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BATTLE ROYALE II: SURVIVAL PROGRAM

Deutscher Titel: Battle Royale 2

Battle Royale 2
Battle Royale 2
alternativer Titel: Battle Royale II: Requiem

Japan 2003 - 133 min - FSK: 18 HK: Cat. III

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Inhaltsverzeichnis

Credits

Besetzung:

Shuya Nanahara  (Tatsuya Fujiwara)
Shiori Kitano  (Ai Maeda)
Takuma Aoi  (Shugo Oshinari)
Nao Asakura  (Ayana Sakai)
Haruka Kuze  (Haruka Suenaga)
Riki Takeuichi  (Riki Takeuchi)
Mitsugo Sakai  (Yuma Ishigaki)
Kyoko Kakei  (Miyuki Kanbe)
Maki Hayada  (Yoko Maki)
Kitano  ("Beat" Takeshi Kitano)

Crew:

Regie  Kinji Fukusaku, Kenta Fukusaku
Drehbuch  Kenta Fukasaku
Kamera  Yuta Morokaji
Schnitt  N.A.
Musik  Masamichi Amano
Production Design  N.A.
Spezialeffekte  N.A.
Produzent  Masumi Okada
ausführender Produzent  N.A.
Produktion  Toei Company Ltd.

Vorwort

Einige Monde ist es mittlerweile her, seit Battle Royale über nichtsahnende westliche Filmkonsumenten herfiel und einschlug wie die sprichwörtliche Bombe. In Deutschland wurde der kontroverse Reißer vom Feuilleton zwar mit Nichtachtung gestraft (was mich immer noch um so mehr wundert, als der Streifen relativ kurz nach dem Schulmassaker von Erfurt in die Videotheken kam und normalerweise ja bei allem, was ansatzweise so aussieht, als könnte es brave Teenage-Musterschüler in blutrünstige Killermaschinen verwandeln, aus den Kreisen der üblichen Verdächtigen Zeter & Mordie geschrieen wird, und, seien wir ehrlich, wann wäre es passender gewesen als bei Battle Royale?), aber in Zeiten, in denen der asiatische und speziell japanische Genre-Film nicht ganz zu Unrecht von Fans und Kritikern, die sich mit solchen “Abseitigkeiten” wie Horror, SF, Splatter und derber Action befassen, als Quell der Erneuerung gefeiert wird, entwickelte sich der Film doch zu einem euphorisch beklatschten Erfolg - der Doc, immer dabei, wenn es einen aktuellen Trend auszuschlachten gilt, war seinerzeit etwas zurückhaltender (man kann’s, wenn man will, unter Battle_Royale nachlesen) - der Streifen war und ist alles andere als schlecht, hätte aber um einiges besser und wirkungsvoller sein können (schon allein die enervierende Flashback-Inflation trübte den Filmfluss gewaltig, und die Sinnhaftigkeit der Story an sich muss mir auch noch bewiesen werden).

Sei’s drum, als Versuch eines gesellschaftskritischen Splatter-Action-Films (was sowieso schon eine recht denkwürdige Kombination darstellt) mochte Battle Royale zwar letztlich nicht erfolgreich gewesen sein, bot aber zumindest einigen Stoff zum Nachdenken, beinharte Action und Takeshi Kitano als Darsteller - kann man nicht meckern.

Als relativ früh der Plan einer Fortsetzung bekannt wurde, gehörte der Doc nicht unbedingt zu der Fraktion, die begeistert mit den Hufen scharrte und sich das Erscheinungsdatum im Kalender rot anmerkte. Zu sehr drängte sich die Befürchtung auf, dass Kinji Fukusako, der verdienstvolle Genre-Altmeister, und seine Produzenten der Versuchung nachgeben könnten, den selben Stoff einfach noch mal zu drehen (prinzipiell könnte man ja aus dem Konzept eine wundervolle Endlos-Serie drehen...), aber ein alternatives Konzept einer schlüssigen Fortsetzung, die dennoch noch was mit dem Originalfilm gemein haben würde, wollte mir auf die Schnelle auch nicht einfallen.

Nun, Kinji Fukasako sollte mit der Realisierung des Sequels aus tragischen Gründen eh nicht viel zu tun haben - die Dreharbeiten hatten gerade begonnen, da verstarb der Regisseur an einem schweren Krebsleiden. Das Kommando am Set übernahm daraufhin sein Kenta, der bereits im Auftrag seines alten Herrn das Drehbuch geschrieben hatte. Was er dann nach langen und aufwendigen Dreharbeiten vorlegte, stieß dann prompt bei den zahlreichen Fans des Originals auf ungefähr so viel Begeisterung wie ein Halloween-Film ohne Michael Myers bei der dortigen Klientel. Womit schon ausgedrückt wäre, dass Battle Royale II offensichtlich doch nicht der selbe Film ist wie Battle Royale... das allein machte den Doc schon wieder neugierig (schließlich finde ich auch Halloween III ziemlich knorke, und mit der Meinung steh ich ja auch relativ allein auf weiter Flur).

Also dann... ich versuche mich kurz zu fassen, schließlich dauert der Film beinahe doppelt so lang wie der zuletzt besprochen The Phantom from 10,000 Leagues, und das Review soll ausgedruckt schon 18 Seiten lang werden (irgendwann schaffe ich es noch, dass meine Reviews länger werden als die Drehbücher der besprochenen Filme... wenn das passiert, kommt bitte vorbei und erschießt mich).

Ach ja, und da es sich um einen relativ aktuellen Film handelt und vielleicht mehr Leute als sonst über Google hierher kommen - die obligatorische SPOILER-Warnung...

Inhalt

Soderla, bevor’s so richtig losgeht, müssen wir uns erst mal mit notwendiger Exposition befassen (allerdings nur insoweit, was sich zwischen den beiden Filmen getan hat - wer Teil 1 nicht gesehen hat, steht zwar nicht gerade auf hoffnungslos verlorenem Posten, aber wird nicht unbedingt von Anfang wissen, was abgeht). Drei Jahre sind seit den Ereignissen aus Battle Royale vergangen, bei denen Shunya Nanahara und seine Freundin Noriko Nakagawa das Spiel überlebten (bitte entsprechende Hintergrundinformationen im oben verlinkten Review zu Teil 1 nachzulesen) und in den Untergrund gingen. Das Battle-Royale-Gesetz besteht weiterhin, Shunya und Noriko bekämpfen das System ebenso weiterhin. Und zwar mit harten Bandagen...

Nach einem schönen Kameraflug über Tokio sehen wir nämlich eine ganze Gruppe von Wolkenkratzern (darunter ein Paar identischer Zwillingstürme - ich hab schon subtilere Andeutungen gesehen) idyllisch in Folge eines vernichtenden Terroranschlags idyllisch in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammensacken. Jup, Shunyu und Noriko verstehen keinen Spaß und haben eine Terrorgruppe namens “Wild Seven” gegründet (es möge aber bitte mal einer den Japanern sagen, dass sie saublöde Namen für ihre Terror- oder Ganovenkollektive erdenken. - “Crazy 88’s”, “Wild Seven”, haben die ‘ne Zahlenobsession da drüben?).

Subtil wie selten: der Niedergang der japanischen Twin Towers
Subtil wie selten: der Niedergang der japanischen Twin Towers

Die Konsequenz der Machthabenden ist nicht irgendeine sinnvolle Antiterror-Maßnahme (oder am Ende noch die Abschaffung des doofen Battle-Royale-Gesetzes), sondern, ta-daa, ein neues “Spiel”, das mit dem “Millennium Anti-Terrorismus”-Gesetz aus der Taufe gehoben wird (allein der Name des Gesetzes teilt schon munter weitere Seitenhiebe aus) - Battle Royale 2: Survival Program ist geboren. Na, irgendwie kann man die Reaktion der Regierung schon verstehen - würde mich auch nicht unbedingt amüsieren, wenn Shunyu, wie er’s hier tut, per TV nette Grußbotschaften wie eine generelle Kriegserklärung an alle Erwachsenen ausrichtet. Okay, Shunyu hat ein paar schlimme Erfahrungen gemacht, aber irgendwie scheint mir der Kerl doch *ganz leicht* überzureagieren.

Wenden wir uns einer der - vorgeblich - zentralen Figuren des Films zu: Shiori Kitano, die im ersten Film kurz angesprochene Tochter des Lehrers und BR-Zeremonienmeisters (und verstorbenen) Kitano . Die hat nun auch ein mittelschweres Trauma abbekommen - erstens mal natürlich das gewaltsame Ableben ihres Daddys (was zugegeben nicht wirklich lustig ist, auch wenn der Kerl mindestens der Beihilfe zum staatlich sanktionierten Massenmord schuldig war), zweitens, und das ist wohl das größere Problem für sie, wegen seiner Affektion zu Noriko, die sich in dem aus Teil 1 bekannten, von Kitano geschaffenen Kunstwerk zeigt (wir erinnern uns: dort war Noriko als einzige Überlebende dese Spiels abgebildet, und dass Kitano in Noriko mindestens so was wie eine Ersatztochter sah, hatte der Originalfilm auch deutlich gemacht). Shiori ist also emotional schwer verwirrt und sah nur einen Weg, sich über ihre Gefühle hinsichtlich des Vaters klar zu werden - die Teilnahme an einer Battle Royale, auch wenn das für sie allerhand Klimmzüge bedeutete, um an eine Schule versetzt zu werden, deren Schülerschaft sich aus allerlei gescheiterten Existenzen, disziplinlosen Punks und sonstigen Verlieren zusammensetzt (wobei mir trotzdem eines nicht ganz klar ist: nach der internen Logik der Filme wird die teilnehmende Schulklasse zufällig ausgesucht, aber eine Szene in BRII scheint zu implizieren, dass Shiori sich explizit für das Spiel, via Internet, natürlich, anmeldet? Okay, ich kann kein Japanisch, vielleicht vermittelt die entsprechende Website auch nur Informationen über das Spiel).

Die nächsten Minuten verbringen wir, basically, mit einem Aufguss des ersten Films. Shioris Klasse feiert, kurz vor Weihnachten, nach einem schlammigen Rugby-Match (interessant genug, dass Männlein und Weiblein zusammen Rugby spielen - ich würde mal behaupten, dass diese Sportart nicht unbedingt ein Musterbeispiel für Chancengleichheit der Geschlechter ist. Alas, was Frau nicht umbringt, macht sie härter, oder wie war das noch?). Nach dem Spiel geht’s per Bus auf einen Ausflug in gehobener, weil Nach-Abschluss-Stimmung, ein Rugbyball kreist und wird von allen, bis auf den blonden Takuma, der ein wenig mürrisch wirkt, unterschrieben, alle sind gut drauf und schlafen irgendwann ein...

Wie kaum anders zu erwarten, kommen unsere Youngster wieder zu sich, als ihr Bus in ein Militärcamp einfährt (sie bemerken auch, dass die schicken elektronischen Halsbänder, die sie auf einmal alle tragen, vermutlich kein Farewell-Geschenk ihrer Schule zum erfolgreichen Abschluss sind) und dort von schwerbewaffneten Soldaten und hysterisch kreischenden TV-Reporterinnen (offensichtlich ist das Spiel mittlerweile die offizielle japanische Antwort auf Big Brother und hat Millionen Fans, die wohl begeistert das Eintreffen der neuen Kandidaten begaffen). Die Schüler geraten verständlicherweise etwas in Panik, werden aber durch die Militärmacht aus dem Bus, dafür aber in Tarnanzüge gehasselt und in einen käfigartigen Raum gepfercht. Und wieder ist es einer ihrer Lehrer (diesmal aber sogar der aktuelle und nicht ein früherer), der sich als Vertreter der Staatsmacht entpuppt - Riki Tekuichi (in getreuer Tradition des ersten Teils agiert Riki unter seinem Realnamen); aus dem nett und fröhlich grinsenden Kumpeltyp im Rollkragenpullover ist innerhalb weniger Minuten ein glühender Fanatiker geworden (der seine Ledermäntel ersichtlich im Neo-Fanshop bezieht). “Merry Christmas,” wünscht Riki grimmig und begibt sich an die Tafel, um dort Ländernamen anzuschreiben: “Japan, China, Nordkorea...” Während Riki seinen Geographieunterricht für Fortgeschrittene abzieht, beschließen zwei Mädel, einen zum Scheitern verurteilten Fluchtversuch zu unternehmen (die Gitter sind there for a reason, Mädels!), der von dem Batallion bewachender Soldaten aber schnell und mit harter Hand beendet wird. Riki lässt sich von all dem nicht stören: “Peru, Laos, Vietnam, Kambodscha”, labert er. Na, wer findet als erster den Zusammenhang, bevor Riki mit “Afghanistan” endet? Richtig, das sind alles Länder, die die Vereinigten Staaten von Amerika in den letzten 60 Jahren bombardiert haben (was das alles mit dem Battle-Royale-Gesetz zu tun hat, ist fraglich, aber es ist schickes America-Bashing). Ein Schüler versucht, Riki per gezieltem Messerwurf zu entleiben (auch das hatten wir im ersten Film schon, originell isses bislang nicht), was den Teacher nur wenig beeindruckt (er reicht dem Messerwerfer den überdimensionierten Zahnstocher auch mit einem launigen “Spar dir deine Waffen auf” zurück), vielmehr kommt er endlich zur Sache. Ein Jahr ist nach dem Terrorangriff auf Tokio vergangen und Shunyu hat sich mit seinen Getreuen auf eine Insel zurückgezogen (warum sollte er das tun?). Die Staatsmacht verspürt wenig Neigung, auf die Kriegserklärung des Halbstarken einzugehen und ist daher auf den schlauen Plan verfallen, dass den Krieg dann doch gefälligst die Kinder unter sich ausmachen sollen - Battle Royale II! Hurra!

Die Kandidaten der neuesten Big Brother-Staffel waren von den Wohnverhältnissen im neuen, verbesserten Container nicht wirklich überwältigt.
Die Kandidaten der neuesten Big Brother-Staffel waren von den Wohnverhältnissen im neuen, verbesserten Container nicht wirklich überwältigt.

Der ausgesprochen idiotische Plan der Regierung sieht vor, dass die auserwählte Schulklasse auf die Insel verbracht und dort innerhalb von 72 Stunden Shunyu und seine Bande vernichten soll (jetzt stellt sich der Logiker natürlich schon die Frage, warum man unausgebildeten Teenagern, die vermutlich zum ersten Mal in ihrem Leben eine Knarre in die Hand hält, eine Aufgabe überträgt, die eine berufsmäßige Armee nicht schneller und effektiver erledigen könnte). Zwecks besserer Unterhaltung für die Erwachsenen werden die Schüler in Mädel/Junge-Paare eingeteilt (den ganzen Schmarrn, den Riki von wegen “zwei Seiten im Leben, die Sieger und die Verlierer” und einem weißen Strich, den die “Sieger” übertreten müssen, womit sie sich als spielbereit orten, erspare ich mir mal) - was’n Glück, dass die Klasse pari-pari aufgeht (in meiner alten Schulklasse wäre das ein echtes Problem geworden, bei 20 Mädchen und sieben Jungs). Jede Menge Zeit wird totgeschlagen, wenn die aufgerufenen Schüler sich dramatisch entscheiden, ob sie nu lieber sofort exekutiert werden wollen oder doch die zweifelhafte Chance des Überlebens via Spiel wählen. Nur Punk Ryo Kurasawa, dem der Rinderwahnsinn schon in die Frisur gestiegen ist (laues Abziehbild aus dem ersten Film, wenn man mich fragt) und Shiori entscheiden sich ohne größeres Nachdenken pro Spiel. Entschieden contra Spiel stellt sich allerdings Takumas bester Freund Shintaro, der sich, Fleißkärtchen dafür, auch die Rechnung aufgemacht hat, warum zum Geier die Kids diesen Job erledigen sollte. Seine Weigerung bleibt standhaft, auch nachdem ihm Riki als kleine Motivationshilfe ins Bein schießt. Es kommt, wie’s kommen muss, Shintaro erweist sich als erkenntnisresistent und wird deswegen graphisch erschossen, worauf Takuma eine mittelschwere Krise erleidet. Plötzlich beginnt das Halsband von Shintaros Zwangspartnerin zu ticken. “Ooops,” grinst Riki, hat er doch glatt vergessen, eine Kleinigkeit zu erwähnen. Die Halsbänder sind so programmiert, dass sie automatisch in die Luft fliegen, sollte der Partner permanent das Atmen einstellen, ach ja, und mehr als 50 Meter voneinander entfernen dürfen sich die Partner auch nicht (inwiefern dabei noch ein effektives Kämpfen möglich sein soll, mögen mir größere Militärstrategen verraten, jedenfalls scheint’s trotzdem so, dass die Beseitigung Shunyus bei der Regierung eine wesentlich niedrigere Priorität genießt als das Abmurksen unschuldiger Teenager. Sonst würde man sich doch wohl eine etwas erfolgversprechendere Anti-Terror-Strategie einfallen lassen). Das Mädel panikt verständlicherweise, versucht, den toten Shintaro zum Weiterleben zu überreden und schreit dann nach ihrer Mami. Nützt auch nix. Das Halsband geht hoch und jede Menge Kunstblut sploddert gegen die Kamera. Lecker (für die Gorehounds: das Halsband lässt nicht gleich den ganzen Kopf explodieren, sondern reißt “nur” den Hals auf). Ach ja, und die beliebten Bodycount-Einblendungen zum Mitzählen (2 down, 40 to go) dürfen natürlich auch im Sequel nicht fehlen.

Und ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht... (okay, das ist zugegeben einer für die Älteren unter uns)
Und ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht... (okay, das ist zugegeben einer für die Älteren unter uns)

Extrem lustigerweise (gähn) ist das folgende Spektakel jetzt in einzelne “Missionen” unterteilt (soll das eine Anspielung auf Computerspiele sein? Hm, dann wäre das vielleicht gar nicht so unclever, wie ich zunächst vermutete...). Am 23.12. um 6 Uhr früh (irr, welch unchristliche Zeit, selbst beim Bund musste ich da gerade mal aufstehen...) geht’s los, mit dem Landemanöver. Nachdem sich erst mal ein paar unserer Schüler die Seele aus dem Leib kotzen (es gibt Images, auf die ich doch immer wieder gern verzichten kann und full frontal vomiting gehört da eindeutig dazu) und ich meine Augen auf die schicke neumodische DV-Hi-Def-Jerky-Schmerky-Kameraführung (das mag bei 28 Days Later funktioniert haben, aber ganze zehn-fünfzehnminütige Sequenzen in diesem Stil zu zelebrieren, führt dazu, dass ich es fast den Seekranken nachtue und mir mein Essen noch mal durch den Kopf gehen lasse. Es ist einfach anstrengend, kopfschmerzanregend und lässt mich dankend Stoßgebete gen Himmel schicken, dass ich den Film nicht auf großer Kinoleinwand sehen musste) umgepolt habe (mehr oder weniger erfolgreich), haben wir auch schon kapiert, dass wir uns in einer Saving Private Ryan-Gedächtnissequenz befinden (dafür muss ich den Spielberg-Schmonz noch nicht mal gesehen haben). Unsere tapferen Schüler geraten unter heftigen Beschuss von Land - der ein oder andere geht drauf und/oder über Bord der Schlauchboote. Ob es eine richtige Knalleridee war, die Halsbänder mit genügend Sprengkraft auszustatten, dass das explodierende welche eines Mädels, dessen Partner getiltet wurde (die werten Mitschüler sind leider nicht überlebenstechnisch genug gepeilt, um das Girl kurzerhand über Bord zu schubsen), gleich ein ganzes Schlauchboot in einen Feuerball verwandelt, sollten sich die Verantwortlichen noch mal in einer ruhigen Stunde überlegen. Zwölf Schüler erreichen also noch nicht mal den Strand - na, der Bodycount jedenfalls hat ordentlich was zu tun (das nimmt ja schon Hot Shots Part Deux-Verhältnisse an).

Hach, einen ganz besonders doofen Plot Point hab ich glatt vergessen - wie in Teil 1 ist die Insel wieder in “Danger Zones” aufgeteilt - wer sich zum falschen Zeitpunkt in der falschen Zone aufhält, macht BUMM (dito mit Verzögerung folgerichtig auch der Partner) - konnte ich das im ersten Film noch als wesentlichen Bestandteil des Spiels akzeptieren, ist es hier nur noch blöde (wird das per Satellit überwacht? Ansonsten wäre es ein wenig, eh seltsam, die Insel aufwendig in Zonen aufzuteilen, wenn dort doch der böse Feind sitzt).

Gut, am Strand geht das hektische Geballere weiter. Eins der Girls verliert die Nerven und schickt sich an, eins der Schlauchboote für die sofortige Heimfahrt zu requirieren, was aus nachvollziehbaren Gründen (tja, der Hals ist doch noch näher als das Hemd...) nicht die ungeteilte Begeisterung ihres Partners findet. Beim Versucht, sie von dieser Aktion abzuhalten, wird er von den Verteidigern des Blödsinns in Fetzen geschossen, konsequenterweise kann sich die Ausreisewillige fürs nächste Leben schon mal ‘nen neuen Kopf suchen. BOOM! 2 down, 26 to go (hm, wie soll der Film bei dem Tempo 2 ¼ Stunden gehen?).

Wir arbeiten weiter hart an der Indizierung: erst gab´s Titten, jetzt gibt´s Splädda!
Wir arbeiten weiter hart an der Indizierung: erst gab´s Titten, jetzt gibt´s Splädda!

Mission 2, “Securing Ammo” steht an. Die lebenswichtige Munition wird in winzigen Kistchen an Fallschirmen vom Hubschrauber aus abgeworfen, so wie ich das sehe, pro Schüler eine Kiste. Zwecks spezieller Fiesheit gibt’s neben wirklich brauchbaren Waffen (die komplizierteren kommen inklusive Gebrauchsanweisung, ist doch nett) auch Nieten (der erste Teil löste das, eh, witziger, und was soll das eigentlich sein, was der arme Unglückliche mit dem Lospech da aus seiner Kiste pult? Klopapierrollen? Man, im echten Krieg wäre der vermutlich sehr populär!). Die in drei Gruppen aufgeteilten Schüler (weil: der Angriffsplan sieht drei Angriffspunkte vor - beweist die Idiotie der Planungsstrageten - 40 geteilt durch 3? Da muss sich notgedrungen ein Pärchen trennen!) machen sich waffentechnisch aufgerüstet auf - eine Gruppe bezieht temporäre Zuflucht in einem verlassenen Gebäude (die ganze Insel ist mit zum Kriegsspielen bestens geeigneten Ruinen übersät), allerdings geht ihnen ein Mädel ab, das ist nämlich leicht verwirrt in eine Todeszone abgewandert. Persönliches Pech für ihren Partner, der aber eh schon zu Klump geschossen wurde. So kann der wenigstens, nachdem sein Girl erwartungsgemäß BOOM gemacht hat, den Heldentod sterben und seinen Kumpanen den weiteren Vormarsch decken (inklusive einiger melodramatischer “Kümmert euch nicht um mich, geht!”-Sprüche übers Helmradio). 2 down, 24 to go.

Takuma spielt ob des Ablebens eines weiteren seiner Freunde mal wieder Zeitbombe und ballert volle Kanne gegen den Gebäudekomplex, aus dem das Verteidigerfeuer dringt.

Mittag, zwar nicht Mittagspause, aber zumindest Zeit für eine kleine Zwischenbilanz von MC Riki. Die imposante Gefallenenliste, verlesen zu den Klängen von “Stille Nacht, Heilige Nacht” (hübsch), findet aber nicht dese Meisters Wohlgefallen. Er ist von seiner Klasse ziemlich enttäuscht (sind das nicht die meisten Lehrer? Berufsrisiko, oder?), die vielfältigen Tode sind ihm nicht “individuell” genug (den Betroffenen hat’s sicherlich gereicht. Abgesehen davon: what did you expect? Bei der Landung in der Normandie schlugen die massenhaft niedergemähten alliierten Landungstruppen auch keine spektakulären Saltos - gäbe allerdings dem Wort “Todesspirale“ eine völlig neue Bedeutung, hähä - um ihre Offiziere zu beeindrucken). Und verdammich, hab ich tatsächlich erst ein Drittel meiner Notizen aufgearbeitet? Uh-oh. Auf’s Gaspedal drücken ist wohl die Devise, sonst sitz ich Weihnachten noch da.

Takumas Gruppe ruht sich gerade ein wenig aus - seine Freundin Nao ist ob des allgemeinen Kämpfen und Sterbens ein wenig angepisst und Klassenkameradin Kuze spritzt sich, da Diabetikerin, ihr Insulin - sie hat nur das recht fiese Problem, nicht genug Medikamente dabei zu haben, weil sie sich begreiflicherweise nicht auf einen längeren Geländeausflug eingestellt hatte. Hm, man sollte erwarten, dass der Film darauf noch zurückkommt (tut er aber nicht, Grüße von Future Doc).

Gruppe 3 (also nicht die von Ryu oder Takuma) latscht dieweil in ein Feld von Stolperdrähten (Shunyu und seine Teen-Terror-Truppe haben offenbar bei den einschlägigen Vietnam-Filmen gut aufgepasst). Die ausgelöste Sprengfalle katapultiert ein bedauernswertes Opfer sans Laufgräten eine Etage höher an eine der rumstehenden Ruinen, seine Partnerin verscheidet aufgrund Halsbandeinsatzes - Ryu will seinen Kumpels zu Hilfe eilen (was er dabei hilfreicherweise anstellen möchte, außer NICHT gegen Stolperdrähte zu latschen, und auf die Idee könnten die Betroffenen auch selbst kommen), wird aber von Shiori (you remember her? Eine unserer eigentlichen Hauptfiguren?) mit vorgehaltener Waffe daran gehindert - sie will Shunyu meucheln und sich davon nicht durch Nebensächlichkeiten wie das massenhafte Verbluten ihrer Schoolmates abhalten lassen (eine Streberleiche gibt’s halt immer. Hm, die “Leiche“ war jetzt gar nicht mal beabsichtigt...). Trifft sich vielleicht auch besser so, denn bei der Stolperdraht-Truppe gibt’s zünftigen Mayhem, als die Leiche des ursprünglich halbierten Kameraden von der Hausruine ins Drähtefeld stürzt und jede Menge fieser Fallen auslöst. Resultat: 6 down, 18 to go.

Splädda Teil 2 - der Junge sollte es von der positiven Seite sehen: nie mehr Hosen und Schuhe kaufen müssen, spart doch auch Kohle...
Splädda Teil 2 - der Junge sollte es von der positiven Seite sehen: nie mehr Hosen und Schuhe kaufen müssen, spart doch auch Kohle...

Mission 3 - “The Assault“: Shunyu hat seine Residenz in einem notdürftig zusammengeflickten “Ruinenturm” aufgeschlagen. Die diversen herumstehenden Mauern etc. bieten den Angreifern sogar vernünftige Deckung (die Sequenz wirkt wirklich sogar so wie die Disziplin “Assault” in der guten alten “American Gladiators”-Show. Sollte für die Nasen von der IMDB doch bestimmt für einen “references”-Eintrag reichen). Der leicht emotionale Takuma erschießt versehentlich eine seiner eigenen Kameradinnen (wirklich, äh, lustig, wär’s geworden, wenn’s seine eigene Partnerin gewesen wäre. Würde dann sicher als Selbstmord zählen, oder?). Im angestrengten, blutigen (und wieder gewohnt hektisch-Hi-Def-DV-gefilmten...) Geballer fällt einer der Verteidigerinnen beim konzentrierten Blick durchs Zielfernrohr eine erstaunliche Tatsache ins Auge: die Angreifer tragen Battle-Royale-Halsbänder (die großen BR-Logos auf den Uniformen der Kids hat sie allerdings übersehen. Zeit für Besuch bei Fielmann)!

Die überlebenden Angreifer infiltrieren ein - rätselhafterweise unter Wasser stehendes - Gebäude, werden dort aber von Shunyus Leuten umringt und ultimativ zur Niederlegung ihrer Waffen aufgefordert. Takuma wäre durchaus bereit, aufzugeben, nicht aber Ryu, dem es doch etwas nahe geht, dass so viele seiner Freunde draufgegangen sind (ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das für eine konsequente Charakterentwicklung halte oder nicht). Er erschießt vielmehr einen der arg jugendlichen Verteidiger, worauf ein weiterer Shoot-out entbrennt, in dem Ryu schließlich einen knackigen Kopfschuss kassiert. Scoreboard: 6 down, 12 to go.

Während Shunyu seine neuen Gefangenen inspiziert, beginnen die Halsbänder der Überlebenden verdächtig zu ticken. Im Bemühen, eine größere Sauerei (muss man ja alles irgendwann wieder aufwischen) zu vermeiden, befiehlt Shunyu seiner Kollegin Maki, den “EMB” bereit zu machen (das behaupten zumindest die Untertitel der HK-DVD - gemeint ist natürlich ein “EMP”, elektromagnetischer Puls also, ein Plot Device, dessen Anwendung sämtlichen Drehbuchautoren der Welt unter pain of pain verboten werden sollte). Warum die Terroristen/Rebellen über ein EMP-Gerät verfügen, wird mir sicher niemand befriedigend erklären können (das von Maki hingeworfene “das wollten wir doch für unsere Flucht aufheben” reicht mir jedenfalls nicht). Das Gerät wird rangeschafft, aber nicht rechtzeitig genug, um ein explodierendes Halsband verhindern zu können. Splodt! Immerhin - die restlichen 11 Überlebenden sind für den Moment weiter Überlebende (gratitious Maximum Overdrive-Reference), aber das überwachende Militär bemerkt scharfsinnig, dass der Kontakt zu den Spielern abgebrochen ist und schickt daher auf Rakis Geheiß die Fußtruppen los.

Der 24.12. bricht an (Happy Birthday to me, Happy Birthday to mee...) - Takuma und seine Freunde sitzen etwas ratlos inmitten Shunyus seltsamer Community, in der’s auch eine Handvoll Steppkes (früh übt sich, was ein Terrorist werden soll, wissen wir ja auch aus dem Nahen Osten) und mindestens ein Baby gibt (tsk? Underage sex? I’m shocked!). Shunyu zündet für jeden im Kampf Getöteten eine Kerze an und salbadert philosophischen Dummfug über das “Symbol aller Guerillakämpfer”, die gute alte AK-47 (Herr Kalaschnikoff bedankt sich für die unnötige Werbung - ‘ne Che-Guevara-Flagge wäre mir sympathischer gewesen) ab und versteigt sich in einen Flashback... In der Zeit zwischen Teil 1 und Teil 2 waren er und Noriko (die bislang so verdächtig abwesend ist, dass ich schon wüste Spekulationen hinsichtlich ihres Ablebens zelebrierte) u.a. in einem gewissen Land, das unser geliebter Verteidigungsminister mit den Worten “die Landesverteidigung beginnt am Hindukusch” in Diskussionen einzubringen pflegt (gemeint ist Afghanistan), in Deckung und dort hat unseren Shunyu die Erkenntnis wie ein Schlag zwischen die Augen getroffen - obwohl das Land jahrzehntelang Krieg aushalten musste, war die Bevölkerung nett & freundlich & die Kinder immer lächelnd, immer vergnügt, und dieses “offene Lächeln” der Kinder habe ihm und seiner ganzen Generation die böse Erwachsenenwelt gestohlen (yargh, ich glaub, ich muss gleich brechen). Takuma fragt sich mit Recht, ob sein Gegenüber tassenmäßig noch vollständig sortiert ist. Gut, Shunyu hat einen validen Punkt, als er Takuma wiederum fragt, ob er denn meine, er und seine Freunde könnten, einen ordnungsgemäßen Ausgang des Spiels vorausgesetzt, denn mirnix-dirnix ihr normales Leben fortsetzen. Nein, vielmehr gelte es, weiterzukämpfen, bis der letzte Erwachsene niedergemacht sei (und wenn das soweit geklärt ist, kann der bis dahin vermutlich greise Shunyu gleich mit sich selbst weitermachen) und “wir so offen lächeln können wie die Kinder (in Afghanistan).” Lächeln hin, Erwachsene her - ich möchte nicht unbedingt mit einem afghanischen Kind tauschen, sorry.

Diese schöne und friedliche Welt wünscht sich Shunyu für uns alle - ein echter Wohltäter!
Diese schöne und friedliche Welt wünscht sich Shunyu für uns alle - ein echter Wohltäter!

Mittlerweile greift die japanische Armee an (das hätten sie also wirklich OHNE die Battle-Royale-Spieler längst tun können). Shunyu versucht, Takuma weiterhin davon zu überzeugen, dass die Schüler nicht seine Feinde seien. Shiori wirft, ebenfalls nicht ganz zu Unrecht ein, dass die ganze Lächel-Schmächel-Geschichte, wenn’s denn sein “Punkt” sei, ein ziemlich blöder Punkt wäre, wenn man dafür unschuldige Menschen killen muss. Weitere metaphysische Diskussionen erübrigen sich aufgrund des Angriffs der Soldaten, und zumindest bei denen hat Shunyu keine größere Hemmungen. Niedergemetzel Galore. Shiori macht Anstalten, Shunyu entleiben zu wollen, aber der wedelt ihr relativ unproblematisch das Gewehr aus der Hand und kann sich einen besserwisserischen “Wenn du töten willst, dann drück ab”-Spruch nicht verkneifen. Takuma ballert mittlerweile aus allen verfügbaren Rohren auf die Soldaten, die verzweifelt und vergeblich um Verstärkung nachsuchen (“Wir werden hier abgeschlachtet!” Prima Bild, dass die Berufsstreitkräfte hier abgeben...), aber Riki kaut nur diabolisch auf seinen Tic-Tacs. Takuma meuchelt einen Soldaten, der ihn sterbend ein “ich... hab... doch... auch... Familie” entgegenröchelt (ja, und? War ja jetzt nicht gerade ein feiges Attentat von hinten, sondern ein Kampf und Leben und Tod. Hätte Takuma vorher eine genealogische Untersuchung in Auftrag geben sollen?).

Der 25.12. bricht an, eine verwundete Schülerin stirbt (1 down, 10 to go) und Takuma platzt mal wieder der Kragen, er geht auf Shunyu los und verwickelt ihn in einen Zweikampf. “Du bist nicht besser als die Erwachsenen,” schreit er, “die Toten sind für dich auch nur eine weitere Kerze!” “Ich wünschte, es könnte aufhören,” gibt sich Shunyu ganz humanistisch, zumal tatsächlich auch ihm klar ist, dass er irgendwann mal doch ein Erwachsener sein wird, ob’s ihm nun passt oder nicht. “Das Beste, was wir tun können, ist der Toten zu gedenken!” Obwohl das nicht wirklich irgendwas erklärt, motiviert odre sonstwiet, scheint Takuma diese Einsicht zu genügen. Whatever. Shiori findet dieweil ein intaktes Piano (yeah, sure), erinnert sich an ihre entsprechende Ausbildung und klimpert sich in einen Flashback (für einen Moment befürchtete ich, der Streifen würde jetzt dazu übergehen, wie sein Vorgänger in einer Flashback-Orgie jeglichen erzählerischen Faden verlieren). Und das heißt: Zeit für den Cameo-Auftritt von Takeshi Kitano. Hier etablieren wir mal schnell, dass Shiori ihren Vater wirklich hasste, u.a. weil er ihren Geburtstag verwechselt und überhaupt nicht der Superdaddy war. “Dir wär’s am liebsten, ich täte das,” seufzt Kitano und deutet mit universell verständlicher Gestik ein gepflegtes Hirnrauspusten an (und, obwohl ich das normalerweise nicht innerhalb des Reviews tue, ich muss Kitanos schauspielerische Glanzleistung in einem so kurzen Auftritt hervorheben) - snüff, dabei hatte er doch ein Geschenk für sie, obwohl’s einen Tag zu spät war. “We all want someone to know,” philosophiert Shiori. Auch Takuma flashbackt - ihn zieht’s an den Tag zurück, als ihn seine Mama mit ein paar guten Wünschen, aber auch relativ herzlos an der Loser-Schule ablieferte und ihn dort allein zurückließ (ja, I think I get the Intention - die Erwachsenen kümmern sich nicht um die Bedürfnisse ihrer Sprösslinge. Ist ja auch keine absolut neue Idee). Und wo wir gerade beim Flashbacken sind, lässt sich auch Shunyu nicht lumpen und blendet sich in die Zeit seiner Terroristen-Ausbildung bei seinem Onkel (will jetzt nicht bei BR I nachschlagen, aber war da nicht ein anderer Charakter der Neffe eines Profi-Gorillas, eh, -Guerillas? Maybe I SHOULD check. Ok, I did und ich hatte Recht - Shinji Mimura war dort der Neffe des Terroristen, und da laut Cast-Angaben der Terrorist, gemimt übrigens von niemand anderem als Sonny Chiba himself, als Mimura bezeichnet wird, vermute ich mal, um dem Autor nicht zu viel schlechtes zu unterstellen, dass Mimura Shunyu als Freund seines Neffen unter seine Fittiche genommen hat) - damals, im Zuge einer offensichtlich für die Guerillas sehr verlustreichen Operation, reichte Mimura die bewusste Kalaschnikoff symbolisch an Shunyu weiter (passing the torch, gelle?)

Takeshi Kitanos erste Reaktion, als man ihn fragte, ob er BR-Sequel mitspielen wollte, wurde glücklicherweise gleich gefilmt!
Takeshi Kitanos erste Reaktion, als man ihn fragte, ob er BR-Sequel mitspielen wollte, wurde glücklicherweise gleich gefilmt!

Während Riki in seiner Kemenate das Foto eines Mädchens anstiert (ich hab das Girl nicht erkannt, sorry, aber es reichte, um eine bloße Wiederholung des Kitano-Noriko-Angles aus BR I zu befürchten) und einen leichten Nervenzusammenbruch erleidet, bereitet Shunyu eine weitere Grußadresse an die Welt vor - seine Computerexpertin hext ihn ins Fernsehprogramm, wo er vor seinem “Wild Seven”-Banner seine Kriegserklärung an die Erwachsenenwelt erneuert (der Junge ist sicher ein Quotenkönig). Nach den üblichen “wir werden nie verschwinden etc.”-Schwafeleien kommt er zu seinem Höhepunkt: “Niemand hat den Frieden erreicht, ohne dafür zu kämpfen. Wenn wir das vergessen, kann der Frieden genauso gut Hundescheiße sein!” (Er? Öh? Najaaa, wenn er meint! Riki findet das übrigens recht witzig). Dann betet Shunyu die Liste der amerikanisch bombardierten Länder (in exakt der gleichen Reihenfolge wie Riki zuvor, think about that!) runter und wendet sich explizit an die Kinder der Welt: “Rise up and fight together!” (Macht sich gut im Kinderprogramm), wider die alten Regeln, für eine neue, bessere Welt. In diesem Sinne frohe Weihnachten. Kaum sind seine letzten Worte verklungen, schlagen auch schon Raketen auf der Insel ein. Absender derselben sind weder aufgebrachte Fernsehzuschauer, die wegen Shunyus Geschwafel den Weihnachtssegen des Papstes oder den letzten Teil des ZDF-Adventsvierteilers verpasst haben, auch nicht die japanische Armee (auch wenn mich das durchaus auf die Idee bringt, warum die glorreichen Streitkräfte Nippons die Methode nicht mal spaßeshalber probiert haben), sondern...

Ha, gemein, gelle?

Na, so schwer ist das Rätsel aber auch nicht, oder? Okay, Riki und seine Militärs wundern sich schon, wer sich da ins schöne Spiel eingemischt hat, aber der japanische Premierminister klärt per Videokonferenz auf. Es handelt sich um ein gewisses, nie namentlich benanntes Land, das in Zusammenhang mit der schon zweimal rezitierten Bombardierungsliste steht... Und diese Supermacht fühlt sich von Shunyus Drohungen so an Bein gepinkelt, dass sie erstens die Raketen als freundliche Botschaft geschickt und zweitens ein Ultimatum gestellt hat: binnen 12 Stunden möchten die Japaner doch bitteschön Shunyu entsorgen, sonst würden sie das selbst tun. Der Premierminister erteilt die üblichen präzisen Aufträge: “Tun sie irgendwas! Jagen sie die Insel in die Luft! Ist doch egal, wenn da noch ein paar Kinder rumlaufen!” Riki kann nicht glauben, was er da hört, sagt selbiges und stiert den Premier finster an. “Sie sind ein Erwachsener,” erinnert der Chef seinen Spielmeister und erinnert an das bewusste Land und seine Power. “Ein Land, das alles bombardiert, was ihm nicht passt? Nennen sie das erwachsenes Verhalten?” dröhnt Riki, reißt sich das Hemd auf und offenbart - ein Explosivhalsband (nein, ich weiß nicht, warum er das trägt), schmeißt was gegen den Bildschirm und stürmt wutentbrannt aus dem Kontrollraum. Der kommandierende Offizier der Militärs hat weniger moralisch-ethische Bedenken als Riki und bestätigt den Auftrag, alle Terroristen auszulöschen (wie schon gesagt, das hättet ihr früher auch haben können). Und ja, doch, ich glaube, ich spüre leichten Anti-Amerikanismus (was ja durchaus im Sinne des japanischen populistischen Zeitgeists ist - die nationalistische japanische Fraktion ist ja seit Ende des WKII durchaus der Ansicht, die jeweiligen Regierungen würden sich zu sehr den amerikanischen Wünschen unterordnen, was nach dieser Lesart eine Demütigung darstellt. Und global chic ist’s ja derzeit auch).