händeringend gewartet hat, kann man an dieser Stelle getrost dahingestellt sein lassen – das in vielen Ländern dieses Globus verbotene Original gehört, unabhängig von seiner Qualität (wer weiß, vielleicht nehm ich mir den Hobel auch noch mal vor), zu den berühmten "Nasties", daher ist zweieinhalb Dekaden später eine Neubearbeitung des Stoffes wohl durchaus legitim (und wenn wir uns nicht, zumindest nicht wirklich LAUT, über TCM, Dawn- oder Toolbox Murders-Remakes beschweren, dann sollten wir auch jetzt schweigen).

Okay, 500 Euro ist nun nicht gerade ´ne Menge Holz – damit einen abendfüllenden Spielfilm zu stricken, ist keine ganz einfache Aufgabe (man kann ja auch mit dem doppelten Budget, siehe Dead/Undead glorreich scheitern). Aber irgendwie hab ich jetzt schon eine positivere Einstellung zum Film als bei Violent Shit 3. Ob das nur meine über Jahre gepflegten Vorurteile sind? We´ll see.

Inhalt

Mary Jennifer Selby hat eine hübsche Dachwohnung – so eine täte ich theoretisch auch gern bewohnen, wüsste ich nicht, dass ich mir ungefähr achtundsiebzigmal am Tag die Rübe an den Dachschrägen stossen und meine eh schon gepeinigten Gehirnzellen das vermutlich ziemlich übel nehmen würden. Es sind aber wohl kaum ergonomisch-anatomische Erwägungen, die Mary dazu bringen, ihre Reisetasche zu packen, um ihrer Behausung temporär Lebewohl zu sagen, sondern vielmehr die Aussicht auf einen netten kleinen Kurzurlaub. Also schwingt sie sich in ihr Automobil und braust in die Pampa.

Wie wir alle wissen, sind Frauen, wenn allein am Steuer, grundsätzlich als orienterungslose Verkehrshindernisse zu betrachten und Mary macht da keine Ausnahme – sie hat nämlich wohl schon wenige Kilometer hinter der Stadtgrenze keinen Plan mehr, wo sie sich befindet und konsultiert daher bei einem kurzen Stopp an einem Wanderparkplatz die dort aufgestellte Wanderkarte, die ihr aber scheinbar auch nicht wesentlich richtungsmäßig auf die Sprünge hilft. Was macht Frau in solchen hoffnungslosen Fällen? Richtig, man sucht einen Ort, an dem sich straßenkartenlesefähige Menschen, i.e. Männer, herumtreiben (ok, so steht´s sicher nicht im Drehbuch, aber so ist´s doch im richtigen Leben, newa).

Hierfür bietet sich die nächstbeste Tanke an. Und kaum ist Mary ausgestiegen und blättert hilflos in ihrer Landkarte, fällt sie auch schon einem soliden halben Dutzend zwielichtiger männlicher Gestalten, die gerade den Durst ihrer eigenen Gefährte stillen, ins Auge. Burt, der schon ziemlich verschlagen aussehende Anführer der Gruppe, hält das Mädel aus der Ferne betrachtet für nicht unlecker und schreitet unter Vortäuschung richtungsweisender Aktivitäten und Landkarteninterpretationen zur näheren Examination. Mary gibt zu, dass sie sich auf der Suche nach ihrem gemieteten Ferienhaus verfranzt habe und Burt empfiehlt ihr, einen gewissen Waldweg zu suchen und dort einzubiegen. Na, haben wir Männers wieder mal ein Mädchen auf den rechten Weg zurückgebracht...

Frauen unterwegs - ohne Kerle (d.h. Menschen mit eingebautem GPS-Gerät) schlicht nicht lebensfähig...
Frauen unterwegs - ohne Kerle (d.h. Menschen mit eingebautem GPS-Gerät) schlicht nicht lebensfähig...

Oder vielleicht doch nicht? Denn während Mary vom Hof braust, um die Instruktionen in die Tat umzusetzen, kehrt Burt in den Kreis der Seinen zurück, bestätigt die dort vorherrschende Meinung, dass es sich bei dem Gerät um ein "geiles Stück" handele und man mit ihr sicher noch jede Menge Spass und gute Laune haben werde. Der wird doch nicht...?!?

Aber natürlich hat er. Wenig später steht Mary nämlich mitsamt ihrer Kalesche a) im Wald und b) sich Burts Fahrzeug (nebst Besatzung) gegenüber (der Herr kennt offenbar auch ´ne Abkürzung). Mit Zurücksetzen und sich schleunigst verpissen ist auch nix, denn der Rückweg wird durch das zweite Fiesomobil versperrt. "Das war wohl der falsche Weg, hähä", grinst die Fraktion des Bösen. Begünstigt durch die Tatsache, dass Mary fatalerweise aussteigt, um mit Burt zu diskutieren, können die sechs Kerle sie erst einmal ein wenig herumschubsen. Mary überdenkt kurz, ob das, was sich hier möglicherweise anschliesst, unangenehmer sein könnte als der Papierkram mit der Versicherung, wenn sie ihre Karre hier im Wald stehen lässt (wenn man mich fragt – it´s a tough call...) und nimmt nach Entscheidungsfindung die Beine in die Hand.

Die Herrschaften sind an Marys Fahrzeug ersichtlich weniger interessiert als an seiner Pilotin und nehmen die Verfolgung auf, d.h. es schliesst sich ein paar Minuten hektisches durch-den-Wald-Gerenne an, mit dem man, wenn man kein gewaltiges Budget hat, natürlich auch prima die Laufzeit ein wenig strecken kann. Oberhoncho Burt stellt klar: "Ich will die Schlampe haben (kennt man sich bereits? Hihi)!" und tituliert seine Getreuen etwas despektierlich als "kleine Spritzer". Selbstverständlich (oder wir hätten a- einen sehr kurzen Film oder b- einen ziemlich obskuren Aufhänger für einen anstehenden Rachefeldzug) kann Mary nicht entkommen. Sie wird gepackt und zu Boden gerissen, und jetzt möchten die Jungs auch den verdienten Lohn für die Rumrennerei einfahren.

Also, Kalle, du gehst über den linken Flügel nach vorn und gibts dann zu Sepp ab, der versenkt das Ding!
Also, Kalle, du gehst über den linken Flügel nach vorn und gibts dann zu Sepp ab, der versenkt das Ding!

D.h. nach Burts Willen soll zunächst mal Tony (Brillenträger und irgendwie einen leicht beschränkt wirkenden Eindruck hinterlassend) "die Alte durchziehen", so quasi als Geschenk von Burt an Tony, der innerhalb der Clique wohl der Newbie und Outsider ist und, so sieht´s zumindest Burt, wenn er schon mit denen abhängen will, auch gefälligst nach deren Regeln zu agieren hat. Tony allerdings verweigert nachdrücklich. Alles muss man selber machen, wird sich Burt wohl denken und knöpft sich pikiert selbst die Hose auf, während seine Kollegen schon mal Mary von lästigen Textilien befreien (aber nicht von so vielen Textilien, dass die Voyeure in der ersten Reihe sitzen würden. Hier geht´s züchtig zu, bzw. bei 500-€-Budget war für die Hauptdarstellerin wohl nicht noch ein Bonus für ´ne Nacktszene drin). Marc, einer von Burts Kumpels, ist ein wenig skeptisch und grübelt darüber, wleche ansteckenden Krankheiten Mary wohl beherbergen könnte (wenn ich so drüber nachdenke – vermutlich keine, die ihr nicht auch schon habt, falls ihr öfter mal so kleine Einlagen feiert). Burt schreitet zur Tat und nach gelungener Verrichtung heißt das Motto "der nächste Herr, die selbe Dame" (Burt greift anstelle solch launiger Platitüden zu Belgier-Witz Nr. 217: "Ist echt nicht dein Tag, Mädchen!") Auch Marc hat seine anfänglichen Bedenken überwunden und stellt gesundheitliche Langzeitwirkungen erst mal mental hinter die kurzfristige sexuelle Befriedigung (incl. male butt shot, worauf ich immer wieder gern verzichte) und greift Mary überdies würgenderweis an die Gurgel. Mary verliert nun nicht nur die rein richtungsmäßige, sondern auch mentale Orientierung und wendet sich mit einem Hilfeansinnen an einen ihrer Peiniger. Der hilft aber lieber sich selbst, denn "ich war noch nicht dran!".

Nachdem die ganze Rasselbande sich also an Mary gütlich getan hat, verkündet Burt den Feierabend, Mary wird einfach liegengelassen. Tony ist von der ganzen Gang-Bang-Geschichte psychologisch schwer angegriffen und muss sich überides noch Spott & Häme seiner Kumpels gefallen lassen, die Mutmassungen über seine Potenz anstrengen. Burt ist aber ein guter Freund (ein Freund, ein guter Freund, sing-schmetter) und verteidigt den Nasenfahrradträger: "Vielleicht ist Tony nur anders pervers!" Dies führt bei den restlichen Jungs zu spontanen Spekulationen über Tonys sexuelle Ausrichtung, aber so hat Burt das nun auch wieder nicht gemeint. Schließlich muss "pervers" ja nicht immer und ausschließlich was mit Geschlechtsverkehr zu tun haben (obschon das der kath. Kirche bestimmt völlig ausreicht). So könnte Tony doch z.B. als kleinen Liebes- bzw. Vertrauensbeweis für Burt die kleine Schlampe unbürokratisch abstechen, was nützlich wäre, da Tote bekanntlich nicht gut sprechen können, so rein polizeimäßig etc.. Tony greift dienstbeflissen zum angebotenen Messer: "Ich elredige das für dich, Burt!" "Seht ihr, der ist schon okay, der Tony," freut sich Burt, dass er seinen (trotzdem irgendwie minderbemittelten) Spielkameraden richtig eingeschätzt hat.

Wenn Starkult zu weit geht... die Fans reißen ihr die Klamotten vom Leib
Wenn Starkult zu weit geht... die Fans reißen ihr die Klamotten vom Leib

Mary zieht sich grad die Reste ihrer Jeans wieder an und rappelt sich halbwegs auf, als Tony mit vorgehaltenem Brieföffner auf sie zutapst. Aber wir haben es geahnt – der Tony, der ist nicht so okay, wie Burt ihn hält, bzw. noch viel okayer – er analyisiert kurz die Lage, beschmiert die Klinge mit Blut, das der Misshandelten eh schon die Visage runterläuft und verzieht sich wieder, um hibbelig vor seinem Gebieter rumzuhüppen: "Ich hab´s getan, ich hab sie abgestochen!" Soviel Enthusiasmus ist selbst Burt ´ne Prise zu heftig, er mahnt Beruhigung an, verteilt aber noch ein Lob ("Das hast du fein gemacht", hm, Burt scheint Tony auch für das geistige Äquivalent eines Sechsjährigen zu halten) und beschließt basisdiktatorisch, dass man für den heutigen Tag genügend Frohsinn gehabt habe und man nun nach Hause gehe.

Apropos nach Hause, dorthin schleppt sich auch Mary und begibt sich dort, first things first, unter die Dusche, was natürlich Gelegenheit für die klassische Blut-rinnt-in-den-Abfluss-Einstellung bietet. Anschließend wandert sich nachdenklich durch Parks und Wälder und kommt schließlich und endlich doch zur Erkennntnis, die gesetzlich autorisierten Ordnungshüter einzuschalten. Ihr Pech ist allerdings, dass – trotz ihres diesbezüglich geäußerten Wunsches – zur Aufnahme des Protokolls keine Bullette aufzutreiben ist, sondern nur drei Typen, die die Berichterstattung wohl eher als Vorlage für zukünftige feuchte Träume interpretieren denn als ernsthafte Anzeige. Das fällt auch Mary auf, die kritisch fragt: "Geht Ihnen dabei einer ab?" Könnte sein. Der berichtschreibende Jungbulle will Mary mit dem unverbindlichen "wir-tun-was-wir-können" verabschieden, was Mary begreiflicherweise nicht genug ist: "Ich will, dass diese Scheißkerle den Rest ihres Lebens hinter Gitter sitzen!" (Bei allem Verständnis, aber für ´ne lauschige Vergewaltigung unter Freunden gibt´s doch hierzulande kein lebenslänglich). Der Polyp zieht sich auf den "wir-haben-keine-Beweise"-Standpunkt zurück – der clevere Vergewaltiger heutzutage benutzt nämlich brav ein Kondom (darauf hat vermutlich Marc bestanden, von wegen der Krankheiten), also ist auch nix mit Spermaspuren (okay, ich hielt die Dusche für ´ne schlechte Idee, aber wenn die Jungs mit Gummi poppten, dann kann sie sich auch abbrausen), die Verletzungen kann sich Mary auch selbst zugefügt haben (jaja, die Polizei, dein Freund und Helfer) und selbst wenn die Cops ihre Hintern in Bewegung und die Verdächtigen verhaften würden, stünde Aussage gegen Aussage, ausserdem wäre das hier ein Dorf und da ist eh alles anders usw. usf. Das ist wieder einer dieser Filme, der einem unheimliches Vertrauen in die Arbeit unserer Gesetzeswächter einflösst. Nur nicht versehentlich ein bissl Polizeiarbeit leisten, gelle? Könnt´ ja in Arbeit ausarten. Mary stürmt mit einem saftigen Fluch auf den Lippen aus der Amtsstube (eh, schickes Regal habt Ihr auf Wache, Jungs!) und knallt die Tür zu. Kann man irgendwo verstehen.

Polizeirevier? Hmmtjaaaaaaa....
Polizeirevier? Hmmtjaaaaaaa....

Zeit für einen im weiteren Sinne wichtigen Charakter, sich vorzustellen. Das ist Brackett, einer der drei anwesenden Polizisten, der den Herrn Protokollführer wg. seiner psychologisch zweifelhaften Herangehensweise an die Opferbetreuung zur Sau macht: "Sie meint, dass du ein dummer Wichser bist und sie hat Recht", informiert er den Kollegen. Schließlich seien die von Mary identifizierten (!) Verdächtigen allgemein und insbesondere polizeibekannt. Der Kollege kontert mit dem Hinweis, dass Brackett als suspendierter Polizist (Klischee Nr. 199-c) streng genommen im Revier nix verloren habe und vielmehr zuhause seine Alte poppen solle. Dieses Argument schlägt Bracketts Verlangen nach ordentlicher Diensterfüllung ersichtlich k.o.

Mary hat ein kleines Lamm, äh, tschuldigung, hat einen Freund. Der kommt zu einem Candlelight-Dinner auf Besuch und findet, dass seine Angebetete irgendwie ein bissl komisch ist, aber sie will nicht drüber reden. "Ich will dir doch nur helfen", sülzt er (bekanntlich in solchen Situationen immer genau der falsche Einsteiger), aber sie will sich nicht helfen lassen. Doof, wie der Männe ist, lässt er nicht locker und erkundigt sich weiter nach ihrer Befindlichkeit, nun wird er sogar angeschrieen: "ICH WILL NICHT REDEN!" Boyfriend ist offensichtlich in einer mentalen Endlosschleife gefangen und probiert´s noch mal mit "Ich will dir doch nur helfen!" Nachdem Mary erneut energisch ablehnt, ist der Sensitivitätsvorrat beim Herrn Freund sichtlich erschöpft (er hat sich wohl ausgerechnet, dass die Olle mindestens ihre Tage hat und damit an ein gepflegtes Matratzentesten wohl nicht zu denken ist): "Verdammte Psychopathin, dann leck mich doch am Arsch!" (Wuha, der geht aber schnell aus dem Leim. Hat noch nicht viel Freundinnen gehabt im Leben, der Junge).

Tja, da Mary ihren verständnisvollen Macker erfolgreich vergrault hat, kann sie sich nur noch vor die Glotze hängen und durch die Programme zappen. In einem der unglaubwürdigeren Plotpunkte(ähm) des Films läuft zufällig (den Sender hätte ich bitteschön direkt und auf der Stelle in mein Kabelnetz eingespeist. Ich zahl auch freiwillig ´nen Euro pro Monat)... I Spit on Your Grave (hmmmmm... ein 131er im TV? Das würde Sammler ins Tal der Tränen treiben... so bring it on :-)). Dieser obskure Zufall (aha, jetzt weiß ich auch, woher Burt und seine Jungs ihre Inspiration hatten, die haben in der Fernsehzeitung geblättert) gibt Mary verständlicherweise zu denken und verursacht des Nächtens Alpträume (d.h. stilvolle s/w-Flashbacks).

Ich krieg die falschen Fernsehsender... (und hab den falschen Fernseher. NEID!)
Ich krieg die falschen Fernsehsender... (und hab den falschen Fernseher. NEID!)

Am nächsten Morgen addieren sich "Vergewaltigung", "böse Filme im Fernsehen" und "Alptraum" endlich zu einem Ergebnis auf – Mary weiß, was zu tun ist. Zunächst mal wird ein dezenter Image-Wechsel vorgenommen; aus dem Normalo-Girl wird ein schwarzgekleideter, ledermanteltragender Goth-Racheengel, der sich mühelos für einen etwaig vakanten Nightwish-Sängerinnen-Posten qualifizieren würde. Nachdem der Boden für zukünftige Schelmereien also bereitet ist, geht Mary – einkaufen. Bei Plus. Tja, Geiz ist geil, man muss seine Kohle beisammenhalten usw. usf. (deswegen shoppt der Doc ja auch preisbewusst bei Lidl. Die könnten mich eigentlich mal sponsern...). Nun könnte man zunächst darüber diskutieren, ob es dem Filmverlauf wirklich zuträglich ist, die Protagonistin bei ihren alltäglichen Besorgungen zu zeigen, aber surprise-surprise – als Mary ihre neuen Errungenschaften in den Kofferaum ihrer Karre umpackt, wer steht da dümmlich kichernd auf dem Parkplatz rum und blättert begeistert in einem billigen Tittenheft der Ramschkategorie (think "Coupé", nur ohne den journalistischen Anspruch dieses hochgeistigen Magazins)? Niemand anderes als Tony!

(Das gibt mir jetzt insofern zu denken, als die Vergewaltigung, wenn ich das richtig verstanden habe, doch weit entfernt von Marys Wohnort stattfand. Oder ist sie gleich im Rachedurst in das Kaff umgezogen? Die Heimat der Täter sollte doch angeblich ein Dorf sein? Hm. Komisch.)

Jedenfalls scheint´s keine geplante Aktion seitens Mary gewesen zu sein, aber sie heftet sich spontan an die Fersen des sich über die Nacktbildchen Beömmelnden (der ist wirklich entweder sehr beschränkt, sein geistiges Fassungsvermögen reicht nämlich nicht dazu aus, festzustellen, dass ihm, per pedes unterwegs, ein Auto im 5-Meter-Abstand im Schritttempo folgt). Tonys Weg führt ihn ein verlassenes Fabrikareal, wo er sich wohl recht heimisch fühlt, jedenfalls heimisch genug, um dort einfach auf den Hof zu schiffen. Ins einem Rücken schreitet Mary heran und wirft ihren Blick auf eine auf dem Boden liegende Machete (was die Leute alles rumliegen lassen... ist doch gefährlich, sowas, da kann sich doch ein spielendes Kind dran verletzen...)...

Intellektuelle Lektüre für den modernen Mann!
Intellektuelle Lektüre für den modernen Mann!

Tony dreht sich um und pisst Mary versehentlich auf die Stiefel, entschuldigt sich aber pflichtschuldigst. WER da grade vor ihm steht, das rafft der eher minderbemittelte Typ leider nicht. Auch provokante Fragen wie "Stehst du auf Zukucken?" (na klar) und "Wie ist´s mit Selbermachen?" (aber hallo!) lassen den Groschen bei ihm nicht fallen. So kann sie ihm den Bären aufbinden, völlig und total auf ihn abzufahren und ihm einen Gratis-Blowjob angedeihen lassen zu wollen (hmpf, bin mir jetzt grammatikalisch unsicher mit dem Satz. Stört mich sonst aber auch nicht, also egal). Das macht den schwächsten Lümmel hart und das trifft sich gut, da hat Mary wenigstens was in der Hand, das sie mit der Machete abschneiden kann (jep, full graphic, aber natürlich kein echter Schniedel, ist ja kein Snufffilm). Der spontane Zwangsverlust der Manneskraft tut ordentlich weh (ask John Wayne Bobbitt) und sorgt auch für heftigen Blutsturz. Anders ausgedrückt: Tony ist nicht glücklich (außerdem find ich das ein wenig unfair von Mary. Tony war doch der Nette, der sie nicht vergewaltigt und nicht umgebracht hat... Ohr abschneiden wär okay gewesen, aber Pillemann... das ist irgendwie overkill).

Selbst diese schmerzhafte Behandlung bringt noch keine gesteigerte Gehirntätigkeit bei Tony in Gang, Mary muss ihn wohl oder übel selbst erinnern, wer sie ist. Endlich geht die Glühbirne bei Tony an und er ist fix (und, wenn wir´s genau nehmen, völlig korrekt) dabei, den schwarzen Peter an Burt weiterzureichen, der ihn gezwungen habe. Mary täte nun gern wissen, wo Burt und der Rest des Rapistenpacks zu finden ist, was Tony aber nur verraten will, wenn Mary ihm einen Arzt ruft (durchaus vernünftiger Standpunkt, denn wenn er einfach so vor sich hin verblutet, hat Mary davon ausser unangebrachter persönlicher Befriedigung nicht wirklich viel). Mary verspricht Medizinerbeschaffung, also flüstert Tony ihr ein paar Worte ins Ohr. Zufrieden will Mary sich vom Acker machen, aber Tony beansprucht die ausbedungene medizinische Versorgung (was meint der Kerl? Dass Mary ´nen Doktor in der Jackentasche mit sich rumträgt?): "Wo ist der Arzt?" "Welcher Arzt?", grinst Mary (ich liebe Leute mit Humor), wirft dem Leidenden seinen Schniepel vor die Füsse und empfiehlt Selbsthilfe. Die ist aber ganz schön fies (und, vor allem, sie schadet gerade ihren Sympathiewerten bei mir. Tony war, zefixnochmal, der Nette). Einer hin, fünf im Sinn.

Jungs, Ihr wollt nicht wirklich *WISSEN*, was Mary da in der linken Hand hat...
Jungs, Ihr wollt nicht wirklich *WISSEN*, was Mary da in der linken Hand hat...

Vergewaltiger Numero 2 (sorry, aber seinen Namen hab ich nicht mitgekriegt) harkt seinen schicken japanischen Steingarten, wird dabei durch beherztes Türklingeln gestört. Da sein angeheirateter (oder zumindest temporär lebensabschnittsgefährtiger) Besen dummerweise abwesend ist, sieht er sich genötigt, selbst aufzumachen. Draußen vor der Tür steht dann aber keiner, weil der jemand, der da draußen nicht mehr steht, mittlerweile hinten über´n Zaun in den Garten kraxelt. Und es ist natürlich Mary mit der Machete. Der Knabe, der zwecks Fortsetzung der Gartenarbeit zurückkommt, hält (Kerle können echt blöd sein) Mary für Besuch seines Frauchens (wahrscheinlich Frauennachmittag "Häkeln mit Stichwaffen" o.ä.). Aber er kommt relativ schnell auf den Trichter, wer die Lady wirklich ist (übrigens finde ich es einen schicken Service, dass der Film bei den Konfrontationen mit den Vergewaltigern in kurzen Flashbacksequenzen deren s/w-Visagen einblendet. Aufgrund schieren Zeitablaufs der Dreharbeiten – davon geh ich zumindest aus – sehen sich die Jungs teilweise selbst nicht mehr ähnlich) und identifiziert Mary korrekt als "die kleine Mistfotze" von vor neun Monaten! (So lang ist´s her? Ein kleiner Hinweis über den Zeitablauf wäre ganz schnuffig gewesen). Die sich nun anschließende Kampfszene ist leider, eh, nicht so wirklich gelungen – wenn der Typ und Mary aufeinander einboxen, sieht das nicht wirklich nach einem realistischen Fight aus (man merkt förmlich, dass die beiden hauptsächlich versuchen, sich nicht versehentlich doch zu treffen). Aber immerhin kann Mary recht nett den bewährten "High-Kick-in-Fresse"-Move. Typ bewaffnet sich mit seiner Harke – der Kampf wird durch den Waffeneinsatz nicht unbedingt besser, aber ich bin heute großmütig und amüsier mich drüber, anstelle mich aufzuregen (wär das von Schnaas, ich wäre soooooo böse auf ihn... ich liebe meine Objektivität...). Ende vom Lied – Mary schubst den Schurken zu Boden und hackt ihm die rechte Flosse ab. Da muss er sich aber nicht allzulang drüber grämen, denn die Killwütige entdeckt eine herumliegende Gartenkralle (Teleshopping kann tödlich enden!) und schlitzt ihm damit die Kehle auf. Schmodderalarm!

Weil Frechheit bekanntlich siegt, investigiert Mary in aller Seelenruhe des verblutenden Bösmanns feine Bude (insbesondere sein DVD-Regal, aber die Gelegenheit für ein paar Injokes wird leider nicht genutzt), trinkt seinen Whiskey ("ein Arschloch mit Geschmack") und bedauert seine zukünftige Witwe. Das war der zweite Streich, der dritte folgt sogleich.

Yep, she´s cool!
Yep, she´s cool!

Einer der Vergewaltiger namens Fred leidet gerade mit seinem Kumpel (dem Director im Gastauftritt) an einem schweren Kater, der beide aber nicht daran hindert, arglos vorbeilaufende Bräute auszuchecken (scheinbar ist Fred ein kleiner Pädo, denn er bedauert, dass der Anmachtrick mit den Bonbons heutzutage nicht mehr funktioniere... Ha, Gesellschaftskritik!). Allerdings steht auf der Prioritätenliste heute das Saufen vor dem Ficken (bekanntlich ist ja auch das beste Mittel gegen alkoholbedingte Ausfallerscheinungen das gute alte Weitersaufen). Mary ist bereits auf dem rachedurstigen Weg, wird aber von Brackett (der suspendierte Polizist, you remember) erschreckt. Der will sich eigentlich nur dafür entschuldigen, dass das mit der Ermittlung seinerzeit so scheiße gelaufen ist ("ich fand das nicht in Ordnung, wie das damals gelaufen ist". Für den Spruch gehört er eigentlich mit auf die Abschussliste gesetzt) und vor unüberlegten Handlungen warnen. Mary verbittet sich energisch vertrauliches Angrabbeln und verdünnisiert sich. Schätze, Keule Brackett, das lief jetzt nicht ganz so wie geplant.

Wo wir gerade bei Plan sind – Mary kann sich ihrem wieder widmen und Fred nebst Kumpel haben, obwohl noch hellichter Tag herrscht, dank ca. 4,7 Promille (pro Mann) sowieso keinen solchen und laufen daher unvorsichtigerweise über irgendeinen wenig vertrauenserweckenden Hinterhof-Weg. Es macht einmal kurz "whoosh" in Halshöhe aus dem Unterholz und Fred braucht sich in Zukunft keine Gedanken mehr über Hutmode machen. Freds Busenkumpel (der müsste eigentlich Barney heißen, oder?) bekommt die spontane Dekapitation seines Saufpartners erst mit, als er sich wundert, dass der mit dem Laufen noch größere Schwierigkeiten als eh schon hat (ich hab den Eindruck, Amateurfilmer * lieben * köpfen, das scheint recht einfach zu bewerkstelligen zu sein). Barney (lasst mich halt...) bekommt einen Tritt in die Familienjuwelen – Mary hat sich mittlerweile nämlich in voller Lebensgrösse aus dem Gewölle geschält und empfiehlt der "verfickten Scheißhausfliege" (Knorkator-Fan? Diese Beleidigung habe ich abseits des Knorkator-Songs "Klartext" nämlich noch nicht gehört), nicht um Evita, äh, Fred zu weinen, sie habe dem Kopflosen nur einen Gefallen getan, im Knast hätte der nämlich echt oft die Seife aufheben müssen. Barney winselt um sein ärmliches Leben und zu meiner gesteigerten Überraschung darf er tatsächlich weiteratmen bzw. panisch davonrennen (wäre auch sehr kritisch gewesen, wenn Mary Sippenhaftung ausgerufen hätte. Der hat nämlich mit der ganzen Vergewaltigungschose nix zu tun gehabt, der Barney).

Wie´s der Kollege Zufall so will, ist Brackett, ersichtlich wieder in Amt und Würden, der ermittelnde Oberbulle im Mordfall des Gartengekrallten. Ihm wird das erbauliche Vorstrafenregister des Dahingeschiedenen vorgelesen und das, in Verbindung mit Marys gar seltsamen Verhalten, führt dazu, dass Brackett ein paar richtige Schlüsse zieht.

Der freundliche Herr im roten Pullover wird bald die Erfahrung machen, dass ein Gartenrechen im Zweifel die unterlegene Zweikampfwaffe ist...
Der freundliche Herr im roten Pullover wird bald die Erfahrung machen, dass ein Gartenrechen im Zweifel die unterlegene Zweikampfwaffe ist...

Mary telefoniert dieweil mit einem Lieferanten (uh-oh, was hat sie geordert? Taktische Atomwaffen?) und vereinbart ein Treffen für den nächsten Tag. Nummer 4 auf ihrer Todeliste kriegt sie aber noch ohne zusätzliche Ausrüstung gebacken (und hier ist wieder a good thing, das wir uns per kurzer s/w-Flashback-Einblendung vergewissern können, dass es sich um den gleichen Finsterling handelt). Dem drängt sie sich als Anhalterin auf (Lesson learned from this movie: Never ever ever ever pick up a hitchhiker, especially if you raped her a while ago). Auch unser nächstes Opfer lässt sich von Marys neuer Frisur identitätsmässig einwickeln und hält sie für eine Dame des Gewerbes, was sich aus seiner Sicht günstig (bzw. zumindest preiswert) trifft. Mary (die wirklich keine Zurückhaltung kennt) bedient den Herrn während der Fahrt, aber nur, weil sie so auch an die Fahrertür rankommt, selbige öffnet und ihn halb rausschmeißt. Er darf nämlich die Gesichtsbremse ausprobieren und feststellen, dass diese im Automobilbereich noch deutlicher Überarbeitung bedarf – oder wenigstens die befahrene Landstrasse mal neu asphaltiert werden müsste. Es reißt ihm nämlich die Gesichtshaut vom Schädel (und wenn der Asphalt so rau ist, kann das auch für die Reifen nicht gut sein). Damit der Knabe sich nicht über mangelnde Würdigung beklagen kann, überfährt sie ihm anschließend noch zweimal die Haxen (trotzdem: ist "halbes Gesicht weg" und "Beine gebrochen" tödlich? Ansonsten käme der Junge nämlich vergleichsweise billig – und lebend – weg...).

Mit dem als Kriegsbeute eingesackten Auto gondelt Mary zum Treffen mit dem Waffendealer ihres Vertrauens, dem bei ihrem Anblick gleich mal was in der Hose steigt, aber ein spontan vorgeschlagenes nichtgeschäftliches Date rundweg abgelehnt bekommt. Aber man kann ja auch so Geschäfte machen, Kosten scheinen bei Mary keine Rolle zu spielen, sie kann die richtig dicken fetten Wummen kaufen (das sind schon Panzerknacker). Wenn ich´s nicht besser wüsste, ich tät´ sagen, uns Mariechen ist geringfügig ausgetickt.

Hab ich´s ihm nicht gesagt??
Hab ich´s ihm nicht gesagt??

Marc und Burt sind offensichtlich als einzige der ehemaligen Vergewaltigerbande immer noch dicke Kumpel (anders ist´s wohl auch nicht zu erklären, dass die beiden vom gewaltsamen Ableben ihrer vier Komplizen nach allem Anschein nichts wissen) und als solche planen sie bzw. setzen gerade in die Tat um ein nette kleine Landpartie mit mucho Gerstensaft. Die Bösewichter tuckern vom Hof, Mary kommt eine Idee zu spät und kann nur noch Burts Lebensabschnittsgefährtin herausklingeln und selbige nach dem Verbleib ihres Bespringers fragen. Der ist über´s Wochenende aus, kunftet die Schnalle aus, stellt aber zurecht die Frage, was Mary das angeht. "Er hat Schulden bei mir", behauptet Mary und erkundigt sich, ob Burt als spezielles Hobby "Mädels in Wälder entführen und vergewaltigen" ordnungsgemäß im Beziehungsfragebogen angegeben habe. Burts Olle reagiert, wie´s jeder normale Mensch tun würde – sie hält Mary für eine durchgeknallte Psychopathin (was ja auch nicht völlig falsch ist) und schickt sich an, die Polizei zu rufen. Das kann Mary nun wieder nicht zulassen und verprügelt ihre Geschlechtsgenossin mit dem Kolben ihrer mitgebrachten Superwumme (keine Solidarität mehr unter den Frauen). Leichte Schläge gegen den Hinterkopf, wahlweise auch gegen die Stirn, fördern bekanntlich das Denkvermögen und so fällt Burts Freundin auf entsprechende Nachfrage tatsächlich ein, dass er und Marc wieder mal zum Fischen nach Antweiler gefahren seien.

Ebenda, bzw. in der dortigen Prärie, schlagen Burt und Marc gerade ihr Igluzelt auf und sinnieren über die guten alten Zeiten TM, z.B. die eine scharfe Geile, mit der man doch viel Spass gehabt habe. "Haben wir gelacht", freut sich die Vergewaltigerfraktion noch nachträglich ein Loch ins Knie, "aber die fand das wohl nicht so komisch!" Das würde ich jetzt glatt unterschreiben. Bei Marc meldet sich der kleine Hunger. Blöd nur, dass unsere beiden Mustermacker leider nur an flüssige, d.h. bierförmige Ernährung gedacht haben. Meister Burt weiß rat: "Wir angeln uns ein paar Fische tot!" "Kannsudas?", vergewissert sich Marc. Na chlor doch! Äh, ich dachte, das wäre ein Angelausflug und nicht der erste dieser Art? Gut, scheinbar versteht Burt unter Angeln normalerweise was anderes, zumindest hat er keine Rute (also keine zum Angeln jetzt, newa), man muss also improvisieren. Improvisation ist zwar eine Kunst, das Angeln an sich aber trotzdem langweilig (da darf ich endlich mal wieder einen meiner Lieblings-Pratchett-Sprüche zitieren: Fishing is like being dead, but with the additional disadvantage of being alive to experience it) und vor allem Marc dauert diese steinzeitliche Methode der Nahrungsbeschaffung, im Zusammenhang mit seinem grollenden Magen betrachtet, entschieden zu lang, was für gewisse atmosphärische Störungen der Männerfreundschaft sorgt. Burt weist dezent darauf hin, dass Einkauf der Verpflegung Marcs Aufgabengebiet gewesen sei: "Hättst ja was zu Fressen einpacken können!" Wo Burt Recht hat, hat er Recht.

"SOOOOO gross war die Forelle, die ich neulich hier gefangen hab!"
"SOOOOO gross war die Forelle, die ich neulich hier gefangen hab!"

Marc hat die Schnauze voll und verabschiedet sich zum Pullern. Jedoch kann der Frömmste nicht in Frieden strullern, wenn es dem Racheengel nicht gefällt. Mit den Worten "Hey, Süsser" haut Mary ihm erst mal was vor die Kauleiste. Im Gegensatz zu seinen zerebral beeinträchtigten Komplizen schnallt Marc auf Anhieb, wer da was von ihm will und zieht sich auf den "es-war-alles-Burts-Idee"-Standpunkt zurück, der aber, da erinnern wir uns, auch seinen bereits exekutierten Compadres nicht wirklich geholfen hat. Es folgt eine weitere kurze Kampfszene mit High-Kick-in-Fresse.

Burt wundert sich über den Verbleib seines Spezis, hört ein paar Schreie und kann seinem Kumpel dabei zusehen, wie er mit runtergelassenen Hosen panisch über den Acker flüchtet. "Das ist der Schuss, der in dein Arschloch muss", reimt Mary niveauvoll und legt an. Ich weiß nicht, welches Kaliber sie geladen hat, aber das muss mindestens ein Mini-Nuke gewesen sein, denn Marc zerlegt´s per (budgetgemäßer) CGI-Explosion in tausend herumsploddernde Einzelteile (inkl. Gedärm und alles, was man so braucht) - das größte Einzelteil ist der Oberkörper, und aus dem blubbert irgendwie was raus.. das wirkt ungesund...

Burt nimmt den schmoddrigen Abgang seines Buddys von der eher gelassen-amüsierten Seite: "Ich fass es nicht, die kleine Schlampe!" "Du hast mich nicht vergessen", freut sich Mary (hm, nette Selbsteinschätzung, oder?). Wie könnte er, wo er doch mit Sicherheit der beste Fick ihres Lebens war, grinst der Bösbube. "Und auch der letzte", erklärt Mary, dass sie seit dem Vorfall in sexueller Enthaltsamkeit lebt, was Burt jetzt so richtig ganz doll leid tut und außerdem die schwierige mentale Verbindung hergestellt hat, dass Tony das mit dem Abstechen seinerzeit nicht durchgezogen hat. Mary beballert Burt mit blauen Bohnen, er sucht erstens Deckung hinter seinem Zelt (ein gewagter Plan) und zweitens seinen eigenen Ballermann (hätte er dann die Fische nicht erschießen können?). Kurzer Shoot-out, bis Mary die Munition ausgeht. Aber sieh at ja immer noch die Machete. Burt fordert Mary zum Zweikampf heraus, d.h. man prügelt sich wieder (das ist immer das Glaubwürdigkeitsproblem solcher Szenen – Burt ist ein echter Schrank und mindestens doppelt so schwer wie Mary und der Kampf verläuft ausgeglichen...). Durch einen gezielten Tritt in die Weichteile verschafft sich Mary den entscheidenden Vorteil und möchte ihren Todfeind nun mit der Machete ein bissl spicken. Burt erwartet sein Schicksal wie ein Mann ("bring´s endlich zu Ende!"), doch da mischt sich jemand ein – Brackett, der ausbaldowert hat, wo sein Typ verlangt wird (war eigentlich nicht schwer, aber, hey, er ist Bulle – das sind nicht immer die Allerschnellsten) und aus beruflichen Gründen Selbstjustiz nicht akzeptieren kann. Mary will sich von nichts abhalten lassen, also sieht der Bulle sich gezwungen, sie mal probehalber anzuschießen. Damit wäre Burt gerettet (buuuuuh!) und Mary wegen Mordes verhaftet. Dumm gelaufen.

Hm, Missionarsstellung ist das nu aber nicht, oder?
Hm, Missionarsstellung ist das nu aber nicht, oder?

Die letzte Szene begleitet Mary in ihre Gefängniszelle (hm, komischer Knast, in dem vor der Zelle zwei schwerbewaffnete Wachtposten sich die Beine in den Bauch stehen. ABM?) und dann gibt´s noch Outtakes zum Abspann.

Bewertung

Bevor ich in die Analyse einsteige, nochmal ein klarstellendes Wort an diejenigen, die evtl. mein Violent Shit 3-Review in den falschen Hals gekriegt haben (ist mir klar, dass das eigentlich * hier * nix verloren hat, aber hey, it´s my site, I can do whatever I want...)... Ich habe nichts gegen Amateurfilme, ich habe nichts gegen Splädda, ich habe nichts gegen Gore. Ich habe nur was gegen Inkompetenz. Und wenn jemand einen inkompetenten Film abliefert, muss er sich von mir einen Verriss gefallen lassen, ob er nun ein Budget von 27,50 € und dreißig Minuten Drehzeit oder 200 Mio. Dollar und zwei Jahre zur Verfügung hatte. Das musste wohl mal gesagt werden.

Was, wie man vielleicht am nicht wirklich hämischen Tonfall des Reviews gemerkt hat, nicht wirklich was mit Blood Angel 2 zu tun hat, denn Inkompetenz sucht der verrisswütige Rezensent hier vergebens. Was das Team um Ingo Trendelbernd da für praktisch Null Kohle TM hingezaubert hat, kann sich wirklich sehen lassen.

Großartige Anforderungen ans Script sollte man nicht stellen – immerhin versteht sich der Film, wie des öfteren bereits bemerkt, als Remake und das ist in dem selbst von Leuten mit überschaubarem Gedächtnisspeicher auswendig lernbaren "Frau wird von einer Handvoll Kerlen vergewaltigt und rächt sich danach" umfassend beschrieben. Die Neuverfilmung des Stoffes hat sich sicher nicht zur Aufgabe gestellt, das Rape´n´Revenge-Genre inhaltlich neu zu definieren (wie sollte das auch funktionieren? Gibt halt nur einen begrenzten Storyfundus für dieses Thema...). Vorhersehbarkeit ist daher also Trumpf, aber das muss ja nicht immer schlecht sein. Innerhalb des eigenen Anspruchsdenkens funktioniert die Story immer noch ganz gut, wenngleich sich schon einige Plotholes einschleichen. Dass zwischen "Vergewaltigung" und "Rache-Amoklauf" ein Zeitraum von neun Monaten (neun Monate? Zufall? I don´t think so) liegt, erschliesst sich dem Zuschauer nicht wirklich (ich hätte spontan auf "ein paar Tage, maximal ein paar Wochen" getippt). Was mich auch ein bisschen stört, ist, dass die Vergewaltigung, wenn man den Cops glauben darf, in der Nähe eines Dorfs, zumindest aber einer kleineren Gemeinde stattgefunden hat und selbige doch ein gehöriges Stück Weg von Marys Wohnort entfernt liegen sollte, ihr Rachefeldzug aber ersichtlich a) in einer Stadt und b) wohl * ihrer * Stadt stattfindet. Vielleicht hab ich ja auch nur wieder was falsch verstanden (sowas kommt vor, wenn man gleichzeitig Film kuckt und Notizen ins Buch kritzelt), aber das geht mir irgendwie etwas gegen den Strich – nicht, dass es wirklich für den Film bzw. die Story bedeutsam wäre. Dazu gibt´s kleinere Unstimmigkeiten wie die Frage, wie Mary an den Waffendealer herankommt (aber auch das ist streng genommen völlig Banane für den Film bzw. entsprechende Szenen hätten den Flow des Films gestört).

Schon etwas schwerwiegender wirkt auf mich, dass die Plotte überaus deutlich in diesem unserem deutschen Lande spielt (das wird auch nie getarnt, schließlich fährt man mit deutschen Nummernschildern durch die Gegend, tankt bei der freien Tanke um die Ecke und shoppt bei Plus), aber alle Charaktere englische Namen tragen. Zuerst dachte ich, die Charakternamen wären direkt aus dem Original übernommen worden (lang ist´s her, dass ich es sah), aber dem ist nicht so, insofern versteh´ ich diesen Schachzug nicht ganz. Hätte doch auch mit deutschen Charakteren funktioniert.

Ansonsten orientiert sich der Film vor allem in der ersten Hälfe stark am Original (Szene an der Tankstelle, die Tatsache, dass auch Burts Gang einen "Dorfdeppen" dabei hat), bringt aber in der zweiten Hälfte noch den Subplot um Brackett, den ermittelnden Polizisten, ins Spiel, der Mary am Ende ihrer gerechten Strafe zuführt. Hier liegt übrigens auch eine inhaltliche Schwäche (nicht, dass Mary mit ihrem Rachespielchen nicht durchkommt, auch wenn das "zensurfreundlicher", weil Selbstjustiz nicht mit Straflosigkeit "belohnt" wird), sondern dass eine Unangemessenheit hinsichtlich der Bestrafung der Vergewaltiger auftritt – Tony, der "Dorfdepp" erleidet das wohl grausamste Schicksal, obwohl er an der Vergewaltigung nicht aktiv beteiligt war, im Gegenteil, eher Mary "schützte", indem er ihre Ermordung vortäuschte, Burt, der Mastermind (sofern man von "mind" reden will, hehe) der Aktion, aber letztlich körperlich unversehrt davonkommt (man verzeihe mir, ich hab jetzt grad nicht präsent, wie das im einzelnen im Original aussah. Kann mir jemand auf die Schnelle auf die Sprünge helfen? Sonst kritisier ich am Ende noch den Falschen und das wär mir peinlich, ausnahmsweise).

Der Regisseur fleht den Rezensenten um Gnade an (sorry, Ingo, couldn´t resist :-)).
Der Regisseur fleht den Rezensenten um Gnade an (sorry, Ingo, couldn´t resist :-)).

Was den Streifen, im Vergleich zu anderen R´n´R-Kloppern (wie z.B. Last House on the Left, der sich ja technisch auch in dieses Subgenre einsortieren lässt, auch wenn dort das Opfer nicht persönlich Hand anlegt), einfacher (d.h. beklemmungsfreier) konsumieren lässt, ist der insgesamt "leichtere" Tonfall – die Dialoge bieten, wie oben im Text schon mehrfach zitiert, ein gerüttelt Maß an dummen Sprüchen (die sind sogar wirklich recht lustig, und da die Darsteller sich auch nicht wirklich Mühe geben, ihren NRW-Dialekt, gedreht wurde in Düren, zu überspielen, und ich diesen Akzent recht gern höre, um nicht zu sagen, schon per se für witzig halte, verstärkt sich die humorige Wirkung sogar noch).

Folgerichtig verliert der Streifen durch diesen "leichtfüßigeren" Umgang mit dem Thema natürlich die emotionale-psychologische Wucht eines geradlinigen in-your-face-Schockers, sondern funktioniert eher als Unterhaltungsfilm. Konsequenterweise wird denn auch die plotauslösende Vergewaltigung nicht exploitativ oder plakativ, sondern vergleichsweise zurückhaltend unvoyeuristisch abgehalten (und sie dauert auch nicht so lange wie im Original; auf den butt shot hätte ich trotzdem verzichten können, aber das sind halt meine pet peeves) – das wirkt in keiner Weise so brutal wie z.B. auch im Last House on the Left, wo die Vergewaltigungsszene ja schon fast körperlich weh tut. In der zweiten Hälfte, nachdem Mary sich auch rein äußerlich vom "braven Mädchen" zum "eiskalten Engel" umgestyled hat, lässt der Film die Zurückhaltung dann fahren, ohne zu einem einzigen Splatterfest zu werden - dazu komme ich dann gleich noch, wenn´s um die Effektarbeit geht, detailliert, verlaute aber hier schon einmal, dass die blutigen Einlagen dosiert eingesetzt werden und sich recht schlüssig aus der Story entwickeln (Übertreibungen wie im Showdown sind freilich zu verzeichnen, aber sicher auch so gewollt).

Was mich wirklich positiv überrascht, ist die Regiearbeit – der Streifen ist sorgfältig inszeniert und offenbart kaum technische Schwächen; die ein oder andere Szene wirkt vielleicht etwas überbelichtet, aber das sorgt durchaus für gewisse Stimmung, und die gelegentlich eingesetzte Handkamera ist mir ab und an ein bissl zu hektisch, aber das liegt bei Handkamera halt auch in der Natur der Dinge (Steadicam ist bei 500-Euro-Budget ja geringfügig ausserhalb des Machbaren :-)). Gerade handwerklich-technisch ist der Film eine ganze andere Kragenweite als ein Schnaas-Schlachtfest – anstatt rumpeligem Heckenschere-Schnitt und chaotischem Einsatz von unterschiedlichen Filmmaterialien hat Blood Angel 2 einen sehr slicken (DV)-Look und besticht durch einen sehr fließenden Schnitt, mit gekonnten Überblendungen. Das Tempo des Films ist bedächtig (reinen Gorehounds wird´s wohl zu langsam sein, denn allein bis zur ersten Gore-Szene dauert´s seine ganz schöne Weile und auch danach ist der Film nicht Braindead)., setzt im Mittelteil einige sehr ruhige Passagen (in der Phase, in der Mary versucht, mit dem Geschehen psychologisch fertigzuwerden, ehe sie zur Rachefurie wird), setzt Dialoge stellenweise sparsam ein (gerade zum Filmauftakt, bis zum ersten gesprochenen Wort vergehen fünf Minuten).

Lediglich die Hand-to-Hand-Kampfszenen machen, rein formal gesehen, deutlich, dass es sich um einen No-Budget-Independent-Film handelt – Wire-Fu ist das begreiflicherweise nicht wirklich und die typischen Bud-Spencer-/Eastern-Dampfhammer-Schlaggeräusche lassen die (manchmal etwas * zu * deutlich gestellt wirkenden) Fights auch nicht wirklich, eh, realistischer und glaubhafter rüberkommen – "echte" Kämpfe auf Leben und Tod, naja, die sind wohl etwas, eh, lebhafter. Well, damit muss man in dieser Preisklasse leben (und kann´s auch, wenngleich mir persönlich weniger Zweikämpfe, auch zugunsten der filmischen Wirkung, lieber gewesen wären).

Man könnte darüber streiten, ob´s die "Verfolgungsjagd" durch die Wälder vor der Vergewaltigung nicht ein-zwei Minuten kürzer auch getan hätte, und es ist mir nicht ganz klar, warum der Film nach den s/w-Flashback-Alptraum-Sequenzen zur Filmmitte noch ein paar Sekunden länger s/w bleibt.

Zum Finale hin wird dann – natürlich – sowohl die Tempo- als auch die Gore-Schraube angezogen – richtige Spannung kann nicht aufkommen, da man ja weiß, wohin sich die Story entwickelt, aber das ist ja auch nicht die Intention des Films. Wichtiger sind in der Phase die Splattereffekte, die, wie schon ein paar Absätze weiter oben angesprochen, nicht übermäßig selbstzweckhaft eingesetzt, sondern sind der Storyentwicklung geschuldet. Insgesamt gibt´s fünf "große" Effekte, wobei der, ähm, effektivste sicherlich gleich der erste, Tonys Kastration, ist. Sowas tut uns Kerlen einfach weh, gell? Wie auch die weiteren FX ist die verwendete Technik vergleichsweise simpel, aber wirkungsvoll (alte Regel – wenn man aufwendige Trickhexereien aus Budget- oder sonstigen Gründen nicht realisieren kann, sollte man die weniger aufwendigen, die man machen * kann *, verwenden, und die wird hier größtenteils beherzigt). Abgehackte Hand, aufgeschlitzte Kehle, Enthauptung und auch der abgerissenes-Gesicht-Effekt sind durchaus auf ansehnlichem technischen Standard, kann man Rolf Burmester (Torsil Ultra-Regie) durchaus ´für loben.

Lediglich im Finale zeigen sich budgetäre Begrenzungen – die CGI-Körperexplosion Marcs ist recht, eh, schlicht und der halbierte-Mann-dem-die-Innereien-raussabbern-Effekt, der wohl auch digital bewerkstelligt wurde (ich gehe nicht davon aus, dass der Darsteller sich aufschneiden lassen wollte), erträglich, aber nicht gerade ein denkwürdiges Ereignis. Aber man hält sich das Sparstrumpf-Budget vor Augen und ist dann doch wieder versöhnt.

Wer kein Geld hat, hat meistens ein Problem mit der Ausstattung und das zeigt sich auch hier manchmal – man muss nicht sooo genau hinsehen, um festzustellen, dass das "Polizeirevier" im wirklichen Leben jemandes Wohnzimmer war (oder die Polizei hat heutzutage einen ziemlich progressiven Einrichtungsgeschmack...). Da´s aber nicht wirklich viele Szenen gibt, die "Ausstattung" bzw. ein echtes Set benötigen (eigentlich genau diese eine), stört das nur bedingt.

Positive Erwähnung finden sollte unbedingt noch der sehr großflächig eingesetzte Score von Christoph Maas und Amokcallsacoma (Gruppe? Pseudonym? Ich nix wissen), der stimmungsförderlich genutzt wird (er hat ja auch gut was zu tun, da´s, I repeat, doch einige längere dialogfreie Passagen gibt). Anhänger des Originals behaupten zwar, dass das dortige völlige Fehlen von Musik die Eindringlichkeit und Authenzität des Films verstärkt, aber Blood Angel 2, das hatten wir ja festgestellt, geht´s weniger ums "Zuschauer-an-der-Kehle-packen-und-schütteln" denn um einen gut konsumierbaren Unterhaltungsfilm.

Bevor ich zu den schauspielerischen Leistungen komme – bei einem 500-Euro-Film ist, was man nachvollziehen kann, keine Nachvertonung drin, d.h. der Film laboriert gelegentlich, und das ist die einzig wirklich grobe technische Schwäche, an der alten Amateurfilmkrankheit des gelegentlich unverständlichen Dialogtons. Das hält sich aber in Grenzen und stört nicht entschieden.

Nun, wie versprochen, zu den Darstellern, wie immer in solchen Fällen mit dem Amateurbonus. Akasha Jones macht als Mary ihre Sache recht gut – sie ist sowohl in der Opferrolle als auch in Gestalt des schwarzgekleideten Racheengels durchaus überzeugend. Eine echte Schau ist Rüdiger Schuster (den kennen Amateurfilmfreunde aus Kinder der Nacht 1 und 2 als Oberfiesling Burt – hübsch durchgeknallt ohne zu große Übertreibung, sicher die beste darstellerische Leistung des Films. Andrew "Machine" Clay kennen Stammleser bereits als Stampfer aus Death: Download - in der hiesigen Rolle kommt er mir etwas besser aufgehoben vor. Die restlichen Akteure haben keine größeren Rollen (auch nicht Lenny Brasso - hm, mir deucht, da sind einige Pseudonyme ´bei, was – als Brackett), aber es gibt keinen, der wirklich negativ auffällt (problematisch ist, dass sich einige der Darsteller im Lauf der Drehzeit offenbar doch äußerlich recht verändert haben und man die Jungs manchmal einfach nicht wiedererkennt, da helfen dann die kurzen s/w-Flashbacksequenzen weiter. Gut mitgedacht!). Der Regisseur selbst steuert einen lustigen Cameo-Auftritt bei.

Der Film wird auf DVD im Lee/Leroc-Eigenvertrieb (in einer, ich schreib´s ja fast ungern, covergestaltungstechnisch extrem schicken Hartbox) in limitierter 1000er-Auflage verkauft. Der geneigte Käufer erhält dafür einen bildschönen anamorphen Widescreen-Transfer ohne Fehl und Tadel – exzellente Bildqualität unter Berücksichtigung der der Video-Herkunft angeborenen leichten Unschärfe (auch hier – kein Vergleich mit den Machwerken eines Schnaas), der Ton (mit der oben geschilderten kleinen Einschränkung des Dialogtons) ebenfalls gut. Natürlich gibt´s auch einen Schwung an Extras (plus X-Rated-verdächtigen Tippfehlern auf dem Backcover :-)) - ein 80minütiges unkommentiertes Making-of, dem man durchaus einiges über die Arbeitsweise bei No-Budget-Filmerei entnehmen kann, eine kurze deleted scene (vermisst man im Film nicht), Biographien der Macher (leider aufgrund unglücklicher Hintergrundwahl schwer lesbar) sowie eine ausführliche Trailershow (der Trailer auf das Zombie-Spektakel Evil Knights, der Teaser auf Right Turn (ein weiteres 499-Euro-Projekt... hmmm... ob da wohl auch ein bekannter Film Pate gestanden hat? Kicher...) und der verdammt gutaussehende Trailer auf den Actionfilm Bloodbound machen Appetit). Die auf dem Cover versprochene Bildergalerie hab ich nicht gefunden...

Letzte Worte: Blood Angel 2 funktioniert als das, was er sein will, nämlich einerseits ein zeitgemäß etwas splatterorientierteres, andererseits weniger "ernsthaftes" Remake von I Spit On Your Grave gut. Sorgsam inszeniert, für einen No-Budget-Film optisch gelungen und gut gespielt, mit nur wenigen technischen Schwächen, tritt Ingo Trendelbernds Film den Beweis an, dass man auch mit nur 500 Euro einen wesentlich besseres abliefern kann als hirnlose Schmodderorgien a la Schnaas und trotzdem dabei Gore & Splatter nicht außer Acht lassen muss. Wer reinen Fun-Splatter erwartet, dem wird der Film sicher etwas zu behäbig im Aufbau sein, bis die blutigen Eskapaden beginnen, aber die Freunde des etwas "anspruchsvolleren" No-Budget-Horrors sollten durchaus mal reinschauen. Macht Laune und durchaus Appetit auf kommende Werke aus der Lee/Leroc-Werkstatt.

BOMB-SKALA
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BIER-SKALA
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